Reinhardshagen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Reinhardshagen
Reinhardshagen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Reinhardshagen hervorgehoben
51.4847222222229.5958333333333118Koordinaten: 51° 29′ N, 9° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Kassel
Höhe: 118 m ü. NHN
Fläche: 12,99 km²
Einwohner: 4477 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 345 Einwohner je km²
Postleitzahl: 34359
Vorwahl: 05544
Kfz-Kennzeichen: KS, HOG, WOH
Gemeindeschlüssel: 06 6 33 022
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Amtsstraße 10
34359 Reinhardshagen
Webpräsenz: www.reinhardshagen.de
Bürgermeister: Fred Dettmar (UWG)
Lage der Gemeinde Reinhardshagen im Landkreis Kassel
Bad Karlshafen Gutsbezirk Reinhardswald Trendelburg Trendelburg Hofgeismar Hofgeismar Oberweser Oberweser Wahlsburg Reinhardshagen Liebenau Grebenstein Immenhausen Fuldatal Espenau Vellmar Calden Breuna Zierenberg Zierenberg Ahnatal Habichtswald Wolfhagen Naumburg Bad Emstal Schauenburg Baunatal Fuldabrück Lohfelden Söhrewald Helsa Kaufungen Nieste Niestetal KasselKarte
Über dieses Bild

Die Gemeinde Reinhardshagen liegt in Deutschland im südlichen Weserbergland direkt an der Weser, zehn Kilometer nördlich der Fachwerkstadt Hann. Münden. Reinhardshagen gehört zum Landkreis Kassel in Hessen.

Die Gemeinde entstand 1970 im Zuge der Gebietsreform aus den beiden Orten Vaake und Veckerhagen, deren Geschichte bis ins 9. bis 12. Jahrhundert zurückreicht. Ihr Name leitet sich vom westlich des Ortes liegenden Reinhardswald ab. Am Ufer der Weser steht ein barockes Jagdschloss des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel. In der einstigen Eisenhütte des Ortes wirkten Denis Papin und Robert Wilhelm Bunsen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Reinhardshagen: geografische Lage

Ein ständiger Wechsel von Durchbruchstälern und Talerweiterungen prägt die Landschaft der Oberweser. Neun Kilometer weserabwärts vom Zusammenfluss von Fulda und Werra liegen in einer solchen Talerweiterung auf der linken Stromseite Reinhardshagen und auf der rechten Seite der zu Hann. Münden gehörende Ort Hemeln. Die Weser bildet hier die Grenze zwischen den Bundesländern Niedersachsen und Hessen.

Das Gemeindegebiet umfasst 1.298 Hektar und reicht von der Landesgrenze zu Niedersachsen in der Wesermitte (159 Meter ü. NN) bis zum Gahrenberg (472,1 m ü. NN) und Staufenberg (472,2 m ü. NN) im Reinhardswald. Weserabwärts erstreckt sich das Gemeindegebiet noch drei Kilometer über die nördliche Ortsgrenze von Veckerhagen hinaus bis zur ehemaligen Jugendherberge und weseraufwärts bis zur südlichen Ortsgrenze von Vaake. Neben den historischen Ortskernen, die sich unmittelbar an der Weser befinden, ziehen sich Wohnbebauungen den Hang zum Reinhardswald hinauf bis an die Waldgrenze.

In Vaake mündet die Ahle in die Weser, in Veckerhagen der Hemelbach. Beide entspringen nur wenige Kilometer entfernt im Reinhardswald.

Geologie[Bearbeiten]

Die Weser durchfließt zwischen Hann. Münden und Bad Karlshafen eine Bruchfalte des Buntsandsteingewölbes von Bramwald, Reinhardswald und Solling. Ihre Entstehungsgeschichte reicht rund 250 Millionen Jahre in eine Periode des frühen Erdmittelalters (Trias) zurück. Weiträumige Flusssysteme transportierten aus südlichen Richtungen lockere Sande heran, die hier abgelagert wurden. Im Verlauf weiterer Jahrmillionen folgten darüber immer mehr Schichten bis zu einer Mächtigkeit von mehr als tausend Metern. Unter der Auflast dieser Deckschichten verfestigten sich die lockeren Flusssande zu Sandstein. Nachdem die jüngeren Sedimentgesteine in der Folgezeit flächenhaft wieder abgetragen worden sind, hat sich die Weser im Verlauf der jüngsten eine Million Jahre der Erdgeschichte in die Buntsandsteinschichten zwischen Bramwald und Reinhardswald mit einer mittleren Rate von 20 Zentimetern im Jahrtausend eingeschnitten und dabei buchtenartige, mit Löß und Auenlehm bedeckte Flächen gebildet, auf denen Vaake, Veckerhagen und Hemeln liegen. Die zum Reinhardswald ansteigenden Hänge weisen in geringer Tiefe unter der Humusschicht eine Lehmschicht auf, die stark von Buntsandsteinbrocken durchsetzt ist.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Wesertal Blick weseraufwärts mit Reinhardshagen (rechts Veckerhagen, Ortsteil Vaake im Hintergrund) und Hemeln (links) vom 20. April 2006.

Reinhardshagen liegt zwischen dem Landkreis Kassel zugehörigen gemeindefreien Gebiet Gutsbezirk Reinhardswald und der niedersächsischen Stadt Hann. Münden (im Landkreis Göttingen).

Gliederung[Bearbeiten]

Reinhardshagen besteht aus den ehemals selbständigen Gemeinden Veckerhagen und Vaake, wobei Vaake wiederum aus dem Kernort und Vaake-Süd besteht, einem etwas abseits gelegenen kleinen Wohn- und Gewerbegebiet. In den 1980er Jahren ist ein Neubaugebiet zwischen Veckerhagen und Vaake entstanden. Hier befinden sich auch die Wesertalhalle (Bürgerhaus), eine Mittelpunktschule und Sportanlagen.

Klima[Bearbeiten]

Reinhardshagen im Winter

Durch den Reinhardswald geschützt, liegt die Gemeinde im Schatten der vorherrschenden regenträchtigen Westwinde. Dies beschert ihr milde, trockene Sommer- und Herbstmonate, während im Winter das nach Norden verlaufende Wesertal kalte Luftströmungen ungehindert einlässt. Schnee in größeren Mengen liegt dann oft nur in den am Hang des Reinhardswalds gelegenen Ortsteilen, seltener im flachen Weserbereich. Die Tagesmitteltemperatur des Zeitraums 1971–2000 lag im Sommer bei 17,0 °C, im Winter bei 2,0 °C. Das langfristige Niederschlagsmittel in diesem Zeitraum bewegt sich um 750 mm im Jahr[2]

Die Luft in diesem Oberwesergebiet ist außergewöhnlich rein. So liegt die mittlere Partikelkonzentration im niedrigsten Messbereich zwischen null und zehn Mikrogramm je Kubikmeter Luft[3]. Der Ortsteil Vaake erhielt bereits am 12. Dezember 1965 die staatliche Anerkennung als Luftkurort. Veckerhagen wurde am 18. Dezember 1969 mit der Auszeichnung Hessischer Familienferienort versehen. Beide Prädikate galten bis mindestens 1978, wurden aber später aufgrund schwer erfüllbarer Infrastruktur-Bedingungen nicht wieder beantragt und dürfen deshalb heute nicht mehr geführt werden.

Hochwasser[Bearbeiten]

Weserhochwasser 6. Februar 1909 in Veckerhagen, Pegelstand 6,93 Meter
Weserhochwasser Januar 2003 in Vaake, Pegelstand 5,81 Meter

Der normale Wasserstand der Weser beträgt in Reinhardshagen je nach Jahreszeit 35 bis 110 Zentimeter. Durch die nahen Quellflüsse Fulda und Werra, die Schmelz- und Regenwasser aus der Rhön und dem Thüringer Wald mit sich führen, steigt der Wasserstand regelmäßig fast jedes Frühjahr stark an. Dies kann dann zu Überflutungen der ufernahen Straßen in Vaake und Veckerhagen führen. Die Autofähre stellt ihren Verkehr ab einem Pegelstand von 2,7 Metern ein.

Am 6. Februar 1909 stieg die Weser in Veckerhagen auf nahezu sieben Meter und überschwemmte weite Teile des alten Ortskerns. Rund um Brauhaus und Kirche konnte man sich nur mit Booten fortbewegen. Das Hochwasser hielt mehrere Tage an und verursachte erhebliche Schäden.

Das nächste Hochwasser erlebten Vaake und Veckerhagen am 1. Januar 1926 mit einem Wasserstand von 6,50 Metern.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 wurde die Staumauer des Edersees durch einen britischen Fliegerangriff zerstört. Es entstand ein 70 Meter breites und 22 Meter tiefes Loch in der Mauer, aus dem rund 160 Millionen Kubikmeter Wasser strömten. Eine sechs bis acht Meter hohe Flutwelle ergoss sich durch das untere Edertal und über die Fulda schließlich ins Wesertal. Sie erreichte am 19. Mai abgeschwächt Vaake und Veckerhagen. Da die Bewohner der Orte über das bevorstehende Ereignis unterrichtet worden waren, konnten Schäden an Hab und Gut vermieden werden. Der Flurschaden war allerdings beträchtlich.

Im Februar 1946, am 12. März 1981, am 23. Dezember 1993, am 24. und 31. Januar 1995 und im Januar 2003 stieg der Weserpegel jeweils deutlich über 5,50 Meter, erreichte aber nie die Rekordmarke von 1909.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Etwa fünf Prozent der Gemeindefläche ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen, vorwiegend im Taleinschnitt des Hemelbachs und den angrenzenden Eichenwäldern. Ist die Gemarkung des Ortes von den Wäldern des Reinhardswaldes mit seinen Eichen-, Buchen- und Fichtenbeständen geprägt und bringt der Boden außer den üblichen Wiesenpflanzen keine Besonderheiten hervor, ist der Tierbestand doch außergewöhnlich. Amphibien erreichen eine hier eine starke Population. So wurden 1997 bei einer Untersuchung weit über 5.000 wandernde Erdkröten, Molche und Frösche festgestellt. Der Feuersalamander ist nicht selten im Ortsgebiet.

1925 wurde ein Auerhahn-Brutgebiet im Revier 1840/42 des Reinhardswalds unweit Veckerhagens erwähnt. Turteltaube, Waldkauz, Uhu und Neuntöter sind in der Ortslage zu beobachten, ebenso wie Fischreiher und ein Storchenpaar, das seit einigen Jahren wieder in Vaake mit Erfolg nistet. Große Krähenschwärme bedrängen in den letzten Jahren die Landwirtschaft.

Die im Kasseler Raum sich ausbreitende Waschbärpopulation hat auch auf Reinhardshagen übergegriffen und macht Hausbesitzern zu schaffen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Talbuchten, in denen Vaake, Veckerhagen und Hemeln liegen, müssen schon früh waldfrei und besiedelt gewesen sein. Steinzeitliche Funde in Vaake (Steinbeil) und Hemeln (Feuersteindolch) deuten dies an. Bis zur Christianisierung liegen jedoch keine schriftlichen Zeugnisse vor.

In der Talbucht um Vaake und Veckerhagen bestanden urkundlich erwähnt im 12. Jahrhundert weitere acht Kleinsiedlungen, die noch vor dem Dreißigjährigen Krieg entweder wüst fielen oder in den Gemarkungen angrenzender Orte aufgingen und heute noch in Flurnamen wieder zu finden sind. So befanden sich nördlich von Veckerhagen Haltmerden und Herboldessen, zwischen Veckerhagen und Vaake Kaltenhof und südlich von Vaake Horode, Hottenhausen, Renebeck, Niederhagen und Altmünden.

Ersterwähnungen[Bearbeiten]

Reinhardshagen, Ortsteil Vaake

Vaake[Bearbeiten]

Das Kloster Corvey, 816 bei Höxter gegründet, erhielt durch rege Missionstätigkeit seiner Benediktinermönche an der Oberweser erheblichen Landbesitz. In den Corveyer Traditionen, einer Sammlung von Aufzeichnungen Corveyer Mönche über die dem Kloster gemachten Schenkungen von Allodialgut, wird ein Ort Faca oder Fata erwähnt, zuzuordnen dem Zeitraum zwischen 822 bis 891. Wurde bis 1970 die Ersterwähnung von Vaake in den Dissertationen von Anna Schroeder-Petersen und Helmut Jäger mit vor 978 angegeben, berechnete der Witzenhäuser Historiker Karl August Eckhardt in seinen Studia Corbeiensia die Ersterwähnung Vaakes auf das Jahr 866.

Mit der Gründung des Reichsklosters Hilwartshausen unweit Vaakes erhielten ab 960 die Nonnen durch Stiftungen und Rodungen ebenfalls umfangreichen Grundbesitz im oberen Wesertal. 1003 ist ein solcher in Vaake nachgewiesen und urkundlich festgehalten. Dieses in lateinischer Sprache verfasste Papier schildert jedoch mehrere zeitlich voneinander unabhängige Vorgänge und verdichtet sie zu einem scheinbar in kurzen Abständen erfolgten Ereignis. Hieraus abgeleitet datierten die Historiker Karl A. Kroeschell und Hans-Walter Krumwiede die ersterwähnte Schenkung auf 965.

Das Staatsarchiv Marburg gelangte 1978 schließlich zu der Feststellung, dass unter Zugrundelegung der Corveyer Traditionen Vaake bereits früher erwähnt sei. Die Ersterwähnung Vaakes sei zwar in den Corveyer Traditionen nicht genau datiert, das Datum aber von Eckhardt mit ausreichender Genauigkeit auf 866 errechnet worden.

Reinhardshagen, Ortsteil Veckerhagen

Veckerhagen[Bearbeiten]

Der Ortsname Veckerhagen lässt die Annahme zu, dass die Gründung des Ortes in eine Rodungsperiode des ausgehenden 13. Jahrhunderts fällt, in der die meisten Dörfer mit der Endung Hagen entstanden sind. 1297 wird der Ortsname in einer lateinischen Stiftungsurkunde der Witzenhäuser Kaufmannsgilde erstmals erwähnt. In ihr wird der Tuchhändler Henricus de Fekkershagen aufgeführt, in einer Abschrift dieser Urkunde aus dem Jahr 1575 als Heinrich vom Feckernhagen übersetzt. Der Namensanhang ist bei einem Tuchhändler als Ortsname zu erklären, nicht als adeliger Familienname.

Feckernhagen, Heinrichs Wohnort, bestand sicherlich schon einige Jahre, so dass man davon ausgehen kann, dass die Gründung des Ortes in die Schöneberger Rodungsperiode der Jahre 1270–1280 fällt. Die Edelherren von Schöneberg verloren durch Streitigkeiten mit der mainzischen Besatzung der Stadt Hofgeismar ihren dortigen Besitz und Einfluss und versuchten ab 1272 durch Rodungen am Ostrand des Reinhardswaldes wieder zu Eigenbesitz und Vogteirechten zu kommen. In dieser Zeit entstanden acht Siedlungen, darunter die nicht mehr existenten Horode und Herboldissen nahe dem heutigen Veckerhagen. 1278 schenkte, durch Urkunde belegt, Konrad von Schöneberg die Rodung Horode dem Kloster Hilwartshausen. Auch wenn Veckerhagen bei diesem Vorgang nicht ausdrücklich erwähnt wurde, kann man seine Entstehung ungefähr in diesem Jahr vermuten.

13. bis 16. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die urkundlich erwähnten Namen der Grundherren von Vaake und Veckerhagen geben Aufschluss über die wechselnden Besitzverhältnisse und die Entstehung der beiden Orte. Als Grundherren in Vaake waren 1247 Ludolph von Ukken, 1272 Graf Ludolph von Dassel, 1273 der Erzbischof Werner von Mainz, 1288 Graf Otto von Everstein und 1290 gemeinsam Mainz und Braunschweig eingetragen. Von 1304 bis in die heutige Zeit hat das Kloster Hilwartshausen Besitztitel. Ebenso 1343 Ritter Heinrich von Stockhausen, die Brüder Vecker und der hessische Landgraf Ludwig. Von 1348 bis 1406 erschienen Albrecht und Reynar Feker, Reinhart Vecker, der Herr von Gudenberg, Lambert, Lamprecht, Helmbrad und Albrecht von Stockhausen, die Landgrafen Hermann und Heinrich sowie Dietrich von Hardenberg in den Besitzurkunden.

1455 brannte die paderbornische Besatzung der Krukenburg unter der Führung der Ritter Georg von Spiegel und Johann von Winzingerode das Dorf Vaake, das im gemeinsamen Besitz von Braunschweig und Hessen war, nieder.

1538 tauschten Herzog Erich von Braunschweig-Göttingen und Landgraf Philipp von Hessen ihre gleichen Hälften an den Dörfern Vaake und Hemeln aus. Vaake wurde dadurch ganz hessisch und Hemeln ganz braunschweigisch.

Veckerhagen war ursprünglich ein Hof oder Hagen oder Hain, den die in Vaake ansässige, dem niederen Dienstadel entstammende Freibauernfamilie der Vecker (auch Feker) unter der Oberlehnsherrschaft der Edelherren von Schöneberg durch Eichenwaldrodungen anlegte. Der Hof wurde 1342 von den damaligen Besitzern, den Herren von Stockhausen, an den hessischen Landgrafen Ludwig abgetreten. Seine Größe wird daran deutlich, dass er in der entsprechenden Urkunde bereits als Dorf bezeichnet wird. Er wurde bis nach 1400 weiterhin von den bäuerlichen Vecker zu Lehen genommen.

Wichtig für die geschichtliche Entwicklung Veckerhagens war 1430–1431 die Anlage einer von einem Graben umgebenen, unmittelbar am Weserufer gelegenen, später als Alte Burg bezeichneten Burg durch Landgraf Ludwig I. von Hessen. Sie ermöglichte das ungestörte Anwachsen des Ortes in ihrem Schutz. Die Herren von Stockhausen, niedersächsisch-hessischer Uradel, wurden wiederholt als Verwalter der Landgrafen auf der Burg Veckerhagen genannt. In der Zeit von 1431 bis 1500 übten Vater Hans von Stockhausen, seine Söhne Hans und Heinrich und schließlich Hans allein die Amtsverwaltung aus. Mit dem Ende der Hessen-Paderbornische Fehde im Jahr 1472 war der militärische Zweck des Amtes Veckerhagen erfüllt, wenngleich dessen Auflösung erst um 1550 erfolgte. Dem Ausbau der Burg wurde keine Beachtung mehr geschenkt und sie verfiel.

Das Geschlecht derer von Stockhausen besaß in Veckerhagen auch nach der Auflösung des Amtes Land. Dies ist für die Jahre 1551 im Gieselwerderer Salbuch und für die Jahre 1570 und 1587 im Sababurger Salbuch erwähnt. Noch 1750 bestand in Veckerhagen ein stockhausisches Meiergut in der Größe von 14 Äckern.

Veckerhagen und Vaake auf einer Karte von 1841
Jagdschloss und Farbenfabrik in Veckerhagen

17. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) ging auch an Vaake nicht spurlos vorüber. Das Langschiff der Kirche wurde mehrfach beschädigt, sodass verschiedene Instandsetzungsmaßnahmen erfolgen mussten. Die heutige Holzbalkendecke des Kirchenschiffes stammt aus dem Jahr 1659.

1666 wurde westlich von Veckerhagen am Rand des Reinhardswaldes eine Eisenhütte errichtet.

In Anlehnung an die alte Burg entstand Ende des 17. Jahrhunderts unter Landgraf Carl von Hessen-Kassel das barocke Jagdschloss Veckerhagen. Das Schloss und die dazugehörende Domäne bewohnte und verwaltete die 1742 zur Reichsgräfin erhobene Barbara Christine von Bernhold bis zu ihrem Tod 1756. Danach fiel der Besitz im Jahre 1770 Besitz an den Landgrafen Friedrich II. von Hessen zurück.

Während der Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen (1807–1813) war Veckerhagen Verwaltungssitz des Kantons Veckerhagen.

1810 erwarb der Kasseler Farbenfabrikant Habich das Jagdschloss und errichtete auf den Resten der Alten Burg Fabrikationsanlagen. Habich begann 1842 am Gahrenberg Braunkohle und Schmierkohle für die Farbenherstellung abzubauen.

Zwischen 1830 und 1870 verließen viele Bewohner Vaake und Veckerhagen und wanderten nach Nordamerika, Chile und Jamaika aus. Waren es anfangs meist alleinstehende Personen, folgten nach den Ernährungskrisen 1845 ganze Familien.

1848 wurde der regelmäßige Postkutschenverkehr von Kassel nach Veckerhagen über Ihringshausen aufgenommen, 1899 jedoch wieder eingestellt. Ab 1927 fuhren dann zunächst Omnibusse der Reichsbahn, später Postomnibusse auf dieser Verbindung.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

bis 1933[Bearbeiten]

Ein Teil der von der Farbenfabrik genutzten Alten Burg brannte 1914 nieder und wurde nicht wieder aufgebaut. Im beginnenden Ersten Weltkrieg rekrutierte die Reichswehr auch Bürger aus Veckerhagen und Vaake, die zum großen Teil nicht aus den Kriegsgebieten heimkehrten. 36 Kriegsgefallene wurden in Vaake beklagt, 66 in Veckerhagen. Die Zeit der Weimarer Republik von 1919 bis 1933 verlief in beiden Orten ohne nennenswerte Höhepunkte.

1933 bis 1945[Bearbeiten]

Das Gedankengut des Nationalsozialismus drang nur langsam in die Oberweserregion ein und erreichte Veckerhagen erst 1936. Der damalige Bürgermeister Heinrich Becker trat als Ortsgruppenleiter in die NSDAP ein und vermied somit einen weisungsbefugten Vorgesetzten aus der Partei. Ab 1939 wurde die Eisenhütte in die Rüstungsindustrie einbezogen. Ein großer Teil der männlichen Bevölkerung beider Orte wurde zur Wehrmacht eingezogen und kehrte nicht wieder.

Im Zweiten Weltkrieg wurden nach der Westoffensive des Sommers 1940 und der damit verbundenen Besetzung Belgiens, Hollands und Nordfrankreichs durch deutsche Truppen in einem Zivilarbeitslager in Vaake bis zu 629 ausländische Arbeiter, vorwiegend Flamen und Wallonen, untergebracht, die zum Teil als Umschüler für das Junkers-Zweigwerk in Schönebeck zunächst in den feinmechanischen Werkstätten Göttingens ausgebildet wurden.[4][5][6] Nach Zeitzeugen wurden auch in der Eisenhütte und in der Forst- und Landwirtschaft „Zivilarbeiter“ aus Vaake eingesetzt.

Im Gegensatz zu Vaake war Veckerhagen zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Kampfhandlungen verwickelt. Am Abend des 5. April 1945 war erstmals das Geschützfeuer der herannahenden Front aus Richtung Hofgeismar zu vernehmen. Im oberen Ende des Hemelbachtals hatten Pioniere die Eichenallee mit Panzersperren versehen. In dieser Nacht sickerten versprengte Wehrmachtsangehörige durch den Reinhardswald nach Veckerhagen ein, und 36 von ihnen wurden von Bewohnern versteckt. Andere durchschwammen die Weser und wurden nach Augenzeugenberichten in Hemeln erschossen. Durch die Hilfe einiger jugendlicher Einwohner konnten die versteckten Soldaten am frühen Morgen des 6. April mit einem alten Lastenschiff die Weser überqueren. Über das Schicksal der Flüchtenden ist nichts bekannt. Die jugendlichen Helfer wurden dank der situationsgerechten Argumentation des Bürgermeisters (und NS-Ortsgruppenleiters) Heinrich Becker lediglich inhaftiert, auch wenn Volkssturm-Truppführer und HJ-Führer deren Hinrichtung forderten.

Nur wenige Stunden später erschienen über Vaake und Veckerhagen am Waldrand erste amerikanische Spähtrupps. Geschützbatterien hatten sich bereits im Reinhardswald verschanzt und beschossen kurzzeitig Veckerhagen. Es gab zwei Tote und einen Schwerverletzten unter der Zivilbevölkerung. Eine Delegation mit weißen Fahnen unter der Führung von Bürgermeister Becker ging den Amerikanern entgegen und verbürgte sich für eine kampflose Übergabe des Ortes. Panzer, motorisierte Artillerie und Infanterie rückten daraufhin bis zur Weser vor. Ein in Hemeln stationiertes Geschütz der Wehrmacht beschoss Veckerhagen und traf ein Haus und das Schloss, wurde aber nach einem kurzen Schusswechsel zerstört. Amerikanische Infanteristen wechselten mit der Fähre am späten Abend auf die Hemelner Seite, um den Ort zu sichern.

Am 7. April 1945 überschritt die 104. Infanteriedivision der Amerikanischen Armee die Weser bei Veckerhagen/Hemeln auf einer schnell errichteten Pontonbrücke. Zwei Tage und zwei Nächte rollten ununterbrochen Panzer und andere Militärfahrzeuge durch Veckerhagen, sammelten sich in Hemeln und rückten nach Göttingen vor, das am Mittag des 8. April 1945 eingenommen wurde.

Einzige Relikte des Zweiten Weltkriegs sind Reste einer Verschanzung am Waldrand westlich des Ortes. Sowohl in Vaake wie auch in Veckerhagen weisen Denkmäler Gefallene und Vermisste des Zweiten Weltkriegs aus. In Vaake werden 98 Einwohner betrauert, in Veckerhagen 154.

nach 1945[Bearbeiten]

Die ersten Nachkriegsjahre prägte der Zuzug von über 1.000 Heimatvertriebenen, die in beiden Orten Unterkunft finden mussten. Nach anfänglichen Einquartierungen begann eine rege Bautätigkeit, getragen von den Gemeindevertretungen und realisiert von drei ortsansässigen Bauunternehmen und Geldinstituten wie Volksbank und Sparkasse. Langsam besann man sich mit Erfolg auf die vorhandenen qualitativen Merkmale in Bezug auf Tourismus- und Wirtschaftsförderung. Diese Entwicklung wird in den nachfolgenden Abschnitten beschrieben.

Die noch stattlichen Reste der Alten Burg fielen 1967 einem weiteren Großbrand zum Opfer. Die verbliebenen Grundmauern benutzte die Farbenfabrik zum Aufbau von Werk- und Lagerhallen.

Gemeindefusion[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1970 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Vaake und Veckerhagen zur neuen Gemeinde Reinhardshagen zusammengeschlossen.[7]

Politik[Bearbeiten]

Nach dem vor 1936 republikanischen, dann der NSDAP angehörenden Bürgermeister Heinrich Becker in Veckerhagen wurde am 9. April 1945 der SPD-Parteisekretär Bernhard Wilhelm als Bürgermeister eingesetzt. In Vaake übernahm 1948 Richard Pelz (SPD) das Amt. Otto Thias (Veckerhagen) und Erwin Schuck (Vaake), beide SPD, bekleideten bis zum Zusammenschluss am 31. Dezember 1970 ihre Ämter als Bürgermeister. Nachkommen der früheren Bürgermeister Becker und Pelz wirkten in den Gemeinderäten mit. Der Bürgermeister von Vaake, Erwin Schuck, wurde 1971 zum Bürgermeister der neuen Gemeinde Reinhardshagen gewählt.

Der Gemeinderat setzte sich nach der ersten Gemeindewahl am 12. Januar 1971 aus neun Vertretern der SPD, drei der CDU und drei der UWG zusammen. Als Nachfolger von Erwin Schuck wurde 1984 Lothar Merkwirth von der Gemeindevertretung (Gemeinderat) als Bürgermeister bestimmt und in der ersten direkten Bürgermeisterwahl in Hessen 1996 im ersten Wahlgang gewählt sowie 2002 ebenfalls im ersten Wahlgang bestätigt. 2008 erhielt als Nachfolger für den nicht mehr kandidierenden Bürgermeister Merkwirth Fred Dettmar im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit.

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis[8]:

Kommunalwahl 2011
 %
60
50
40
30
20
10
0
56,1 %
34,6 %
9,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+8,1 %p
-3,8 %p
-4,1 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
UWG Unabhängige Wählergemeinschaft Reinhardshagen 56,1 13 48,0 11
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 34,6 8 38,4 9
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 9,4 2 13,5 3
Gesamt 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 54,4 52,6

Bei der Bundestagswahl 2005 stimmten von 3.137 Wählern[9]

  • 45,5 % für die SPD
  • 28,2 % für die CDU
  • 7,0 % für GRÜNE
  • 10,6 % für die FDP
  • 5,7 % für Die Linke
  • 0,4 % für die REP
  • 0,9 % für Die Tierschutzpartei
  • 1,0 % für die NPD
  • 0,4 % für GRAUE
  • 0,1 % für BüSo
  • 0,0 % für die MLPD
  • 0,1 % für die PSG

Die Gemeindeverwaltung nutzt die Räume beider Ortsteil-Rathäuser, der Gemeindevorstand tagt im Rathaus Veckerhagen. Sitzungen der Gemeindevertretung finden in der Wesertalhalle statt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Um 1750 wohnten in Veckerhagen und Vaake zusammen 1.228 Menschen, um 1850 waren es bereits mehr als 2.300 und 1950 etwa 3.500. Bis 2005 wuchs die Bevölkerung auf über 5.200 Personen an. Mitte 2010 wohnten nur noch 4.798 in Reinhardshagen[10].

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Reinhardshagen

Das Wappen von Reinhardshagen wurde zusammen mit der amtlichen Gemeindeflagge am 14. Juni 1978 verliehen. Wappen- und Flaggenzeichnung basieren auf Vorlagen von Klaus Günther[11]. Die Grundfarben des Wappens sind weiß und grün. Es zeigt eine der typisch hohlen, jahrhundertealten Eichen, wie sie im Reinhardswald zu finden sind, mit zwölf Blättern, die die elf ursprünglichen Sprengel des Besiedlungsgebiets darstellen. Das zwölfte Blatt an der Spitze symbolisiert die neue Gemeinde Reinhardshagen, flankiert von zwei Eicheln, die für Veckerhagen und Vaake stehen. Die Verwurzelung der Eiche im weißen Feld soll ihren Standort auf den winterlichen, bis zu 472,2 m ü. NN hohen Bergen des Reinhardswaldes darstellen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Fachwerkensemble in Vaake
Fachwerkhaus 18. Jahrhundert in Veckerhagen
Evangelische Kirche in Vaake
evangelische Kirche in Veckerhagen
Barockschloss in Veckerhagen
Eisenhütte in Veckerhagen
Parkanlage, Herrenhaus und Gießerei der Eisenhütte
Gierseilfähre Veckerhagen

In beiden Ortsteilen finden sich zahlreiche Fachwerkhäuser verschiedener Epochen, vorwiegend aus dem 17. Jahrhundert. Viele davon sind reich verziert und tragen Sinnsprüche auf dem Rahmholz. Am Weserufer des ehemaligen Fischerdorfes Vaake bilden Fachwerkhäuser mit teils niederdeutschem Einfluss, zum Beispiel der charakteristischen großen Mitteldiele, den Abschluss der 30 Meter breiten Uferpromenade. In dieser Häuserzeile befindet sich auch die evangelische Kirche aus dem 13. Jahrhundert.

In Veckerhagen gruppieren sich die Fachwerkhäuser rund um die Kirche teilweise zu geschlossenen Ensembles. Besonders auffällig ist das heute freistehende Wohn- und Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Gehöftes der Familie Albrecht aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit zwei Stockwerken, heute „Amtsstuben“.

Kirche in Vaake[Bearbeiten]

Die evangelische Kirche in Vaake liegt unter alten Bäumen am Weserufer. Der spätromanische Bau wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut. Die steinerne Wehrkirche hat einen leicht querrechteckigen Westturm. Das daran gleich breit anschließende Langhaus ist einschiffig und hat einen etwas schmaleren, quadratischen Chor. Die zwei Portale in Holzrahmung an der Südseite sind von 1678.

Das Langhausgewölbe wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Nur die Schildbögen und die zweiteiligen Wandvorlagen sind original erhalten. Die jetzige Decke, eine Balkendecke mit Längsunterzug und Mittelpfosten, wurde 1678 errichtet. Die 1937 freigelegten Wandmalereien in mittelrheinischem Stil wurden um das Jahr 1400 angefertigt. Sie stellen an den Wänden Passionsbilder dar. Unter den Gewölben sind das Jüngste Gericht, die Marienkrönung, Symbole der Evangelisten, Bilder der Heiligen Petrus und Stephanus abgebildet. Im Nordfenster und in einem Obergadenfenster sind Bilder stehender Heiliger. Das Nordfenster des Chors aus dem Jahr 1643 zeigt einen Schäfer mit Herde.

Kirche in Veckerhagen[Bearbeiten]

Die evangelische Kirche in Veckerhagen ist ein 1778 bis 1780 im Übergangsstil vom Spätbarock zum Klassizismus errichteter, kreuzförmiger mit Sandstein verblendeter Fachwerkbau mit einem stattlichen Haubendachreiter in der Mitte. Das Innere ist mit dreiseitigen Emporen als Längssaal gestaltet. Die Steinsäulen der Emporen stützen gleichzeitig das Kirchendach. Die Treppen befinden sich in den räumlich abgetrennten Kreuzarmen. Die Orgel stammt aus dem Spätrokoko und wurde 1787 von Johann Stephan Heeren gebaut.

Jagdschloss Veckerhagen[Bearbeiten]

Das Veckerhäger Schloss (auch Habich's Schloss genannt) ist eine barocke Dreiflügelanlage und liegt nahe am Weserufer. Es wurde 1689 neben der 1430–1431 errichteten (und durch Brände 1914 und 1967 weitgehend zerstörten) „alten“ Burg im Auftrag des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel als Jagdschloss erbaut.[12] Mögliche Architekten waren Paul du Ry oder Johann Konrad Giesler.

Das Schloss und die dazu gehörende Domäne besaß im 18. Jahrhundert die (ab 1742) Reichsgräfin Barbara Christine von Bernhold, seit 1721 Geliebte des Landgrafen Karl und nach dessen Tod Großhofmeisterin seines Sohns und Nachfolgers Wilhelm VIII.. Nach ihrem Tod 1756 ging der Besitz 1770 an den Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel zurück und wurde 1810 in der Zeit des westphälischen Königreichs von König Jérôme Bonaparte für 2000 Reichstaler an die Vorfahren der Fabrikantenfamilie Habich aus Kassel verkauft, die es noch heute einschließlich der daneben liegenden Farbenfabrik besitzt.

Eisenhütte[Bearbeiten]

1666 wurde die Eisenhütte in Knickhagen aufgelassen und nach Veckerhagen verlegt. Das Hüttenensemble aus Maschinenfabrik, Gießereihaus, Rosenhaus und Veckerhäger Bergamt entstand am oberen Ende der Kasseler Straße am Osthang des Reinhardswaldes. Die landgräfliche Eisenhütte Veckerhagen bezog über den Wasserweg Schwalm-Eder-Fulda-Weser Eisenerz unter anderem aus Haddamar und produzierte bis 1903 eine breite Palette von hochwertigen Erzeugnissen, von der ein bereits 1834 erschienener „Gußwaren-Katalog“ kündete. Neben gedrillten Stahlseilen für die in Veckerhagen über die Weser verkehrende Gierseilfähre goss man vorwiegend Reliefplatten für offene Kamine, kunstvoll gestaltete Zäune und die Teile für den weit verbreiteten Veckerhäger Ofen, der über Bremen sogar Kunden in Skandinavien und den USA fand. Denis Papin ließ hier um 1706 den ersten Dampfzylinder der Welt gießen. 1838 untersuchte Robert Wilhelm Bunsen hier erstmals die chemischen und physikalischen Eigenschaften von Hochofengasen und des Hochofenprozesses.

Nach der Stilllegung stand die Anlage bis 1955 leer und wurde danach bis 1991 von der Weserkeramik genutzt, die dort die weit verbreiteten Veckerhäger Töpfe, Blumenübertöpfe mit Löwentatzen, herstellten. Teile der ursprünglichen Hüttenbebauung und fast die gesamte schmiedeeiserne Umfriedung aus den Anfängen der Hütte wurden in dieser Zeit entfernt.

Die gesamte jetzt noch bestehende Hüttenanlage ist gemäß § 2 Hessisches Denkmalschutzgesetz geschützt und wird zukünftig im EcoMuseum Reinhardswald eine bedeutende Rolle spielen.

Parkanlagen[Bearbeiten]

Parkähnliche Anlagen befinden sich sowohl in Vaake (Weserpromenade) als auch in Veckerhagen mit einem kleinen „Kurpark“. Die Konzertpavillons in beiden Ortsteilen wurden bis zur Aufhebung des Luftkurort-Prädikats in den Sommermonaten wöchentlich bespielt, heute nur noch sporadisch. Ein weiterer Musikpavillon befindet sich, jetzt dem Verfall preisgegeben, am ehemaligen Hotel Felsenkeller am Waldrand von Veckerhagen. Angelegt ist auch die Uferpromenade in Veckerhagen, an der eine drei Meter hohe Stele der Bramba, der sagenhaften Herrin der Bramburg oberhalb Hemelns am gegenüberliegenden Weserhang, aufgestellt wurde.

Sport und Kultur[Bearbeiten]

Zwischen beiden Ortsteilen befinden sich zentrale Sportanlagen (Fußball, Leichtathletik, Tennis) und die Wesertalhalle für Veranstaltungen aller Art. Eine Turnhalle gliedert sich an die Wesertalhalle und die benachbarte Schule an. In Vaake wurde der Dreschschuppen, eine ehemalige Dorftenne, zu einem überdachten Festplatz umgebaut und in Veckerhagen der Bereich zwischen Kirche und Rathaus, das ein Glockenspiel trägt, gestiftet von einem zu Reichtum gelangten Amerika-Auswanderer, fußgängerfreundlich ausgestaltet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Andrang auf der Fähre am Abend der Weserbeleuchtung

Überregionale Anziehungskraft übt die alljährlich am ersten Wochenende im August stattfindende Weserbeleuchtung der Freiwilligen Feuerwehr Reinhardshagen aus, eine Großveranstaltung, die abwechselnd in Vaake und Veckerhagen am Weserufer durchgeführt wird. Hierbei werden nach Einbruch der Dunkelheit hunderte von schwimmenden Lichtern oberhalb von Vaake auf die Weser gesetzt, die dann wie ein Lichterteppich an beiden Ortsteilen und Tausenden von Schaulustigen vorbeiziehen. Einbezogen in den Veranstaltungsablauf ist auch der gegenüber liegende Ort Hemeln, an dessen Weserufer das abschließende Höhenfeuerwerk gezündet wird.

Regelmäßig an jedem dritten Wochenende im August findet in Vaake „unterm Dreschschuppen“ das Fest der Vereine statt. Bei diesem handelt es sich um ein von Freitag bis Montag andauerndes Volksfest.

In Veckerhagen findet am zweiten Adventswochenende ein Weihnachtsstimmung genannter Weihnachtsmarkt statt, der vom Gewerbeverein organisiert wird. Ebenfalls vom Gewerbeverein organisiert wird die alle 2 Jahre in der Wesertalhalle stattfindende Gewerbeschau, bei der alle heimischen Gewerbetreibenden ihre Unternehmen repräsentieren.

Der Modellbauclub Lilienthal veranstaltet alljährlich im Sommer auf dem Modellflugplatz am nördlichen Rand von Veckerhagen einen Modellflugtag.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Felsenkeller, ehemaliger Bierlagerstollen

In Veckerhagen wurden bereits 1587 Braurechte beurkundet. Zur Brauerei am Kirchplatz gehörte der nahe der Eisenhütte gelegene Felsenkeller, ein in den Hang des Reinhardswalds getriebener Lagerraum, der heute noch vorhanden, aber ungenutzt ist. Das seit 1897 nicht mehr ausgeübte Braurecht für das Veckerhäger Schwarzbier wird seit 1997 wieder gewahrt und wurde 1998 mit dem ersten Preis in Dortmund ausgezeichnet. Es wird im Historischen Brauhaus ausgeschenkt.

Als Spezialität gilt auch die „Reinhardshäger Stracke“, eine mehrere Monate lang an der Luft getrocknete Mettwurst im Naturdarm. Sie ist eine gestreckte und dickere Abart der in Nordhessen verbreiteten „Ahle Wurst“.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Entwicklung von Wirtschaft und der damit verbundenen Infrastruktur und dem zunächst langsamen, nach dem Zweiten Weltkrieg sprunghaften Bevölkerungszuwachs begann in dem Gebiet des heutigen Reinhardshagen bedingt durch den Handelsweg Weser früher als sonst in ländlichen Gebieten üblich. Eisenhütte, Braunkohlengrube, Farbenfabrik, Zigarrenfabrik und Holzverarbeitung trugen einen Großteil zum Aufschwung Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei. So erhielten die Ortsteile Vaake und Veckerhagen bereits 1911 eine erste Wasserleitung und 1919 elektrischen Strom, sehr außergewöhnlich für zwei kleine, abgelegene Dörfer. Einen Erdgasanschluss bekam Reinhardshagen jedoch erst Ende der 1990er Jahre.

Verkehr[Bearbeiten]

Vaake, Veckerhagen und Hemeln um 1905

Infolge der geologischen Verhältnisse waren bis Ende des 19. Jahrhunderts die im Tal sprengelartig zusammenliegenden Ortschaften vom Verkehr abgelegen. Der Straßenverkehr hatte nur örtliche Bedeutung, auch wenn bereits seit 1342 zunächst eine Personenfähre und ab 1866 eine Wagenfähre in Veckerhagen die Weser überquerte. Ein unbefestigter Karrenweg und der Treidelpfad führten weserabwärts nach Gieselwerder. Weseraufwärts nach Münden gab es nur den Treidelpfad und um 1700 einen Waldweg über den Reinhardswald nach Immenhausen, den Immenhäuser Alte Eysensteinweg. Der erste befestigte Waldweg wurde 1791 durch das Tal des Hemelbachs zur Straße Sababurg-Kassel als Eichenallee angelegt (heutige Kasseler Straße). Die Eisenbahn mied aufgrund der zahlreichen engen Stellen das Tal. Lediglich die Wasserstraße der Weser verband bereits im Mittelalter Münden mit Bremen.

Die Anschlussstelle Hedemünden/Werratal der Bundesautobahn 7 ist nach 19 Kilometern Fahrt von Reinhardshagen aus auf der Bundesstraße 80, die dem Weser- und Werralauf folgt, zu erreichen. In Richtung Süden bietet sich die Anschlussstelle Hann. Münden/Lutterberg in 20 Kilometern Entfernung an.

Die heutige B 80 wurde als durchgehende Wesertalstraße erst ab 1892 ausgebaut. Hierbei trug man stellenweise das an die Weser herantretende Gebirge ab und benutzte das gewonnene Gestein zur Aufschüttung der Trasse. Da die Berghänge nach dem Bau der Weserstraße deutlich steiler als zuvor anstiegen, kam es bis Ende der 1980er Jahre immer wieder zu Verkehr behindernden Erdrutschen. So wurde die B 80 im Winter 1981/1982 gleichzeitig südlich und nördlich von Reinhardshagen verschüttet. Da auch die Fähre wegen Weserhochwassers ihren Betrieb einstellen musste und zusätzlich die letzte verbliebene Straßenverbindung über den Reinhardswald durch starken Schneefall unpassierbar wurde, war Reinhardshagen einige Tage lang nicht zu erreichen. Bei einem Erdrutsch im Jahr 1987 zwischen Hann. Münden und Reinhardshagen wurde ein Langholztransporter aus Gottstreu in die Weser gedrückt. Der Fahrer des Lastwagens kam bei dem Unglück ums Leben. Daraufhin blieb die B 80 bis 1990 gesperrt. Man bannte die Erdrutschgefahr, indem man die gefährdeten Hänge mit Betonankern versah, mit Stahlnetzen überspannte und den Baumbewuchs entfernte.

Gierseilfähre über die Weser zwischen Veckerhagen und Hemeln
Fähre außer Betrieb wegen Hochwassers 2006

Der Durchgangsverkehr auf der B 80 ist von Überflutungen nicht beeinträchtigt, da die Straßenführung in Ortslage deutlich über den bisher erreichten Hochwassermarken liegt. Stärker gefährdet sind die tiefer liegenden Teile des Neubaugebiets zwischen Veckerhagen und Vaake durch das mit Hochwassern verbundene Ansteigen des Grundwasserspiegels. Oberflächenwasser spielt hier keine Rolle. Auch die durch Reinhardshagen fließenden Bäche Ahle und Hemelbach führten dank geschickter Regulierung bisher kein Hochwasser.

In heutiger Zeit stellt die 2000 in Dienst gestellte, größere Fähre tagsüber eine zuverlässige Verbindung nach Hemeln und von dort über Dransfeld nach Göttingen dar. Sie fährt umweltfreundlich ohne motorischen Antrieb als Gierseilfähre und kann bis zu 8 Personenkraftwagen transportieren. Die Überfahrt dauert vier Minuten. Fahrzeuge über 16 Tonnen Gesamtgewicht darf die Fähre nicht aufnehmen. Am 31. März 1967, als es diese Beschränkung nicht gab und noch eine kleinere Fähre im Einsatz war, brachte ein mit Frischbeton beladener Laster durch die Rotation seiner Mischtrommel die Fähre in Schräglage. Der Betonlaster kippte seitwärts in die Weser und sein Fahrer ertrank. Dieses Unglück führte zu einem Verbot für Fahrzeuge mit Mischtrommeln auf allen deutschen Kleinfähren. Bereits 1937 stürzte bei einem Pegelstand von 3,52 Metern ein mit Langholz beladenes Pferdefuhrwerk von der Fähre, da durch unruhiges Verhalten der Pferde und den Riss einer Sicherheitskette die sechs Tonnen schweren Buchenstämme in Bewegung gerieten. Pferde und Ladung waren nicht zu retten.

An der B 80 entlang führt seit 2001 durchgehend ein Radwanderweg von Hann. Münden nach Bad Karlshafen. Er ist Teil des viel befahrenen Weserradweges von Hann. Münden nach Bremerhaven, der in diesem Abschnitt beidseitig der Weser geführt wird.

Der Reinhardshagen nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Hann. Münden (10 km). Von hier aus fahren Regionalzüge im Taktverkehr nach Kassel Hauptbahnhof, Göttingen und Erfurt. Die RegioTram Kassel soll zukünftig bis Hann. Münden durchgebunden werden.

Im Öffentlichen Personennahverkehr sind Hann. Münden (mit Bus) über die B 80 und Hofgeismar (mit Anbindung durch die RegioTram nach Kassel) über die Reinhardswaldstraße von Reinhardshagen aus direkt zu erreichen. Ein Bäderbus fährt täglich nach Bad Karlshafen.

Ein dichtes Netz gekennzeichneter Rundwanderwege durchzieht von Reinhardshagen aus den Reinhardswald. So sind zum Beispiel der Gahrenberg in gut einer Stunde, die Tillyschanze oberhalb von Hann. Münden in drei Stunden und die Sababurg in vier Stunden zu erreichen. Historisch bedeutsam ist der (markierte) Bergmannspfad, der von Veckerhagen aus steil bergauf den kürzesten Weg zur ehemaligen Braunkohlengrube auf dem Gahrenberg wählt. Ihn benutzten die Bergleute täglich als beschwerlichen Weg von und zur Arbeit. Der Fernwanderweg Wesertal führt ebenfalls durch Reinhardshagen.

Etwa 24 Kilometer von Reinhardshagen entfernt liegt der Flughafen Kassel-Calden, der bis 2013 zu einem Regionalflughafen ausgebaut wurde.

Bildung[Bearbeiten]

Die Lucas-Lossius-Schule in Reinhardshagen wurde am 17. Oktober 1970 als Mittelpunktschule eingeweiht. Sie machte die alten beengten Dorfschulen überflüssig, die daraufhin anders genutzt (Vaake) oder abgerissen (Veckerhagen) wurden. Die neue, ursprünglich als Gesamtschule konzipierte Grund- und Hauptschule mit Förderstufe (Klassen 1-9) liegt zentral zwischen den Ortsteilen Vaake und Veckerhagen. Angegliedert an den eigentlichen Schulbereich ist ein Schulbiotop, das einen naturnahen Übergang zwischen dem Besiedlungsraum, den landwirtschaftlich genutzten Flächen und dem großen Waldgebiet des Reinhardswaldes schafft. In beiden Ortsteilen unterhält die Kommune je einen Kindergarten mit drei bis vier Gruppen. Zwei weitere, privat geführte Kindergärten ergänzen das Betreuungsangebot.

Kirchengemeinden[Bearbeiten]

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind evangelischen, 15 Prozent katholischen, 5 Prozent anderen Glaubens. Es besteht je eine evangelische Kirchengemeinde in Vaake und Veckerhagen, die ihre Gottesdienste im sonntäglichen Wechsel in den historischen Kirchen beider Ortsteile feiern. Auf eine über 150-jährige Tradition kann die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) zurückblicken, die ein Gotteshaus in Veckerhagen ihr Eigen nennt. Die kleine römisch-katholische Kirchengemeinde St. Wigbert entstand nach dem Zweiten Weltkrieg vorwiegend durch Heimatvertriebene. Sie erhielt 1958 ihr eigenes Kirchengebäude in Veckerhagen und gestaltete es 1973 neu. Vor 1958 benutzte sie für Gottesdienste die evangelische Kirche mit.

Vereine und Verbände[Bearbeiten]

Im relativ kleinen Reinhardshagen sind acht Sportvereine, vier Kulturvereine und acht Hilfsorganisationen ansässig, ebenso ein Ortskartell des Deutschen Gewerkschaftsbundes, eine Bundeswehr-Reservistenkameradschaft, eine Ortsgruppe des Bundes für Vogelschutz, ein Sportfischerverein und ein Brieftauben-Zuchtverein.

Die ehemals getrennten zwei Freiwilligen Feuerwehren, aus 1924 (Vaake) und 1926 (Veckerhagen) gegründeten Pflichtfeuerwehren entstanden, erhielten in den 1980er Jahren ein neues, zentral zwischen Vaake und Veckerhagen gelegenes Feuerwehrhaus. Die Modellbaugruppe Lilienthal unterhält seit 1968 einen Modellflugplatz am nördlichen Ortsrand (51.5072222222229.5891666666667),auf dem 1972 ein erster Flugtag veranstaltet wurde, der seither jährlich stattfindet.

Gewerbe und Dienstleistung[Bearbeiten]

Reinhardshagen weist mehrere kleine Gewerbegebiete aus, in denen Sägewerke, Transport- und Busunternehmen, Bauunternehmen, Recyclingfirmen, Supermärkte und andere Dienstleister angesiedelt sind. Von den ehemals vier Tankstellen besteht nur noch eine im Ortsteil Vaake, ebenso eine Kfz-Werkstatt. Zwei Apotheken und acht niedergelassene Ärzte sichern die medizinische Versorgung. Ein Seniorenpflegeheim befindet sich in Veckerhagen. Nachdem die Deutsche Bundespost in den 1990er Jahren ihr Postamt in Veckerhagen und die Poststelle in Vaake aufgegeben hatte, wurde zunächst in jedem Ortsteil eine private Servicestelle betrieben. Seit 2007 gibt es nur noch eine DHL-Partnerfiliale in Veckerhagen. Die Kasseler Bank e.G. und die Kasseler Sparkasse unterhalten je eine Filiale in Veckerhagen. Zwischen den Ortsteilen liegen Versuchsflächen der nordwestdeutschen forstlichen Versuchsanstalt.

Farbenfabrik[Bearbeiten]

Der größte Arbeitgeber der Gemeinde ist neben der Forstwirtschaft die Farbenfabrik Habich Farben (ehem. Habich’s Söhne), die 1823 nach dem Erwerb des Schlosses im Jahre 1810 von Kassel nach Veckerhagen umsiedelte. Neben dem Schloss wurden nach und nach dessen Stil angepasste Produktions- und Lagergebäude errichtet. Der Kauf der Braunkohlenzeche im Jahr 1834 und deren Ausbau ab 1842 ermöglichte dem Unternehmen seit 1865 die Produktion von Farbkohle, mit der man Farben herstellte, die als Casseler Braun weltweit exportiert werden konnten. In der Folge wurde die Produktpalette um natürliche Erdfarben, Chrom- und Zinkfarben, Lacke wie den „Litholrot“ (seit 1910) und Druck- und Tapetenfarben (1921–1973) erweitert. Heute ist die Firma spezialisiert auf die Herstellung von Trocken-Farbpigmenten zur Einfärbung von Kunststoffen (seit 1955) und bunten Vollton- und Abtönfarben für Dispersionsfarben (seit 1959).

Braunkohleförderung[Bearbeiten]

Am Gahrenberg, der mit 472,1 m ü. NN nach dem Staufenberg (472,2 m ü. NN) der höchste Berg des Reinhardswalds ist und durchschnittlich fünf Kilometer (Luftlinie) von den beiden Reinhardshagener Ortsteilen entfernt liegt, wurde nachweislich ab 1575 Bergbau betrieben und von 1842 bis 1970 Braunkohle im Untertagebergbau abgebaut. Außerdem wurden dort schon früh Schmierkohle zur Farbherstellung und Alaunerde gewonnen. Ein geringer Teil des Kohleabbaus diente nicht nur den Reinhardshäger Einwohnern als Hausbrandkohle.

Holzindustrie, Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Die holzverarbeitende Industrie in Reinhardshagen begründet sich aus dem Jahr 1882, der Registrierung eines ersten Zimmereibetriebes, aus dem ab 1920 in mehreren Stufen ein leistungsfähiges Sägewerk entstand. Der für damalige Verhältnisse moderne Betrieb benutzte so fortschrittliche Maschinen wie eine Dingler-Dampfkraftanlage, zwei Lein-Vollgatter, eine Sachs-Hobel- und Fußbodenmaschine und mehrere Doppelsäumer, Kantholz- und Kreissägen. Das Sägewerk lieferte unter anderem 1936 das Bauholz zur Errichtung der Werratalbrücke der Autobahn Kassel-Hannover A 7.

Weitere holzverarbeitende Werke entstanden in dieser Zeit, unter anderem 1910 eine Fassfabrik in Vaake und 1925 eine Kistenfabrik in Veckerhagen. Beide Fabriken lieferten ihre Produkte auf Weserschiffen bis nach Bremen. Unmengen anfallender Sägespäne machten deren Verarbeitung in einer eigens errichteten Brikettierungsanlage notwendig, deren Produkt gerne zum Räuchern von Fisch, Fleisch und Wurst verwendet wurde. König Faruk kaufte solche Holzbriketts, die mit eigens eingeflogenen Nelken angereichert wurden, um einen angenehmen Duft in seinen ägyptischen Palästen zu verbreiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte sich die Kistenfabrik auf die Produktion von Gartenlauben für Schrebergärten und fand in Berlin reichlich Abnehmer. Einige Jahre später war die Firma maßgeblich am Aufbau des europäischen Palettenpools (Europalette) beteiligt, zusammen mit dem Sohn Rudolfs von Bennigsen, der seine Palettenproduktion im südhessischen Nieder-Roden betrieb.

Dies alles ist Vergangenheit. Heute gibt es in Reinhardshagen noch ein großes Sägewerk, das Balken und Bohlen schneidet und eine Holzhandlung mit eigenem Hochdruck-Imprägnierkessel.

Trat bis Ende der 1980er Jahre die Landwirtschaft (Milchviehhaltung, Weideschafe) völlig in den Hintergrund, ist die Forstwirtschaft auch heute noch von großer Bedeutung. Seit 2003 verwaltet das Hessische Forstamt Gahrenberg in Reinhardshagen rund 13.000 Hektar Waldfläche und nimmt somit größenmäßig den Spitzenplatz in Hessen ein. 99,5 Prozent der Waldfläche sind Staatswald im Besitz des Landes Hessen, 0,5 Prozent entfallen auf Kommunal- und Privatbesitz. Die Waldflächen sind zehn Revierförsterdienstbezirken zugeordnet. Deshalb gibt es sowohl in Veckerhagen wie auch in Vaake zusätzlich eine Revierförsterei.

Im Forstamtsbereich Reinhardshagen befinden sich einige Versuchsflächen der Landesanstalt für Forsteinrichtung, Waldforschung und Waldökologie. Die Untersuchungen, die hier durchgeführt werden, betreffen hauptsächlich das Waldwachstum.

17 Prozent der Bäume im Reinhardshäger Forstbezirk sind Eichen, 39 Prozent Buchen, 37 Prozent Fichten und 7 Prozent Kiefern und Lärchen. Der Holzeinschlag beträgt jährlich rund 58.000 Erntefestmeter.

Friedwald Reinhardswald[Bearbeiten]

Im Jahr 2001 wurde im Reinhardswald im Forstamtsbezirk Reinhardshagen mit dem etwa 116 ha großen FriedWald® Reinhardswald der erste FriedWald® Deutschlands eingerichtet. In dem zur Naturbestattung dienenden Waldfriedhof werden die Urnen Verstorbener im Wurzelbereich von Bäumen beigesetzt.

Mühlen[Bearbeiten]

Schon im Salbuch von 1587 des Amtes Sababurg sind in Veckerhagen sechs Wassermühlen aufgeführt, die entweder der Hemelbach oder der von ihm oberhalb der Eisenhütte abzweigende Mühlbach antreiben. Im 17. und 18. Jahrhundert kamen in Vaake und Veckerhagen weitere Mühlen hinzu. Neben der vorrangigen Produktion von Mehl, Schrot und Kleie gab es auch Schleif-, Poch- und Sägemühlen sowie eine Farbenmühle. Bis in heutige Zeit erhalten ist allein die Hemelmühle an der Landstraße von Veckerhagen nach Kassel, 500 Meter westlich des Ortes gelegen. Sie ist seit 1786 urkundlich belegt. Ein Jahr später übernahm Christoph Ludwig Lampe die Mühle, dessen Nachkommen sie heute noch besitzen und in sechster Generation als moderne, mit einer Ossberg-Turbine ausgestattete Getreidemühle betreiben.

DVB-T – Empfang[Bearbeiten]

Prognostizierter DVB-T –Empfang in Reinhardshagen

Am 28. Mai 2006 endete die Versorgung Reinhardshagens mit analogen Fernsehsignalen durch die Füllsender Bramburg und Wasserwerk Veckerhagen. Das digitale terrestrische Fernsehen (DVB-T) nahm am Folgetag die flächendeckende Versorgung auf. Reinhardshagen liegt seitdem im Abstrahlbereich der Sender Göttingen und Hoher Meißner. Ein Empfang der ausgestrahlten Fernsehprogramme ist jedoch nicht überall im Ortsgebiet prognostiziert. So liegt fast ganz Vaake und Teile des nördlichen Veckerhagen im Funkschatten. Die nebenstehende Karte gibt Aufschluss über die Empfangsmöglichkeiten und den erforderlichen Antennenaufwand in Reinhardshagen. .[13]

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Ein weiteres wirtschaftliches Standbein stellt der Tourismus dar, der allerdings nach der Wiedervereinigung 1989 stark zurückging, blieben doch die zuvor zahlreichen West-Berliner Sommerfrischler aus, die Harz und Weserbergland wegen deren relativ schneller Erreichbarkeit bevorzugten. Nicht wenige Berliner kauften in Reinhardshagen Grundstücke und ließen sich im Rentenalter hier nieder.

Wurde bereits im Jahr 1926 in Veckerhagen ein Verkehrsverein zur Förderung des Tourismus gegründet, folgte erst 30 Jahre später Vaake nach. Anfang der 1960er Jahre übernahmen die politischen Gemeinden die Fremdenverkehrsarbeit, da sich die Übernachtungszahlen seit 1956 nahezu vervierfacht hatten. Das Auf und Nieder der Tourismusbranche spiegelt sich in folgenden Übernachtungszahlen wider (Vaake und Veckerhagen zusammen, einschließlich Campingplatz, Landschulheim und bis 1980 Jugendherberge):

  • 1957 – etwa 45.250 Übernachtungen
  • 1962 – etwa 57.750 Übernachtungen
  • 1967 – etwa 74.590 Übernachtungen
  • 1972 – etwa 83.400 Übernachtungen
  • 1978 – etwa 84.460 Übernachtungen
  • 1982 – etwa 59.930 Übernachtungen
  • 1987 – etwa 45.100 Übernachtungen
  • 1992 – > 25.000 Übernachtungen
  • 2005 – etwa 5.596 Übernachtungen[14]

Gastronomie[Bearbeiten]

Die Gastronomie in Reinhardshagen blickt auf eine lange Tradition zurück. In Vaake wurden zwei Gastwirtschaften 1750 erwähnt, der Herrschaftliche Krug (später Zum weißen Roß, dann Ude) und der Brauer Krug (später Zur Weser, dann Reinhardswald). In Veckerhagen besaß die Eisenhütte aufgrund der Bergfreiheit das Recht, Bier zu brauen und auszuschenken. 1720 führte der Besitzer des im Dorfkern gelegenen Brauhauses (heute Historisches Brauhaus) über die Gemeinde Beschwerde gegen die vermeintliche Eisenhütten-Konkurrenz. 1746 wurden im Veckerhäger Steuerkataster zwei Wirte, ein Braumeister und sechs Brandweinbrenner erwähnt.

Heute bieten über 20 gastronomische Betriebe (Hotels, Pensionen, Gasthäuser, Restaurants) zahlreiche Fremdenzimmer und regionale wie internationale Küche an.

Schullandheim in Veckerhagen

Die drei Kilometer weserabwärts gelegene Jugendherberge Veckerhagen, erbaut 1956 auf Veranlassung des Landrats Steinbrenner (ehemals Kreis Hofgeismar), hat Ende der 1980er Jahre ihren Betrieb eingestellt, diente zunächst als Asylbewerberunterkunft und ist heute unbewohnt. Die nächstgelegenen Jugendherbergen befinden sich bei Hann. Münden (8 km), Helmarshausen (28 km), Göttingen (30 km) und Bad Karlshafen (31 km).

In Veckerhagen besteht seit den 1950er Jahren ein rege besuchtes Landschulheim am Rand des Reinhardwaldes, das bis 1972 dem ehemaligen hessischen Kreis Dieburg gehörte und danach in die Schulträgerschaft der Stadt Bad Pyrmont überging. Heute wird das Landschulheim von der Schulelternschaft der Max-Born-Realschule dieser Stadt unterhalten.

Gartenhallenbad und Campingplatz in Vaake

Freizeitzentrum[Bearbeiten]

In Veckerhagen entstand in den 1960er Jahren ein beheiztes Terrassenfreibad und in Vaake ein Gartenhallenbad, die heute wetter- und jahreszeitabhängig wechselweise betrieben werden. Dem Gartenhallenbad in Vaake ist ein kommunaler Campingplatz mit separatem Ferienhausteil angegliedert. Eine weitere Ferienhaussiedlung befindet sich am Waldrand von Veckerhagen. In beiden Ortsteilen ist ein Wohnmobil-Übernachtungsplatz ausgewiesen. Die Anlage in Vaake mit Gartenhallenbad, Campingplatz, Ferienhausanlage, Gaststätte, Kegelbahnen und Wohnmobil-Übernachtungsplatz bezeichnet sich in ihrer Gesamtheit als „Freizeitzentrum“.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Lucas Lossius (ursprünglich Lucas Lotze, * 18. Oktober 1508 in Vaake, † 8. Juli 1582 in Lüneburg) Musiktheoretiker und Schriftsteller. Herausgeber eines bedeutenden Musiksammelwerkes der Kirchenmusik.
  • Robert Petersen aus Veckerhagen, Herausgeber des um 1905 erschienenen „Heimat- und Weserliederbuches“, verfasste die Texte zu 55 Heimat-, Volks- und Weserliedern und zahlreiche Gedichte.
  • Theodor des Coudres (* 13. März 1862 in Veckerhagen, † 8. Oktober 1926 in Leipzig) wurde 1903 Professor für Physik in Leipzig.
  • Georg Bernhardt (* 1. März 1892 in Veckerhagen, † 12. Dezember 1964 in Bad Wildungen) war ein weltbekannter Schachkomponist.

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Lotze (Hrsg.): Veckerhagen in sieben Jahrhunderten. Beiträge zur Sozial-, Wirtschafts- und Kunstgeschichte eines Oberweserdorfes. Verein für hessische Geschichte und Landeskunde e. V. Zweigverein Hofgeismar, Hofgeismar/Reinhardshagen 1997. 364 S.
  • Magda Thierling: Vaake. Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte im 18. und 19. Jahrhundert. Gemeinde Reinhardshagen, Reinhardshagen 1992 (Reinhardshäger Hefte, 3). 207 S.
  • Walter Gerland: Über die Frühgeschichte der Ortsteile Vaake und Veckerhagen, Gemeinde Reinhardshagen 1978
  • Karl August Eckhardt: Studia Corbeiensia, 1970
  • Kurt Günther: Die Herrschaft Schöneberg, Sonderdruck aus der Zeitschrift f. Hess. Gesch. u. Landeskunde. Band 72, 1961

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. DWD, letzter Zugriff: 21. März 2014.
  3. Umweltbundesamt, letzter Zugriff: 21. März 2014
  4. Stadtarchiv Göttingen, letzter Zugriff: 21. März 2014
  5. Firmenliste mit Zwangsarbeitern (Seite 32), am 21. März 2014 offline
  6. Lagerliste (Seite 222); PDF; (1,5 MB)
  7.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 398.
  8. Hessisches Statistisches Landesamt
  9. Hessisches Statistisches Landesamt, 28. März 2006
  10. HSL Einwohnerzahlen hessischer Gemeinden
  11. kommunalflaggen.de (Reinhardshagen)
  12. In der Literatur werden auch verschiedene andere Baujahre zwischen 1683 und 1694 vorgeschlagen.
  13. Empfangsprognose der Task Force DVB-T von ARD und ZDF
  14. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2006

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Gahrenberg – über den Braunkohleabbau in der Grube am Gahrenberg
  • Reinhardswald – Märchenwald der Gebrüder Grimm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reinhardshagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Reinhardshagen – Reiseführer
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Dieser Artikel wurde am 24. April 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.