Reichenau an der Rax

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Reichenau an der Rax
Wappen von Reichenau an der Rax
Reichenau an der Rax (Österreich)
Reichenau an der Rax
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Neunkirchen
Kfz-Kennzeichen: NK
Fläche: 89,22 km²
Koordinaten: 47° 42′ N, 15° 50′ O47.69944444444415.84484Koordinaten: 47° 41′ 58″ N, 15° 50′ 24″ O
Höhe: 484 m ü. A.
Einwohner: 2.613 (1. Jän. 2013)
Postleitzahlen: 2651, 2654
Vorwahl: 02666
Gemeindekennziffer: 3 18 29
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 63
2651 Reichenau an der Rax
Website: www.reichenau.at
Politik
Bürgermeister: Johann Leopold Ledolter (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(21 Mitglieder)
14
4
2
1
14 
Von 21 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Reichenau an der Rax im Bezirk Neunkirchen
Altendorf Aspang-Markt Aspangberg-St. Peter Breitenau Breitenstein Buchbach Bürg-Vöstenhof Edlitz Enzenreith Feistritz am Wechsel Gloggnitz Grafenbach-St. Valentin Grimmenstein Grünbach am Schneeberg Höflein an der Hohen Wand Kirchberg am Wechsel Mönichkirchen Natschbach-Loipersbach Neunkirchen (Niederösterreich) Otterthal Payerbach Pitten Prigglitz Puchberg am Schneeberg Raach am Hochgebirge Reichenau an der Rax Scheiblingkirchen-Thernberg Schottwien Schrattenbach Schwarzau am Steinfeld Schwarzau im Gebirge Seebenstein Semmering St. Corona am Wechsel St. Egyden am Steinfeld Ternitz Thomasberg Trattenbach Warth Wartmannstetten Willendorf Wimpassing im Schwarzatale Würflach Zöbern NiederösterreichLage der Gemeinde Reichenau an der Rax im Bezirk Neunkirchen (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Reichenau um 1900
Blick auf die Ortsteile Hirschwang und Reichenau von der Raxalpe (2010)
Kurhaus um 1900

Reichenau an der Rax ist eine Marktgemeinde und Luftkurort zur Sommerfrische mit 2613 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2013) in Niederösterreich an den Ausläufern der Wiener Alpen gelegen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 15 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Dörfl (134)
  • Edlach an der Rax (304)
  • Griesleiten (30)
  • Großau (54)
  • Grünsting (49)
  • Hinterleiten (55)
  • Hirschwang an der Rax (423)
  • Kleinau (24)
  • Mayerhöfen (12)
  • Oberland (6)
  • Prein an der Rax (191)
  • Preinrotte (52)
  • Reichenau an der Rax (1313)
  • Sonnleiten (34)
  • Thonberg (14)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Grünsting, Hirschwang, Hirschwanger Forst, Klein- und Großau, Prein und Reichenau.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde mit ihren einzelnen Orten liegt am Fuß der Rax auf 484 bis 680 m Seehöhe. Die Flüsse durch das Gemeindegebiet sind die Schwarza, der Preinbach und der Grünstingbach.

Der Ort Reichenau liegt etwa zwei Kilometer abseits der Südbahn. Es gibt einen gemeinsamen Bahnhof mit Payerbach, von dem werktags halbstündlich Züge nach Wien Südbahnhof verkehren (Fahrzeit ca. 1 h 10 min). Der Name der Station ist Payerbach-Reichenau.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Schwarzau im Gebirge Puchberg am Schneeberg Bürg-Vöstenhof
Kapellen
(Stmk., Bez. Bruck-Mürzzuschlag)
Nachbargemeinden Payerbach
Breitenstein

Die Rax[Bearbeiten]

Die Rax ist ein Gebirgsmassiv mit Hochplateau, das zusammen mit dem Schneeberg den nordöstlichsten Ausläufer der Kalkalpen bildet. Der Berg ist 2007 m hoch, der höchste Punkt heißt Heukuppe. Gasthäuser bzw. Hütten auf der Rax sind Raxalpen-Berggasthof, Otto-Schutzhaus, Seehütte, Habsburghaus, Karl-Ludwig-Haus, Waxriegelhaus sowie die Edelweißhütte am Preiner Gscheid.

Von Hirschwang auf das Plateau führt die Raxseilbahn, die 2160 m lang ist und einen Höhenunterschied von 1017 m überwindet. Die 1925 errichtete Raxseilbahn ist die erste Personen-Seilschwebebahn Österreichs in den heutigen Grenzen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort Reichenau wurde vor allem in der österreichisch-ungarischen Monarchie als Nobelkurort bekannt. Seit der 1842 erfolgten Erschließung der Region durch den Bau der Südbahn entwickelte sich Reichenau zu einer Sommerfrische des Wiener Adels und Großbürgertums. Der mondäne Charakter des Ortes wurde 1870/72 durch die Errichtung der Villa Wartholz für Erzherzog Carl Ludwig besonders gefördert. Ein weiterer historistischer Schlossbau im Gemeindegebiet, das Schloss Rothschild oder Schloss Hinterleiten, wurde 1884 bis 1889 im Neo-Louis XIII-Stil für Nathaniel Meyer Freiherr von Rothschild erbaut, jedoch bald dem k.u.k. Kriegsministerium als Heim für invalide Subalternoffiziere gestiftet.

Arthur Schnitzler und Peter Altenberg weilten in Reichenau öfters zu Gast. Schnitzler, der der Wirtin des Thalhofs, Olga Waissnix besonders verbunden war, schrieb hier unter anderem im Sommer 1900 in nur sechs Tagen die Novelle Leutnant Gustl.[2]

Der Aufschwung des Alpinismus spiegelte sich in der Erschließung des nahe gelegenen Raxmassives. Kaiser Franz Joseph I. und seine Frau verbrachten hier einige Sommer mit ihrer Familie. Kronprinz Rudolf gab der gleichnamigen Kaltwasserheilanstalt und der Rudolphsvilla in der Thalhofstraße ihre Namen.

Im April 1945 war das Umland von Reichenau Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen der späteren deutschen 9. Gebirgs-Division (Ost) und der Roten Armee, welche über den Semmering-Pass in die Steiermark vorzudringen versuchte.

Die Geschichte von Reichenau ist auch eng mit dem Bau der Semmeringbahn verbunden. Seit 1988 geben die Festspiele Reichenau dem Kurort neue kulturelle und touristische Impulse.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Religion[Bearbeiten]

Nach den Daten der Volkszählung 2001 sind 72,5 % der Einwohner römisch-katholisch und 8,8 % evangelisch. 5,8 % sind Muslime, 1,0 % gehören orthodoxen Kirchen an. 10,3 % der Bevölkerung haben kein religiöses Bekenntnis.

Freizeit[Bearbeiten]

Reichenau ist Ausgangspunkt vieler Wanderwege und Klettersteige auf die Rax, den Gahns und den Kreuzberg.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Reichenau liegt an der Grauwackenzone. Bereits ca. 1000 v. Chr. wurde in der Gegend Erz abgebaut. Im Gemeindegebiet bestehen Reste mehrerer kleiner Bergwerke, in denen vom 16. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert Eisenerz, Kupfer und andere Erze gefördert wurden.[3]

1842 fand die Eröffnung der Südbahnstrecke statt, Reichenau wurde damit ein Reiseziel. An Sonntagen im Sommer verkehrt die Museumseisenbahn Payerbach-Hirschschwang.

In der Nähe Reichenaus liegt Kaiserbrunn. Von dort stammt ein Teil des Wiener Wassers. Die I. Wiener Hochquellenwasserleitung wurde von 1869 bis 1873 erbaut.

Ende des 18. Jahrhunderts gab es einen allgemeinen Brennholzmangel. Holz wurde im Raxgebiet gefällt und über die Schwarza oder Holzrutschen, von denen es eine heute noch zu besichtigen gibt, abtransportiert.

Reichenau ist heute ein beliebter Luftkur- und Fremdenverkehrsort mit 130.288 Übernachtungen pro Jahr.

Die Stadt Wien betreibt in Hirschwang ein eigenes Sägewerk.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Reichenau an der Rax
Hl. Nepomuk an der Johannesbrücke über die Schwarza
  • Nepomukkapelle: Die barocke Kapelle des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk, deren Gitter eine besonders schöne Schmiedearbeit darstellt, stammt aus der Zeit vor 1734, denn in diesem Jahr wird sie bereits in einem Grundbuch der Herrschaft Reichenau erwähnt.[4] Die wahrscheinlich in Birnenholz geschnitzte Figur des Heiligen Nepomuk stammt von einem nicht bekannten Künstler. Sie wurde zuletzt im Frühling 2011 von dem in Reichenau wohnhaften Kunstmaler Mino Sudik restauriert.

Im Jahr 2003 war die niederösterreichische Landesausstellung zum Thema „Theaterwelt, Welttheater“ im Schloss Reichenau eingerichtet.[5] 2004 thematisierte eine Sonderausstellung die „Faszination Semmeringbahn“.[6]

Das revitalisierte Schloss Reichenau beheimatet alljährlich immer wieder interessante und hochkarätige Ausstellungen zu den verschiedensten Themen:

  • 2006 zeigte die Gemeinde Reichenau aus Anlass des 150. Geburtstags von Sigmund Freud die Ausstellung „TraumGESICHTE - Freud - Kubin - Schnitzler“. Diese Schau bot eine interessante Auseinandersetzung mit dem Thema Traum in Wissenschaft, bildender wie darstellender Kunst.[7]
  • 2007 fand die Ausstellung „150 Jahre Südbahn – Wien–Triest – Mit Volldampf in den Süden“ statt.[8]
  • 2008 lautete der Schwerpunkt „Jagen und Sammeln“.[9]
  • 2009 bestand die Schau „A/D RAX“ aus den Sonderausstellungen Künstler sowie Alpin.
  • 2010 werden zwei Sonderausstellungen präsentiert: 200 Jahre Malerei von Brauer bis Defregger sowie Seelenblicke: Erik Srodiks Reichenau am Meer.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die Festspiele Reichenau sind der kulturelle Höhepunkt des Sommers. Sie finden zwischen Anfang Juli und Anfang August jeden Jahres statt. Die Besucherzahl liegt bei 36.000.

Jeden Sommer wird hier in Zusammenarbeit mit der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und den Universitäten Prag und Budapest die Internationale Sommerakademie veranstaltet.

Thalhofstraße mit Hotel Thalhof (rechts) und zwei Dependancen 1912

Ortsbildgestaltung[Bearbeiten]

Im Rahmen des europäischen Wettbewerbes „Entente Florale Europe“ wurde Reichenau 2010 mit einer Silbermedaille in der Kategorie Dorf ausgezeichnet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Villa Wartholz um 1900
Riegelhof in Prein an der Rax Nr. 23

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Haas: Reichenau und seine malerische Umgebung. Ein Wegweiser für Kurgäste und Naturfreunde. 4., bedeutend vermehrte Auflage. Verlag der Kurkommission, Reichenau 1905, OBV.
  • Johann Robert Pap: Heimatbuch der Gemeinde Reichenau. Marktgemeinde Kurort Reichenau, Reichenau 1958, OBV.
  • Johann Robert Pap: 150 Jahre Fremdenverkehr, 50 Jahre Kurort. Kurkommission der Marktgemeinde Kurort Reichenau, Reichenau an der Rax 1979, OBV.
  • Robert Pap, Eva Pusch: Reichenau an der Rax. 1. Auflage. Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten/Wien 1988, ISBN 3-85326-846-3.
  •  Claudia Girardi: Pegasus auf Berg- und Talfahrt. Dichter und Dichtung zwischen Rax und Semmering. Mit Beiträgen von Andrea Traxler und Irmtraud Fidler. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 1997, ISBN 978-3-205-98738-3.
  • Georg Dolezal: Die Gemeinde Reichenau zur Kriegs- und Besatzungszeit. Der zweite Weltkrieg und seine Folgen am Beispiel einer Marktgemeinde im südlichen Niederösterreich. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2002, OBV.
  • Norbert Toplitsch: Habsburger in Reichenau, der Marktgemeinde Kurort Reichenau im Jahr der Niederösterreichischen Landesausstellung 2003 gewidmet. Edition Terra Nova, Ternitz-Pottschach 2003, OBV
  • Robert Pap: Reichenauer Spaziergänge. Kulturwanderwege in Reichenau, Edlach, Prein, Hirschwang. Neuausgabe (der Erstauflage 1998). Kral, Berndorf, ISBN 978-3-99024-153-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Carolin Catharina Wolf: Das Motiv der Ehre in Arthur Schnitzlers „Leutnant Gustl“. Studienarbeit. Erste Auflage. Grin-Verlag/Books on Demand, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-640-61876-7, S. 1, online.
  3. Michael Hackenberg: Bergbau im Semmeringgebiet. In: Archiv für Lagerstättenforschung der Geologischen Bundesanstalt. Band 24/2003, Wien 2003, ZDB-ID 2434370-5, Seiten 32–37 (PDF; 12,7 MB).
  4. Peter Aichinger-Rosenberger (et al.): Niederösterreich südlich der Donau. Band 2: M bis Z. Dehio-Handbuch. Berger, Horn/Wien 2003, S. 1822 f., OBV.
  5. Wolfgang Greisenegger: Theaterwelt – Welttheater. Tradition & Moderne um 1900, Niederösterreichische Landesausstellung 2003, Reichenau an der Rax, 1. Mai bis 2. November 2003. Springer, Wien (u.a.) 2003, ISBN 3-211-00482-3.
  6. Karl Heinz Knauer, Günter Dinhobl: Faszination Semmeringbahn. Eine Ausstellung des Technischen Museums Wien und der Marktgemeinde Reichenau an der Rax im Schloss Reichenau, 3. Juli 2004 bis 2. November 2004. Technisches Museum Wien, Wien 2004, ISBN 3-902183-09-8.
  7. http://www.reichenau.at/traumgesichte/IMG/REI_Traumgesichte_Pressetextkurz.pdf
  8. Horst Ebner: 150 Jahre Südbahn – mit Volldampf in den Süden. Katalog zur Ausstellung, Reichenau an der Rax, 27. Mai bis 4. November 2007. Marktgemeinde Reichenau an der Rax, Reichenau an der Rax 2007, OBV.
  9. Horst Ebner: Jagdfieber und fieberhaft sammeln. Katalog zur Ausstellung, Schloss Reichenau an der Rax, 18. Mai bis 2. November 2008. Marktgemeinde Reichenau an der Rax, Reichenau an der Rax 2008, ISBN 978-3-200-01219-6.
  10. Kleine Chronik. (…) Flotow †. In: Die Presse, Abendblatt, Nr. 23/1883 (XXXVI. Jahrgang), 25. Jänner 1883, S. 3 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.
  11. Kleine Chronik. (…) † Joseph Graf Hoyos. In: Neue Freie Presse, Abendblatt (Nr. 12480/1899), 23. Mai 1899, S. 6 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reichenau an der Rax – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien