Reichelsheim (Odenwald)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Reichelsheim (Odenwald)
Reichelsheim (Odenwald)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Reichelsheim (Odenwald) hervorgehoben
49.7148611111118.8395833333333211Koordinaten: 49° 43′ N, 8° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Odenwaldkreis
Höhe: 211 m ü. NHN
Fläche: 58,21 km²
Einwohner: 8551 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 147 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 64385,
64753 (Wünschbach)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 06164
06063 (Spreng)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: ERB
Gemeindeschlüssel: 06 4 37 013
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bismarckstraße 43
64385 Reichelsheim
Webpräsenz: www.reichelsheim.de
Bürgermeister: Stefan Lopinsky (RWG)
Lage der Gemeinde Reichelsheim (Odenwald) im Odenwaldkreis
Breuberg Höchst im Odenwald Lützelbach Bad König Brensbach Brombachtal Fränkisch-Crumbach Reichelsheim (Odenwald) Mossautal Michelstadt Erbach (Odenwald) Hesseneck Beerfelden Sensbachtal Rothenberg Landkreis Darmstadt-Dieburg Bayern Baden-Württemberg Baden-Württemberg Kreis Bergstraße Kreis Bergstraße Kreis BergstraßeKarte
Über dieses Bild

Reichelsheim (Odenwald) ist eine Gemeinde im Odenwaldkreis in Hessen (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Reichelsheim liegt im mittleren Odenwald in 200 bis 538 Meter Höhe inmitten des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Reichelsheim grenzt im Norden an die Gemeinden Fränkisch-Crumbach, Brensbach und Brombachtal, im Osten an die Stadt Michelstadt und die Gemeinde Mossautal (alle im Odenwaldkreis), im Süden an die Gemeinde Fürth sowie im Westen an die Stadt Lindenfels (beide Kreis Bergstraße).

Ortsansicht

Gliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören neben dem Ort Reichelsheim die dreizehn Ortsteile Beerfurth (bestehend aus Kirch-Beerfurth und Pfaffen-Beerfurth), Bockenrod, Eberbach, Erzbach, Frohnhofen, Gersprenz, Gumpen (bestehend aus Groß-Gumpen und Ober-Klein-Gumpen), Klein-Gumpen, Laudenau, Ober-Kainsbach mit den Weilern Wünschbach, Spreng und Vierstöck, Ober-Ostern, Rohrbach und Unter-Ostern. Reichelsheim ist neben Heidenrod die hessische Gemeinde mit der größten Zahl von Ortsteilen.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals wurde die Gemeinde 1303 urkundlich erwähnt.

In der Zeit der Hexenverfolgungen wurden von 1653 bis 1658 Hexenprozesse in Reichelsheim durchgeführt: 58 Einwohner wurden der Hexerei bezichtigt, grausam gefoltert und hingerichtet.

Im April 1744 wird die erste Poststation in Reichelsheim eröffnet und der Centgraf Georg Sebastian Willenbücher zum Kaiserlichen Posthalter bestellt. Mit Bestallungsurkunde von Thurn und Taxis vom 8. Dezember 1843 wurde der Ortseinnehmer Friedrich Volk zum Posthalter ernannt und am 1. Januar 1844 eine Brief- und Fahrpostexpedition in der Heidelberger Straße errichtet. Ab 1. Januar 1852 gab es in Reichelsheim erste Postwertzeichen (Briefmarken) von Thurn und Taxis mit der Währung Kreuzer und Gulden. Seit 1852 gab es eine regelmäßige Postkutsche, den Reichelsheim-Darmstädter Eilwagen.

Am 27. November 1872 wurde der Spar- und Creditverein als eingetragene Genossenschaft gegründet und am 5. Januar 1873 in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Fürth (Odenwald) eingetragen. Durch Namensänderungen und Fusionen ist die Volksbank in Reichelsheim heute eine Geschäftsstelle der Volksbank Odenwald in Michelstadt. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die erste Agentur der Spar- und Leihkasse Erbach (Sparkasse) in Reichelsheim eröffnet.

Im Jahr 1880 war in Reichelsheim ein Telegraphenapparat im Postamt vorhanden, über den 257 Telegramme aufgegeben und 333 Telegramme empfangen wurden (Erbacher Kreisblatt Nr. 10 vom 2. Februar 1881). Ab 13. November 1899 war Reichelsheim an das Telefonnetz mit einer öffentlichen Fernsprechstelle angeschlossen (Erbacher Kreisblatt Nr. 135 vom 18. November 1899).

Reichelsheim war vom 10. Oktober 1887 bis August 1964 der Endpunkt der Bahnstrecke Reinheim-Reichelsheimer-Eisenbahn. Ab 1893 wurde in Reichelsheim eine zentrale Trinkwasserversorgung geschaffen. Am 4. Juli 1927 wurde das erste Schwimmbad eingeweiht.

Im Jahr 1903 errichtete Frau Helene Göttmann am Flutgraben ein Kohlekraftwerk zur elektrischen Beleuchtung ihrer Heilanstalt. Ab 1910 hatte Reichelsheim eine elektrische Straßenbeleuchtung.

Am 1. April 1904 wurde das Grossherzogliche Amtsgericht Reichelsheim in der Bismarckstraße eröffnet. Der Amtsgerichtsbezirk Reichelsheim wurde am 1. Juli 1968 aufgelöst und dem Amtsgerichtsbezirk Michelstadt zugeteilt. Seit 1973 dient das Amtsgerichtsgebäude als Rathaus von Reichelsheim.[2]

Am 1. Januar 1975 wurde der Name der Gemeinde amtlich von Reichelsheim i. Odw. in Reichelsheim (Odenwald) geändert.[3]

Dem Ort wurde 1986 das Prädikat staatlich anerkannter Luftkurort verliehen. Dieses wurde jedoch 2011 wieder aberkannt.[4]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Februar 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Eberbach, Frohnhofen und Unter-Ostern eingegliedert. Am 1. Juli 1971 kam Laudenau, das bis dahin zum Landkreis Bergstraße gehörte, hinzu. Erzbach, Gumpen (am 1. Januar 1968 durch den Zusammenschluss von Ober-Gumpen und Ober-Klein-Gumpen entstanden), Klein-Gumpen, Ober-Ostern und Rohrbach folgten am 31. Dezember 1971. Mit der Eingliederung von Beerfurth, das am 1. Dezember 1970 durch den Zusammenschluss der Vorläufergemeinden Kirch-Beerfurth und Pfaffen-Beerfurth entstanden war und am 1. Februar 1971 Bockenrod und Gersprenz aufnahm, sowie Ober-Kainsbach wurde die Reihe der Eingemeindungen am 1. August 1972 abgeschlossen.[3]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Kommunalwahl in Reichelsheim 2011
 %
60
50
40
30
20
10
0
51,4 %
42,8 %
5,9 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+10,3 %p
-3,0 %p
-1,6 %p
-5,6 %p

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[5]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU-RWG Christlich Demokratische Union Deutschlands – Reichelsheimer Wähler-Gemeinschaft 51,4 16 41,1 13
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 42,8 13 45,8 14 45,8 14
FDP Freie Demokratische Partei 5,9 2 7,5 2 4,6 1
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 5,6 2 6,4 2
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 24,4 8
RWG Reichelsheimer Wähler-Gemeinschaft 18,8 6
Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 53,8 55,2 62,0

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Wahl zum Bürgermeister konnte sich 2008 Stefan Lopinsky (RWG) mit 61,2 Prozent der Stimmen durchsetzen.

  • 1990–2008: Gerd Lode (SPD)
  • 1960-1990: Helmut Born (RWG)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Auf goldenem Boden in Rot unter drei nebeneinander stehenden sechsstrahligen Sternen drei goldene Eichbäume, dazwischen zwei goldene Eichenschößlinge.“

Dieses Bild stammt aus dem Gerichtssiegel des 17. Jahrhunderts, das 1914 wieder aufgefunden worden ist. Die Sterne verweisen auf die Landesherrschaft der Grafen von Erbach, die Bäume sollten wohl die Lage des Dorfs im Odenwald versinnbildlichen. 1923 wurde das Wappen vom hessischen Innenminister in der von Hupp empfohlenen Tingierung verliehen.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Märchen- und Sagentage[Bearbeiten]

Seit 1995 finden jährlich am letzten Wochenende im Oktober die Reichelsheimer Märchen- und Sagentage mit Verleihung des Wildweibchenpreises statt. Viele mittelalterliche Aufbauten und Bekleidungen sind zu bewundern.

Regionalmuseum[Bearbeiten]

Untergebracht im ehemaligen Rathaus von 1554, Deutschlands ältestem Fachwerk-Rathaus mit der Mannform als Verstrebungsfigur. Ausstellungsschwerpunkte sind der Bergbau, typische Handwerke wie Lebkuchenbäckerei, Gäulchesmacher (Holzschnitzer für Pferde), Schindler und Schuhmacher sowie das frühere Dorfschulwesen und die ehemalige Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn („Odenwälder Lieschen“).

Für Details zum Bergbau, siehe: Liste von Bergwerken im Odenwald.

Schloss Reichenberg
Schloss Reichenberg Eingang

Schloss Reichenberg[Bearbeiten]

Das heutige Schloss Reichenberg entstand als Burg Richenburg im 13. Jahrhundert, erstmals urkundlich erwähnt im Jahre 1307. Bemerkenswert ist das Herrenhaus (Palas). Der Palas wurde wegen seines gekrümmten Grundrisses der Krumme Bau genannt.

Hier wurde am 14. Februar 1776 der spätere Naturforscher Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck geboren. Er war Freund Goethes, Mitbegründer der Universität Bonn und des Botanischen Gartens Bonn, 40 Jahre lang Präsident der Leopoldina und Direktor des Botanischen Gartens in Breslau, wo er am 16. März 1858 verstarb.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Burg in wechselndem adligen Besitz. Von 1876 bis 1924 wurde die nun Schloss Reichenberg genannte Anlage als Privatschule für Knaben der gehobenen Stände genutzt. Danach übernahm die Familie Siefert vom Frohnhof das Schloss. Sie verkaufte 1963 einige Gebäude als Ferienheim an die Deutsche Bundespost.

Im Juli 1979 kaufte die ökumenische Kommunität Offensive Junger Christen (OJC) das Schloss Reichenberg. Sie baute es zu einer (öffentlich zugänglichen) internationalen Begegnungs- und Tagungsstätte mit Schlosscafé um. Der obere ältere Teil des Schlosses, der sogenannte Krumme Bau, wird zur Zeit renoviert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Bundesstraßen 47 (Nibelungenstraße zwischen Michelstadt und Worms) und 38 (zwischen Roßdorf bei Darmstadt und Weinheim/Mannheim), die gemeinsam durch Reichelsheim führen, ist die Gemeinde an das Verkehrsnetz angeschlossen. Die Bahnlinie nach Reinheim ist abgebaut. Busverbindungen nach Bensheim, Fürth i. Odw., Reinheim und Michelstadt schaffen Anschluss ans öffentliche Schienennetz (DB und Odenwaldbahn).

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Behörden[Bearbeiten]

In Reichelsheim befindet sich ein Polizeiposten, der zum Polizeirevier Erbach/Odenwald gehört.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Reichelsheim besitzt Partnerschaften seit Mitte der 1990er Jahre mit dem französischen Dol-de-Bretagne Cherrueix, seit 2010 mit dem ungarischen Nagymányok und dem polnischen Jablonka.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Reichelsheim im Odenwald 700 Jahre. Vom Marktflecken zur Großgemeinde. ISBN 3-00-010145-4.
  3. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 357 bis 359.
  4.  77. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 17. November 2011. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 7, 2012, ISSN 0724-7885, S. 221.
  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  6. Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland Band 3 Die Gemeindewappen des Landes Hessen Seite 76 von Klemens Stadler erschienen 1967 im Angelsachsen-Verlag Bremen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reichelsheim (Odenwald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien