Regierungsbezirk Aurich
| Regierungsbezirk Aurich | |
|---|---|
| Bestandszeitraum | 1885–1978 |
| Zugehörigkeit | 1885–1946 Provinz Hannover 1946–1978 Niedersachsen |
| Sitz | Aurich |
| Fläche | 3131 km² (1977)[1] |
| Einwohner | 423.700 (1977)[1] |
| Bevölkerungsdichte | 132 Einw./km² (1977) |
Der Regierungsbezirk Aurich war ein Regierungsbezirk der preußischen Provinz Hannover und des Landes Niedersachsen. Er umfasste die Region Ostfriesland und bestand von 1885 bis 1978.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Die Geschichte des Regierungsbezirks Aurich geht bis auf das Jahr 1751 zurück. Nachdem 1744 Carl Edzard, der letzte ostfriesische Fürst aus dem Hause Cirksena starb, fiel das Fürstentum Ostfriesland an König Friedrich II. von Preußen. Die Stadt Aurich war Sitz der Landesbehörden und einer Kriegs- und Domänenkammer. 1751 wurde Christoph Friedrich von Derschau als erster preußischer Regierungspräsident von Ostfriesland in Aurich eingesetzt.[2]
1806 musste Preußen infolge des Vierten Koalitionskrieges seine Provinz Ostfriesland an das Königreich Holland abtreten. Von 1810 bis 1813 war Ostfriesland Teil des Kaiserreichs Frankreich. Nachdem die Provinz von 1813 bis 1815 wieder kurzzeitig zu Preußen gehörte, fiel sie nach den Abmachungen des Wiener Kongresses an das Königreich Hannover.
Zur Verwaltung des neu erworbenene Gebietes wurde am 17. Juni 1817 eine Provinzialregierung mit Sitz in Aurich gebildet. 1823 wurde daraus auf Grundlage der Landdrostei-Ordnung vom 18. April 1823 die Landdrostei Aurich als Mittelbehörde des Königreichs Hannover gebildet.
Nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen im Jahre 1867 blieben die hannoverschen Verwaltungsstrukturen zunächst bestehen. 1885 wurde schließlich aus der Landdrostei Aurich der Regierungsbezirk Aurich gebildet. Vorbild waren die bereits in den anderen preußischen Provinzen 1815/1816 errichteten Regierungsbezirke. Gleichzeitig wurde die alte hannoversche Verwaltungsgliederung in Städte und Ämter durch eine Gliederung in Kreise ersetzt.
Der preußische Regierungsbezirk Aurich mit Sitz in der Stadt Aurich stellte eine Mittelbehörde der Verwaltung der Provinz Hannover dar. Er war weitgehend deckungsgleich mit dem ehemaligen Fürstentum Ostfriesland; lediglich das Gebiet der Stadt Wilhelmshaven hatte bis 1853 zum Großherzogtum Oldenburg gehört und bildete bis 1937 eine Exklave des Regierungsbezirks Aurich. Der Regierungsbezirk Aurich bestand bis zum 1. Februar 1978 und ging dann gemeinsam mit dem Regierungsbezirk Osnabrück und dem Verwaltungsbezirk Oldenburg im neuen Regierungsbezirk Weser-Ems auf.
Verwaltungsgliederung [Bearbeiten]
1885 wurde der Regierungsbezirk Aurich in einen Stadtkreis und sechs Landkreise gegliedert:[3]
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1919 wurde die Stadt Wilhelmshaven aus dem Kreis Wittmund ausgegliedert und damit kreisfrei. 1932 wurde der Kreis Weener aufgelöst und in den Kreis Leer eingegliedert; gleichzeitig wurde der Landkreis Emden aufgelöst und in den Kreis Norden eingegliedert. 1937 wurde die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven an das Land Oldenburg abgegeben. Seit 1939 hießen alle Kreise Landkreis.
Zwischen 1972 und 1973 kam es zu mehreren Grenzverschiebungen zwischen den Kreisen des Regierungsbezirks Aurich. Die Gemeinde Gödens aus dem Landkreis Wittmund wurde in die Gemeinde Sande des Landkreises Friesland eingemeindet und schied damit aus dem Regierungsbezirk aus.
1977 wurde der Landkreis Norden aufgelöst und in den Landkreis Aurich eingegliedert. Gleichzeitig wurden die Gemeinden des Landkreises Wittmund mit den Gemeinden Jever, Sande, Schortens, Wangerland und Wangerooge des alten oldenburgischen Landkreises Friesland zu einem neuen Landkreis Friesland zusammengefasst, dessen Kreisstadt Wittmund wurde und der zum Regierungsbezirk Aurich gehörte.
Der Regierungsbezirk Aurich umfasste somit zuletzt die kreisfreie Stadt Emden sowie die drei Landkreise Aurich, Leer und Friesland. Nach seiner Auflösung ging der Regierungsbezirk Aurich am 1. Februar 1978 im neuen Regierungsbezirk Weser-Ems auf. Am 1. Januar 1980 wurden die alten Landkreise Wittmund und Friesland wiederhergestellt.
Landdrosten und Regierungspräsidenten [Bearbeiten]
Regierungspräsidenten der preußischen Provinz Ostfriesland (1751–1814) [Bearbeiten]
- 1751–1785 Christoph Friedrich von Derschau
- 1785–1793 Friedrich Wilhelm von Benicke
- 1793–1806 Reinhard Friedrich von Schlechtendahl
Landdrost im Königreich Holland (1808–1810) [Bearbeiten]
Hannoversche Landdrosten (1818–1866) [Bearbeiten]
- 1818–1823 Hans Burchard Otto von der Decken[5]
- 1823–1824 Christoph Friedrich Wilhelm von Vangerow[6]
- 1824–1831 Johann Caspar von der Wisch[7]
- 1831–1838 Georg Oehlrich[8]
- 1838–1840 Anton Friedrich Christian von Wersebe
- 1841–1857 Carl Detlev Freiherr Marschalck von Bachtenbrock[9]
- 1857–1865 Georg Heinrich Bacmeister[10]
- 1865–1866 Carl Ferdinand Nieper
Preußische Landdrosten (1866–1885) [Bearbeiten]
- 1866–1867 Carl Erxleben
- 1867–1869 Karl August von Guionneau
- 1869–1872 Robert Eduard von Hagemeister
- 1872–1883 Roman von Zakrzewski
- 1883–1885 Adolf von Heppe
Regierungspräsidenten (1885–1978) [Bearbeiten]
- 1885–1887 Adolf von Heppe
- 1887–1890 Axel von Colmar
- 1890–1892 Julian von Hartmann[11]
- 1892–1902 Ludolph Karl Adolf von Estorff
- 1902–1910 Karl Prinz von Ratibor und Corvey
- 1910–1917 Karl Mauve
- 1917–1918 Friedrich von Eichmann
- 1918–1922 Theodor von Heppe
- 1922–1932 Jann Berghaus, wurde 1932 einstweilig in den Ruhestand versetzt
- 1932–1934 Gustav Bansi, vom Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten in Berlin (kommissarisch)
- 1934–1937 Heinrich Refardt, vorher Polizeipräsident in Duisburg-Hamborn
- 1937–1942 Lothar Eickhoff, vom Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern in Berlin
- 1942–1944 Helmut Lambert, vorher Regierungsvizepräsident in Erfurt
- 1944–1944 Gotwin Krieger (vertretungsweise)
- 1944–1945 Hans-Joachim Fischer (vertretungsweise)
- 1945–1951 Mimke Berghaus, Sohn von Jann Berghaus
- 1952–1956 Ludwig Hamann
- 1957–1959 Kurt Heinrichs
- 1960–1974 Hans Beutz
- 1974–1978 vakant
Literatur [Bearbeiten]
- Walter Deeters: Vertrauliche Berichte des Landdrosten Bacmeister aus Aurich 1857-1864. Lax, 1989, ISBN 978-3784824239
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Statistisches Jahrbuch 1978
- ↑ Vgl.: Ernst Kelchner: Derschau, Christoph Friedrich von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 67.
- ↑ Kreisordnung für die Provinz Hannover (1884)
- ↑ Godert Alexander Gerard Philip van der Capellen im Biographischen Lexikon der Stiftung Ostfriesische Landschaft
- ↑ Hans Burchard Otto von der Decken im Biographischen Lexikon der Stiftung Ostfriesische Landschaft
- ↑ Christoph Friedrich Wilhelm von Vangerow im Biographischen Lexikon der Stiftung Ostfriesische Landschaft
- ↑ Michael Wrage: Johann Caspar von der Wisch. im Biographischen Lexikon der Stiftung Ostfriesische Landschaft
- ↑ Georg Heinrich Eduard Öhlrich im Biographischen Lexikon der Stiftung Ostfriesische Landschaft
- ↑ Carl Detlev Frhr. Marschalck von Bachtenbrock auf den Seiten der Stiftung Ostfriesische Landschaft
- ↑ Vgl.: Ferdinand Frensdorff: Bacmeister, Georg Heinrich Justus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 46, Duncker & Humblot, Leipzig 1902, S. 175–180.
- ↑ http://territorial.de/person/h/personha.htm
Weblinks [Bearbeiten]
- Regierungsbezirk Aurich (PDF; 24 kB) auf den Seiten des Historisch-geographischen Informationssystems (HGIS Germany)
- Regierungsbezirk Aurich auf den Seiten von Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945 von Rolf Jehke
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