Reimann (Unternehmerfamilie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Unternehmerfamilie Reimann aus der Umgebung von Mannheim und Heidelberg ist eine der wohlhabendsten Familien Deutschlands. Sie belegte 2012 mit einem geschätzten Vermögen von elf Milliarden Euro Rang vier in einer Liste der reichsten Deutschen.[1] Die Familie hält über die ihnen gehörende Finanzholding Joh. A. Benckiser SE indirekt ein Anteil von 15,42 % am Reinigungsmittelhersteller Reckitt Benckiser, einem englischen Weltkonzern mit neun Milliarden britischen Pfund Umsatz, der an der Londoner Börse notiert ist.

Den Kern der Gesellschafterfamilie bilden Renate Reimann-Haas (* 1951), Holdingsprecher Wolfgang Reimann (* 1952) sowie die Cousins Matthias Reimann-Andersen (* 1965) und Stefan Reimann-Andersen (* 1963).[2]

Geschichte[Bearbeiten]

1823 erwarb Adam Benckiser eine Salmiakhütte in Pforzheim. 1861 begann dann der Aufstieg der Familie, als der Chemiker Karl Ludwig Reimann im Jahr 1851 zusammen mit Johann Adam Benckiser in Ludwigshafen eine Chemiefabrik gründeten. Die Produkte waren damals Weinsäure und Zitronensäure sowie Phosphate. Der Chemiker Albert Reimann sen. (*21. August 1868, † 27. Juli 1954)[3], Enkel von Ludwig Reimann, trieb das Geschäft im Laufe der Jahre voran und starb 1952.[4] Sein Sohn Albert Reimann jun. (*1898) starb Anfang 1984.[5] Von seiner Ehefrau Paula hatte Albert Reimann keine Kinder bekommen können; er adoptierte fünf Nachkommen von zwei Leihmüttern und vier Nachkommen von Schwester Else Dubbers, denen er das Erbe jeweils zu einem Neuntel vermachte.[6] Die Dubbers-Kinder und Andrea Reimann-Ciardelli ließen sich Ende der 1990er Jahre ausbezahlen.[7] Die übrigen Erben halten heute über die Finanzholding Joh. A. Benckiser mehrere Beteiligungen. Die Kommandozentrale des Reimannschen Firmenreichs ist in Luxemburg beheimatet. In Wien gruppieren die Reimanns in zwei Gesellschaften für sich und ihre Kinder die Anteile an ihren Unternehmungen.

Später traten die Firmengründer mit der englischen Firma Reckitt & Sons in Kontakt und fusionierten später.[8] Nach der Fusion 1999 mit Reckitt hält die Familie heute noch 15,4 Prozent an dem Großunternehmen.[9]

Namhafte Erfindungen in den 1950er Jahren verhalfen dem Unternehmen zum Aufstieg, u.a. erfand Albert Reimann den Wasserenthärter Calgon, in den 1960er Jahren das Spülmittel Calgonit, sowie das Zahnersatz-Pflegemittel Kukident.[10] In den 1990er Jahren spaltet sich das Unternehmen in einen Wasch- und Reinigungsmittelkonzern mit dem Namen Reckitt Benckiser. Das Unternehmen ist ein Global Player, ihm gehören bekannte Marken wie zum Beispiel das Kosmetik-Produkt Clearasil.[11]

Sie waren von 1996 bis 2013 Alleineigentümer des mittlerweile börsennotierten[12] Parfümherstellers Coty, mit weltweit rund 12.000 Mitarbeitern ein globaler Kosmetikkonzern. Von New York aus verkauft er als Marktführer Marken wie Davidoff und Joop sowie Promi-Parfüms für Stars wie Jennifer Lopez, Beyoncé, Lady Gaga und Heidi Klum. Auch nach dem Börsengang hält die Familie 70 % der Anteile und damit 85 % der Stimmrechte.[13]

Im Eigentum der Familie Reimann befinden sich auch die Deutsche Kontor Privatbank AG (Vermögensverwaltung) sowie deren im Jahr 2010 begründete Marke Sofort Bank (Online-Zahlungssystem).[14]

Im Mai 2012 scheiterte die Übernahme des Kosmetikherstellers Avon. Der US-Konzern war nicht bereit über eine auf 10,7 Milliarden Dollar aufgebesserte Offerte zu verhandeln.[15]

Einstieg in die Kaffeebranche[Bearbeiten]

Seit 2012 engagiert sich die Unternehmerfamilie Reimann über Benckiser im Kaffegeschäft und übernahm die US-amerikanischen Kaffeeröstereien und Kaffeehausketten Peet's Coffee für 825 Millionen Euro und Caribou Coffee für 260 Millionen Euro. Im April 2013 wurde bekannt, dass Reimann für 7,5 Milliarden Euro D.E Master Blenders 1753 (ehemals Douwe Egberts) übernimmt, den niederländischen Marktführer für Kaffee- und Teeprodukte, der auch Senseo-Kaffeepads herstellt.

Am 7. Mai 2014 gaben D.E Master Blenders 1753 und Mondelēz International bekannt,[16] ihre Kaffee-Marken zu einem reinen Kaffeeunternehmen zusammenlegen zu wollen. Das entstehende Joint Venture, an dem Mondelēz International 49 % halten wird, soll Jacobs Douwe Egberts (JDE) heißen, seinen Sitz in den Niederlanden haben und vom bisherigen Chef von D.E Master Blenders 1753 geführt werden. Zusammen 7 Mrd. Dollar (5 Mrd. Euro) Jahresumsatz werden etwa 8 % Weltmarktanteil bedeuten.

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten]

Volker Reimann-Dubbers gründete 1997 die gemeinnützige VRD Stiftung für Erneuerbare Energien. Sie setzt sich für die Förderung und Verbreitung erneuerbarer Energien im In- und Ausland ein.[17]

Günter Reimann-Dubbers gründete 2002 die Günter Reimann-Dubbers Stiftung. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, gemeinnützige Projekte, insbesondere in den Bereichen Familie, Bildung und Gesundheit ins Leben zu rufen und zu unterstützen.[18]

Renate Reimann-Haas und Matthias Reimann-Andersen sind Mitglieder im Verwaltungsrat der gemeinnützigen Big Brothers Big Sisters Deutschland GmbH.[19]

Andrea Reimann-Ciardelli gründete 2004 die Emily Landecker Foundation, Inc.[20]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vermögens-Ranking: Aldi-Clan dominiert Deutschlands Milliardäre, Spiegel Online vom 9. Oktober 2012
  2. Immer diese Reimanns, FAZ vom 11. August 2012
  3. Oberdorffer, Kurt (Hrsg.): Ludwigshafener Chemiker, Düsseldorf 1958-1960
  4. Billionaires Unmasked as Coty Persists in Pursuit of Avon, Bloomberg vom 9. April 2012
  5. Die Reimanns von nebenan, Die Zeit vom 12. April 2012
  6. Familie Reimann - Die Steuerkünstler, Manager Magazin vom 9. Juli 2012
  7. Immer diese Reimanns, FAZ vom 11. August 2012
  8. Deutsche Milliardärsfamilie will Avon übernehmen, T-Online vom 3. April 2012
  9. Milliardärsfamilie Reimann - Erben Mannheims, Spiegel Online vom 3. April 2012
  10. Website Kukident
  11. Clearasil Website
  12. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/boersengang-milliardaersclan-reimann-macht-kasse-mit-coty-a-905642.html
  13. http://www.welt.de/newsticker/bloomberg/article117064678/Reimanns-Coty-wird-im-Boersengang-mit-25-Abschlag-angeboten.html
  14. Sofort Bank auf www.deutsche-kontor-com sowie Geschäftsbericht 2011 der Deutsche Kontor Privatbank AG per bundesanzeiger.de
  15. Familie Reimann verliert Lust an Avon-Übernahme - Offerte zurückgezogen WiWo Online, 15. Mai 2012
  16. Pressemitteilung von von D.E Master Blenders 1753
  17. VRD Stiftung für Erneuerbare Energien
  18. Günter Reimann-Dubbers Stiftung
  19. Verwaltungsrat der Big Brothers Big Sisters Deutschland GmbH
  20. The Vermont Directory of Foundations Online

Weblinks[Bearbeiten]