Reinhard Klimmt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Reinhard Klimmt (* 16. August 1942 in Berlin) ist ein deutscher Politiker (SPD).

Er war von 1998 bis 1999 Ministerpräsident des Saarlandes und von 1999 bis 2000 Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen.

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Klimmt wuchs in Engter bei Osnabrück auf. Er machte sein Abitur am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Osnabrück. Dort absolvierte er während seiner Schulzeit am Konservatorium eine Ausbildung als Cellist. Nach dem Abitur studierte er an der Universität des Saarlandes Geschichte.

Klimmt ist als Buchautor und Kolumnist im Bereich Literatur tätig. Er ist verheiratet und hat drei Kinder und vier Enkel. Er ist Mitglied im P.E.N. – Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland und im Saarländischen Künstlerhaus.

Seit mehreren Jahrzehnten sammelt Klimmt traditionelle afrikanische Kunst und trat seit 2002 auch vermehrt als Sammler an die Öffentlichkeit. Seine Sammlung wurde an verschiedenen Orten Deutschlands und zuletzt unter Schirmherrschaft von Gerhard Schröder in St. Petersburg in Russland ausgestellt. Kritiker unterstellen, dass die Sammlung Kopien und Fälschungen beinhalte, was Klimmt unter Berufung auf wissenschaftliche Gutachten bestreitet.[1]

Partei[Bearbeiten]

Klimmt ist Mitglied der SPD seit 1964 und bekleidete eine Vielzahl von Ämtern. Zwischen 1970 und 1975 war er Vorsitzender der saarländischen Jungsozialisten, von 1976 bis 1996 Vorsitzender der SPD Saarbrücken. Dem Parteivorstand der SPD gehörte er von 1991 bis 2001 an. 1990 leitete er für Oskar Lafontaine den Bundestagswahlkampf.

Er war von 1979 bis 2002 Mitglied der Medienkommission der Partei, von 1986 war er deren stellvertretender Vorsitzender, von 1990 bis 1999 Vorsitzender. Er war außerdem Mitglied der Grundsatzprogrammkommission, die das Hamburger Programm von 2007 erarbeitete.

1996 wurde er als Nachfolger von Oskar Lafontaine zum Landesvorsitzenden der SPD Saarland gewählt. Er trat von diesem Amt 2000 in der Konsequenz seines Rücktritts als Bundesverkehrsminister zurück. Seit 2008 ist er Vizepräsident der SaarLorLux-Internationale, einem Zusammenschluss der sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien in Lothringen, Luxemburg, der Wallonie, der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien, in Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Abgeordneter[Bearbeiten]

Reinhard Klimmt war von 1975 bis 1999 für die SPD Mitglied im Saarländischen Landtag, und hier von 1985 bis 1998 Vorsitzender der Landtagsfraktion der mit absoluter Mehrheit regierenden SPD.

Zwischen 1979 bis 1982 war er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion. Seine Schwerpunkte lagen in der Bildungspolitik, vor allem in der Beruflichen Bildung und in der Medienpolitik. Sein besonderes Interesse galt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Frankreich und Lothringen.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

1998 wurde Klimmt Ministerpräsident des Saarlandes, nachdem Oskar Lafontaine als Bundesfinanzminister nach Bonn wechselte. Sein Amt verlor er 1999 nach der Landtagswahl an den Wahlsieger Peter Müller (CDU).

Gerhard Schröder berief ihn am 29. September 1999 als Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen als Nachfolger von Franz Müntefering in sein Kabinett.

Am Abend des 15. November 2000 trat Klimmt als Bundesverkehrsminister zurück.[2] Zuvor hatte das Amtsgericht Trier einen Strafbefehl in Höhe von 90 Tagessätzen (27.000 DM[2]) wegen Beihilfe zur Untreue erlassen, den er annahm. Der Strafbefehl war wegen fragwürdiger Finanzgeschäfte im Rahmen von Klimmts ehrenamtlicher Tätigkeit als Präsident beim saarländischen Fußballverein 1. FC Saarbrücken erlassen worden. Die Banken hatten dem Verein eine Verlängerung der überstrapazierten Kreditlinien nur unter der Bedingung konzediert, dass Klimmt Präsident des Vereins werden würde, was dieser akzeptierte, da ansonsten der Verein in den Konkurs hätte gehen müssen. Klimmt hatte dann in den ersten Tagen seiner Amtszeit beim 1. FC Saarbrücken von seinem Vorgänger verhandelte Sponsoringverträge mit der Caritas Trägergesellschaft Trier unterschrieben. Klimmt gestand später ein, die Verträge nicht ausreichend geprüft zu haben.

Im Zuge der Affäre wurde Klimmt auch die Annahme wertvoller Buchgeschenke zur Last gelegt.[3]

Sein Nachfolger im Amt des Bundesverkehrsministers wurde Kurt Bodewig, zuvor Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.[2]

Ehrenämter[Bearbeiten]

  • Vorsitzender des Kuratoriums der Studienstiftung Saar
  • Vorsitzender im Landesverband Saarland im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv)
  • Vorsitzender des Kulturvereins Burbach
  • Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Demokratie, Saarbrücken
  • Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Situation Kunst, Bochum
  • Mitglied im Verlagsbeirat des Gollenstein-Verlags

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Auf dieser Grenze lebe ich. Die sieben Kapitel der Zuneigung, Gollenstein Verlag 2004, ISBN 3935731477
  • Überall und irgendwo. Aus der Welt der Bücher, Gollenstein Verlag 2006, ISBN 3938823186
  • Habari Afrika, Schönheit und Magie in der Kunst Afrikas, Gollenstein Verlag 2010, ISBN 978-3-938823-70-5
  • Auf die Schiene mit der Großregion. Für eine Renaissance der Bahn in SaarLorLux. Nomos 2010, ISBN 978-3-8329-6064-3 Mit Werner Matthias Ried.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Focus Nr. 28/2010, S. 62.
  2. a b c Meldung Rücktritt des Bundesverkehrsministers. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 12/2000, ISSN 1421-2811, S. 530.
  3. "Freund des Buches"