Reichsvereinigung Kohle

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Die Reichsvereinigung Kohle (auch: Reichsvereinigung Kohle für den Bergbau und die Kohlewirtschaft; abgekürzt: RVK) war ein Kartell - oder besser noch: Lenkungsverband - der deutschen kohleverarbeitenden Industrie während des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde im Frühjahr 1941 unter Aufsicht und mit Förderung der Reichsregierung gebildet und vereinigte alle kohleproduzierenden Industriekonzerne. Hauptaufgaben waren Produktivitätssteigerung, Kontrolle von Distribution und Transport sowie Koordination und Durchführung aller staatlichen Maßnahmen auf dem Kohlesektor. Der Vorsitzende der RV Kohle war bis 1945 Paul Pleiger, Mitbegründer der Reichswerke Hermann Göring, ihr Geschäftsführer der Nationalsozialist und vormalige Ministerialdirektor Erich Flottmann.

Unter ihrem Regime wurden Sonderschichten, Preisfestsetzungen, die Ausbeutung von Fremd- und Zwangsarbeitern sowie privatwirtschaftliche Verfügung über Kohlevorkommen in den von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten (z. B. in Polen und Belgien) eingeführt. Somit verhalf die Reichsvereinigung einerseits den Konzernen zu hohen Gewinnen und sicherte andererseits dem NS-Regime die kriegsnotwendige Kohleversorgung zur Rüstungsproduktion.

Diese Ausbeutung von Menschen aus den besetzten Ländern und deren Besitz waren später Anklagepunkte im Nürnberger Nachfolgeprozess gegen Verantwortliche der Wirtschaft des Deutschen Reichs (Flick-Prozess, 1947).

Literatur[Bearbeiten]

  • Liselotte Eckelberg, Die Bedeutung der Reichsvereinigungen im Rahmen der Wirtschaftslenkung für die gewerbliche Wirtschaft, Diss. Univ. Hamburg 1944.
  • Avraham Barkai: Das Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus. Ideologie, Theorie, Politik. 1933 - 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1988, ISBN 3-596-24401-3
  • Werner Bührer, Edgar Grande (Hrsg.): Unternehmerverbände und Staat in Deutschland. Nomos Verlag, Baden-Baden 2000, ISBN 3-7890-6592-7
  • Daniela Kahn: Die Steuerung der Wirtschaft durch Recht im nationalsozialistischen Deutschland. Das Beispiel der Reichsgruppe Industrie. Frankfurt a.M. 2006, ISBN 978-3-465-04012-5
  • Hans Ch Seidel, Klaus Tenfelde (Hrsg.): Zwangsarbeit im Bergwerk. Der Arbeitseinsatz im Kohlenbergbau des Deutschen Reiches und der besetzten Gebiet im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Klartext, Wuppertal, 2005, 638 Seiten. ISBN 3898613895

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Siehe auch[Bearbeiten]