Reinach AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Reinachf zu vermeiden.
Reinach
Wappen von Reinach
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Kulmw
BFS-Nr.: 4141i1f3f4
Postleitzahl: 5734
UN/LOCODE: CH REN
Koordinaten: 656371 / 23396247.2541618.183341528Koordinaten: 47° 15′ 15″ N, 8° 11′ 0″ O; CH1903: 656371 / 233962
Höhe: 528 m ü. M.
Fläche: 9.48 km²
Einwohner: 8070 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 851 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 37,6 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.reinach.ch
Blick vom Homberg auf Reinach

Blick vom Homberg auf Reinach

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Reinach (schweizerdeutsch: ˈriːnəχ)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Kulm im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im oberen Wynental und grenzt an den Kanton Luzern.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf erstreckt sich über die gesamte Breite des trogförmigen Tals der Wyna und besitzt zwei historische Zentren, die knapp einen halben Kilometer auseinander liegen, das Oberdorf und das Unterdorf. Das Tal wird im Osten durch den Ischlag (651 m ü. M.) und im Nordosten durch den Homberg (788 m ü. M.) begrenzt. Zwischen diesen Hügeln erstreckt sich ein flacher Ausläufer des Wynentals in Richtung Seetal, der Übergang zwischen beiden Tälern ist maximal 562 Meter hoch. Am Fusse des Hombergs liegen die Ortsteile Eien (517 m ü. M.) und Holenweg (522 m ü. M.), am Berghang die Weiler Unterflügelberg (692 m ü. M.) und Oberflügelberg (757 m ü. M.). Westlich des Unterdorfes erhebt sich der bis zu 732 Meter hohe Bergwald-Hügel, ein Ausläufer des Stierenbergs. Die fünf Gemeinden Reinach, Beinwil am See, Burg, Menziken und Rickenbach sind zu einer zusammenhängenden Agglomeration mit mehr als 17'000 Einwohnern verschmolzen, die Grenzen zwischen den einst getrennten Dörfern sind kaum mehr erkennbar.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 948 Hektaren, davon sind 257 Hektaren bewaldet und 269 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 788 Metern auf dem Gipfel des Hombergs, der tiefste auf 511 Metern an der Wyna.

Nachbargemeinden sind Leimbach und Zetzwil im Norden, Birrwil im Nordosten, Beinwil am See im Osten, Menziken im Süden, Rickenbach im Südwesten sowie Gontenschwil im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Vereinzelte Funde zeugen von einer Besiedlung des oberen Wynentals während der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Hallstattzeit. An der Strasse nach Beinwil kamen bei Ausgrabungen im Jahr 1900 die Überreste eines kleinen römischen Gebäudes sowie einige Ziegel und Keramikfragmente aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts zum Vorschein.[5] Die erste urkundliche Erwähnung von Rinacha erfolgte im Jahr 1036. Für den Ursprung des Ortsnamens existieren zwei Theorien: Einerseits könnte er vom spätlateinischen (praedium) Renniacum abstammen und «dem Rennius gehörendes Landgut» bedeuten. Andererseits ist auch eine Ableitung vom althochdeutschen Rinahu denkbar, was «beim Rin-Bach» bedeutet, wobei «Rin» darauf hindeutet, dass der Bach ein Zufluss des Rheins ist.[3]

Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Die niedere Gerichtsbarkeit war im Besitz der Herren von Rinach, die ihren Stammsitz in Burg hatten. Die Zehnten gingen an das Chorherrenstift in Beromünster.

Dorfeingang bei Pfeffikon

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Reinach gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau und war der Hauptort eines Gerichtsbezirks im Amt Lenzburg. Bis zur Einführung der Reformation im Jahr 1528 war Reinach Teil der Pfarrei Pfeffikon und bildete danach eine eigene Pfarrei. Lange Zeit gehörte Menziken zur Gemeinde Reinach, wurde aber um 1580 eine eigenständige Gemeinde. Ende des 16. Jahrhunderts erhielt Reinach das Marktrecht, noch heute finden jährlich vier grosse Warenmärkte statt. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Reinach gehört seither zum Kanton Aargau.

Die Industrie hielt schon früh Einzug. Im frühen 18. Jahrhundert etablierte sich die Textilindustrie; die Exporte gingen ins Elsass, in die Lombardei und nach Savoyen. Wegen des Wasserkraftmangels wurde die Textilindustrie um 1850 durch die Tabakindustrie verdrängt. Reinach und das obere Wynental entwickelten sich zum Zentrum der schweizerischen Zigarrenherstellung und erlangten internationale Bedeutung. Etwa zur gleichen Zeit begann der Aufschwung der Metallverarbeitungsindustrie. War Reinach zunächst vor allem für Kleiderbügel bekannt, so ging man später zur Herstellung von Drähten über.

Dieser Aufschwung wäre ohne den Bau neuer Verkehrswege nicht möglich gewesen. Am 23. Januar 1887 wurde die normalspurige Eisenbahnlinie Beinwil am See–Reinach eröffnet, eine Zweigstrecke der Seetalbahn; am 1. Oktober 1906 folgte die Verlängerung nach Beromünster. Am 5. März 1904 ersetzte die schmalspurige Wynentalbahn den Postkutschenverkehr durch das Wynental zur Kantonshauptstadt Aarau; am 1. Mai desselben Jahres wurde der letzte Abschnitt nach Menziken in Betrieb genommen. Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts hat sich die Bevölkerungszahl mehr als verdoppelt und Reinach ist mit seinen Nachbardörfern zusammengewachsen. Seit wenigen Jahren arbeiten Reinach, Burg, Menziken und Pfeffikon auf zahlreichen Gebieten eng zusammen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Reformierte Kirche Reinach
Haus zum Schneggen
Museum Schneggli

Auf dem Kapf, der Anhöhe in Richtung Beinwil, steht die reformierte Kirche. Sie wurde 1529 erbaut und ist das erste Gotteshaus der Schweiz, das von Anfang an reformiert war. 1664 musste das Gebäude wegen drohender Einsturzgefahr ausgebessert werden, ausserdem erhöhte man damals den Kirchturm um ein Stockwerk. 1776 wurde das Kirchenschiff um etwa ein Drittel verlängert. 1904/05 kam eine polygonale Vorhalle hinzu.[6]

Das «Haus zum Schneggen» wurde 1604/05 als Wohnsitz des Untervogts erbaut. An das dreistöckige Giebelhaus im spätgotischen Stil ist ein runder fünfstöckiger Treppenturm mit spitz zulaufendem Zeltdach angebaut.[7]

Schräg gegenüber befindet sich der «kleine Schneggen», die 1688 errichtete Mühle. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung. Nach einem Brand im Jahr 1999 wurde es wieder aufgebaut und beherbergt seither das Museum Schneggli. Dieses befasst sich mit Geschichte, Kunst und Kultur der näheren Region.[8]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb steigender roter Löwe mit blauem Kopf, rot gezungt.» Das Wappen entspricht jenem der Herren von Rinach, das erstmals im 14. Jahrhundert in der Wappenrolle von Zürich abgebildet ist. Während des 19. Jahrhunderts stand der Löwe auf einem Schrägbalken und hielt ein Zepter in der Hand, doch 1915 kehrte man zum historischen Wappen zurück.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[10]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 1261 1672 2846 3668 4394 4891 5174 5862 5696 6786 7258 7979

Am 31. Dezember 2013 lebten 8070 Menschen in Reinach, der Ausländeranteil betrug 37,6 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 45,2 % reformiert. 28,5 % römisch-katholisch, 11,4 % moslemisch und 2,3 % christlich-orthodox; 0,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 82,6 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,5 % Albanisch, 4,0 % Italienisch, 3,8 % Serbokroatisch, 2,1 % Türkisch, 0,6 % Spanisch.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Gemeindeammann der Amtsperiode 2010-2013 ist Martin Heiz (FDP).

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht in Unterkulm zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Burg und Menziken verantwortlich ist.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Reinach gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 3200 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 39 % in der Industrie und 59 % im Dienstleistungsbereich.[13] Reinach bildet zusammen mit Menziken das wirtschaftliche Zentrum des südlichen Aargaus und weist daher viele Zupendler auf, auch aus den angrenzenden luzernischen Gebieten. Bedeutende Fabrikationsbetriebe sind das seit 1962 bestehende Aluminium-Walzwerk der Alu Menziken Gruppe (heute Teil von Montana Tech Components) sowie die seit 1842 bestehende Fischer Reinach. Weitere Industriezweige sind unter anderem die Werkzeugbaubranche, die Metallverarbeitung sowie die Herstellung von Geruchs- und Geschmacksstoffen. Reinach ist Sitz der Gesellschaft Schweiz-Russland.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Reinach

Mitten durch das Dorf verläuft die wichtige Hauptstrasse 23 von Aarau über Beromünster nach Sursee. Von dieser zweigt die Verbindungsstrasse ins Seetal nach Beinwil am See ab. Reinach wird von der schmalspurigen Wynentalbahn (WSB) zwischen Aarau und Menziken erschlossen; neben dem Bahnhof Reinach gibt es die zwei Haltestellen Reinach Mitte und Reinach Nord. Eine Postautolinie führt von Beinwil am See über Reinach nach Beromünster.

Bis vor wenigen Jahren verkehrte die WSB mitten auf der stark befahrenen Hauptstrasse als Tram, teilweise im Gegenverkehr. Häufig kam es zu Unfällen mit erheblichem Sachschaden. Als 1991 auf der parallel verlaufenden, normalspurigen SBB-Linie Beinwil am See–Beromünster der Personenverkehr eingestellt wurde, plante man die Verlegung der WSB-Strecke auf das nun frei gewordene SBB-Trassee. Die Umspurungs- und Anpassungsarbeiten begannen 1999 nach der Einstellung des Güterverkehrs. Das neue Teilstück Reinach Nord–Menziken konnte schliesslich am 15. Dezember 2002 eröffnet werden.

Bildung[Bearbeiten]

Centralschulhaus

Die Gemeinde verfügt über sechs Kindergärten und fünf Schulhäuser, in denen sämtliche Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet werden (Primarschule, Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule). Reinach besitzt ausserdem eine kaufmännische Berufsschule. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich im 7 km entfernten Beromünster (Kanton Luzern). Viele Schüler bleiben jedoch im Kanton und fahren zur Kantonsschule in Aarau.

Kultur[Bearbeiten]

Saalbau

Der Saalbau wurde 1965 eröffnet. In den 1970er Jahren wurde er oft von Schauspieltruppen aus dem In- und Ausland als Probebühne benutzt. Damals konnte man zahlreiche deutsche Schauspieler wochenlang im Dorf antreffen, weil sie im Saalbau probten, so zum Beispiel Horst Tappert, der Die zwölf Geschworenen einstudierte, oder Götz George und Sonja Ziemann, die 1978 unter der Regie von Charles Regnier Die tätowierte Rose von Tennessee Williams inszenierten. Ende 1972 logierte der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt rund zwei Monate lang im Hotel Bären und probte im Saalbau sein Stück Die Physiker, dessen Premiere am 8. Januar 1973 stattfand.

Sport[Bearbeiten]

Bekannte Sportvereine aus Reinach sind der Orientierungslauf-Verein OLG Rymenzburg sowie der in der höchsten Spielklasse spielende Unihockeyclub UHC Lok Reinach.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reinach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 341–343.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1109 und 1110, Swisstopo
  5.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 193.
  6.  Michael Stettler, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band I, Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen, Birkhäuser Verlag, Basel 1948, S. 212–213.
  7. Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 213–214.
  8. Museum Schneggli
  9.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 247.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  13. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.