Reiner Schürmann

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Reiner Schürmann (* 4. Februar 1941 in Amsterdam; † 20. August 1993 in New York City) war ein deutscher Philosoph. Er war von 1975 bis zu seinem Tod Professor für Philosophie an der New School for Social Research in New York.

Leben[Bearbeiten]

Er wurde als Sohn deutscher Eltern 1941 im Amsterdam geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Krefeld. Ab 1960 studierte Schürmann Philosophie in München, dann unterbrach er sein Studium für einen Aufenthalt in einem israelischen Kibbuz. Ende 1961 trat er als Novize in den Dominikanerorden (OP) in Frankreich ein und studierte dort von 1962 bis 1969 Theologie an der Ordenshochschule Le Saulchoir in Étiolles (Département Essonne) bei Paris, unterbrochen durch einen Studienaufenthalt in Freiburg i. Br. bei Martin Heidegger. 1970 wurde er zum (Ordens-)Priester geweiht, verließ den Dominikanerorden 1975 jedoch wieder. Seit den frühen siebziger Jahren lebte Schürmann in den Vereinigten Staaten, wo er zuerst an der Catholic University of America in Washington, D.C., dann an der Duquesne University in Pittsburgh lehrte. 1975 erfolgte der Ruf an die New School for Social Research in New York, veranlasst durch Hannah Arendt und Hans Jonas. 1981 erhielt er das Doctorat d’Etat ès Lettres et Sciences Humaines der Sorbonne in Paris. Er starb am 20. August 1993 in New York an AIDS.

Sein gesamtes philosophisches und literarisches Werk verfasste Schürmann in französischer Sprache. Drei seiner philosophischen Arbeiten verdienen besondere Beachtung und dürfen als seine „Hauptwerke“ bezeichnet werden: die Meister Eckhart-Monographie Maître Eckhart et la joie errante (1972; Titel der engl. Ausgabe ist Mystic and philosopher), die viel gerühmte Heidegger-Studie Le Principe d’anarchie. Heidegger et la question de l’agir (1982; engl. Heidegger on Being and Acting: From Principles to Anarchy) und schließlich seine monumentale Interpretation der abendländischen Philosophiegeschichte Des hégémonies brisées (1996 posthum publiziert; englisch Broken Hegemonies).

Sein einziges literarisches Werk, die stark autobiographisch gefärbte Erzählung Les Origines (1976; unter dem Titel „Ursprünge“ 2008 als bisher einziges seiner Werke auf deutsch erschienen), wurde 1977 mit dem Prix Broquette-Gonin der Académie Française ausgezeichnet.

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Maître Eckhart et la joie errante, Paris 1972. ISBN 2743614463 (Auflage von 2005); engl. Ausgabe: Mystic and philosopher
  • Les Origines, Paris: Fayard, 1976. ISBN 2213003777; dt.: „Ursprünge“, Zürich/Berlin: diaphanes 2008. ISBN 978-3-03734-045-5
  • Le Principe d'anarchie. Heidegger et la question de l'agir, Paris: Seuil, 1982. ISBN 2020062496; engl. Ausgabe: Heidegger on Being and Acting: From Principles to Anarchy
  • Des hégémonies brisées, Mauvezin: Trans Europ Repress, 1996. ISBN 290567038X; engl. Ausgabe: Broken Hegemonies

Weblinks[Bearbeiten]