Reinkarnationstherapie

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Reinkarnationstherapie oder Rückführungstherapie ist die Bezeichnung für eine Methode aus dem Bereich der Esoterik und der Alternativheilkunde. Es handelt sich nicht um Psychotherapie im wissenschaftlichen oder gesetzlichen Sinne und ist kein anerkanntes Heilverfahren. Gleichwohl ist die Methode bei Anhängern der Esoterik populär. Reinkarnationstherapie setzt den Glauben an Reinkarnation (Wiedergeburt) voraus. Ziel ist in der Regel entweder ein Erkenntnisgewinn oder der Versuch, psychische Verletzungen zu überwinden, deren Ursache in einem Vorleben liegen soll. Durch ein Wiedererleben und eine darauf folgende Katharsis sei dies zu erreichen. Oft werden hierfür hypnotische Techniken genutzt.

Reinkarnation und Therapie[Bearbeiten]

Das Konzept der Reinkarnation (Wiedergeburt) ist ein fester Bestandteil zweier Weltreligionen, des Hinduismus und des Buddhismus. Somit glauben ca. 1,5 Milliarden Menschen traditionell an Reinkarnation. Hinzu kommen nach Umfragen etwa 10-30 % der Bevölkerung christlich geprägter westlicher Staaten.[1]

In den traditionell an Reinkarnation glaubenden Kulturen spielt die Rückführungstherapie allerdings keine Rolle. Es handelt sich um ein recht neues Konzept westlichen Ursprungs.

Die Reinkarnationstherapie wird von alternativen Therapeuten, Heilpraktikern oder esoterischen Instituten praktiziert, gehört aber auch zu den Praktiken einiger neureligiöser Gruppen und Sekten. Amerikanische Reinkarnationstherapeuten sind Michael Newton, Morris Netherton, Brian L. Weiss, Bryan Jameison, Maxwell Maltz und Roger J. Woolger, niederländischer Vertreter ist Hans TenDam (Präsident von EARTh – European Association for Regression Therapy), [2] deutsche Vertreter beispielsweise der umstrittene [3] Thorwald Dethlefsen, Ruediger Dahlke, Jan-Hendrik Günter [4], Trutz Hardo, Jan Erik Sigdell, Christoph von Keyserlingk und Baldur Ebertin, ein Schweizer Vertreter ist beispielsweise Alexander Gosztonyi.

Angebotsspezialisierungen[Bearbeiten]

Einige Anbieter von Rückführungstherapien bieten zusätzlich so genannte Rückführungen an. Diese erfolgen ohne therapeutische Zielsetzungen und ohne therapeutische Qualifikationen des Rückführenden.[5] Anbieter einer Rückführungstherapie bewerben ihr Angebot mit der Verheißung, Probleme im aktuellen Leben durch vermeintliches Erinnern an Erlebnisse vor der Geburt oder aus früheren Leben zu lindern. Die Regressionshypnose wird mit dem Versprechen der Rückholung von Erinnerungen im bisherigen Leben zur Integration unbewältigter Kindheitserlebnisse beworben. Die Anbieter derartiger Dienstleistungen haben ein Segment im Esoterikmarkt eröffnet, die Kosten einer Rückführungstherapie liegen bei durchschnittlich 3.000€.[6]

Spirituelle Grundlage[Bearbeiten]

Die meisten Richtungen der Reinkarnationstherapie gehen von folgendem aus:[7]

  • Es gibt eine Reinkarnation verbunden mit einer Weiterentwicklung des Individuums über verschiedene Leben (westliche Auffassung der Reinkarnation).
  • Im aktuellen Leben erhält der Mensch die Möglichkeit aus seinen Handlungen in früheren Leben zu lernen (westlich interpretierte Karmalehre).
  • Psychische und körperliche Probleme können durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen verursacht werden.
  • Eine Erinnerung an vergangene Leben ist möglich.
  • Durch Vergebung und Liebe können Verstrickungen in frühere Situationen gelöst und größere Freiheit erreicht werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits in frühen Hypnosen tauchten Imaginationen von Rückführungen in frühere Leben auf. Andere Vorläufer der heutigen Rückführungstherapie waren Psychiater wie Alexander Cannon in Großbritannien und Inácio Ferreira aus Brasilien, die heutige Probleme mit lang zurückliegenden Traumata zu erklären versuchten. Der erste Psychiater, der damit begann, Menschen so zu behandeln und darüber Veröffentlichungen machte, war Denys Kelsey aus Großbritannien, der 1968 das erste Buch über Rückführungstherapie veröffentlichte.[8] Aber die Methoden die er verwendete, waren immer noch die der klassischen Hypnotherapie. In Deutschland war Thorwald Dethlefsen der Pionier der Reinkarnationstherapie. In den 1980er Jahren veröffentlichten und lehrten Leute wie Winafred Lucas, Roger Woolger, Trisha Caetano und Hans TenDam über dieses schnell expandierende Fachgebiet. Seit den späten 80ern hat sich der Begriff Rückführungstherapie, oder Regressionstherapie, bei den Praktizierenden durchgesetzt. Alexander Gosztonyi begann Mitte der 1960er Jahre in seiner Praxis in Zürich Klienten mit Rückführungen zu therapieren. Seine Erkenntnisse aus über 40 Jahren Rückführungstherapie hat er in mehreren Werken dargelegt. Von 1966 bis 2005 folgten mehrere Veröffentlichungen von dem in den USA lebenden Psychiater Ian Stevenson. Er untersuchte und dokumentierte viele Berichte von Kindern, die ohne Hypnose von "Erinnerungen" an frühere Leben berichteten. Seine Vorträge und Veröffentlichungen trugen wesentlich dazu bei, dass die Vorstellung der Reinkarnation, sowie die Reinkarnationstherapie in der westlichen Welt bekannt wurde.[9]

Techniken[Bearbeiten]

Die Voraussetzung, um eine Rückführung zu erfahren, ist eine leichte Trance. In diese wird der Klient von den einzelnen Therapeuten auf unterschiedliche Weise geführt:[10]

  • die Trance kann durch Hypnose erzeugt werden
  • sie kann auch durch holotrope Atmung hervorgerufen werden
  • andere Therapeuten arbeiten mit Meditation
  • es gibt auch Menschen, die gelernt haben oder die dazu veranlagt sind, sich selber in diese Trance zu versetzen, ohne solche Techniken anzuwenden.
  • mithilfe von binauralen beats bei der Hemi-Sync-Methode und bei Mindmachines.

Eine sorgfältige Vorbereitung einer Rückführungstherapie beginnt mit einem ausführlichen Vorgespräch mit dem Klienten, in welchen die Fragen besprochen werden, die der Klient in seiner Rückführung klären will. Fragen zu folgenden Bereichen werden häufig gestellt:[11]

  • Was ist die Lebensaufgabe der aktuellen Inkarnation?
  • Gibt es Ursachen für Beziehungsprobleme oder Krankheiten, die in der Kindheit des aktuellen Lebens oder in früheren Leben liegen könnten?
  • Kontaktaufnahme mit verstorbenen Angehörigen
  • einfach nur Neugierde, mehr von früheren Leben zu erfahren
  • Einige Rückführungstherapeuten z.B. Dr. Brian Weiss bieten auch Reisen in zukünftige Leben an, um zu sehen, wie die noch bevorstehenden Inkarnationen gestaltet werden und wie man im aktuellen Leben darauf Einfluss nehmen kann.

Bei der eigentlichen Rückführung wird der Klient meistens erst in seine eigene Kindheit geführt. Dabei kann auch das Erleben der Geburt und die Zeit während der Schwangerschaft erinnert werden. Danach führt der Therapeut den Klienten zu dem Ort innerhalb des früheren Lebens, an den er reisen möchte, um seine Fragen beantwortet zu bekommen. Nach dem Betrachten einiger vergangener Leben ist auch ein Betrachten der Zeit im Jenseits zwischen den einzelnen Leben möglich.[12]

Von vielen Reinkarnationstherapeuten wird betont, Ziel bei einer Therapie sei nicht, die Phantasien eines Klienten auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Vielmehr gehe es um das Aufspüren von Verwicklungen, die im Unterbewusstsein verankert sind und die freie Entfaltung der Persönlichkeit beeinträchtigten. Wenn es gelänge, diese Verwicklungen aufzulösen, hätte dies einen günstigen Effekt für den Klienten. Die Reinkarnation könne auch nur als reine Arbeitshypothese verwendet werden. Manche Anbieter, wie bspw. Brian Weiss führe seine Klienten sogar in zukünftige Leben als Kategorie einer reinen Arbeitshypothese.[13]

Kritik[Bearbeiten]

Da Reinkarnation keine wissenschaftlich gesicherte Tatsache ist, besitzt auch eine auf dieser Idee aufbauende Therapie keinerlei solide Basis.

Risiken der Methode[Bearbeiten]

Die Gefahren der Reinkarnationstherapie liegen darin, dass einige ihrer methodischen Kernelemente (bspw. Regression unter Hypnose), gerade bei psychisch labilen Personen, als hoch riskant gelten. Rückführungstherapien werden daher von psychotherapeutischen Berufsverbänden nicht als Methode der Psychotherapie anerkannt. Insbesondere die Gefahren einer unkontrollierten Regression gelten als besonders brisant. Reinkarnationstherapien sind, vor allem wenn sie zum Zwecke der Behandlung psychischer Störungen angewendet werden, ein unstrittig unwissenschaftliches Verfahren mit beträchtlichen Risiken (bspw. maligne Regression, Komplikationen in hypnotischen Zuständen, psychotische Entgleisungen, pathologische Kollusion, Verlust der Selbststeuerungsfähigkeit des Patienten, fortgesetzte Suggestibilität sowie das Unterlassen des Aufsuchens von Ärzten und approbierten Psychotherapeuten).[14]

Risiko bei Heilern mit unzureichendem medizinischen Wissen[Bearbeiten]

Da die Begriffe 'Reinkarnationstherapeut' und 'Rückführungstherapeut' keine geschützten Begriffe sind, werden diese Leistungen auch von Menschen angeboten, die in vielen Fällen keine medizinische Ausbildung besitzen. So besteht die Gefahr, dass medizinische Kontraindikationen nicht erkannt werden oder sich ergebende psychische Probleme aus der Rückführungserfahrung nicht mit der gebührenden Sorgfalt behandelt werden. Wer sich in Deutschland vor Heilern mit mangelndem medizinischen Wissen schützen will, sollte darauf achten, dass der Rückführungstherapeut, dem man sich anvertraut, eine Approbation als Arzt, Psychotherapeut oder eine Zulassung als Heilpraktiker oder Heilpraktiker für Psychotherapie hat.

Kryptomnesie als Erklärungsansatz[Bearbeiten]

Von Kritikern der Reinkarnationstherapie wird Kryptomnesie als mögliche Erklärung vorgebracht. Darunter versteht man das Wiedererinnern von im Gedächtnis verborgenen Erlebnissen.

Organisation[Bearbeiten]

Organisationen, die an der Entwicklung dieses Fachgebiets beteiligt sind, sind die International Association for Regression Research and Therapies, das International Board for Regression Therapy, der World Congress for Regression Therapists und die EARTh Association for Regression Therapy EARTh.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andy Tomlinson: Die Seele heilen - erkenntnisse aus regressionen in vorleben und das spirituelle leben zwischen leben. From The Heart Press 2012, ISBN 978-0-9572507-0-3.
  • Michael Newton: Die Reisen der Seele: Karmische Fallstudien. 10. Auflage, Astrodata Verlag 2009, ISBN 978-3-907029-50-3.
  • Michael Newton: Die Abenteuer der Seelen: Neue Fallstudien zum Leben zwischen den Leben. 4. Auflage, Astrodata Verlag 2009, ISBN 978-3-907029-71-8.
  • Brian L. Weiss: Heilung durch Reinkarnationstherapie. Ullstein Taschenbuch Verlag Berlin, 1. Auflage 2007, ISBN 978-3-548-74352-3
  • Jan Erik Sigdell: Rückführung in frühere Leben. Ansata, München 2006 ISBN 3-7787-7275-9
  • Heike Dierbach: Die Seelenpfuscher. Pseudo-Therapien, die krank machen, Rowohlt Taschenbuch Verlag 2009, ISBN 978-3-499-62586-2
  • Raymond A. Moody: Leben vor dem Leben. Rowohlt Verlag GmbH, Sonderausgabe 2000, ISBN 3-8289-1832-8
  • Alexander Gosztonyi: Grundlagen und Praxis der Rückführungstherapie. Windpferd Verlag Oktober 2009; ISBN 3-89385-595-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Reinkarnationstherapie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Zander: Geschichte der Seelenwanderung in Europa, Darmstadt 1999, S. 598–602.
  2. http://www.earth-association.org/
  3. http://pdf.zeit.de/1998/23/esoterik.txt.19980528.xml.pdf
  4. Praxis und Ausbildungsinstitut für Hypnose und Reinkarnationstherapie
  5. Thorwald Dethlefsen: Das Leben nach dem Leben. Gespräche mit Wiedergeborenen. Seite 9 3. Auflage 1985 ISBN 3-442-11748-8
  6. Reinkarnationstherapie ist nicht ungefährlich, Der Standard, 1. März 2013
  7. Jan Erik Sigdell: Reinkarnationstherapie: Emotionale Befreiung durch Rückführung. Heyne 2006.
  8. Denys Kelsey: Now and Then: Reincarnation, Psychiatry, and Daily Life. Trencavel Press 2007
  9. Ian Stevenson: Children Who Remember Previous Lives: A Question of Reincarnation, rev. ed., Jefferson 2001.
  10. Brian L. Weiss: Die zahlreichen Leben der Seele: Die Chronik einer Reinkarnationstherapie. Goldmann 2009.
  11. Jan-Henrik Günter: Die Seele heilen mit Reinkarnationstherapie. Hugendubel 2007.
  12. Jan-Henrik Günter: Die Seele heilen mit Reinkarnationstherapie. Hugendubel 2007.
  13. Ingo Michael Simon: Rückführungen: Leitfaden der Reinkarnationstherapie. Norderstedt 2009.
  14. Markus Hochgerner (Hrsg.): Gestalttherapie. Wien 2004.

Siehe auch[Bearbeiten]

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