Hypnotische Regression

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Die hypnotische Regression, auch Altersregression ist eine Anwendung der Hypnose, bei der die Versuchsperson ein früheres Lebensalter nochmals durchlebt und die in dem entsprechenden Lebensalter wahrgenommenen Gefühle durchläuft.

Es kann dabei unterschieden werden zwischen

  • einem in der Hypnose verwendeten Verfahren zur Analyse und Darstellung von Kindheitserlebnissen und
  • einem natürlichen Prozess des inneren Zurückgehens bei wachem Bewusstsein, zur Integration konkreter unbewältigter Kindheitserlebnisse.

Hypnotisches Verfahren[Bearbeiten]

Hier wird der Proband in eine mittlere bis tiefe Trance versetzt. In diesen Stadien ist es dem Therapeuten (bzw. dem Patienten) theoretisch möglich, auf Kindheitserinnerungen zuzugreifen, die sich dem Bewusstsein des Probanden entziehen. Meistens geschieht dies laut Sigmund Freud aufgrund von Traumata oder anderen Ereignissen, die der Patient unbewusst abwehrt. Die dann gefundenen Erinnerungen können bewusst gemacht und zur weiteren Verwendung in der Therapie dienen.

Dieses Erinnern in Trance kann unterschiedliche Wahrheitskriterien aufweisen. Sie reichen von einem halbbewussten Inszenieren von teilweise nicht real erlebten Ereignissen bis hin zu einer Reaktualisierung tatsächlicher Kindheitserlebnisse mit den typischen altersbedingten Charakteristika. Dies können frühere Reflexe (Greif-, Saug-, Babinski-Reflex) sein, wie auch die alterstypischen Formen des Denkens und der Objektbeziehungen, sowie Pulsfrequenz oder Augenkoordination. Besonders bemerkenswert ist die als Folge der Altersregression auftretende Hypermnesie (das gesteigerte Erinnerungsvermögen) bezüglich Begebenheiten, die dabei vergegenwärtigt werden. (Ein Beispiel dafür ist die selbstverständliche Kenntnis des Wochentags des „soeben neu erlebten 7. Geburtstags“.) Diese wird jedoch durch neue Erkenntnisse in diesem Gebiet in Frage gestellt.

Anwendung kann dieses Verfahren finden in der Hypnotherapie, der Psychoanalyse oder in der Traumatherapie. Vorsicht ist geboten bei unsachgemäßer Anwendung durch Laien.

Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Erinnerung[Bearbeiten]

Wenn ein Therapeut einen Klienten in eine Regression führt, dann steht die Frage nach dem Wahrheitsgehalt zunächst nicht zur Diskussion. Der Therapeut hat dabei nur die Aufgabe, die aufsteigenden Bilder und Gefühle zu fokussieren und den Klienten dabei zu unterstützen.

Die Hypnotische Regression wurde in den 1990er Jahren in den USA sehr häufig angewandt. Michael Yapko beschreibt in seinem Buch, dass durch suggestive Fragen und unvorsichtiges Vorgehen der Therapeuten in einigen Fällen Bilder von sexuellem Missbrauch bei den Klienten suggeriert wurden und viel zu schnell als Tatsache angenommen wurden. Die Frage, ob die in der Regression gesehenen Bilder auch der Wahrheit entsprechen, wurde oft nicht gestellt. Bevor die Klienten dazu ermutigt werden, ihre Familienmitglieder mit schweren Vorwürfen zu konfrontieren, muss die Wahrheitsfrage gestellt werden. Wenn den Angehörigen aufgrund einer Fehldiagnose der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gemacht wird, dann wird die Familienbeziehung extrem belastet und in vielen Fällen sogar völlig zerstört. Die Neurose des Klienten wird dann durch den Therapeuten noch weiter verstärkt. [1]

Nutzung des natürlichen Prozesses[Bearbeiten]

Bei der Regression als natürlichem Prozess wird diese menschliche Fähigkeit therapeutisch genutzt. Selbstbestimmt, in dem Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens in die Therapiesituation, wird dem Patienten ermöglicht, Körpersymptome, Gefühle, Gedanken, innere Bilder oder Symbole in einen logischen Zusammenhang zu seiner Lebensgeschichte zu bringen. Tief verdrängte Erlebnisse selbst der Pränatalzeit und Geburt können bewusst werden und lassen sich so integrieren. Einzelne körperliche, emotionale oder kognitive Symptome, die sich während der Regression (ohne Hypnose) einstellen, erweisen sich fast immer als Folge psychischer und/oder physischer Überforderungen infolge unglücklicher Umstände oder Gewalthandlungen, Vernachlässigung oder Ablehnung seit frühester Kindheit. In der therapeutischen Situation wird davon ausgegangen, dass nur dasjenige abgerufen werden kann, was auch neurologisch ab der Zeugung vom Wahrnehmungssystem des Gehirns aufgezeichnet wurde.

Zweifelhafte Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

Bei einer Vielzahl von Behandlungsmethoden, die die Hypnotische Regression verwenden, ergeben sich Erinnerungen, die bereits aufgrund ihrer Inhalte Zweifel an der Methode wecken. So werden auch Rückholungen von Erinnerungen an eine vermeintliche Entführung durch Außerirdische eingesetzt. Bei einer Reinkarnationstherapie wird die Hypnotische Regression dazu verwendet, Bilder und Eindrücke von früheren Reinkarnationen oder zukünftigen Leben ins Bewusstsein zu rufen. Wo bei diesen mit Hypnose und Suggestion herbeigeführten Erlebnissen Illusion und Realität liegt, ist unbestimmt. Es ist kein einziger Fall bekannt, in dem durch Hypnotische Regression bisher unbekannte Informationen übermittelt wurden. Keine einzige bisher durchgeführte Rückführung hat bislang eine unbekannte Sprache der Antike entschlüsselt oder einen Hinweis auf eine versunkene Stadt gegeben. [2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Irene Behrmann (2011): Zurück ins Leben. Erfahrungen mit der ambulanten Regressionstherapie. Berlin 2002: Leutner. ISBN 393439115X
  • Irene Behrmann, Marianne Sturm (2008): 'Leben und Geburt'. Regressionstherapeutische Dokumente. Mattes Verlag Heidelberg. ISBN 978-3-86809-012-3
  • Joachim Bauer: Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern. München 2004: Piper. ISBN 3492241794
  • Elizabeth Loftus: "The Reality of Repressed Memories", 1993 in: American Psychologist 48, S. 518-537.
  • Elizabeth Loftus, Katherine Ketcham: "The Myth of Repressed Memory: False Memories and Allegations of Sexual Abuse", St. Martin's Press New York 1994, ISBN 0312114540
  • Michael R. Nash: "Memory Distortion and Sexual Trauma: The Problem of False Negatives and False Positives.", 1994 in: International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis 42, S. 346-362.
  • Spanos, Nicholas P.; Burgess, Cheryl A.; Burgess, Melissa Faith: "Past-life Identity, UFO Abductions, and Satanic Ritual Abuse: The Social Construction of Memories", 1994 in: The International Journal fo Clinical and Experimental Hypnosis. XLII (4), S. 433-446.
  • Critchlow, Stephen: "False Memory Syndrome: Balancing the Evidence For and Against", 1998 in: Irish Journal of Psychological Medicine 15 (2), S. 64-67
  • Hans Crombag, Harald Merkelbach: „Missbrauch vergißt man nicht. Erinnern und Verdrängen - Fehldiagnosen und Fehlurteile.“, Verlag Gesundheit Berlin 1997, ISBN 3333010038
  • Daniel L. Schacter: „Wir sind Erinnerung. Gedächtnis und Persönlichkeit.“, Rowohlt 1999, ISBN 3498063243
  • Dallam; Stephanie: "Crisis or Creation?: A Systematic Examination of ‚False Memory Syndrome", 2000 in: Journal of Child Sexual Abuse 9 (3/4), S. 9-36.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Michael D. Yapko: Fehldiagnose: Sexueller Missbrauch, Droemer Knaur 1996, ISBN 3426840898
  2. Helmut Zander: Geschichte der Seelenwanderung in Europa: Alternative religiöse Traditionen von der Antike bis heute. Seite 572f. 1., Aufl. (1. Oktober 1999), ISBN 3534146018
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