Reinheim

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der südhessischen Stadt Reinheim. Zum gleichnamigen saarländischen Ortsteil der Gemeinde Gersheim siehe Reinheim (Gersheim).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Reinheim
Reinheim
Deutschlandkarte, Position der Stadt Reinheim hervorgehoben
49.8261111111118.8347916666667165Koordinaten: 49° 50′ N, 8° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Darmstadt-Dieburg
Höhe: 165 m ü. NHN
Fläche: 27,7 km²
Einwohner: 16.254 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 587 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 64354,
64395 (Hundertmorgen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 06162
Kfz-Kennzeichen: DA, DI
Gemeindeschlüssel: 06 4 32 019
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Cestasplatz 1
64354 Reinheim
Webpräsenz: www.reinheim.de
Bürgermeister: Karl Hartmann[2] (SPD)
Lage der Stadt Reinheim im Landkreis Darmstadt-Dieburg
Erzhausen Weiterstadt Griesheim Pfungstadt Bickenbach (Bergstraße) Alsbach-Hähnlein Seeheim-Jugenheim Modautal Mühltal Ober-Ramstadt Messel Eppertshausen Münster (bei Dieburg) Dieburg Roßdorf (bei Darmstadt) Fischbachtal Groß-Bieberau Reinheim Groß-Zimmern Otzberg Groß-Umstadt Schaafheim Babenhausen (Hessen) Darmstadt Bayern Odenwaldkreis Kreis Bergstraße Kreis Groß-Gerau Landkreis OffenbachKarte
Über dieses Bild

Reinheim ist eine Stadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Reinheim liegt im südlichen Hessen am Rande des Rhein-Main-Gebiets und im Herzen des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Reinheim bildet „das Tor zum Odenwald“.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Reinheim grenzt im Norden an die Gemeinde Groß-Zimmern, im Osten an die Gemeinde Otzberg, im Südosten an die Gemeinde Brensbach (Odenwaldkreis), im Süden an die Stadt Groß-Bieberau, im Westen an die Stadt Ober-Ramstadt sowie im Nordwesten an die Gemeinde Roßdorf.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Reinheim besteht aus den Stadtteilen Georgenhausen, Reinheim, Spachbrücken, Ueberau und Zeilhard. Dilshofen und Hundertmorgen sind kleine Wohngebiete, die zum Magistrat Reinheim gehören, jedoch nicht als eigene Stadtteile angesehen werden.

Geschichte der Stadtteile[Bearbeiten]

Reinheim (Kernstadt)[Bearbeiten]

Rathaus in Reinheim

Die Stadt Reinheim wurde 1260 von den Grafen von Katzenelnbogen gegründet, die dort einige Jahre später ein nicht mehr erhaltenes Wasserschloss errichteten.[3][4] Das Stadtwappen von Reinheim gleicht dem der Stadt Katzenelnbogen, dem Stammsitz der Grafschaft.

Ab 1375 ging Werner Kalb von Reinheim als Raubritter in die Geschichtsbücher ein. Er war Vasall von Graf Diether VIII. von Katzenelnbogen und startete seine Raubzüge von der benachbarten Burg Nieder-Modau aus.

Hof und Burg Reinheim wurden um 1276/77 erstmals urkundlich erwähnt. Ueberau hatte 1305 die erste urkundliche Erwähnung, Georgenhausen 1318, Zeilhard und Spachbrücken folgten 1323.

In den historischen Dokumenten ist Reinheim im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt[5]:

  • Rinheim (1276-1277, 1286, 1326, 1330)
  • Rinheym (1330)
  • Ryneheim (1338)
  • Rynhem (1427)
  • Rynheym (1493)
  • Reinheim (1516)
  • Rheinheim (16. Jahrhundert)
  • Reinheimb (1620)
  • Rainheim (1679)

Über die Entstehung des Namens Reinheim gibt es unterschiedliche Annahmen. Die einen leiten ihn von einem Personennamen, etwa Regino ab, andere sehen einen Zusammenhang mit dem vorgermanischen Wort für Fluss. Früh entstand eine fränkische Siedlung an der Mündung der über den südwestlichen Odenwald führenden Hohen Straße ins Gersprenztal. Zu ihr gehörte auch eine Kirche auf dem Friedhofsberg, die wohl im 11. Jahrhundert dem heiligen Nikolaus geweiht wurde. Eine Legende handelt von einer Frau namens Katharina die Reine. Sie soll einen Ritter mit einer schweren ansteckenden Krankheit geheilt haben. Aus Dankbarkeit habe dessen Vater veranlasst, die Stadt nach ihr zu benennen. In der Ersterwähnung 1276 gehört ein Hof Reinheim den Grafen von Katzenelnbogen. Im 13. Jahrhundert erfolgte eine planmäßige Gründung der Stadt mit quadratischem Grundriss und symmetrischer Anlage durch die Grafen von Katzenelnbogen. 1480 bestätigt Landgraf Heinrich von Hessen den Freiheitsbrief der Stadt. 1511 belehnt Kurfürst Ludwig von der Pfalz Landgraf Wilhelm von Hessen mit den von Graf Philipp von Katzenelnbogen besessenen pfälzischen Lehen. Die Herrschaft üben in Reinheim von 1300 bis 1479 die Grafen von Katzenelnbogen, von 1479 bis 1567 die Landgrafen von Hessen und ab 1567 die Landgrafen von Hessen-Darmstadt aus.[5] In hessischem Besitz entsteht das Amt Reinheim. Für 1783 ist belegt dass Reinheim zum Amt Lichtenberg gehört. Ab der Zeit des Großherzogtums Hessen wechseln dann mehrfach die übergeordneten Verwaltungseinheit:[5]

Von 1848 bis 1968 war Reinheim Sitz eines Amtsgerichtes. Nach dessen Aufhebung wurde der Amtsgerichtsbezirk aufgeteilt auf das Amtsgericht Darmstadt und das Amtsgericht Dieburg, wobei für Reinheim das Amtsgericht Dieburg zuständig war.

Belegte Einwohnerzahlen sind:[5]

  • 1749: 497 Einwohner
  • 1829: 1196 Einwohner
  • 1939: 2767 Einwohner
  • 1961: 4123 Einwohner
  • 1970: 5139 Einwohner
Reinheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
2.016
1840
  
2.121
1846
  
2.168
1852
  
2.282
1858
  
2.151
1864
  
1.365
1871
  
1.411
1875
  
1.505
1885
  
1.716
1895
  
1.723
1905
  
2.073
1910
  
2.209
1925
  
2.361
1939
  
2.767
1946
  
3.665
1950
  
4.010
1956
  
3.892
1961
  
4.123
1967
  
4.663
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Durch den Grenzveränderungsvertrag von 1971 haben sich am 31. Dezember 1971 die Gemeinden Ueberau, Spachbrücken und Zeilhard mit der Stadt Reinheim zur Großgemeinde Stadt Reinheim zusammengeschlossen, in die zum Abschluss der Gebietsreform in Hessen am 1. Januar 1977 auch die Gemeinde Georgenhausen eingegliedert wurde.[6] Die früheren Gemeinden tragen ihren Namen als Stadtteilbezeichnung weiter. Für die Kernstadt Reinheim und die eingegliederten Stadtteile wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet, wobei für die zusammengewachsenen Stadtteile Georgenhausen und Zeilhard der gemeinsame Ortsbezirk Georgenhausen-Zeilhard errichtet wurde.

Georgenhausen[Bearbeiten]

Ehemaliges Rathaus in Georgenhausen
Hauptartikel: Georgenhausen

Kristallisationspunkt von Georgenhausen sind das Hofgut und die Kirche. Die Vorgängerin der heutigen, 1792 erbauten Kirche, soll von den Rittern von Rodenstein gestiftet worden sein, die auch im Besitz des Hofgutes waren. Sie wurde 1250 gebaut, als sich die umliegenden Orte (Roßdorf, Spachbrücken) aus dem Verband der alten Dieburger Pfarrei herauslösten. Das dem heiligen Georg geweihte Gotteshaus hat auch dem Ort den Namen gegeben, der erstmals 1318 als Gorienhusen erwähnt wird.

Der Name erschien erstmals in einem Teilungsvertrag zwischen dem Grafen Bertolf und dem Grafen Eberhard von Katzenelnbogen am 26. August 1318. Diese Urkunde zeigt, dass Katzenelnbogen Besitzungen in der Gegend um Groß-Gerau, im nördlichen Odenwald und bei Auerbach hatte. Georgenhausen gehörte nicht dazu; die Grafen bezogen von dort nur den Zehnten.

Georgenhausen war damals kein geschlossenes Dorf, sondern bestand aus mehreren großen Höfen: dem Rodensteinischen Hofgut, dem Großen Hof im Besitz der Pfalz und dem Beunenhof im Besitz der Familie Rabenold von Tannenberg. Diese drei herrschaftlichen Höfe haben sich wohl anlässlich des Kirchenbaues zu einer Gemeinde zusammengeschlossen und den gemeinsamen Namen „Georgenhausen – die Gemeinde der Georgskirche“ angenommen. Die ursprünglichen Namen der drei Höfe sind verloren gegangen.

Spachbrücken und Zeilhard gehörten seit mindestens 1323 den Herren von Bickenbach, seit 1360 den Schenken zu Erbach und von 1528 bis 1805 den Löwensteinern. In keiner Urkunde vor 1398 ist Georgenhausen mit diesen beiden Orten aufgeführt, es hatte also schon vorher ein anderes Schicksal. Erst 1398 war die Pfalz Besitzerin von Georgenhausen. Da die Pfalz in Georgenhausen einen Hof besaß, der noch 1503 nach fuldischem Recht verliehen wurde, wird sie den Hof und die Rechte über das Dorf 1390 zusammen mit der Konkursmasse der Zent Umstadt von der Abtei Fulda gekauft haben.

Die Pfalz verlieh 1398 Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen an Erbach, was in den Urkunden bis 1482 bestätigt wurde. 1482 war Habitzheim an den Herrn von Scharfeneck (später: Löwenstein) verpfändet. Es ist fraglich, ob Georgenhausen zu diesem Amt gehörte, aber auf jeden Fall war es Pfälzer Besitz. 1611 mussten die Georgenhäuser den Grafen Löwenstein Scharfeneck Frondienste leisten. Georgenhausen unterstand also den Löwensteinern von 1482 bis 1611.

Der Bauernhof der Rabenolds wurde 1460 an die Familie Walbrunn zu Ernsthofen verkauft, die 1618 auch das Hofgut erworben hatten, das bis dahin in den Händen der Familie Fechenbach war. Um 1600 stellten die Walbrunns auch den Pfarrer, sie waren also spätestens 1618 das weltliche und geistliche Oberhaupt von Georgenhausen. 1629 unterstanden die Georgenhäuser auch in peinlichen Strafgerichtsfällen nicht mehr dem Gericht in Lichtenberg oder Groß-Umstadt sondern der örtlichen Herrschaft.

1649, nach dem Dreißigjährigen Krieg, war Walbrunn so verschuldet, dass er Georgenhausen an den „Kriegsgewinnler“ Kamptz zu Godow verkaufen musste. Von ihm erbte 1671 Haxthausen das Hofgut und die Macht in Georgenhausen.

1732 zog die verwitwete Albertina Charlotte von Haxthausen auf das Hofgut und regierte selbstherrlich mit ihrem Sohn Christian Rudolf Anton bis 1811 nach dem Motto: „Der Staat bin ich!“ Sie rissen immer mehr Grundbesitz an sich, behaupteten ihre eigene Gerichtsbarkeit und wehrten sich gegen jede Beeinflussung von außen. Erst nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 wurde das Niemandsland Georgenhausen in das neu geschaffene Großherzogtum Hessen einverleibt. Dem Freiherrn blieben als Ersatz für die verlorene Souveränität aber noch bis 1821 die niedere Gerichtsbarkeit und das Recht der Pfarrstellenbesetzung. Dieses ging später an den Grafen Görtz von Schlitz über, er behielt das Patronat über die Kirchengemeinde bis zum Rechtsverzicht im Jahre 1968; es wird seither von der Landeskirche selbst wahrgenommen.

1836 gingen das Hofgut und die Patrimonialrechte an den Grafen Görtz von Schlitz über. Unter dessen Pächtern blieb das Gut bis zum Verkauf an die Nassauische Siedlungsgesellschaft in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Die Gemeinde Georgenhausen wahrte ihre kommunale Selbstständigkeit noch bis 1977, obwohl sich die Nachbarorte Zeilhard und Spachbrücken schon Ende 1971 mit Reinheim zusammenschlossen.[7] In Georgenhausen gibt es vier kirchliche Einrichtungen: die evangelische Georgskirche, die katholische Kapelle St. Elisabeth, Königreichssaal der Zeugen Jehovas und die Neuapostolische Kirche.

Spachbrücken[Bearbeiten]

Kirche in Spachbrücken
Hauptartikel: Spachbrücken

Urkundlich nachgewiesen ist Spachbrücken seit dem 17. Mai 1323. Die ersten Häuser standen direkt neben der Dilsbach. Für den Bau einer einfachen Brücke über den kleinen Bach wurden Birkenstämme (= Spachen) in den Bachlauf gelegt, unten größere, um den Durchfluss des Wassers zu gewährleisten, nach oben hin immer kleinere, damit Fuhrwerke ungehindert darüber fahren konnten.

Die politische Ortsgeschichte verlief über die Jahrhunderte weitgehend identisch mit Zeilhard und ist dort näher erläutert.

Die Spachbrückener Vorfahren sind vermutlich von Mönchen des Klosters Fulda, das im Jahre 744 n. Chr. von Bonifatius gegründet wurde, in der Folgezeit zum Christentum bekehrt worden. Sie gehörten zu dem damals sehr großen Kirchspiel Dieburg. Im Jahre 1400 existierte die erste Filialkirche, die dem heiligen Antonius geweiht war. Mit der Reformation, die vor dem Jahr 1526 dort durchgeführt wurde, wurde Spachbrücken Filialgemeinde von Roßdorf. Im Gegensatz zu vielen Nachbargemeinden blieb Spachbrücken weiterer Religionswechsel erspart und war seitdem immer evangelisch-lutherisch. Im Jahr 1585 wurde Spachbrücken selbstständige Pfarrei, zu der auch Habitzheim gehörte. Anstelle der alten baufälligen Kirche wurde eine neue Kirche gebaut und am 6. Juli 1755 eingeweiht. Bei der Renovierung 1970 bis 1972 erhielt sie ein neues Dach mit einem Storchennest als Wahrzeichen von Spachbrücken. Bei der Innenrenovierung wurde auch die wertvolle Barockorgel von Johann Christian Dauphin aus dem Jahre 1760 restauriert.

Im Jahre 1635 war Spachbrücken wegen der Pest von den letzten Einwohnern verlassen. Um 1640 kehrten einige Überlebende zurück und nach 1650 siedelten sich vom Landgrafen in Darmstadt angeworbene Sachsen, Flamen und Schweizer dort an. Das Töpfer- und Knopfmacherhandwerk florierte bis zum Ersten Weltkrieg 1914. Der Häfner Jakob Neuroth und sein Sohn Georg lieferten ihre Ware an den Großherzog in Darmstadt und bis an den Zarenhof in Petersburg.

Seit dem Ersten Weltkrieg wandelte sich Spachbrücken vom Bauern- und Handwerkerdorf allmählich zur Arbeiter-Wohnsitzgemeinde. Die meisten Spachbrücker finden ihre Existenz in den Industriebetrieben und Verwaltungen in Darmstadt und Umgebung. Diese Entwicklung setzte sich nach 1945 verstärkt fort.[8]

Ueberau[Bearbeiten]

„Rathaus und Schulgebäude“ in Ueberau
Hauptartikel: Ueberau

An der Stelle des zu Ueberau gehörenden Ortsteils Hundertmorgen bestand eine römische Siedlung, wie sich aus Bodenfunden schließen lässt. Erwähnt wurde Ueberau erstmals in einer Urkunde des Grafen Eberhard von Katzenelnbogen vom 24. Juli 1305 mit dem Namen „Ubera“ und bedeutet wahrscheinlich „Obere Aue“ oder „Über der Aue“ (den Seewiesen). Dass Ueberau noch älter als die im Jahre 2005 gefeierten 700 Jahre ist, beweisen Aussagen in einer Urkunde von 1316 und Untersuchungen an den ältesten Teilen der Kirche, die bestätigen, dass diese aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert stammen.

Mit der Grafschaft Katzenelnbogen fiel Ueberau 1479 an die Landgrafschaft Hessen. 1527 wurde die Reformation eingeführt. Am Ende des dreißigjährigen Krieges war der Ort fast ausgestorben. Später wurden Einwanderer aus der Schweiz angesiedelt.

1718 wurde in Ueberau die erste Schule gegründet.

Mit dem Bau der Eisenbahn um 1870 und der damit verbundenen Industrialisierung wurde die Arbeiterbewegung wie in ganz Deutschland auch in Ueberau immer stärker. Insbesondere Arbeiter der Firma Frohmann Granitwerke ließen sich in Ueberau nieder. Diese Arbeiter waren zum größten Teil gewerkschaftlich organisiert und gehörten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) an, die 1903 einen Ortsverein gründete. Aufgrund der politischen Veränderungen in der Zeit im und nach dem Ersten Weltkrieg entstanden 1919 Ortsvereine der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Bei der Reichstagswahl 1928 erzielte die KPD erstmals mehr Stimmen als die SPD.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Gemeinde eine kommunistische Hochburg; in der Region wird Ueberau auch als das „Rote Dorf“ bezeichnet. Ab 1948 amtierte der Kommunist Adam Büdinger als Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Ueberau. Bei der Gemeinderatswahl 1952 entfielen sieben von zwölf Mandate auf die KPD. Im Vorfeld des KPD-Verbots im August 1956 bildeten Kommunisten und Parteilose die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG), die im Oktober 1956 mit sieben Mandaten die absolute Mehrheit erzielte. Bürgermeister Büdinger blieb im Amt. Am 14. Oktober 1960, neun Tage vor der Kommunalwahl, wurde die UWG vom Hessischen Innenminister verboten. Bürgermeister und Beigeordnete wurden abgesetzt. Dem Aufruf Büdingers, bei der anstehenden Wahl ungültig zu stimmen, folgte ungefähr ein Drittel der Wähler. Bei der Kommunalwahl 1968 entfielen 38 % der Stimmen auf die Deutsche Friedensunion (DFU).[9] Ab 1972 war die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ununterbrochen im Ortsbeirat des mittlerweile nach Reinheim eingemeindeten Ueberau vertreten. Bei den Kommunalwahlen 2006 erreichte sie zwei von fünf Sitzen im Ortsbeirat. Zum Ortsvorsteher wurde danach der Kommunist Manfred Büdinger gewählt, Sohn des oben erwähnten Adam Büdinger.

Heute herrscht in Ueberau ein reichhaltiges intaktes Gemeindeleben mit vielen Veranstaltungen. Ein Beispiel dafür ist die Teilnahme am Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft (früher: Unser Dorf soll schöner werden) seit dem Jahre 2008. Im Bundesentscheid 2013 erhielt Ueberau mit acht anderen Dörfern aus ganz Deutschland die Goldmedaille.

Zeilhard[Bearbeiten]

Hauptartikel: Zeilhard
Hauptstraße mit früherer Schule in Zeilhard
Bauernhof in Dilshofen

Die älteste erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung von Zylhart datiert vom 17. Mai 1323. Auf dem Erbwege kamen die Dörfer Zeilhard, Spachbrücken und Habitzheim an den Schenken zu Erbach. 1528 verkauften die Erbacher, die Lehnsherren der Pfalzgrafen waren, unter anderem Zeilhard, für 9000 Gulden an die Grafen zu Wertheim. Georg II. von Wertheim hatte 1525 in seinem Gebiet die Reformation durchgeführt. Die neue Herrschaft, die 1581 den Namen Löwenstein annahm, trat 1621 wieder zum katholischen Glauben über. Vor diesem Glaubenswechsel begann der Dreißigjährige Krieg. Da der Löwensteiner auf der Seite der Evangelischen focht, gehörte er zu den Verlierern. Seine Besitzungen, auch die in Zeilhard, wurden eingezogen und dem Vizepräsidenten des Reichshofrats, Freiherr von Strahlendorf, geschenkt. Dieser verkaufte die Herrschaft Habitzheim an den Darmstädter Landgrafen. Nach dem Krieg kam sie 1649 wieder an Löwenstein zurück.

Der Dreißigjährige Krieg brachte für Zeilhard schlimme Zeiten. Schon bald nach Beginn des Krieges flüchteten viele in das damals befestigte Reinheim aus Furcht vor den mansfeldischen Soldaten. 1635 erreichte die Pest die Gemarkung, anschließend eine zwei Jahre dauernde Hungersnot. Im Jahre 1657 war das Dorf völlig unbewohnt. Es fiel aber nicht wüst wie so viele Dörfer und Weiler in der Umgebung. Die Zeiten der Vogtei von Bickenbach und später der von Erbach und Löwenstein-Wertheim waren in manchen Fragen der Territorialherrschaft von spannungsgeladenen Rechtsunsicherheiten geprägt, die mehrfach militärische Einsätze zur Folge hatten. Seit der Bayrischen Fehde 1504 mischten sich die Pfalz und Hessen in die Zentherrschaft.

Im Frieden zu Luneville ging die Umstädter Zentherrschaft an Hessen über. Die Pfalz hatte somit ihren Anspruch verloren. Durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 erhielt Hessen nach und nach die Herrschaft über das Gebiet. Von 1806 an lag die politische Macht über Zeilhard in der Hand des Großherzoges. Seit Ende 1971 ist Zeilhard ein Stadtteil von Reinheim.

Dilshofen[Bearbeiten]

Der Weiler Dilshofen mit drei Bauernhöfen und vier Wohnhäusern liegt im Süden der Gemarkung Zeilhard an der Grenze zu Ober-Ramstadt Der westliche Hof liegt schon jenseits der Grenze und gehört zu Ober-Ramstadt. Bis 1977 verlief die Landkreisgrenze von Darmstadt und Dieburg mitten durch die Hofstätten. Der Bahnhof Zeilhard, der vermutlich am 15. Mai 1871 eröffnet und 1979 wieder geschlossen wurde, lag südlich von Dilshofen.

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Kommunalwahl in Reinheim 2011
 %
50
40
30
20
10
0
43,5 %
21,6 %
17,9 %
10,1 %
4,8 %
2,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+3,2 %p
-5,5 %p
+8,5 %p
-4,6 %p
-0,1 %p
-1,5 %p

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[10]

Parteien und Wählergemeinschaften Aktuelle
Sitzverteilung
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 16 43,5 16 40,3 15
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 8 21,6 8 27,1 10
DKP Deutsche Kommunistische Partei 4 10,1 4 14,7 5
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 6 17,9 6 9,4 4
FWG Freie Wählergemeinschaft Reinheim e. V. 2 4,8 2 4,9 2
FDP Freie Demokratische Partei 1 2,1 1 3,6 1
Gesamt 37 100 37 100 37
Wahlbeteiligung in Prozent 51,5 49,8

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Reinheim mit Odenwaldbahn

Vom Bahnhof Reinheim (Odenw) verkehren die Züge der Odenwaldbahn (RMV-Strecke 65) nach Darmstadt, Frankfurt sowie Erbach und Eberbach im Ein-bis-Zwei-Stunden-Takt mit Verdichtungen in der Hauptverkehrszeit.

Einige Buslinien verkehren ab Reinheim:

  • K 55 Darmstadt – Roßdorf – Reinheim – Ueberau (Abends und am Wochenende: /- Groß-Bieberau – Niedernhausen)
  • K 57 Reinheim – Groß-Bieberau – Niedernhausen – Neunkirchen – Brandau – Gadernheim
  • K 85 Darmstadt – Reinheim – Groß-Bieberau – Niedernhausen
  • 678 Darmstadt – Mühltal – Ober-Ramstadt – Reinheim – Groß-Umstadt – Wiebelsbach (nur im Spätverkehr)
  • 693 Reinheim – Groß-Bieberau – Brensbach – Reichelsheim – Fürth
  • 679 Reinheim – Groß-Zimmern – Dieburg – Ober-Roden

Wirtschaft[Bearbeiten]

Büste von Julius Scriba an der Universität Tokio

Neben dem klein- und mittelständischen örtlichen Gewerbe haben drei größere Unternehmen in Reinheim eine Produktionsstätte: das Zweigwerk der Firma Merz Pharma Frankfurt, Hersteller von weltweit bekannten Arzneimitteln (Merz Spezial Dragees, Patentex, Axura) und kosmetischen Produkten (Tetesept) sowie die inzwischen zum Würth-Gruppe gehörende Möbelbeschlagfabrik GRASS (früher:Mepla – Alfit; Karl Lautenschläger KG). Weiterhin gibt es den Maschinenbauer HAHN Automation Compontents GmbH ein Tochterunternehmen der HAHN Automation GmbH ansässig in Rheinböllen. Die weltweit vertriebenen Roboter waren maßgeblich daran beteiligt, dass durch die automatisierte Herstellung von CD-Rohlingen diese ihren Durchbruch am Weltmarkt erreichten.

Bildung[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Die Stadionanlage besteht u. a. aus einer Wettkampfanlage Typ B mit Rasengroßspielfeld und 400 m-Kunststoffrundbahn.

Die Anlage wurde zum Sportzentrum Reinheim erweitert und verfügt nunmehr auch über einen modernen Kunstrasenplatz, einen Skaterplatz und einen Beachvolleyball-Platz. Der Sportplatz liegt in Nachbarschaft zum Segelfluggelände Reinheim.

Natur[Bearbeiten]

Nordöstlich Reinheims liegt das Biotop und Naturschutzgebiet Reinheimer Teich[11], das vom Dilsbach und Wembach (Langer Graben) und der nahe vorbeifließenden Gersprenz umgeben ist. Das NSG ist eigentlich eine Gruppe von Teichen und dient als Rückzugs-, Rast- und Überwinterungsquartier vieler Vogelarten. Im NSG kommt u. a. noch eine isolierte Population der Europäischen Sumpfschildkröte vor. Am südlichen Rand liegt das Segelfluggelände.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reinheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Webpräsenz von Bürgermeister Karl Hartmann URL: http://www.karl-hartmann.de/
  3. abgegangenes Wasserschloss Reinheim IN: Burgeninventar.de Stand 1. Januar 2007 URL: http://www.burgeninventar.de/html/hes/DD_big.html#132
  4. Internetpräsentation der Stadt Reinheim, Stand 1. Januar 2006, URL: http://www.reinheim.de/Reinheim.546.0.html
  5. a b c d Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatReinheim, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 1. September 2012.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 355.
  7. Tischner, Heinrich; Heimatbuch Georgenhausen, Zeilhard, Dilshofen; Lokay Druck, Georgenhausen, 1982.
  8. Spalt, Dr. Georg, Aus der Spachbrücker Geschichte, Festschrift 650 Jahre Spachbrücken, 1973.
  9. Jens Ulrich Klocksin: Kommunisten im Parlament. Die KPD in Regierungen und Parlamenten der westdeutschen Besatzungszonen und der Bundesrepublik Deutschland (1945–1956). Verlag im Hof, Bonn 1993, ISBN 3-925689-04-4, S. 378ff.
  10. Hessisches Statistisches Landesamt aufgerufen am 30. März 2011.
  11. Reinheimer Teich. In: Darmstädter Echo, 15. April 2014, S. 19