Reichraming

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Reichraming
Wappen von Reichraming
Reichraming (Österreich)
Reichraming
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Steyr-Land
Kfz-Kennzeichen: SE
Fläche: 102,61 km²
Koordinaten: 47° 53′ N, 14° 28′ O47.89055555555614.462222222222356Koordinaten: 47° 53′ 26″ N, 14° 27′ 44″ O
Höhe: 356 m ü. A.
Einwohner: 1.730 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 17 Einw. pro km²
Postleitzahl: 4462
Vorwahl: 07255
Gemeindekennziffer: 4 15 12
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Reichraming 1
4462 Reichraming
Website: www.reichraming.at
Politik
Bürgermeister: Reinhold Haslinger (SPÖ)
Gemeinderat: (2009)
(19 Mitglieder)
12 SPÖ, 6 ÖVP
Lage der Gemeinde Reichraming im Bezirk Steyr-Land
Adlwang Aschach an der Steyr Bad Hall Dietach Gaflenz Garsten Großraming Laussa Losenstein Maria Neustift Pfarrkirchen Reichraming Rohr im Kremstal Schiedlberg Sierning Steyr St. Ulrich bei Steyr Ternberg Waldneukirchen Weyer Wolfern OberösterreichLage der Gemeinde Reichraming im Bezirk Steyr-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Pfarrkirche Reichraming

Reichraming ist eine Gemeinde mit 1730 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) in Oberösterreich im Bezirk Steyr-Land im Traunviertel.

Die Gemeinde war ursprünglich Teil des Gerichtsbezirks Weyer, seit 1. Jänner 2014 gehört die Gemeinde zum Gerichtsbezirk Steyr.

Geografie[Bearbeiten]

Die Ausdehnung von Reichraming beträgt von Nord nach Süd 10,4 km, von West nach Ost 16,9 km. 79,2 % der Fläche sind bewaldet, 11,5 % landwirtschaftlich genutzt. Das Ortszentrum liegt auf 356 m Höhe und befindet sich am Fluss Reichramingbach. Reichraming wird durch die Enns in zwei Ortschaften, Arzberg und Reichraming, geteilt. Die einzelnen Ortsteile in Reichraming sind Richtung Süden Dürnbach, Niglgraben, Weißenbach, Anzenbach und das Reichraminger Hintergebirge. Richtung Losenstein liegen der Rohrbachgraben, der Steingraben und die Hohe Dirn. Richtung Großraming liegt das Brunnthal und das Heinzl. Die Gemeinde Reichraming grenzt an die Nachbargemeinden Losenstein und Laussa im Norden, Großraming im Osten, Weyer und Windischgarsten im Süden und Molln und Ternberg im Westen. Das Gemeindegebiet ist von Bergen umgeben - dem Schneeberg dem Fahrenberg und dem Schieferstein.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Paläolithische Steinwerkzeuge und Knochen, die im Nixloch und in der Schaflucke bei Losenstein gefunden wurden, belegen die frühe Besiedelung des Gebietes rund um Reichraming. Lochäxte und Flachbeile aus der neolithischen Zeit weisen auf einen Siedlungsplatz in der Ortschaft Arzberg hin.

Mittelalter[Bearbeiten]

Der Name "Reichraming" (→siehe unten) lässt auf slawische Siedlungen schließen, die ersten Siedlungen entstanden vermutlich im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. Möglich sind hier sowohl eine Besiedelung über den Pyhrn aus der Kärntner Mark[1] als auch die Besiedelung durch Slawen von Seiten des niederösterreichischen Donauraums[2]. Im 8. Jahrhundert werden im Stiftungsbrief des Klosters Kremsmünster die Slawen, die rund um Steyr wohnen, erwähnt. Eine erste bayerische Siedlungstätigkeit lässt sich eventuell aus dem Hausnamen "Bayrnedt" erschließen. Nachdem das Gebiet 787 seine Selbständigkeit unter Tassilo III einbüßte, zählt es seit dieser Zeit zum Frankenreich. Seit dem 12. Jahrhundert gehört Reichraming zum Herzogtum Österreich. Seit 1490 wird es dem Fürstentum „Österreich ob der Enns“ zugerechnet. Die Bevölkerung lebte zu dieser Zeit von der Landwirtschaft, aber auch das Erz des Schiefersteins und das Holz aus dem Rohrbachgraben legten einen Grundstein für die Entwicklung des Ortes.

16. und 17. Jahrhundert[Bearbeiten]

In Verbindung mit der ersten Türkenbelagerung Österreichs im 16. Jahrhundert steht das Türkenhaus , ein denkmalgeschütztes Gebäude, das 1586 erbaut wurde. Dieses steht auf dem Grund eines ehemaligen Hammerherrenhauses, in dem türkische Belagerer Quartier genommen haben könnten. Weitere Hinweise auf eine Belagerung Reichramings durch Akindschi geben die Flurnamen Türkenwiese und Türkentümpel.


Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt. Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.

Ortsnamen[Bearbeiten]

Der Name Reichraming Der Ortsname Reichraming hat eine für die Slawistik bedeutende Geschichte. Raming kommt aus dem slawischen Rubьnica (südslawisch: Ribnica), was „Fischbach“ bedeutet. Reichraming heißt also „reicher Fischbach“, gemeint ist dabei der Reichramingbach. Das besondere Interesse für die Linguistik besteht an dem archaischen Lautstand, mit dem dieser Ortsname im frühen Mittelalter von den deutschen Siedlern übernommen wurde. Der Name des Baches ist bereits im Jahre 1082 als Rubinicha[3] belegt, was rubinika und nicht etwa rybьnica voraussetzt, wie nach lange herrschender Ansicht der Slawistik die "urslawische" Form dieses Wortes lautete.

Der Wiener Slawist Prof. Georg Holzer hat unter Hinweis auf den Namen Rubinicha/Raming und etwa zehn weitere, früh in andere Sprachen entlehnte slawische Ortsnamen und Worte seit 1995 nachweisen können, dass die protoslawische Sprache um das Jahr 600 n. Chr. noch weitaus archaischer klang, als bis dahin angenommen (Quelle (u.a.): G. Holzer: Die ersten nachurslavischen lautlichen Innovationen und ihre relative Chronologie; in: Lingusitica Baltica 4, S. 247-256; 1995). Tiefgreifende Veränderungen vollzogen sich in den darauf folgenden rund 250 Jahren bis zum Beginn der schriftlichen Überlieferung der slawischen Sprachen in altkirchenslawischen Texten. Auf der Grundlage dieser Texte erschlossen Linguisten seit dem 19. Jahrhundert die "urslawische" Sprache; die zusätzliche Information der besonders früh in andere Sprachen entlehnten slawischen Lexeme wurde bei dieser Arbeit noch nicht berücksichtigt.

Ortsbezeichnungen im Gemeindegebiet

Die vorliegenden Angaben entstammen den Darstellungen von Brunnthaler[4]:

  • Arzberg: weist auf den erzhaltigen Schieferstein hin. 1255 wird die Ortschaft als Erzperg [5] im Zuge einer Schenkung an das Kloster Garsten erstmals urkundlich erwähnt.
  • Anzenbach: kommt von Atze, was so viel wie Weideplatz bedeutet. Erstmals erwähnt ist die Ortschaft 1530 als Atzenbach[6].
  • Dürnbach: soll etymologisch auf dürrer Bach zurückzuführen sein.
  • Rohrbachgraben: Der Rohrbachgraben wird 1313 erstmals als Rorbach erwähnt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Forstmuseum Reichraming: Das harte Leben der Forstarbeiter wird im Museum dokumentiert. Modelle von Triftanlagen und zahlreiche Ausstellungsstücke über die Holzarbeit komplettieren die Ausstellung.
  • Pfarrkirche Reichraming:
  • Nationalpark Kalkalpen:

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Durch eine silberne Schrägleiste geteilt; oben in Rot zwei silberne wurzellose Nadelbäume, der rechte kleiner als der linke, unten von Blau und Gold neunmal geteilt. Die Gemeindefarben sind Rot-Gelb

Politik[Bearbeiten]

  • Bürgermeister ist Reinhold Haslinger (SPÖ)[7].

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 1936 Einwohner, 2001 dann 1884 Einwohner.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Reichraming

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Reichraming bestand von 1569 bis 1928 die Messingfabrik Reichraming, die zu den ältesten Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie in den habsburgischen Erblanden zählte und ein Paradebeispiel der österreichischen Wirtschaftsgeschichte darstellte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Aschauer: Das Messingwerk Reichraming. Ein Beitrag zur oberösterreichischen Wirtschaftsgeschichte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 7(1953)3-4, S. 313-326 (Digitalisat; PDF; 1,8 MB)
  • Adolf Brunnthaler: Reichraming. Gnas 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Girkinger Ludwig: Chronik Reichraming
  2. Wiesinger Peter: Die Besiedelung Oberösterreichs im Lichte der Ortsnamen. in: Baiern und Slawen in Oberösterreich. Trauner Verlag, 1980, S. 159.
  3. Oberösterreichisches Urkundenbuch I, S. 118, n.5.
  4. Adolf Brunnthaler: Reichraming. S. 70ff.
  5. Oberösterreichisches Urkundenbuch III. n. 226.
  6. Jagdbuch des Kaisers Maximilian für Oberösterreich. S. 65f.
  7. http://www.reichraming.at/fileadmin/bilder/Dokumente/gemeindeamt_reichraming.at_20090928_080125_001.jpg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reichraming – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien