Reinhard Merkel

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Reinhard Merkel (2011)

Reinhard Merkel (* 12. August 1950 in Hof) ist ein deutscher Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Merkel nahm als Schwimmer an den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt teil, wo er über 400 m Lagen Sechster wurde und über 200 m Lagen in der Vorrunde ausschied. Er gehörte dem Verein Blau-Weiß Bochum an.

Danach studierte er Rechtswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Rechtswissenschaft, Philosophie und Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort legte er auch sein Juristisches Staatsexamen ab.

In München war er zunächst Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Sozialrecht und Assistent am Institut für Rechtsphilosophie.

Zwischen 1988 und 1990 war er Redakteur der Wochenzeitung Die Zeit.

Nach seiner Promotion im Jahr 1993 in München und Habilitation 1997 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main nahm er 1998 die Lehrtätigkeit auf, zunächst als Dozent an den Universitäten Bielefeld und Rostock und seit 1999 an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg.

Merkel veröffentlichte 2008 eine Monografie über Willensfreiheit und rechtliche Schuld.[1]

Mit Thorsten Galert, Christoph Bublitz, Isabella Heuser, Dimitris Repantis, Bettina Schöne-Seifert und Davinia Talbot zusammen verfasste er 2009 ein Memorandum zur neuroethischen Beurteilung des Neuro-Enhancements.[2][3][4]

Während im Frühjahr 2011 Militärflugzeuge mehrerer NATO-Staaten Aufständische gegen den damaligen libyschen Diktator Gaddafi unterstützten, äußerte Merkel die Auffassung, dass der Einsatz gegen geltendes Recht verstoße.[5]

Merkel plädiert für die Forschung an Embryonen (siehe Embryonenschutzgesetz, Bioethik) und die Rationierung der Medizin nach klaren Kriterien.[6]

Merkel ist auf Vorschlag der Bundesregierung seit April 2012 für die Periode 2012 bis 2016[7] Mitglied im Deutschen Ethikrat. Merkel bezog im August 2012 Stellung in der Diskussion um die Frage, ob in Deutschland die Beschneidung aus religiösen Gründen an minderjährigen Jungen erlaubt sein soll. Diese Frage wird in Deutschland seit Juni 2012 – seitdem ein Urteil des Landgericht Köln zu dieser Frage bekannt wurde – diskutiert.[8]

Merkel äußerte sich skeptisch, ob Juden aus juristischer Sicht einen Anspruch darauf haben, männliche Neugeborene ohne Narkose beschneiden zu dürfen.[9] In der Plenarsitzung des Ethikrates am 23. August 2012 nannte und erläuterte er seine Standpunkte.[10] Den vom Bundesjustizministerium vorgelegten Gesetzesentwurf kritisierte er in einem ZEIT-Interview [11] und in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung[12] scharf.

Auszeichnungen [Bearbeiten]

1991 erhielt Merkel den Jean-Améry-Preis für Essayistik. 2010 wurde er in die Leopoldina aufgenommen.

Veröffentlichungen [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Reinhard Merkel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten [Bearbeiten]

  1. Siehe die Kritik von Tonio Walter in Die Zeit: Strafe ohne Schuld? 5. September 2008
  2. Das optimierte Gehirn. Ein Memorandum zu Chancen und Risiken des Neuroenhancements. In: Gehirn&Geist. 11/2009, S. 40–48 (PDF; 598 KB)
  3. SciLogs: Bloggewitter: Neuro-Enhancement – Das Memorandum
  4. Jörg Auf dem Hövel: Zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung. In: Telepolis. 21. Dezember 2009 (Interview mit Merkel)
  5. Reinhard Merkel: „Und nächste Woche Bomben auf Damaskus?“ Die Intervention in Libyen schafft falsche Erwartungen, desavouiert die UN und beschädigt das Völkerrecht. Die Zeit 14/2013 vom 31. März 2011
  6. Caroline Schmidt: Star-Professor Reinhard Merkel: Nichts für Lerner, was für Denker; spiegel.de, 19. September 2012
  7. Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg: Prof. Dr. iur. Reinhard Merkel; abgerufen am 4. März 2013
  8. Armin Käfer: „Beschneidungen ohne Anästhesie ist eine Folterqual“ – Beschneidungen ohne Narkose sind für den Juristen Reinhard Merkel barbarisch und nach deutschem Recht nicht akzeptabel. Merkel berät die Regierung als Mitglied des Ethikrates, der sich am Donnerstag trifft. Interview in der Badischen Zeitung vom 22. August 2012
  9. Ethikrat berät über religiöse Beschneidung: Strafrechtler Merkel skeptisch zu Rechtsanspruch; Bericht auf dradio.de vom 30. August 2012
  10. Deutscher Ethikrat: Dokumente der Plenarsitzung am 23. August 2012: Simultanmitschrift aller Referate. Merkel: S. 12–18 (pdf; 171 kB); Präsentation Zur religiös motivierten frühkindlichen Knabenbeschneidung – Strafrechtliche und rechtsprinzipielle Probleme (pdf; 1,5 MB); Audioprotokoll (mp3; 30,9 MB)
  11. Till Schwarze: Beschneidung: „Ein kläglicher Gesetzentwurf“; Interview auf Zeit Online vom 1. Oktober 2012
  12. Reinhard Merkel: Beschneidungs-Debatte: Die Haut eines Anderen; Sueddeutsche.de, 30. August 2012