Region (Frankreich)

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Karte der französischen Regionen (mit Überseegebieten)

Die Regionen (französisch régions, Sg. région) sind Gebietskörperschaften (collectivités territoriales) in Frankreich.

Es gibt insgesamt 27 Regionen,[1] davon befinden sich 22 in Europa und 5 sind französische Überseegebiete (France d’outre-mer)Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Mayotte und Réunion.[2] Die in Europa gelegenen Regionen bestehen jeweils aus mehreren Départements, die Übersee-Regionen enthalten jeweils nur ein Übersee-Département. Korsika ist eine Gebietskörperschaft mit Sonderstatus (collectivité à statut particulier).[3]

Die Regionen lassen sich in ihrer Größe mit den deutschen Ländern vergleichen, sind jedoch keine Gliedstaaten mit eigener Verfassung. Ihre Autonomie ist finanzieller, nicht aber gesetzgeberischer Art.

Per 2. Juni 2014 gab François Hollande bekannt, mehrere der bestehenden Regionen zu fusionieren (mögliche Reduzierung: 14 statt 22 Regionen), um die Verwaltung zu entschlacken und somit der Verschuldung Frankreichs entgegenzuwirken.[4] So sollen bis zum Jahr 2017 rund 50 Milliarden Euro eingespart werden.[5]

Aufbau und Funktion[Bearbeiten]

Institutionen[Bearbeiten]

Physische Karte der Regionen

Der von der Zentralregierung ernannte Regionalpräfekt (préfet de région) koordiniert die Tätigkeit der Zentralregierung in der Region. Die Funktion des Regionalpräfekten wird jeweils in Personalunion von dem Präfekten des Départements ausgeübt, in dem sich der Hauptort der Region befindet.

Der Regionalrat (conseil régional) wird alle sechs Jahre direkt gewählt. Während bei den Wahlen der Regionalräte 1986, 1992 und 1998 ein reines Verhältniswahlsystem eingesetzt wurde, wurde zu den Wahlen vom März 2004 ein neues Wahlverfahren eingeführt. Demnach gilt weiterhin ein Verhältniswahlrecht nach Listen, jedoch mit zwei Wahlgängen und einer „Mehrheitsprämie“. Wenn im ersten Wahlgang keine Liste die absolute Mehrheit der Stimmen gewonnen hat, findet ein zweiter Wahlgang statt. An diesem können nur Listen teilnehmen, die im ersten Wahlgang mehr als zehn Prozent der Stimmen erhalten haben. Gleichzeitig erhalten alle Listen, die im ersten Wahlgang mehr als fünf Prozent der Stimmen erhalten haben, die Möglichkeit, mit einer anderen Liste zu fusionieren. Drei Viertel der Sitze des Regionalrats werden proportional unter allen Listen verteilt, die im letzten Wahlgang mehr als fünf Prozent der Stimmen erhalten haben. Die siegreiche Liste mit mehr als 50 Prozent im ersten Wahlgang bzw. der größten Stimmenzahl im zweiten Wahlgang erhält das letzte Viertel der Sitze des Regionalrats zusätzlich.

Der Regionalrat wählt einen Präsidenten (président du conseil régional) sowie mehrere Vizepräsidenten für verschiedene Zuständigkeitsbereiche, die die Selbstverwaltung der Region leiten.

In den Übersee-Regionen existieren jeweils nebeneinander ein Regionalrat und der Generalrat des Départements, die jeweils die den Regionen beziehungsweise den Départements zukommenden Befugnisse ausüben.

Als Gebietskörperschaft mit Sonderstatus hat Korsika nicht die Organe einer Region, sondern eine Versammlung (Assemblée de Corse), die weiterhin nach reinem Verhältniswahlrecht gewählt wird, und einen dieser gegenüber verantwortlichen Exekutivrat (conseil exécutif).

Amtliche Statistik[Bearbeiten]

Die 26 Regionen und Korsika dienen auch als Statistikregionen der Ebene NUTS-2. Auf der übergeordnete Ebene NUTS-1 bestehen neun Zones d’études et d’aménagement du territoire.

Geschichte[Bearbeiten]

Projekt der Regionalisierung auf einer Karte aus dem Jahr 1969

Die heutigen französischen Regionen wurden 1956 als Programmregionen (régions de programme) zur Koordinierung der staatlichen Regionalplanung geschaffen. Ab 1960 trugen sie die Bezeichnung Circonscriptions d’action régionale. 1964 wurden für die Regionen Kommissionen für Regionale wirtschaftliche Entwicklung, Commissions de Développement Économique Régional, geschaffen.

1970 wurde Korsika, das bis dahin Teil der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur-Corse gewesen war, eine eigene Region getrennt von Provence-Alpes-Côte d’Azur.

1972 erhielten die Regionen den Status von établissements publics unter Leitung eines Regionalpräfekten (préfet de région). Die Commissions de Développement Économique Régional wurden mit Wirkung ab 1973 in Regionalräte (conseils régionaux) umbenannt. Die Übersee-Départements erhielten 1972 ebenfalls den Status von Regionen.

1976 wurde das Gebiet um die französische Hauptstadt Paris, das bis dahin die Bezeichnung Région Parisienne trug, unter dem Namen Île-de-France mit den übrigen Regionen gleichgestellt.

Durch die Dezentralisierungsgesetze von 1982 erhielten die Regionen den Status von Gebietskörperschaften (collectivités territoriales), wie ihn bis dahin nur die Gemeinden und die Départements besessen hatten.

Im Jahre 1986 wurden die Regionalräte erstmals direkt gewählt. In den Überseeregionen fanden die ersten Regionalwahlen schon 1983 statt. Seitdem wurden die Befugnisse der Regionen gegenüber denen der Zentralregierung schrittweise erweitert.

Korsika wurde 1982 eine Region mit Sonderstatus und hatte von diesem Jahr an eine direkt gewählte Regionalversammlung. Im Jahre 1991 wurde es eine Gebietskörperschaft mit Sonderstatus nach dem Vorbild Französisch-Polynesiens.

2011 kam Mayotte nach einer Volksabstimmung 2009 als Region (ROM/DOM) hinzu.

Übersichtstabelle der Regionen Frankreichs[Bearbeiten]

Region
Hauptort
Bevölkerung
(Stand)
Fläche
in km²
Flächen-
anteil
inkl.
TOM
in %
Flächen-
anteil an
Frankreich
in Europa
in %
Bevölke-
rungs-
dichte
in
Ew./km²
Brutto-
inlands-
produkt
pro
Kopf[6]
Arbeits-
losen-
quote
in %[7]
Aquitaine
Bordeaux 000000003254233.00000000003.254.233 (2011) 41.283,9 6,5 7,6 000000000000078.800000000078,8 27.562 € 8,7
Auvergne
Clermont-Ferrand 000000001350682.00000000001.350.682 (2011) 26.012,9 4,1 4,8 000000000000051.900000000051,9 25.630 € 8,4
Basse-Normandie
Caen 000000001475684.00000000001.475.684 (2011) 17.589,3 2,8 3,2 000000000000083.900000000083,9 24.813 € 9,0
Bretagne
Rennes 000000003217767.00000000003.217.767 (2011) 27.207,9 4,3 5,0 000000000000118.3000000000118,3 26.547 € 7,7
Bourgogne
Dijon 000000001642734.00000000001.642.734 (2011) 31.582,0 5,0 5,8 000000000000052.000000000052 26.427 € 8,5
Centre
Orléans 000000002556835.00000000002.556.835 (2011) 39.150,9 6,2 7,2 000000000000065.300000000065,3 26.541 € 8,4
Champagne-Ardenne
Châlons-en-Champagne 000000001336053.00000000001.336.053 (2011) 25.605,8 4,0 4,7 000000000000052.200000000052,2 27.835 € 10,0
Elsass (Alsace)
Straßburg (Strasbourg) 000000001852325.00000000001.852.325 (2011) 8.280,2 1,3 1,5 000000000000223.7000000000223,7 28.470 € 8,4
Franche-Comté
Besançon 000000001173440.00000000001.173.440 (2011) 16202,3 2,5 2,0 000000000000072.400000000072,4 25.010 € 9,7
Guyane
Cayenne 000000000237549.0000000000237.549 (2011) 83.533,9 13,6   000000000000002.80000000002,8
Guadeloupe
Basse-Terre 000000000404635.0000000000404.635 (2011) 1.628,4 0,3   000000000000248.5000000000248,5
Haute-Normandie
Rouen 000000001839393.00000000001.839.393 (2011) 12.317,4 1,9 2,3 000000000000149.3000000000149,3 27.990 € 10,2
Île-de-France
Paris 000000011852851.000000000011.852.851 (2011) 12.012,3 1,9 2,2 000000000000986.7000000000986,7 47.155 € 7,8
Korsika (Corse)
Ajaccio 000000000314486.0000000000314.486 (2011) 8.679,8 1,4 1,6 000000000000036.200000000036,2 24.232 € 8,3
Languedoc-Roussillon
Montpellier 000000002670046.00000000002.670.046 (2011) 27.375,7 4,3 5,0 000000000000097.500000000097,5 23.726 € 12,4
Limousin
Limoges 000000000741072.0000000000741.072 (2011) 16.942,3 2,7 3,1 000000000000043.700000000043,7 24.794 € 7,7
Lothringen (Lorraine)
Metz 000000002350657.00000000002.350.657 (2011) 23.547,4 3,7 4,3 000000000000099.800000000099,8 24.606 € 9,9
Martinique
Fort-de-France 000000000392291.0000000000392.291 (2011) 1.128,0 0,2   000000000000347.8000000000347,8
Mayotte
Mamoudzou 000000000212645.0000000000212.645 (2012) 374,0 0,1   000000000000568.6000000000568,6
Midi-Pyrénées
Toulouse 000000002903420.00000000002.903.420 (2011) 45.347,9 7,1 8,3 000000000000064.000000000064 27.384 € 9,0
Nord-Pas-de-Calais
Lille 000000004042015.00000000004.042.015 (2011) 12.414,1 2,0 2,3 000000000000325.6000000000325,6 24.866 € 12,8
Pays de la Loire
Nantes 000000003601113.00000000003.601.113 (2011) 32.081,8 5,0 5,9 000000000000112.2000000000112,2 27.533 € 8,2
Picardie
Amiens 000000001918155.00000000001.918.155 (2011) 19.399,5 3,1 3,6 000000000000098.900000000098,9 23.890 € 10,8
Poitou-Charentes
Poitiers 000000001777773.00000000001.777.773 (2011) 25.809,5 4,1 4,7 000000000000068.900000000068,9 25.259 € 8,9
Provence-Alpes-Côte d’Azur
Marseille 000000004916069.00000000004.916.069 (2011) 31.399,8 4,9 5,8 000000000000156.6000000000156,6 28.949 € 10,3
Réunion
Saint-Denis 000000000828581.0000000000828.581 (2011) 2.503,7 0,4   000000000000330.9000000000330,9
Rhône-Alpes
Lyon 000000006283541.00000000006.283.541 (2011) 43.698,2 6,9 8,0 000000000000143.8000000000143,8 30.601 € 8,6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Regionen Frankreichs – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Code officiel géographique. Documentation. Institut national de la statistique et des études économiques, abgerufen am 2. August 2012 (französisch).
  2. Nadine Dantonel-Cor: Droit des collectivités territoriales. 3e édition. Rosny-sous-Bois: Bréal, 2007. – ISBN 978-2-7495-0784-2, S. 35
  3. Quelles sont les différentes collectivités territoriales ? auf www.vie-publique.fr
  4. „Réformer les territoires pour réformer la France“. Élysée – Présidence de la République. 2. Juni 2014. Abgerufen am 4. Juni 2014.
  5. Bald nur noch 14 statt 22 Regionen in Frankreich?. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). 3. Juni 2014. Abgerufen am 4. Juni 2014.
  6. Insee 2008
  7. Zweites Trimester 2009, in Prozent, Quelle: Insee 2009