Reif-Weide

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Reif-Weide
Reif-Weide

Reif-Weide

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Weidengewächse (Salicaceae)
Gattung: Weiden (Salix)
Art: Reif-Weide
Wissenschaftlicher Name
Salix daphnoides
Vill.
Männliche Blütenkätzchen der Reif-Weide

Die Reif-Weide (Salix daphnoides) ist ein Pflanzenart aus der Gattung der Weiden.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Reif-Weide ist ein Baum, der Wuchshöhen von bis 15 Meter erreicht. Die Borke ist grau und schwach längsrissig. Die Rinde jüngerer Zweige ist meist glänzend rot, während die Rinde der Äste des zweiten Jahres (stellenweise abwischbar) bläulichweiß bereift ist (Name!).

Die Laubblätter von Salix daphnoides sind wechselständig, lanzettlich, fein gesägt und spitz. Sie werden 4 bis 10 cm lang und bis 2,5 cm breit. Nur jung sind sie etwas behaart, später werden sie kahl. Die Oberseite ist glänzend dunkelgrün, die Unterseite matt grau- bis blaugrün. Die Nebenblätter sind klein und mit dem Blattstiel verwachsen.

Die Blütenstände der zweihäusig getrenntgeschlechtigen (diözischen) Reif-Weide erscheinen im März/April, vor dem Laubaustrieb. Die zylindrischen Kätzchen sind ungestielt und 2 bis 5 cm lang.

Die Früchte reifen im Mai bis Juli.

Verbreitung & Standort[Bearbeiten]

Die Reif-Weide ist in ganz Europa zu finden. Sie gedeiht in Gebirgen bis in die subalpine Stufe. Salix daphnoides bevorzugt die nassen, nährstoffreichen, tonigen Kies- und Sandböden der Bach- und Flussauen von Gebirgsflüssen und –bächen. In Tieflagen gelangt die Reif-Weide oft nur durch Anpflanzungen.

Verwendung als Heilpflanze[Bearbeiten]

Als Heildroge dienen die getrockneten Rinden junger Zweige verschiedener Weidenarten, sofern ihre Rinde den geforderten Gesamt-Salicingehalt von mindestens 1,5 % aufweist.

Wirkstoffe: Salicylalkoholderivate, überwiegend Salicin mit den Abkömmlingen Fragulin und Populin , Salicortin, mit Acetylsalicortin und Tremulacin (Gesamtsalicingehalt bis 4 %); Phenolcarbonsäuren, Flavonoide und Gerbstoffe.

Anwendungen: Weidenrinde hat fiebersenkende, schmerzstillende und vor allem entzündungshemmende Eigenschaften. Man verwendet sie heute bei rheumatischen und auch andren chronischen Schmerzen am besten in Fertigpräparaten, die auf einen bestimmten Salicingehalt standardisiert sind.

Die traditionelle Nutzung bei fieberhaften grippalen Infekten oder leichten Kopfschmerzen hat inzwischen weniger Bedeutung.

Da der Hauptwirkstoff der pflanzlichen Droge, das Salicin, erst nach der Magenpassage letztlich in der Leber zu der therapeutisch wirksamen Salicylsäure umgewandelt wird, hat die pflanzlich Droge die Vorzüge einer länger anhaltenden Wirkung und fehlender Nebenwirkungen, z.B. Blutungen im Magen-Darm-Trakt, wie sie nach der Einnahme synthetisch hergestellter Acetylsalicylsäure zu befürchten sind. In ihrer Wirkungsweise ist die Salicylsäure (im Gegensatz zur Acetylsalicylsäure) mit den modernen COX-2-Hemmern vergleichbar. Möglicherweise tragen auch die Flavonoide synergetisch zu der schmerzstillenden Wirkung bei, da diese nicht allein durch den Salicingalt erklärbar ist. Auch eine knorpelproduktive Wirkung wird diskutiert.

Weidenrinde und ihre Präparate sind nicht zur Akuttherapie heftiger Schmerzen geeignet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gregor Aas/Andreas Riedmiller: GU Naturführer Bäume, München 1987, ISBN 3-7742-4058-2
  • GU Laubbäume, Gregor Aas/Andreas Riedmiller, München 1992, ISBN 3-7742-4184-8
  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das Neue Handbuch der Heilpflanzen, Botanik Arzneidrogen, Wirkstoffe Anwendungen, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2011, ISBN 978-3-440-12932-6

Weblinks[Bearbeiten]