Reinhardsbrunn

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Südansicht des Hauptgebäudes von Schloss Reinhardsbrunn im Frühjahr 2006
Westansicht von Schloss Reinhardsbrunn
Schlosskapelle
Reinhardsbrunn Castle, Friedrichrhoda, Thuringia, Germany-LCCN2002720721.jpg

Reinhardsbrunn ist ein Stadtteil der thüringischen Kleinstadt Friedrichroda im Landkreis Gotha. In Reinhardsbrunn befand sich das Hauskloster der Landgrafen von Thüringen. Auf dessen Ruine wurde 1827 das Schloss Reinhardsbrunn errichtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Kloster[Bearbeiten]

Die Gründung des Benediktinerklosters erfolgte 1085 durch den Thüringer Grafen Ludwig der Springer in der Nähe seiner Stammburg, der Schauenburg bei Friedrichroda. Ein Konvent aus Hirsau bezog Reinhardsbrunn, das mit Hirsau und Cluny verbrüdert war und seit 1092 unter päpstlichem Schutz stand.

Bedeutung erlangte das Kloster als Zentrum der Hirsauer Reformen innerhalb Thüringens, aber auch als Hauskloster und Grablege der zu Landgrafen von Thüringen aufgestiegenen Ludowinger. Zwischen 1156 und 1168 stellte der Reinhardsbrunner Bibliothekar Sindold eine Briefsammlung zusammen. Zu dieser gehören Briefe des 12. Jahrhunderts aus dem Klosterbetrieb und aus Briefwechseln mit der Familie der Landgrafen, aber auch Muster, Stilübungen und theoretisches Material über die Kunst des Briefeschreibens.[1] Die Reinhardsbrunner Chronik, die um 1340 bis 1349 zusammengetragen wurde, liefert Nachrichten aus der Zeit vom 6. Jahrhundert bis 1338. Sie beinhaltet die Geschichte des Klosters selbst, von seiner Gründung an, der Familie der Ludowinger, der Landgrafschaft Thüringen und ihren Übergang an die Wettiner, aber auch des Deutschen Reichs. Als Vorlage dienten zum Teil auch Quellen, die mittlerweile als verloren gelten.

Im frühen 13. Jahrhundert setzte allmählich der Niedergang des Klosters Reinhardsbrunn ein, verstärkt durch das Aussterben der Ludowinger 1247 und durch einen Brand im Kloster 1292. Doch auch unter den Wettinern, die den Ludowingern als Landgrafen folgten, diente Reinhardsbrunn noch mehrmals als Grablege.

1525, während des Bauernkriegs, wurde das Kloster geplündert und zerstört. Die Mönche flohen nach Gotha, der Klosterbesitz wurde dem Kurfürsten von Sachsen verkauft. Aus dem Klosterbesitz wurde das Amt Reinhardsbrunn gebildet. Zella St. Blasii, welches bisher zu Kloster gehörte, kam dabei an das Amt Schwarzwald. Fünf Jahre später, im Januar 1530, wurden neun Täufer auf Reinhardsbrunn festgehalten und vom Gothaer Superintendenten Friedrich Myconius vernommen. Sechs von ihnen waren nicht bereit ihren reformatorisch-täuferischen Standpunkt zu widerrufen und wurden anschließend hingerichtet. Sie waren die ersten Täufer, die allein wegen ihres Glaubens unter einer lutherischen Regierung umgebracht wurden. Philipp Melanchthon verteidigte diese Hinrichtungen später in einem Brief an Myconius.[2][3]

Die Klostergebäude verfielen während der folgenden Jahrzehnte, 1952 wurden die Grabsteine der Landgrafen in die Georgenkirche in Eisenach verbracht.

Schloss[Bearbeiten]

Nach dem Verfall des Klosters baute Herzog Friedrich Wilhelm I. von Weimar im Jahre 1601 ein Amtshaus für das Amt Reinhardsbrunn. Sein Bruder Johann III. plante den Wiederaufbau von Reinhardsbrunn; bis es zur Bauausführung kam, war er bereits verstorben. Unter seiner Witwe Dorothea Maria entstand zwischen 1607 und 1616 der Grundriss mit den Hauptgebäuden. In den Folgejahren entstanden Verbindungsbauten, in welche vermutlich Reste der Klosterbauten eingebunden wurden. Teile der Bauten entstanden unter Herzog Friedrich II. von Gotha-Altenburg um 1706. Den westlichen Bau bildete das Hauptgebäude, "das hohe Haus" oder "Schloss" genannt, auf dessen Grundmauern, unter Benutzung der Ecktürme unter Herzog Ernst I. von Coburg und Gotha 1826/1827 ein Lustschloss entstand. Baurat Eberhardt aus Gotha und Heideloff aus Nürnberg waren die Verantwortlichen für die Bauausführung. Nordöstlich stößt das Saalgebäude als kurzer Flügel an das Hauptgebäude, südlich und damit fast parallel zum Hauptgebäude, verläuft die "Hirschgalerie". Diese entstand aus dem ehemaligen Amtsgebäude. Von diesem aus verläuft nach Osten zu "das neue Gebäude" oder der "Lange Bau" genannt, welcher Bauteile des 15. Jahrhunderts enthält und später als Kirchgalerie diente.

Die Kirche schließt östlich mit drei Seiten das Achteck und ersetzt die im Jahre 1855 abgerissene Kirche. Sie liegt etwas südlich der ehemaligen Klosterkirche und innerhalb des Raumes der ehemaligen Kreuzgangflügel. Diese ehemalige Kirche war ein großer, sehr aufwändig gestalteter Bau, dessen Größe ein Altargemälde widerspiegelte, welches, "Jacob´s Traum" darstellend, als Familiengedenktafel ausgeführt wurde. Im Jahre 1850 gelangte das von Christian Richter[4], Vater des Hofmalers Christian Friedrich Richter (1587–1667), gemalte Bild, in die Augustinerkirche zu Gotha. Die Grabtafeln wurden in den Kirchenneubau 1874 übernommen, nachdem sie zuvor bereits einige Male umgezogen waren. Die Grabsteine Friedrich des Gebissenen und seiner Gemahlin Elisabeth wurden bereits 1552 aus der Grabstätte im Katharinenkloster Eisenach entfernt und in die Burgkapelle der neu erbauten Burg Grimmenstein verbracht, ebenso die Grabplatten aus dem damals bereits aufgehobenen Kloster Reinhardsbrunn. Als die Burg 1567 zerstört wurde, gelangten die Steine in das ehemalige Giesshaus vor dem Grimmenstein, 1613 ließ Dorothea Maria diese ausbessern und 1614 an der südlichen Außenfront unter einem Schutzdach aufstellen. Im Jahre 1874 wurden sie im Inneren des Vorbaues der Kirche bzw. im Verbindungsraum von der Kirchgalerie aufgestellt, jedoch teilweise mit falschen Daten versehen.[5] Heute befinden sich die Platten in der Georgenkirche zu Eisenach.

Um das Schloss herum entstand etwa 1850 ein Landschaftspark. Hier begegneten sich mehrmals die britische Königin Victoria und Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.

Im Jahre 1891 wurde die Anlage in das "Inventar der Kunstdenkmäler des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha" aufgenommen. 1945 erfolgte die entschädigungslose Enteignung des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha durch die sowjetische Besatzungsmacht. So ging dem Herzogshaus auch Schloss Reinhardsbrunn samt Ausstattung und Park verloren. Danach übernahm das Land Thüringen die Immobilien und nutzte sie vorübergehend zur Schulung von Feuerwehr und Polizei. 1953 wurde das Schloss ein Hotel des VEB Reisebüro der DDR, vor allem als Devisenbringer für Gäste aus Westdeutschland und dem westlichen Ausland. Bis 1990 war entsprechend auch ein Intershop auf dem Schlossgelände ansässig. Das Schloss entwickelte sich zum kulturellen und Bildungszentrum, mit Konzerten und Kongressen. Seit 1980 steht es als "Denkmal von nationaler Bedeutung" in der DDR-Denkmalliste. Im herzoglichen Außenpark errichtete und unterhielt zu DDR-Zeiten der VEB Kali Werra das Pionier-Ferienlager "Georgi Dimitroff".

1992 wurde Schloss Reinhardsbrunn in das Denkmalbuch des Freistaates Thüringen aufgenommen. Nach der Wende wurde das Hotel über die Treuhandanstalt an zwei westliche Hotelgruppen verkauft. Das Vorhaben, ein Fünfsterne-Hotel daraus zu entwickeln, wurde aber aufgegeben. Eine Rückübertragung an die Alteigentümer kam nicht zustande. Dann kamen englische, ukrainische und russische Käufer. Der Verfall der Anlage schreitet fort. Seit 2011 gibt es einen "Förderverein Schloss und Park Reinhardsbrunn", der positive Aktivitäten entwickelt hat.[6]

Zum Zustand des Schlosses im Juni 2013 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 20. Juni 2013 einen ausführlichen Bericht.[7] Derzeit wird die Enteignung der Anlage erwogen, um das Denkmal erhalten zu können.[8]

1929 wurde Reinhardsbrunn auch durch die Thüringerwaldbahn erschlossen.

Grabplatten[Bearbeiten]

Grabplatten der Thüringer Landgrafen, ehemals an der Westwand der Schlosskapelle Reinhardsbrunn, Fotografie von 1891

Die Steine, die heute in der Georgenkirche stehen, stellen Reproduktionen der ursprünglichen dar, die vermutlich bei einem Brand 1292 zerstört wurden. Drei der Steine entstanden durch denselben Bildhauer um 1320, der Rest scheint um die Mitte des 14. Jahrhunderts gearbeitet worden zu sein. Nach der Restauration der Steine unter Herzogin Dorothea Maria erfolgte eine weitere durch den Bildhauer Wolfgang aus Gotha im Jahre 1864. Die acht Steine waren an der Westwand der Schlosskapelle Reinhardsbrunn aufgestellt, an der Nordwand befand sich auf einem Sockel mit der Jahreszahl 1301 eine Gedenkplatte für einen nicht mehr bekannten Verstorbenen, da die Inschrift nur noch bruchstückhaft erkennbar war. An der Ostwand standen die Grabplatten von Friedrich I., der Gebissene oder Freidige († 1323), davor in einem Kasten seine Gebeine, daneben die Platte seiner Gemahlin Elisabeth von Arnshaugk († 1359). Grabplatten an der Südwand waren vermutlich die des Abtes Hermann († 1168) und eines Diether von Isenburg († um 1406?). In der Kirche selbst war eine Gruft.[5]

Folgende Grabplatten finden sich im Chor der Georgenkirche:

  • Figurengrabplatte für Ludwig den Springer (Ludowinger) († 1123), Stifter von Kloster Reinhardsbrunn
  • Figurengrabplatte für Adelheid († 1110), Gemahlin von Ludwig dem Springer
  • Figurengrabplatte für Landgraf Ludwig I. († 1140), Sohn des Gründers
  • Figurengrabplatte für Landgraf Ludwig II., den Eisernen († 1172), Sohn Ludwigs I.
  • Figurengrabplatte für Landgräfin Jutta († 1191), Gemahlin von Ludwig II., Schwester von Kaiser Friedrich Barbarossa
  • Figurengrabplatte für Landgraf Ludwig III., den Frommen († 1190), Sohn Ludwigs II.
  • Figurengrabplatte für Landgraf Ludwig IV., den Heiligen († 1227), Neffe Ludwigs III.
  • Figurengrabplatte für Landgraf Hermann II. († 1241), Sohn Ludwigs IV.

Galerie[Bearbeiten]

Johanniskapelle im Schlosspark[Bearbeiten]

Johanniskapelle

Im Areal der mittelalterlichen Klosteranlage fand die Evangelische Kirche Thüringens einen Ort für das Stift Reinhardsbrunn, es entstanden Schulungs- und Tagungsräume, eine Begegnungsstätte und die 2001 geweihte Johanniskapelle. Diese, auch als "Radfahrerkapelle" bekannt gewordene Kirche steht im Schlosspark und wird gelegentlich, z.B. an kirchlichen Feiertagen, sakral genutzt.

Es handelt sich um einen Nachbau der Johanniskirche des Hl. Bonifatius von 724. Sie soll Taufkirche von Landgraf Ludwig IV. (Ehegatte der Hl. Elisabeth) gewesen sein. Damals missionierte Bonifatius bei Altenbergen und ließ am heutigen Kandelaber-Denkmal eine Kapelle bauen, die bis Mitte des 18. Jahrhunderts mehrfach erweitert wurde. Im Nachbau der Kapelle im Schlosspark steht ein Abguss der Figurengrabplatte von Ludwig IV., das Original ist in der Eisenacher Georgenkirche.Ludwig ist im Kloster Reinhardsbrunn beigesetzt.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Heinrich Müller, Urkundliche Geschichte des Klosters Reinhardsbrunn 1089 - 1525 (Amt und Lustschloss) , Reprint von 1843/2002, S. 253, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, ISBN 978-3-936030-72-3
  • Franz Xaver von Wegele (Hrsg.): Annales Reinhardsbrunnenses (Thüringische Geschichtsquellen, 1). Frommann, Jena 1854 (Digitalisat)
  • Albert Naudé, Die Fälschung der Ältesten Reinhardsbrunner Urkunden , Reprint von 1883/2002, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, ISBN 978-3-936030-81-5
  • Albert Beck: Alt-Reinhardsbrunn im Glanze seiner achthundertjährigen Geschichte. Ein Heimatbuch. Jacob Schmidt & Co., Friedrichroda 1930
  • Hanns-Jörg Runge: Historischer Abriß von Friedrichroda und Reinhardsbrunn. Heft 1. Ur- und Frühgeschichte und Mittelalter. Friedrichroda, 1995.

Anmerkung[Bearbeiten]

  1. Zu dieser Briefsammlung vgl. Friedel Peeck (Hrsg.), Die Reinhardsbrunner Briefsammlung, (MGH Epp. sel. 5), München 1985 (= Nachdruck Weimar 1952), ISBN 3-921575-08-7.
  2. Christian Hege und Christian Neff: Reinhardsbrunn (Thuringia, Germany). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (englisch)
  3. Christian Hege und Christian Neff: Gotha (Thuringia, Germany). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (englisch)
  4. Paul Lehfeldt: Einführung in die Kunstgeschichte der Thüringischen Staaten, Verlag Gustav Fischer Jena 1900, S. 144
  5. a b Prof. Dr. P. Lehfeld: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens; Herzogthum Sachsen-Coburg und Gotha; Sachsen-Gotha I. Band: Landrathsamtsbezirk Gotha, Amtsgerichtsbezirke Gotha und Tonna; Verlag Gustav Fischer Jena 1891, Teil Amtsgerichtsbezirk Tenneberg S. 16-26
  6. Christfried Boelter: Schloss und Park Reinhardsbrunn - Denkmal in Not. Hörselberg-Bote Nr. 90, 2012, S. 15-19
  7. Eins der schönsten Stückchen Erde in FAZ vom 20. Juni 2013, Seite 27
  8. Oscar am Freitag: Der letzte Ausweg, Ausgabe 5 im 13. Jahrgang, vom 23. Mai 2014, Seite 11.
  9. Infotafel in der Kapelle

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Reinhardsbrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.86833333333310.5575Koordinaten: 50° 52′ 6″ N, 10° 33′ 27″ O