Reinhard Lauck

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Reinhard Lauck
Reinhard Lauck World Cup 1974.jpg
Spielerinformationen
Voller Name Reinhard Lauck
Geburtstag 16. September 1946
Geburtsort SielowDeutschland
Sterbedatum 22. Oktober 1997
Sterbeort BerlinDeutschland
Position Mittelfeldspieler
Vereine in der Jugend
1958–1960
1960–1963
1963–1965
SG Sielow
ASG Vorwärts Cottbus
SC Cottbus
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1965–1966
1966–1967
1967–1968
1968–1973
1973–1981
SC Cottbus
Vorwärts Neubrandenburg
Energie Cottbus
1. FC Union Berlin
BFC Dynamo
019 0(8)

017 0(3)
131 (21)
152 (29)
Nationalmannschaft2
1973–1977
1975–1976
DDR
DDR (Olympia-Auswahl)
33 0(3)
7 0(0)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Stand: 22. Oktober 1997
2 Stand: 22. Oktober 1997

Reinhard Lauck (* 16. September 1946 in Sielow; † 22. Oktober 1997 in Berlin), Spitzname „Mäcki“, war ein deutscher Fußballspieler. In seiner Spielerkarriere war er u. a. für den 1. FC Union Berlin sowie den BFC Dynamo aktiv und zudem Nationalspieler der DDR. Mit der Nationalmannschaft nahm er an der Weltmeisterschaft 1974 teil und gewann bei den Olympischen Spielen 1976 die Goldmedaille.

Karriere als Spieler[Bearbeiten]

National[Bearbeiten]

Laucks Fußballkarriere begann 1958 bei der SG Sielow, von welcher er zwei Jahre später zur Armeesportgemeinschaft Vorwärts Cottbus wechselte, ehe er sich im Alter von 17 Jahren 1963 dem SC Cottbus anschloss. Nachdem er für den Männerbereich spielberechtigt geworden war, spielte er mit der Mannschaft in der zweitklassigen DDR-Liga. Ab Februar 1966 lief er unter der Bezeichnung BSG Energie Cottbus auf, da die Sektion Fußball des Sportklubs in eine Betriebssportgemeinschaft umgewandelt worden war. Im Mai 1966 wurde Lauck zum Armeedienst eingezogen, konnte während dieser Zeit aber bei der DDR-Liga-Mannschaft ASG Vorwärts Neubrandenburg weiter Fußball spielen. Im November 1967 kehrte Lauck nach Cottbus zurück wechselte aber noch vor Abschluss der Saison zum Oberligisten 1. FC Union Berlin.

Sein Debüt bei den Berlinern bestritt er ausgerechnet im FDGB-Pokalfinale gegen den hohen Favoriten FC Carl Zeiss Jena. Selbst für seine Mitspieler war die Aufstellung des 22-Jährigen durch Trainer Werner Schwenzfeier eine Überraschung, so z. B. sein Mannschaftskollege Günter Hoge: „Keiner kannte Lauck  […]. Und du wirst es nicht für möglich halten, der Trainer macht die Aufstellung, und da steht Mäcki Lauck drin“.[1] Trotzdem gewannen die „Eisernen“ überraschend den Pokal – der einzige große Titel für den Verein bis heute. Lauck blieb bis 1973 bei Union und avancierte zum Stammspieler sowie zur großen Stütze der Mannschaft. In insgesamt 145 Liga- und Pokalspielen für Union Berlin erzielte er 23 Tore und reifte zum DDR-Nationalspieler.

Nach dem Abstieg der Unioner 1973 folgte für viele Fans jedoch der Schock, als Lauck zum Lokalrivalen BFC Dynamo wechselte. Fans des FC Union sollen sogar vor seiner Wohnungstür um seine Rückkehr gebettelt haben. Bis heute ist umstritten, ob und inwiefern Lauck zum Wechsel durch Funktionäre gedrängt wurde. Für viele Unionfans gilt sein Wechsel als erzwungen, andere dagegen vertreten die Meinung, dass Lauck aus eigenem Antrieb gewechselt ist, um seinen Status als Nationalspieler nicht zu gefährden.[1][2]

Mit Dynamo feierte Lauck große Erfolge. So wurde er 1979 und 1980 zweimal DDR-Meister. Außerdem konnte er in 152 Oberliga-Einsätzen 29 Tore erzielen. 1981 musste er seine Karriere aufgrund von Kniebeschwerden beenden.[3]

International[Bearbeiten]

Seinen ersten internationalen Einsatz hatte Lauck am 7. Oktober 1967 in Stawropol im Länderspiel der DDR-Junioren-Nationalmannschaft gegen die Sowjetunion (0:1). Insgesamt absolvierte er fünf Spiele mit der Junioren-Nationalmannschaft. Nach mehreren Spielen mit der DDR-Nachwuchsauswahl hatte Lauck seinen ersten Auftritt in der Fußballnationalmannschaft der DDR am 16. Mai 1973, als die DDR in Karl-Marx-Stadt mit 2:1 gegen Ungarn gewann. In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland erzielte Lauck in sechs Spielen seine einzigen drei Länderspieltore und hatte so maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Qualifikation. Während der WM-Endrunde bestritt Lauck drei Spiele, unter anderem stand er beim legendären 1:0-Erfolg gegen die bundesdeutsche Nationalmannschaft auf dem Feld. In seinem wohl besten Spiel für die Nationalelf schaffte er es, seinen Gegenüber – Wolfgang Overath, den Spielgestalter der Westdeutschen zu kontrollieren und so das Offensivspiel der BRD zu stoppen.

Zwei Jahre später, bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, errang Lauck seinen wertvollsten Titel. Bei allen fünf Endrundenspielen des olympischen Fußballturniers wurde er aufgestellt und gewann mit der Auswahl der DDR die Goldmedaille. Für diesen Erfolg wurde er mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber ausgezeichnet.[4] Ein Jahr später bestritt Lauck in Buenos Aires gegen Argentinien (0:2) sein letztes Länderspiel. Insgesamt kam er in seiner Karriere auf 33 offizielle Länderspiele (fünf davon in seiner Zeit als Unioner, die restlichen als Dynamospieler) und erzielte drei Tore. Darüber hinaus bestritt er sieben Einsätze im Olympiateam (ohne Torerfolg).

Von den zehn Europapokalspielen des BFC kam Lauck in sechs Begegnungen zum Einsatz. Am weitesten kam er mit seiner Mannschaft im Europapokal der Landesmeister 1979/80, als das Viertelfinale erreicht wurde. Im Hinspiel beim englischen Meister Nottingham Forest (1:0) bestritt Lauck sein letztes Europapokalspiel, da der BFC anschließend zuhause mit 1:3 verlor.

Nach dem Karriereende[Bearbeiten]

Im privaten Leben hatte Lauck weniger Erfolg als auf dem Platz. Er arbeitete nach der Fußballzeit unter anderem in seinem erlernten Beruf als Schlosser, Bauarbeiter und Kohlenschlepper und bekam zunehmend Probleme mit dem Alkohol. Bei der Wiederauflage des deutsch-deutschen Spieles der WM 1974 im Jahr 1994 in Steinach (Thüringen) konnte Lauck bereits nicht mehr spielen. Im Oktober 1997 wurde er mit Alkohol im Blut und schweren Kopfverletzungen auf der Straße liegend gefunden. Nach zwei Wochen im Koma starb Reinhard Lauck im Alter von nur 51 Jahren.

Nach dem Tod[Bearbeiten]

In der ORB-Produktion Aufstieg und Fall des Fußballstars Reinhard Lauck wurde das Leben von Reinhard Lauck verfilmt. Auch Alexander Osang hatte in der Berliner Zeitung 1993 ein Porträt über Lauck geschrieben und ihm einen Nachruf gewidmet.[3]

Zu Ehren Laucks wurde am 16. September 2006 in seinem Geburtsort Sielow bei seiner ersten Gemeinschaft SG Sielow eine Ehrentafel enthüllt. Viele ehemalige Weggefährten wie der frühere DDR-Nationaltrainer Georg Buschner, Laucks Trainer beim BFC Jürgen Bogs sowie die DDR-Nationalspieler Lothar Kurbjuweit oder Peter Ducke waren als Ehrengäste anwesend.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hanns Leske: Enzyklopädie des DDR-Fußballs; Göttingen: Verlag Die Werkstatt, 2007; ISBN 978-3-89533-556-3
  • Michael Horn, Gottfried Weise: Das große Lexikon des DDR-Fußballs; Berlin: Schwarzkopf und Schwarzkopf, 2004; ISBN 3-89602-536-8

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jörg Luther, Frank Willmann: Und niemals vergessen – Eisern Union!; 2000; S. 68 f.
  2. „Viele sächsische Bauarbeiter haben sich doch gefreut …“ Interview mit A. Gläser und F. Willmann auf www.satt.org vom Januar 2004.
  3. a b Alexander Osang: Der Fußballer Reinhard Lauck starb mit 51 Jahren: Tod auf der Straße; Berliner Zeitung vom 3. November 1997.
  4. Neues Deutschland, 10. September 1976, S. 4
  5. Rudolf Neuland: Weggefährten und Freunde ehren „Mäcki“ Lauck; Artikel in der Lausitzer Rundschau vom 18. September 2006.