Reichenauer Malschule

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Teil des Widmungszyklus des Gero-Codex: Der Schreiber Anno übergibt Gero das Werk

Unter dem Begriff Reichenauer Malschule oder Reichenauer Schule werden die von unterschiedlichen Künstlern stammenden Werke der „Reichenauer Buchmalerei des 10. und 11. Jahrhunderts zusammengefasst.

Es handelt sich um eine Gruppe von rund 40 überwiegend liturgischen Prachthandschriften, die zu den Höhepunkten der Kunst im 10. und 11. Jahrhundert gezählt werden. Aufgrund stilkritischer Argumente vermutet man eine gemeinsame Entstehung auf der Klosterinsel Reichenau im Bodensee. Die paläographischen Merkmale verweisen allerdings auf die Skriptorien von Trier, Köln und Seeon. Als Stiftungen von weltlichen und geistlichen Fürsten gelangten sie an Kirchen im ganzen ottonischen und salischen Reich, wo sie aufgrund ihrer kostbaren Ausgestaltung nur zu besonderen Anlässen Verwendung fanden.

Ein Teil der heute in Bibliotheken in ganz Europa aufbewahrten Codices gehört seit 2003 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.[1] [2]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Patricia Engel, Bernhard Gallistl: Die Reichenauer Handschriften der Dombibliothek Hildesheim und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel im Vergleich. In: Wolfenbütteler Beiträge 15, 2009, S. 129–178.
  • Eckhart G. Franz (Hg.): Der Egbert-Codex. Handschrift 34 der Stadtbibliothek Trier. Darmstadt 2005.
  • Walter Gernsheim: Die Buchmalerei der Reichenau. Dissertation. München 1934.
  • Rainer Kahsnitz: Koimesis – dormitio – assumptio. Byzantinisches und Antikes in den Miniaturen der Liuthargruppe. In: Festschrift Carl Nordenfalk. Stockholm 1987, S. 91–122.
  • Anne Korteweg: Das Evangelistar Clm 23338 und seine Stellung innerhalb der Reichenauer Schulhandschriften. In: Festschrift für Florentine Mütherich. München 1985. S. 125–144.
  • Thomas Labusiak: Die Ruodprechtgruppe der ottonischen Reichenauer Buchmalerei. Bildquellen – Ornamentik – stilgeschichtliche Voraussetzungen. (Denkmäler Deutscher Kunst). Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2009, ISBN 978-3-87157222-7.
  • Irmgard Siede: Zur Buchmalerei der ottonischen und salischen Zeit. Kritische Anmerkungen zum Forschungsstand mit einer Zusammenstellung wichtiger Publikationen 1963–1999. In: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft. 52/3 1998/9, S. 151–196.
  • Gude Suckale-Redlefsen und Bernhard Schemmel (Hg.): Das Buch mit sieben Siegeln. Ausstellungskatalog Bamberg. Luzern 2000, S. 93ff.
  • Ursmar Engelmann: Reichenauer Buchmalerei, Initialen aus einem Lektionar des frühen 10. Jahrhunderts, Herder, Freiburg u.a. 1971
  • Wilhelm Vöge: Eine deutsche Malerschule um die Wende des ersten Jahrtausends. Kritische Studien zur Geschichte der Malerei in Deutschland im 10. und 11. Jahrhundert. (Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. Ergänzungsheft 7). Trier 1891.
  • Christine Szkiet: Reichenauer Codices in Schaffhausen. Die frühen Handschriften des Schaffhauser Allerheiligenklosters und ihre Stellung in der südwestdeutschen Buchmalerei des 11. Jahrhunderts. 2005. ISBN 3 9377 19 08 3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reichenauer Malschule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webseite der UNESCO-Kommission mit Auflistung der einzelnen Handschriften, S. 2-4 (PDF; 103 kB)
  2. Webseite der Deutschen UNESCO-Kommission zum deutschen Weltdokumentenerbe