Reinhard Selten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Reinhard Selten, 2001

Reinhard Justus Reginald Selten (* 5. Oktober 1930 in Breslau) ist ein deutscher Volkswirt und Mathematiker. Im Jahr 1994 erhielt er als bisher einziger Deutscher zusammen mit John Forbes Nash und John Harsanyi den Wirtschaftsnobelpreis für die gemeinsamen Leistungen auf dem Gebiet der Spieltheorie.

Leben[Bearbeiten]

Reinhard Selten bestand sein Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Melsungen mit Auszeichnung.

Selten studierte Mathematik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und promovierte 1961 daselbst in Mathematik. Er war Gastprofessor in Berkeley und lehrte von 1969 bis 1972 an der Freien Universität Berlin sowie von 1972 bis 1984 an der Universität Bielefeld. Anschließend nahm er einen Ruf an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn an. Dort baute er das BonnEconLab, ein Laboratorium für experimentelle Wirtschaftsforschung auf, an dem er auch nach seiner Emeritierung aktiv tätig ist.

Seit 2006 leitet er ein Akademieprojekt der Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste mit dem Titel Rationalität im Lichte der experimentellen Wirtschaftsforschung.[1]

Selten ist verheiratet und wohnt in Königswinter-Ittenbach.

Wirken[Bearbeiten]

Selten entwickelte 1965 das Konzept des teilspielperfekten Gleichgewichts und 1975 das Konzept des trembling-hand-perfekten Gleichgewichts. 1994 wurde ihm für seinen Beitrag in der Spieltheorie der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen, zusammen mit John Harsanyi und John Forbes Nash jr. Er ist zudem für seine Arbeiten im Bereich der Eingeschränkten Rationalität bekannt (siehe beispielsweise die sog. Anspruchsanpassungstheorie von Sauermann und Selten und das Konzept des Imitationsgleichgewichts von Ostmann und Selten), und er zählt zu den Begründern der experimentellen Ökonomie.

Reinhard Selten ist Mitglied der Econometric Society und der European Economic Association (EEA), deren langjähriger Präsident er war. Er ist Ehrenmitglied der American Economic Association (AEA). Zudem ist er ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, außerordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und auswärtiges Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences. Er ist Gründungsmitglied der „Internationalen Akademie der Wissenschaften San Marino“. Selten spricht, ebenso wie seine Frau, seit seiner Jugend Esperanto;[2] er hat einige Werke in Esperanto verfasst und herausgegeben, u. a. über die Anwendung der Spieltheorie auf das Problem der Wahl einer internationalen Sprache. Selten kandidierte bei der Europawahl 2009 als deutscher Spitzenkandidat für die Liste Europa – Demokratie – Esperanto (EDE).

Zu seinen Schülern gehören unter anderem viele Ökonomen und Forscher wie Bernd Irlenbusch, Axel Ockenfels, Christian Rieck, Bettina Rockenbach, Abdolkarim Sadrieh, Benny Moldovanu und Rosemarie Nagel.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Verein für Socialpolitik vergibt den nach ihm benannten Reinhard-Selten-Preis.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Bewertung von n-Personenspielen. Dissertation vom 24. Juli 1961, Universität Frankfurt, Naturwiss. Fakultät, Frankfurt, 1961.
  • Preispolitik der Mehrproduktenunternehmung in der statischen Theorie. Habilitationsschrift, FU Berlin. Springer, Berlin [u.a.] 1970. (Ökonometrie und Unternehmensforschung, Band 16)
  • Zus. mit Werner Güth: Macht Einigkeit stark? Spieltheoretische Analyse einer Verhandlungssituation. Institut für Mathemat. Wirtschaftsforschung an der Univ. Bielefeld, Bielefeld 1977. (Working papers / Institute of Mathematical Economics; Nr. 58)
  • Zus. mit Werner Güth: Original oder Fälschung – Gleichgewichtsauswahl in einem Verhandlungsspiel mit unvollständiger Information. Institut für Mathemat. Wirtschaftsforschung an der Univ. Bielefeld, Bielefeld 1982. (Working papers; Nr. 113)
  • Die konzeptionellen Grundlagen der Spieltheorie einst und jetzt. Bonn Graduate School of Economics, Departments of Economics, University of Bonn. Bonn Graduate School of Economics, Bonn 2001. (Bonn Econ Discussion Papers / Bonn Graduate School of Economics, Department of Economics, University of Bonn; 2001, 2)
  • Enkonduko en la teorion de lingvaj ludoj : Ĉu mi lernu Esperanton? = Einführung in die Theorie sprachlicher Spiele / Reinhard Selten ; Jonathan Pool. Akad. Bücherdienst, Berlin [k.a.] 1995. (Grundlagenstudien aus Kybernetik und Geisteswissenschaft; Band 36, 1995, [Beih.]) ISBN 3-929853-03-5.
  • Für Zweisprachigkeit in Europa/Por dulingveco en Eŭropo, mit Helmar G. Frank, IFB Verlag Paderborn, 2005.

Literatur[Bearbeiten]

  • Axel Ockenfels, Abdolkarim Sadrieh (Herausgeber): The Selten school of behavioral economics : a collection of essays in honor of Reinhard Selten, Berlin ; Heidelberg : Springer 2010, ISBN 978-3-642-13982-6.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reinhard Selten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.rilexecon.uni-bonn.de/
  2. Autobiografie
  3. Bericht von der Verleihung der Ehrenprofessur, Website der Nanjing Audit University engl.