Regierungsbezirk Gumbinnen

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Verwaltungsgliederung der Provinz Ostpreußen vor dem Ersten Weltkrieg nach der Neuschaffung des Regierungsbezirks Allenstein im Jahr 1905:
  • Regierungsbezirk Königsberg
  • Regierungsbezirk Gumbinnen
  • Regierungsbezirk Allenstein
Verwaltungsgliederung Ostpreußens vor dem Jahr 1905:
  • Regierungsbezirk Königsberg
  • Regierungsbezirk Gumbinnen
Das Regierungsgebäude in Gumbinnen mit dem Denkmal Friedrich Wilhelms I.
(C. F. Keßler, 1844)
Das ehemalige Regierungsgebäude in Gumbinnen
Neue Regierung 2010

Der preußische Regierungsbezirk Gumbinnen lag im äußersten Nordosten Preußens und seit 1871 des Deutschen Reiches. Er bestand von 1808 bis 1945, zunächst unter der Bezeichnung Regierungsbezirk Litthauen zu Gumbinnen. Zusammen mit dem Regierungsbezirk Ostpreußen zu Königsberg war er Bestandteil der Provinz Preußen und umfasste den Osten der Provinz.

Entwicklung der Verwaltungsorganisation[Bearbeiten]

Vorgeschichte und Gründung des Regierungsbezirks[Bearbeiten]

Die Große Pest von 1709 bis 1711 hatte Gumbinnen besonders schwer getroffen. Im Juli 1724 wurde eine Deputation (Außenstelle) der Kriegskammer Königsberg in Gumbinnen eingerichtet. Sie war für die Hauptämter Insterburg, Memel, Ragnit und Tilsit zuständig. Am 19. August 1736 wurde die Deputation in eine eigenständige litthauische Kriegs- und Domänenkammer umgewandelt.[1] Der Regierungsbezirk Gumbinnen entstand durch Umbenennung der litthauischen Kriegs- und Domainenkammer zu Gumbinnen durch das Publikandum vom 16. Dezember 1808.

Landrätliche Kreise (1815)
Gumbinnen
Heydekrug
Insterburg
Johannisburg
Memel
Oletzko
Rastenburg
Stallupönen
Tilsit

Neuordnung der Kreisgrenzen 1819[Bearbeiten]

Der Kreis Memel wurde auf Wunsch der Bürgerschaft der Stadt Memel schon zum 1. September 1816 der Regierung in Königsberg zugeordnet. Zum Ausgleich wurden zahlreiche Kirchspiele im Binnenland dem Gumbinner Bezirk zugewiesen. Sodann wurde die Kreiseinteilung überarbeitet, da die landrätlichen Kreise wegen ihrer zu großen Ausdehnung nicht der Vorgabe entsprachen, wonach es möglich sein sollte, innerhalb eines Tages vom entferntesten Ort des Kreises in die Kreisstadt – und zurück – zu reisen.

In der Regel sollte die größte Entfernung drei Meilen, also knapp 22 km, nicht übersteigen. Da ein Kreis zugleich zwischen 20.000 und 36.000 Einwohnern haben sollte, war der Zuschnitt der Kreise in den dünn bevölkerten „litauischen“ Kreisen recht mühsam, zumal alte Zugehörigkeiten zu berücksichtigen waren.

Nach Abschluss der Neuorganisation der unteren Verwaltungsbehörden bestanden dann seit 1. April 1819 insgesamt die 16 Kreise:

Regierungspräsidenten [1][Bearbeiten]

1809–1813: Theodor von Schön
1813–1816: Georg Heinrich Ludwig Nicolovius
1816–1825: Ernst Ludwig Wlömer
1825–1832: Johann Friedrich Heuer
1832–1839: Thoma
1839–1846: Johann Carl Friedrich Braun
1846–1851: Gustav von Saltzwedel
1851–1859: Fedor Curd von Byern
1859–1864: Eduard Moritz von Kries (1802–1889)
1864–1871: Friedrich Maurach
1871–1874: Robert von Puttkamer
1875–1879: Otto Graf von Westarp [2]
1879–1881: Albrecht von Schlieckmann
1881–1894: Otto Steinmann
1895–1904: Wilhelm von Hegel
1905–1913: Hermann Wilhelm Stockmann
1913–1915: Friedrich Karl Gramsch
1915–1919: Georg Graf von Lambsdorff
1919–1920: Magnus von Braun
1920–1933: Otto Rosencrantz
1933–1945: Herbert Rohde

Entwicklung im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

1896 wurden die Stadt Tilsit und 1901 die Stadt Insterburg kreisfrei, bildeten also eigene Stadtkreise.

Mit Wirkung ab 1. November 1905 wurden die vier südlichen Kreise (Johannisburg, Lötzen, Lyck und Sensburg) vom Regierungsbezirk Gumbinnen abgetrennt und zusammen mit dem Südteil des Bezirks Königsberg zum neuen Regierungsbezirk Allenstein zusammengefasst.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste das deutsche Reich das Memelgebiet abtreten. Die deutsche Verwaltung der nördlich des Flusses Memel liegenden Teils des Regierungsbezirks Gumbinnen endete. Der Landkreis Tilsit ging damit überwiegend verloren, während die Kreise Heydekrug, Niederung und Ragnit sowie der Stadtkreis Tilsit geteilt wurden. Die (wenigen) Gemarkungen des Rest-Kreises Heydekrug wurden 1922 dem Kreis Niederung, der selbst nur 4 Gemeinden eingebüßt hatte, zugeteilt. Der Landkreis Tilsit und der Kreis Ragnit wurden 1922 zum Kreis Tilsit-Ragnit zusammengeschlossen.

1938 wurden im Bezirk Gumbinnen 1146 Namen der insgesamt 1851 Gemeinden „germanisiert“.[3][4]

Als durch Vertrag mit Litauen das Memelgebiet 1939 wieder an das Deutsche Reich zurückgegeben wurde, erhielt der Regierungsbezirk Gumbinnen die Aufsicht über den Stadtkreis Memel sowie die drei memelländischen Landkreise Memel, Heydekrug und Pogegen. Letzterer wurde noch 1939 aufgelöst und die Gemeinden auf die Landkreise Heydekrug und Tilsit-Ragnit verteilt. Abteilungsdirigenten leiteten 1939 die Allgemeine Abteilung (Regierungsvizepräsident Eichhart), die Abteilung für Kirchen und Schulen (Theisen) und die Landwirtschaftliche Abteilung (Karbe).[5]

Letzte Veränderungen im territorialen Bestand des Bezirks ergaben sich aus der Annexion von polnischem Staatsgebiet um Suwalki und Augustow, das als Landkreis Suwalken im November 1939 dem Regierungsbezirk Gumbinnen zugeordnet und im Mai 1941 in Landkreis Sudauen umbenannt wurde. Im Jahre 1943 wurde ein Teil dieses Landkreises an den südöstlich benachbarten und nun ebenfalls annektierten Bezirk Bialystok abgegeben.

Eroberung, Vertreibung und heutige Verwaltung[Bearbeiten]

Die deutsche Verwaltung endete im Winter 1944/45 mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen und der Vertreibung der Deutschen. Der größte Teil des Regierungsbezirks Gumbinnen gehört heute zur Oblast Kaliningrad der Russischen Föderation, im Süden liegen heute die Powiate der Wojewodschaft Ermland-Masuren

Fläche und Bevölkerung[Bearbeiten]

Der ganze Bezirk umfasste 1885 eine Fläche von 15.870 km². Die Einwohnerzahl betrug

  • 1880: 778.422, darunter 756.448 Evangelische, 12.064 Katholische, 4.088 sonstige Christen und 5.791 Juden.
  • 1885: 788.074
  • 1900: 792.240
  • 1910: 804.871 (incl. der 1905 an Allenstein abgegebenen vier Kreise).

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Engels: Die preussische Verwaltung von Kammer und Regierung Gumbinnen (1724–1870). Grote, Köln 1974 (= Studien zur Geschichte Preussens, Bd. 20).
  • Herbert Kirrinnis: Das Regierungsgebäude zu Gumbinnen. In: Preußenland 2 (1964), S. 23.
  • Klaus von der Groeben: Das Land Ostpreußen. Selbsterhaltung, Selbstgestaltung, Selbstverwaltung 1750 bis 1945. Quellen zur Verwaltungsgeschichte Nr. 7. Lorenz-von-Stein-Institut für Verwaltungswissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1993.
  • Rüdiger Döhler: Corpsstudenten in der Verwaltung Ostpreußens. Einst und Jetzt, Bd. 54 (2009), S. 240–246.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Regierungsbezirk Gumbinnen (territorial.de)
  2. Corps Saxo-Borussia Heidelberg
  3. Victor Klemperer: LTI, Seite 87/88, Verlag Philipp Reclam jun., 7. Auflage, 1982.
  4. Victor Klemperer: Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher, Notizen vom 17. November 1942
  5. Preußisches Staatshandbuch, herausgegeben vom Preußischen Staatsministerium für das Jahr 1939, 141. Jg.