Reichartshausen

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Reichartshausen im Rhein-Neckar-Kreis. Für den gleichnamigen Stadtteil von Amorbach siehe Amorbach und für das Schloss im Rheingau siehe Schloss Reichartshausen.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Reichartshausen
Reichartshausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Reichartshausen hervorgehoben
49.3569444444448.9444444444444228Koordinaten: 49° 21′ N, 8° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Höhe: 228 m ü. NHN
Fläche: 10 km²
Einwohner: 2046 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 205 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74934
Vorwahl: 06262
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 066
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 3
74934 Reichartshausen
Webpräsenz: www.reichartshausen.de
Bürgermeister: Otto Eckert
Lage der Gemeinde Reichartshausen im Rhein-Neckar-Kreis
Bayern Hessen Rheinland-Pfalz Heidelberg Heilbronn Landkreis Heilbronn Landkreis Karlsruhe Mannheim Neckar-Odenwald-Kreis Eberbach Altlußheim Angelbachtal Bammental Brühl (Baden) Dielheim Dossenheim Eberbach Eberbach Eberbach Edingen-Neckarhausen Edingen-Neckarhausen Epfenbach Eppelheim Eschelbronn Gaiberg Heddesbach Heddesheim Heiligkreuzsteinach Helmstadt-Bargen Hemsbach Hirschberg an der Bergstraße Hockenheim Ilvesheim Ketsch Ladenburg Laudenbach (Bergstraße) Leimen (Baden) Leimen (Baden) Lobbach Malsch (bei Wiesloch) Mauer (Baden) Meckesheim Mühlhausen (Kraichgau) Neckarbischofsheim Neckargemünd Neidenstein Neulußheim Nußloch Oftersheim Plankstadt Rauenberg Reichartshausen Reilingen Sandhausen St. Leon-Rot Schönau (Odenwald) Schönbrunn (Baden) Schriesheim Schwetzingen Schwetzingen Sinsheim Spechbach Waibstadt Walldorf (Baden) Weinheim Weinheim Wiesenbach (Baden) Wiesloch Wilhelmsfeld ZuzenhausenKarte
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Ortsmitte mit Dorfbrunnen

Reichartshausen ist eine Gemeinde mit etwa 2000 Einwohnern im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört dem Gemeindeverwaltungsverband Waibstadt und der Tourismusregion Brunnenregion an.

Geografie[Bearbeiten]

Lage und Naturraum[Bearbeiten]

Reichartshausen liegt im Übergangsgebiet von Kraichgau und Odenwald, im sogenannten Kleinen Odenwald, im Norden von Baden-Württemberg, etwa 15 km von Sinsheim entfernt. Nachbarorte sind Schönbrunn im Norden, Aglasterhausen im Osten, Helmstadt-Bargen im Südosten, Epfenbach im Südwesten und Lobbach im Westen.

Die Gemarkung erstreckt sich zwischen 196 und 380 Metern Höhe und umfasst 1000 Hektar. Davon sind 12,6 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 47,0 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 39,7 Prozent sind bewaldet.[2]

Reichartshausen hat Anteil am Landschaftsschutzgebiet Neckartal I – Kleiner Odenwald. Die reliefreiche Mittelgebirgslandschaft wurde 2002 aufgrund ihrer Schönheit, Vielfalt und Eigenart unter Schutz gestellt und gehört zum Naturpark Neckartal-Odenwald.[3]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Reichartshausen gehören die Häuser Reichartshauser Jagdhaus und Reichartshauser Mühle (Hacksmühle).[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Reichartshausen wurde im Jahre 1100 als Richardshusen erstmals urkundlich erwähnt, die Gründung des Ortes datiert vermutlich jedoch in alemannische Zeit zurück. Das Dorf war Sitz des Zentgerichts der sogenannten Reichartshauser oder Stüber Zent und kam mit dieser 1367 zur Kurpfalz und wurde dem Unteramt Dilsberg unterstellt, das später zum Oberamt Heidelberg gehörte. Die Ortsherrschaft wechselte vielfach.

1803 gelangte Reichartshausen zu Baden, wo es 1810 dem Bezirksamt Neckarbischofsheim und 1864 dem Bezirksamt Sinsheim eingegliedert wurde. 1939 wurden 829 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 989.[5]

Im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform wurde 1973 der Landkreis Sinsheim aufgelöst und die Gemeinde dem neugebildeten Rhein-Neckar-Kreis angegliedert. Reichartshausen schloss sich dem Gemeindeverwaltungsverband Waibstadt an. Das Wachstum der Gemeinde war begleitet von Infrastrukturmaßnahmen wie dem Bau eines Freibades, einer Festhalle und eines Jugendzeltplatzes. Im Jahr 2000 wurde das 900-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung gefeiert. 2004 hatte Reichartshausen erstmals mehr als 2000 Einwohner.

Religionen[Bearbeiten]

1522 wurde in Reichartshausen die Reformation eingeführt. Erst durch den Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der katholische Anteil der Bevölkerung, so dass 1966 die Kirche auf dem Hornberg gebaut werden konnte. Die evangelische Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Kraichgau der Evangelischen Landeskirche in Baden und die katholische Gemeinde zum Dekanat Kraichgau des Erzbistums Freiburg.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1871 1890 1910 1939 1950 1961 1970 1987 2000 2008
Einwohner[6] 803 861 888 829 1221 1226 1457 1611 1853 2038

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Reichartshausen hat 12 Mitglieder. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Vorsitzender. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgendes Ergebnis:[7]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 57,8 % (2009: 61,8 %)
 %
50
40
30
20
10
0
49,1 %
24,4 %
16,4 %
10,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-1,8 %p
-2,7 %p
-5,6 %p
+10,1 %p
2
1
6
3
Von 12 Sitzen entfallen auf:

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für acht Jahre direkt gewählt. Otto Eckert amtiert seit 1994.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Silber auf grünem Schildfuß ein rotes Haus, der Mittelteil turmartig erhöht und mit schwarzem Kreuz auf dem spitzen Dach.

Das Wappen, das 1901 vom Generallandesarchiv vergeben wurde, geht zurück auf ein Gerichtssiegel, das seit 1752 nachweisbar ist. Die Bedeutung ist nicht geklärt. Es könnte als redendes Wappen auf den Ortsnamen hinweisen. Eine andere Deutung wäre eine Symbolisierung für das Rathaus, in dem das Zentgericht tagte.

Die Flagge ist Grün-Weiß und wurde 1956 vom Innenministerium verliehen.[8]

Partnerschaften[Bearbeiten]

Reichartshausen pflegt seit 3. Oktober 1990 partnerschaftliche Beziehungen zum Ortsteil Neudorf/Spree der Gemeinde Malschwitz in Sachsen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Evangelische Kirche (2014)

Die evangelische Kirche stammt von 1772 und wurde 2000 renoviert. Sehenswert ist die barocke Kanzel der Kirche, der Innenraum ist mit schlichten Gemälden weiterer Kirchen der Umgebung geschmückt.

Die Ortsmitte von Reichartshausen wird geprägt von mehreren, teils historischen Brunnen, die vom barocken Pfarrhaus und weiteren ebenso barocken Gebäuden umgeben sind.

Das Rathaus ist ein außerhalb des historischen Siedlungskerns errichteter moderner Zweckbau, das Schulhaus wurde 1891 errichtet und 1950 erweitert.

Kanzel in der Kirche

Die Karl-Ludwigs-Eiche soll der Überlieferung nach auf Kurfürst Karl Ludwig zurückgehen. Er steckte um 1650 bei einem Jagdausflug eine Eichel in den Boden, nachdem sie ihm auf das Essen gefallen sein soll. In Reichartshausen gibt es neben mehreren Wanderwegen auch einen Waldzeltplatz und ein beheiztes Freibad. Bis vor einigen Jahren gab es in Reichartshausen auch einen schönen Park in welchem die historische Galgensäule stand. Dieser wurde aber im Zuge der "Dorfgerechten Ortskernsanierung" verkauft.


Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Südöstlich von Reichartshausen verläuft die Bundesstraße 292, die über Sinsheim Anschluss an die A 6 herstellt. In die umliegenden Ortschaften führen Buslinien. Reichartshausen gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

Medien[Bearbeiten]

Über das lokale Geschehen berichtet die Rhein-Neckar-Zeitung. Das Nachrichtenblatt des Gemeindeverwaltungsverbandes Waibstadt erscheint wöchentlich.

Bildung[Bearbeiten]

In Reichartshausen gibt es eine Grundschule, eine evangelische öffentliche Bücherei und eine Außenstelle der Volkshochschule Sinsheim. Für die jüngsten Einwohner bestehen zwei Kindergärten. Weiterführende Schulen können in Epfenbach, Waibstadt und Neckarbischofsheim besucht werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Mayer (Hrsg.): Chronik des Dorfes Reichartshausen. Reichartshausen 1948
  • Gemeinde Reichartshausen (Hrsg.): Heimatbuch Reichartshausen. Reichartshausen 2000, ISBN 3-929295-65-2
  • Adolf M. Hirn, Gabriele Süskind (Red.), Jürgen Schütz (Hrsg.): Der Rhein-Neckar-Kreis. Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0597-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reichartshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 31. Dezember 2004
  3. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
  4. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 422–423
  5. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden
  6. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  7. Statistisches Landesamt Baden-Wuerttemberg
  8. Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 98