Reichsstraße (Österreich)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Reichsstraßen oder Ärarialstraßen (auch Aerarial-Straßen, ärarische Straßen; von lat. Aerarĭum ‚öffentlicher Schatz‘, ‚Staatsschatz‘) waren im 1804 gegründeten Kaisertum Österreich und nach 1867 in der österreichischen Reichshälfte Österreich-Ungarns bis 1918 die amtlichen Bezeichnungen für vom Staat (k.k. Ministerium) unterhaltene Fernstraßen. Weitere Bezeichnungen waren Kaiserstraßen, Chausseen, Königswege, Herrenwege oder Staatsstraßen.[1] Erbaut und unterhalten wurden sie durch ein teilweise selbst betriebenes, teilweise verpachtetes Mautsystem, dessen Einnahmen in den „Wegefonds“ oder „Straßenbaufonds“ flossen. Die Straßen wurden großteils von den nachfolgenden Nationalstaaten übernommen, in Österreich wurden daraus 1921 die mit Unterbrechung bis 2002 existierenden Bundesstraßen, die nach der Übertragung der Verwaltung an die Bundesländer heute noch immer die Bezeichnung «B» führen.

Ihnen standen gegenüber die „nicht ärarischen Straßen“ (ein Begriff, der sich bis zum Anschluss Österreichs 1938 hielt), von den einzelnen Kronländern/Bundesländern unterhaltenen Landesstraßen. Dann noch die von den politischen Bezirken unterhaltenen Bezirksstraßen und den von Gemeinden errichteten Gemeindestraßen, die in einigen Kronländern (z. B. Böhmen, Steiermark, Galizien, Kärnten, Krain, Oberösterreich, Salzburg) bis zum Schluss innerhalb ihrer politischen Sprengel verwaltet wurden, während in anderen Kronländern (Niederösterreich, Mähren, Schlesien, Istrien, Görz-Gradiska) „Straßenkonkurrenzbezirke“ aus den Gemeinden der Bezirksgerichtssprengel gebildet wurden und die Geschäftsleitung einem „Bezirksstraßenausschusse“ oblag.[1]


Niederösterreich und Wien[Bearbeiten]

Reichsstraßen „innerhalb der Linien Wiens“ (innerhalb des Linienwalls; vor 1861[2] bis 1. Juni 1874[3][4]):

  • Weißgärber Hauptstraße (0,3 Meilen; seit 1857: Obere Weißgerberstraße)
  • ein Teil der Taborstraße (0,1 Meile)
  • Augartenstraße (0,1 Meile; seit 1862: Obere und Untere Augartenstraße)
  • Jägerzeile(nstraße) (0,1 Meile; seit 1862: Praterstraße)
  • Esplanadestraße (0,6 Meilen; entlang der Stadtmauern am Glacis, heute ungefähr zwischen Ringstraße und „2er-Linie“)
  • Wiedner Hauptstraße (0,2 Meilen)
  • Favoritenstraße (0,2 Meilen)
  • ein Teil der „Stubenthorstraße“ (0,1 Meilen, auch „Stubenthorgasse“, Landstraßer Hauptstraße?)
  • Kärntnertorstraße (0,1 Meilen, Kärntner Straße)
  • ein Teil der Burgtor- und Schottentorstraße (0,1 Meilen; Josefstädter Straße / ?Alser Straße?)
  • Donau Quai-Straße (0,2 Meilen, Franz-Josefs-Kai)
  • Mariahilfer Hauptstraße (0,2 Meilen, Mariahilfer Straße)
  • Brücken:
    • Wallgrabenbrücken bei den Linienämtern
    • Augartenbrücke (42 Klafter)
    • Ferdinandsbrücke (35 Klafter)
    • Franzensbrücke (42 Klafter)
    • Aspernbrücke (mit Erlass des Staatsministeriums vom 10. Februar 1866)

Von der Hauptstadt Wien gingen unter anderen folgende Reichsstraßen aus:[5]

  • Prager Reichsstraße von Wien bis an die mährische Grenze bei Znaim (9,7 Meilen mit Kaiserwasserbrücke, Donaubrücke bei Floridsdorf, 2 Inundationsbrücken in der Taborau, 56 kleine Brücken, 68 Kanäle, 168 Klaster Wand- und Stützmauern)
    (heute Donau Straße (B3); in Stockerau auf die Prager Straße (L30), in Sierndorf auf die L1105 bis Groß-Stelzendorf, weiter die L1138 bis Hollabrunn (oder von Stockerau bis hier die Weinviertler Schnellstraße (S2)), dann Weinviertler Straße (B303) bis zur tschechischen Grenze nach Kleinhaugsdorf; in Tschechien Straße 38)
    • Abzweigung Brünner Reichsstraße von Floridsdorf bis an die mährische Grenze bei Nikoldsdorf (8,8 Meilen, 38 Brücken, 49 Kanäle, 109 Klaster Wand- und Stützmauern)
      (heute Brünner Straße (B7) Richtung Mikulov (Nikolsburg) in Mähren)
    • Abzweigung bei Stockerau: Hornerstraße bis Schwarzbach an der böhmischen Grenze (16,3 Meilen, 46 Brücken, 147 Kanälen, 647 Klaster Wand- und Stützmauern)
      (heute Horner Straße (B4) und Waldviertler Straße (B2) bis zur tschechischen Grenze bei Neu-Nagelberg; in Tschechien Straße 24 bis zur Gemeinde Suchdol nad Lužnicí, deren Ortsteil Tušť Schwarzenbach ist.)
  • Klosterneuburger Straße von der Nußdorferlinie in Wine bis zur Weidlingbachbrücke in Klosterneuburg (1,2 Meilen, 4 Brücken, 48 Kanäle) Die Straße wurde 1869 dem Land Niederösterreich übergeben.
    (heute Heiligenstädter Straße von der Nußdorfer Straße bis nach Nußdorf; ab dort Klosterneuburger Straße (B14)
  • Linzer Reichsstraße vom Sperrgitter der Mariahilferlinie bis an die oberösterreichische Grenze am rechten Ufer des Ennsflusses (21,3 Meilen, 48 Brücken, darunter die 102 Klafter lange Brücke über die Traisen bei St. Pölten, 246 Kanäle, 1.740 Klafter Wand- und Stützmauern)
    (heute Mariahilfer Straße, Linzer Straße, ab Hadersdorf-Weidlingau die Wiener Straße (B1) von Wien über St. Pölten und Amstetten nach Linz.)
    • Preßbaumerstraße von Purkersdorf bis an die Grenze zwischen B.U. [?] und O.W.W. [Kreis Ober Wiener Wald]
      (heute Neulengbacher Straße (B44) bis Rekawinkel)
  • Zwettlerstraße von Krems bis Zwettl (5,9 Meilen, 10 Brücken, 78 Kanäle, 1345 Klafter Wand- und Stützmauern) Die Straße wurde 1866 zur Landesstraße [6]
    (heute Kremser Straße (B37) bis Rastenberg und dort die Gemeindestraßen durch die Orte Rastenfeld und Friedersbach nach Zwettl (oder bis Rastenfeld und dort ein kleines Stück auf der neueren Böhmerwald Straße (B38)))
  • Reichsstraße Richtung Budapest (in Wien seit 1894 Simmeringer Hauptstraße, außerhalb Wiens Budapester Straße (B10), dann Burgenland Straße (50) zur ungarischen Grenze bei Nickelsdorf, Burgenland / Hegyeshalom)
  • Kagraner Reichsstraße oder Wiener Reichsstraße (Alternativroute nach Brünn, heute in Wien Wagramer Straße, außerhalb der Stadt Angerner Straße (B8), dann Bernstein Straße (B49) nach Lundenburg in Mähren); von Wien aus musste man die Kronprinz-Rudolf-Brücke oder Reichsstraßenbrücke (heute Reichsbrücke) über die Donau benützen.
  • Preßburger Reichsstraße (heute Pressburger Straße bzw. Bundesstraße 9 Richtung Hainburg)
  • Triester Reichsstraße (heute Wiener Neustädter Straße bzw. Bundesstraße 17 Richtung Semmering)

Oberösterreich[Bearbeiten]

In Oberösterreich gab es unter anderem folgende Reichsstraßen:

Salzburg[Bearbeiten]

In Salzburg gab es unter anderem folgende Reichsstraßen:

Steiermark[Bearbeiten]

In der Steiermark gab es unter anderem folgende Reichsstraßen:

Tirol[Bearbeiten]

In Tirol (damals inklusive Südtirol und Trentino) gab es unter anderem folgende Reichsstraßen:

Vorarlberg[Bearbeiten]

In Vorarlberg gab es unter anderem folgende Reichsstraßen:

Böhmen[Bearbeiten]

In Böhmen (heute Tschechien) gab es unter anderem folgende Reichsstraßen:

  • Beraun-Haselbacher Reichsstraße von Prag über Pilsen bis zur bayerischen Grenze (durch D 5 ersetzt, heute als II/605 bezeichnet)
  • Budweiser Reichsstraße von Prag nach Budweis (durch D 3 ersetzt, heute als II/603 bezeichnet)
  • Chrudimer Reichsstraße
  • Dobrisch-Winterberger Reichsstraße von Prag über Winterberg bis zur bayerischen Grenze (I/4)
  • Joachimsthaler Reichsstraße von Karlsbad über Joachimsthal bis zur sächsischen Grenze (heute I/25)
  • Jungbunzlau-Trautenauer Reichsstraße (heute I/16)
  • Karlsbader Reichsstraße von Prag bis Karlsbad (heute I/6)
  • Komotauer Reichsstraße
  • Reichenberger Reichsstraße

Mähren[Bearbeiten]

In Mähren (heute Tschechien) gab es unter anderem folgende Reichsstraßen:

Österreichisch-Schlesien[Bearbeiten]

In Österreichisch-Schlesien (heute Tschechien) gab es unter anderem folgende Reichsstraßen:

Galizien[Bearbeiten]

In Galizien (heute Polen bzw. Ukraine) gab es unter anderem folgende Reichsstraßen:

Krain[Bearbeiten]

In Krain (heute Slowenien) gab es unter anderem folgende Reichsstraßen:

  • Agramer Reichsstraße von Laibach in Richtung Agram / Zagreb
  • Karlstädter Reichsstraße von Rudolfswerth in Richtung Karlstadt / Karlovac
  • Loibler Reichsstraße von Krainburg in Richtung Loiblpass
  • Wiener Reichsstraße von Ljubljana / Laibach in Richtung Wien
  • Wurzner Reichsstraße von Krainburg in Richtung Wurzenpass / Korensko sedlo

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b  Alfred Birk: Linienführung der Straßen und Eisenbahnen (= Der Wegebau in seinen Grundzügen dargestellt. 4). Deuticke, Leipzig 1915, S. 48.
  2.  Statistische Übersicht des Erzherzogthums Österreich unter der Enns. k. k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1861, IV. Beförderungsmittel des Verkehres; C. Reichs- (Aerarial-) Straßen, S. 41ff. (Online in der Google-Buchsuche, abgerufen am 28. Februar 2015).
  3.  Gesetz vom 21. Mai 1874, betreffend ein Uebereinkommen mit der Stadtgemeinde Wien wegen Exeamirung der über den Wiener Donaucanal führenden ärarischen Brücken und der ärarischen Straßen inner der Linien Wiens. In: Reichsgesetzblatt für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Nr. 27, Wien 11. Juni 1874, S. 248 (RGBl. 78/1874, alex.onb.ac.at, abgerufen am 28. Februar 2015).
  4.  Ferdinand Kronawetter: Rede vor dem Abgeordnetenhaus bei der 86. Sitzung der 8. Session am 5. Dezember 1874. In: Stenographische Protokolle über die Sitzungen des Hauses der Abgeordneten des österreichischen Reichsrathes. VIII. Session. 3, Reichsrat, Wien 1874, Mauthen, S. 3090-3091 (Online in der Google-Buchsuche, abgerufen am 28. Februar 2015).
  5. Felix Czeike (Hrsg.): Historisches Lexikon Wien, Band 4, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00546-9, S. 650
  6.  Gesetz über die Erklärung einer Anzahl von Straßenzügen zu Landesstraßen. vom 18. März 1866. In: Landes-Gesetz- und Verordnungsblatt für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns. Nr. 6, Wien 31. März 1866, S. 21 (LGuVBl. 6/1866, alex.onb.ac.at, abgerufen am 28. Februar 2015).