Reginald Paget

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Reginald Thomas Guy Des Voeux Paget (auch Du Voeux Paget), Baron Paget of Northampton, (* 2. September 1908; † 2. Januar 1990) war ein englischer Anwalt und Politiker.

Paget, Sohn von Major Thomas Guy Frederick Paget, wurde als Anwalt bekannt durch seine Strafverteidigung des deutschen Feldmarschalls Erich von Manstein in Hamburg im Jahr 1949, dessen Verurteilung wegen Kriegsverbrechen durch ein britisches Militärgericht er allerdings nicht abwenden konnte. Paget versuchte im Prozess den Mord der Einsatzgruppen kleinzureden, ebenso verharmloste er das Schicksals Polens bei dessen Besetzung.[1] Über diesen Prozess schrieb Paget ein Buch: „Manstein: His Campaign and his Trial“ (1957). Auch im Fall von Derek Bentley, einem geistig minderbemittelten 19-Jährigen, der wegen eines Polizistenmordes, den ein Komplize begangen hatte, zum Tode verurteilt wurde (der Komplize erhielt als Minderjähriger eine Haftstrafe), war er sehr engagiert und versuchte vergeblich dessen Hinrichtung, die 1953 stattfand, abzuwenden[2]. Mit Sydney Silverman schrieb Paget über den Fall das Buch „Hanged and innocent?“ (1953). Er war Privy Counselor (PC) und Queen´s Counsel (QC)[3].

1945 bis 1974 saß Paget auch als Labour-Abgeordneter für Northampton im britischen Unterhaus. Dort erwarb er sich den Ruf, der langsamste Sprecher zu sein[4]. In den 1960er Jahren galt er aber auch als Meister in der Kunst rhetorisch verpackter Beleidigungen im britischen Parlament.[5] So äußerte er sich im Rahmen einer Parlamentsdebatte im Rahmen der Suez-Krise vom 14. September 1956 so zu Premierminister Anthony Eden: Es gibt keine Verstellung oder ein Sich-Verstecken beim Premierminister: er ist der originale Banana man: gelb von außen und ein helleres gelb innen (There is no disguise or camouflage about the Prime Minister. He is the original Banana man, yellow outside and a softer yellow inside).[6] In der Profumo-Affäre verteidigte er 1963 zunächst John Profumo, der zurücktreten musste wegen einer Affäre mit der als Callgirl apostrophierten Christine Keeler, bzw. weil er das Parlament in dieser Sache angelogen hatte, und griff danach Quintin Hogg (Lord Hailsham of Marylebone) an, als dieser seinen Ministerkollegen und Parteifreund (sowie Ex-Freund) John Profumo in einem BBC-Fernseh-Interview und im Parlament scharf angriff und sich als „Gewissen“ der Konservativen Partei gerierte. Paget empfand das als Nachtreten auf einen am Boden liegenden Freund und meinte, auf das Übergewicht von Hailham anspielend: „Wenn Sich-Gehen-Lassen einen Mann auf die Gestalt von Lord Hailsham reduziert hat, schließt sexuelle Enthaltsamkeit nicht mehr ein als einen Sinn für das Lächerliche.“[7]

Im Jahr 1975 wurde er als Baron Paget of Northampton zum Peer ernannt. Er wohnte in Lubenham Lodge nahe Market Harborough in der Grafschaft Leicestershire und war seit 1931 mit Sybil Gibbons verheiratet.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Donald M. McKale: Nazis after Hitler : how perpetrators of the Holocaust cheated justice and truth. Lanham, Md. : Rowman & Littlefield, 2012 ISBN 978-1-4422-1316-6 S. 261
  2. 1998 wurde Bentley posthum freigesprochen.
  3. Beides sind Ehrentitel für britische Anwälte. Ein PC hat Anspruch auf die Anrede „The Right Honourable“.
  4. [1]
  5. Charles Hussey The fine art of insult, The New York Times, 5. Januar 1964
  6. Tony Augarde, The Oxford Dictionary of Modern Quotations. Hansard, Parliamentary Debates, 14. September 1956. Manchmal auch fälschlich so zitiert, Eden wäre wie eine überreife Banane, gelb außen, matschig innen (yellow outside, squishy within), z.B. Charles Hussey, The fine art of insult, New York Times, 5. Januar 1964.
  7. Parlamentsrede Pagets in der Profumo-Affäre, 17. Juni 1963. Im Original: „When self indulgence has reduced a man to the shape of Lord Hailsham, sexual continence involves no more than a sense of the ridiculous.“ Hansard, Protokoll der Parlamentsreden, 17. Juni 1963. Das Zitat gilt in Großbritannien als Paradebeispiel für gekonnte politische Beleidigung. Beispielsweise wurde es in die englischen Sammlungen politischen Witzes The fine art of political wit von Leon A. Harris (Dutton 1964) und Cutting Edge von Nick Sheridan (Dent 1984) aufgenommen.