Reichsapfel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Reichsapfel des Heiligen Römischen Reiches

Ein Reichsapfel (lat. Globus Cruciger, von globus „Kugel“, crux „Kreuz“ und gerere „tragen“) ist ein Herrschaftszeichen in Form einer Weltkugel mit aufgesetztem Kreuz.

Reichsapfel des Heiligen Römischen Reichs[Bearbeiten]

Der Reichsapfel geht historisch auf den Globus der Römer zurück, der die Weltherrschaft des Römischen Reichs und damit die universale Reichsidee symbolisierte. Auf mittelalterlichen und neuzeitlichen Münzen sind die deutschen Kaiser und Könige häufig mit dem Reichsapfel in der linken Hand dargestellt. Auch auf Münzen der rheinischen Pfalzgrafen (kurfürstliche Linien) ist der Reichsapfel dargestellt, denn sie hatten das Amt des Erztruchsesses inne, das durch den Reichsapfel symbolisiert wurde (Erzämter).

Ein erster Hinweis auf einen überreichten Reichsapfel findet sich in einem Bericht über die Kaiserkrönung Heinrichs II. durch Papst Benedikt VIII. am 14. Februar 1014. Ein Reichsapfel wird ferner im Jahre 1191 bei der Kaiserkrönung Heinrichs VI. dem neuen Kaiser überreicht. Die Form des Kreuzes und die Filigranornamente legen nahe, dass dieser Reichsapfel nicht wesentlich früher entstanden sein kann. Andererseits gibt es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der Reichsapfel des Heiligen Römischen Reiches, der heute in der Schatzkammer in Wien aufbewahrt wird, dem Kaiser überreicht wurde. Das Lexikon des Mittelalters schreibt dazu: Die traditionellen Krönungsinsignien, darunter Zepter und Reichsapfel, wurden aus dem Hort beliebig ausgewählt.[1]

Reichsäpfel anderer Monarchien[Bearbeiten]

Kaiserreich Österreich[Bearbeiten]

Zum Reichsapfel des Kaisertums Österreich siehe Österreichische Kaiserkrone.

Königreich Großbritannien[Bearbeiten]

Für den Reichsapfel des Königreichs Großbritannien siehe Reichsapfel britischer Monarchen.

Dänemark[Bearbeiten]

Die Reichsinsignien der dänischen Könige sind im Keller des Schloss Rosenborg aufbewahrt.

Norwegen[Bearbeiten]

Der Reichsapfel der norwegischen Reichsinsignien wurde 1818 in Stockholm angefertigt und besteht aus vergoldetem Silber. Der Globus wird von einem mit Rosen dekorierten Goldband in zwei Hälften geteilt. Ein ähnliches Band teilt die obere Halbkugel in zwei Teile. Darauf steht ein Reichsapfel in Kleinformat mit einem ziselierten lateinischen Kreuz. Siehe auch: Reichsschwert (Norwegen)

Preußen[Bearbeiten]

Der preußische Reichsapfel in Form einer blau emaillierten Kugel mit Goldreif und goldenem Kreuz ist mit 50 Facettensteinen und 36 Rubinen geschmückt und wurde 1700 als Krönungsinsignie für die Krönung König Friedrichs I. 1701 geschaffen.

Reichsapfel in der Heraldik[Bearbeiten]

In der Heraldik ist der Reichsapfel eine gemeine Figur und ist sehr verstreut in den Wappen zu finden. Die Darstellung erfolgt durch eine Kugel mit aufgesetztem Kreuz. Um die Kugel ist ein Metallband wie ein Äquator gespannt und mittig wird das Band nach oben weiter geführt, so dass es in das Kreuz ausläuft. Die weltliche Macht symbolisierend, ist im deutschen Sprachraum durch den Truchsess als besonderen Beamten dem Kaiser diese Insignie vorangetragen worden. Die Pfalzgrafen hatten dieses Symbol in ihren Wappen übernommen. Dabei waren wohl die bayrischen, rheinischen und die kurpfälzischen Pfalzgrafen die Besten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Hier ist der Reichsapfel im Wappen etwas gehäufter. Als Insignie hält der Preußenadler das Zeichen links und das Zepter rechts im Fang. Wiederholung auch im Oberwappen des Wappens Königreich Preußen. Hier ist der Reichsapfel blau mit goldenem Kreuz am Reif.

Wappenbeispiele[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Das astronomische Symbol des Planeten Erde hat ebenfalls die Form eines Reichsapfels (Globus mit Kreuz).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reichsapfel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Reichsapfel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. Trnek: Reichsinsignien. In: Lexikon des Mittelalters.