Reinhold Kreile
Reinhold Kreile (* 1. Dezember 1929 in Aschaffenburg) ist ein deutscher Jurist mit Schwerpunkten im Steuer- und Urheberrecht und Politiker (CSU).
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Leben und Beruf[Bearbeiten]
Nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums in Heidelberg und dem Abitur am Theresien-Gymnasium[1] in München studierte Kreile Rechtswissenschaft, Volkswirtschaft und Musikwissenschaft an den Universitäten in München und Darmstadt. Das Studium finanzierte der aus einer nicht übermäßig bemittelten Familie stammende Kreile als Organist und Musikkritiker der Frankfurter Hefte, sowie als Musikjournalist für den Hessischen Rundfunk. Er gehörte zu einem Frankfurter Kreis junger Autoren im Umfeld von Theodor Wiesengrund Adorno und Max Horkheimer, der Redaktion des HR-Abendstudios um Alfred Andersch sowie der Gruppe 47 und Hans Werner Richter mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.[2]
Als 24-jähriger Rechtsreferendar gehörte er zur Minderheit der deutschen Juristen, die das damals heftig umstrittene Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Verstrickung des Berufsbeamtentums in die NS-Diktatur öffentlich verteidigten. Kreile nannte die Entscheidung in einem in den Frankfurter Heften erschienenen Aufsatz die „Magna Charta der Selbstbesinnung“. Er promovierte 1956 mit der Arbeit Außenpolitik und Staatsgerichtsbarkeit bei Eugen Kogon zum Dr. jur. und wurde 1958 als Rechtsanwalt zugelassen. Anschließend arbeitete er in einer Steuerrechtskanzlei und war seit 1965 als Fachanwalt für Steuerrecht in München tätig. Als langjähriger Justiziar der VG Wort war er beteiligt an der Entwicklung der Bibliotheksabgabe und wesentliche Aspekte des Deutschen Urheberrechts.[3] Ab 1986 trat sein Sohn Johannes Kreile in die Kanzlei ein, nach 1988 schloss er sich mit Ludwig Stiegler in einer überregionalen und parteiübergreifenden Sozietät zusammen.[4]
Von 1955 bis 1981 schrieb er unter wechselnden Pseudonymen Musikkritiken vorwiegend von den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen für den Münchner Merkur.
Kreile war Mitglied verschiedener Aufsichtsräte, so der Adca-Bank und der BATIG Gesellschaft für Beteiligungen. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Friedrich Flick Industrieverwaltung KGaA von 1977[5] bis 1986[6] geriet er in die Flick-Parteispendenaffäre und wurde im Untersuchungsausschuss des Bundestages vernommen.[7] Anschließend engagierte er sich erfolglos dafür, eine Amnestie der Straftaten im Zuge der Affäre zu organisieren.[6]
Kreile war von 1973 bis 1990 Verwaltungsratsvorsitzender des Deutschlandfunks und von 1974 bis 1999 Aufsichtsratsvorsitzender der Münchner Gesellschaft für Kabel-Kommunikation (MGK München). Von 1990 bis 2005 war er als Nachfolger von Erich Schulze Vorstand und Generaldirektor der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA). In dieser Eigenschaft wurde er von 1992-1995 Präsident des Europäischen Komitees der Confédération Internationale des Sociétés d'Auteurs et Compositeurs und von 1996-2000 deren Präsident des Exekutivbüros. Daneben fungierte er als Vizepräsident des Groupement Européen des Sociétés d'Auteurs et Compositeurs (GESAC), einer Vereinigung europäischer Verwertungsgesellschaften, zu deren Präsidenten er im Jahre 2000 berufen wurde. Von 1992-1996 und seit 2004 ist er Präsident des Vorstandes des Bureau international des Sociétés gérant les Droits d'Enregistrement et de Reproduction Mécanique. Des Weiteren ist er Herausgeber der Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht.
Ab 1980 war Kreile Lehrbeauftragter an der Hochschule für Fernsehen und Film München, seit 1984 hat er dort eine Professur an der Abteilung Produktion und Medienwirtschaft.[8]
Zum Jahresende 2005 ging er bei der GEMA in den Ruhestand, er ist seit 2006 als Rechtsanwalt of counsel für die Kanzlei Noerr tätig. Kreile ist Mitglied des Stiftungsrats der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth, und war lange im Kuratorium der Ernst von Siemens Musikstiftung. Er sitzt im Vorstand der Richard-Strauss-Gesellschaft, München[7] und war lange im Rat der Richard-Strauss-Stiftung, Bayreuth in seiner Funktion als „Freund der Familie Wagner und Anwalt“.[6]
Kreile wird beschrieben als „Mann an der Nahtstelle von Politik und Ökonomie“.[6] Dieter Spöri, als SPD-Vertreter lange zusammen mit Kreile im Finanzausschuss des Bundestages, sagte über seine Rolle: „Kreile ist kein Lobbyist, [er sei viel mehr] ein hochintelligentes System, in der Koalition allen anderen haushoch überlegen.“[6]
Kreile ist verheiratet, sein Sohn Johannes Kreile ist Medienjurist, Partner der Rechtsanwaltskanzlei Noerr und Professor an der Hochschule für Fernsehen und Film München.
Partei[Bearbeiten]
Kreile ist Mitglied der CSU und war lange finanzpolitischer Berater von Franz-Josef Strauß.
Abgeordneter[Bearbeiten]
Kreile gehörte dem Deutschen Bundestag von 1969 bis 1987 sowie vom 11. Juli 1988, als er für den ausgeschiedenen Abgeordneten Alfred Sauter nachrückte, bis zu seiner Mandatsniederlegung am 22. Februar 1990 an. Er war stets über die Landesliste der CSU Bayern ins Parlament eingezogen. Im Bundestag war er zeitweise finanzpolitischer Sprecher der Unionsfraktion sowie Mitglied des Rechts- und des Finanzausschusses und zeitweilig Vorsitzender der Finanzausschusses. Als Abgeordneter war er federführend für die Reform der Körperschaftssteuer Anfang der 1970er Jahre[9] und lange Jahre als CSU-Vertreter für Steuerrecht und Finanzfragen Gast im Bundeskabinett.[4]
Ehrungen[Bearbeiten]
- Bundesverdienstkreuz I. Klasse, 1979
- Bayerischer Verdienstorden, 1979
- Honorarprofessur der Hochschule für Fernsehen und Film München, 1983
- Großes Bundesverdienstkreuz, 1985
- Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern, 1995
- Chevalier dans l'Ordre National de la Légion d'Honneur, 1995
- Silbernes Blatt der Dramatiker Union in seiner Eigenschaft als Vorstand und Generaldirektor der GEMA
- Kommandeurkreuz des Verdienstordens der Republik Polen, 2002
- Officier de l'Ordre des Arts et des Lettres, 2003
Literatur[Bearbeiten]
- Literatur von und über Reinhold Kreile im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Jürgen Becker, Peter Lerche, Ernst-Joachim Mestmäcker: Wanderer zwischen Musik, Politik und Recht – Festschrift für Reinhold Kreile zu seinem 65. Geburtstag. Nomos, 1994, ISBN 3-7890-3481-9
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Christian Bruhn: Menschliches, Zwischenmenschliches. In: Becker, Lerche, Mestmäcker, Seiten 127–133
- ↑ Heinz Friedrich: Anfänge. In: Becker, Lerche, Mestmäcker, Seiten 323–330
- ↑ Georg Kahn-Ackermann: Reinhold Kreie – Weggefährte. In: Becker, Lerche, Mestmäcker, Seiten 187–190
- ↑ a b Johannes Kreile: Der Jubilar als »juristischer« Vater. In: Becker, Lerche, Mestmäcker, Seiten 363–366
- ↑ Die Zeit: Firmen und Fakten, 49/1977
- ↑ a b c d e Der Spiegel: Ständiger Berater, Heft 13/1986
- ↑ a b Reinhold Kreile im Munzinger-Archiv, abgerufen am 2. März 2012
- ↑ Helmut Oeller: Reinhold Kreile als Hochschullehrer. In: Becker, Lerche, Mestmäcker, Seiten 465–468
- ↑ Franz Klein: Der Steuerpolitiker Reinhold Kreile im Deutschen Bundestag. In: Becker, Lerche, Mestmäcker, Seiten 349–357
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Erich Schulze | GEMA-Vorstandsvorsitzender | Jürgen Becker |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kreile, Reinhold |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist und Politiker (CSU), MdB |
| GEBURTSDATUM | 1. Dezember 1929 |
| GEBURTSORT | Aschaffenburg |
- Bundestagsabgeordneter (Bayern)
- CSU-Mitglied
- Verbandsfunktionär
- Hochschullehrer (HFF München)
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern
- Träger des Verdienstordens der Republik Polen (Komtur mit Stern)
- Träger des Bayerischen Verdienstordens
- Mitglied der Ehrenlegion (Ritter)
- Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Offizier)
- Deutscher
- Geboren 1929
- Mann