Reit im Winkl

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Reit im Winkl
Reit im Winkl
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Reit im Winkl hervorgehoben
47.67833333333312.469444444444696Koordinaten: 47° 41′ N, 12° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Traunstein
Höhe: 696 m ü. NHN
Fläche: 71 km²
Einwohner: 2366 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 33 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83242
Vorwahl: 08640
Kfz-Kennzeichen: TS
Gemeindeschlüssel: 09 1 89 139
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
83242 Reit im Winkl
Webpräsenz: rathaus.reitimwinkl.de
Bürgermeister: Josef Heigenhauser (Freie Wähler/CSU)
Lage der Gemeinde Reit im Winkl im Landkreis Traunstein
Chiemsee Landkreis Berchtesgadener Land Landkreis Rosenheim Landkreis Altötting Landkreis Mühldorf am Inn Waginger See Wonneberg Waging am See Vachendorf Unterwössen Übersee (Chiemgau) Trostberg Traunstein Traunreut Tittmoning Taching am See Tacherting Surberg Staudach-Egerndach Siegsdorf Seeon-Seebruck Schnaitsee Schleching Ruhpolding Reit im Winkl Pittenhart Petting (Gemeinde) Palling Obing Nußdorf (Chiemgau) Marquartstein Kirchanschöring Kienberg (Oberbayern) Inzell Grassau Grabenstätt Fridolfing Engelsberg Chieming Bergen (Chiemgau) Altenmarkt an der Alz Österreich Österreich ÖsterreichKarte
Über dieses Bild

Reit im Winkl ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Traunstein. Reit im Winkl ist Wintersport- und Höhenluftkurort.

Geografie[Bearbeiten]

Reit im Winkl mit Unterberg, Wildem und Zahmem Kaiser

Geografische Lage[Bearbeiten]

Reit im Winkl liegt im Chiemgau, südlich des Chiemsees.

Der in einem Kaiserwinkl genannten Tal liegende Ort ist im Süden, Osten und Norden von schützenden Randbergen umgeben und nur nach Westen zum Inntal hin offen. Die sich dort stauenden Wolken führen in Verbindung mit den für Bergtäler typischen Kaltluftseen im Winter zu häufigem Schneefall, so dass der Ort wegen seiner schneesicheren Lage auch als „Schneeloch“ bekannt ist. Im Vergleich mit anderen Wintersportgebieten, die auf ähnlicher Höhe liegen (700 m ü. NN), fällt hier viel Schnee und er bleibt auch mit am längsten liegen.[2]

Reit im Winkl gehört geologisch zu den Nördlichen Kalkalpen. Die Berge um den Ort sind Teil der Chiemgauer und somit der Bayrischen Alpen. Die höchste Erhebung auf dem Gemeindegebiet ist das Dürrnbachhorn (1776 m).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind in Deutschland Unterwössen und Ruhpolding, in Österreich Kössen und Waidring (Tirol) und Unken (Salzburg).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Reit im Winkl hat neun amtlich benannte Ortsteile:[3]

Daneben besteht der nicht amtlich benannte Ortsteil Maserer-Pass.

Es gibt die Gemarkungen Forst Reit im Winkl und Reit im Winkl.

Gewässer[Bearbeiten]

Im Ortsgebiet gibt es folgende Fließgewässer:

Seen:

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Josef Heigenhauser (Freie Wähler), sein Stellvertreter Andreas Heigenhauser (CSU)

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2009 1.999.000 Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) 367.000 Euro.

Bürgermeister (seit 1945)[Bearbeiten]

  • Karl Stumbeck (1945–1966)
  • Andreas Hagl (1966–1978)
  • Jakob Strobl (1978–1990)
  • Franz Klauser (1990–2002)
  • Fritz Schmuck (2002–2008)
  • Josef Heigenhauser (seit Mai 2008)

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 15 Sitze. Sie werden seit der Wahl 2014 wie folgt belegt:

  • CSU: Andreas Heigenhauser, Dr. Sabine Wörnle, Silvia Schmuck, Matthias Schlechter, Lorenz Höflinger, Wilhélm Schwarz
  • Freie Wähler: Josef Heigenhauser (1. Bürgermeister),Hipper Alos, Ursula Grünbacher, Andreas Mühlberger, Georg Speicher, Lisa Ruh, Rudolf Wolfenstetter, Wolfgang Hechtl, Weiss Maximilian

Wappen und Fahne[Bearbeiten]

Das Wappen aus dem Jahre 1950 zeigt den Adler auf gelben Grund des Bistums Chiemsee, zu dem Reit im Winkl von 1275 bis zu dessen Überführung in das Bistum Freising 1804 gehörte. Die nach oben spitz zulaufende Form des gelben Grundes symbolisiert die Lage der Gemeinde im Winkel zwischen Salzburg und Tirol. Der brennende Ast und der Sapie (ein Werkzeug zum Holzrücken) sind eine Anspielung auf die Entstehung der Gemeinde durch Rodung (Reit kommt vom Wort roden) im 11. und 12. Jahrhundert.

Das Wappen von 1929 zeigte die örtliche Kriegerkapelle in blau auf einem grünen Hügel. Da sich dieses Wappen nie richtig durchsetzte und außerdem unheraldisch war und es an einer geschichtlichen Grundlage mangelte, betrieb das Hauptstaatsarchiv seit 1949 die Einführung eines neuen Wappens.

Die Fahne trägt die Farbenfolge grün-weiß-blau. Dies stellt eine Ausnahme in der Farbgebung dar, da hier die heraldische Farbgebung des alten Wappens von 1929 benutzt wurde. Da die Flaggen grün-weiß-blau für die Nordische Skimeisterschaft 1950 aber bereits vorläufig genehmigt und angeschafft wurden, genehmigte man 1953 dann ausnahmsweise eine von der Wappenfarbe abweichende Farbgebung für die Fahne. Optional kann im Oberteil auch das Gemeindewappen mit eingebaut werden.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Reit im Winkl soll von den Herren von Neuburg-Falkenstein gegründet und erstmals in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1160 genannt sein, wobei nach heutigem Stand der Forschung eine Ersterwähnung als „St. Pankraz am Eck“ um 1215 angenommen wird. Der Ort änderte mehrmals seinen Namen, wobei der Bezug zum Winkel oder zur Entstehung durch Rodung immer bestehen blieb. Er gehörte seit 1275 zum Pflegegericht Marquartstein, Rentamt Burghausen im Fürstentum (später Kurfürstentum) Bayern und kirchenrechtlich zum Bistum Chiemsee. 1505 wird Reit im Winkl infolge des Landshuter Erbfolgekriegs als Grenzort zu Tirol festgelegt, die benachbarten, zuvor zu Bayern gehörenden Gerichte Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg werden Tirol zugeschlagen.

Reit im Winkl bleibt von den kriegerischen Handlungen des Dreißigjährigen Krieges verschont, jedoch wird durch herumziehende Personen die Pest ins Dorf gebracht. An dieses Ereignis erinnern drei damals gestiftete Pestsäulen. 1738 wird in Reit im Winkl eine Volksschule in der Stube des Müllerbauern eingerichtet, die jedoch aufgrund des Einsatzes der Kinder bei den oft harten landwirtschaftlichen Arbeiten, der strengen Winter und des Desinteresses der Eltern anfangs wenig frequentiert wird.

1805 erfolgt, nach der 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss festgelegten Säkularisation, die Gründung der Pfarrei Reit im Winkl. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. 1826 wird in Reit im Winkl der letzte Wolf geschossen. Dies ist auch Anlass für die Gründung des ältesten Vereins am Ort, der Musikkapelle, die bei diesem Ereignis als Musik im Freudenzug von Seegatterl nach Reit im Winkl mit dem geschossenen Wolf das erste Mal genannt wird.

1842 wird an der Grenze ein Zollamt eingerichtet. Dieses wird, nach einer Auflösung im Zuge des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich in den Jahren 1938 bis 1945, 1998 im Zuge des Beitritts Österreichs zum Schengener Abkommen aufgelöst. 1894 wird eine Gendarmeriestation eingerichtet, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Grenzpolizeistation bis 1995 besteht. 1861 kommt Reit im Winkl zum königlich bayerischen Bezirksamt Traunstein. 1873 wird die erste Postkutsche von Unterwössen nach Reit im Winkl eingerichtet, in Reit im Winkl entsteht eine Postfiliale. Um 1875 werden in ganz Bayern Freiwillige Feuerwehren gegründet, so auch 1879 in Reit im Winkl.

Mit dem Bau eines Wasserkraftwerks am Grünbühel hält 1906 die Elektrizität Einzug in Reit im Winkl. 1911 wird ein Krankenhaus, das heutige Senioren- und Pflegeheim, gegründet. 1923 wird die Waldbahn Ruhpolding-Reit im Winkl eröffnet (Einstellung 1931), 1925 erfolgt die Aufnahme einer Kraftpostlinie von Marquartstein her und 1937 wird eine direkte Buslinie München-Reit im Winkl eingerichtet (Auflösung 1996). 1938 erfolgt der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, die Grenze ist somit bis 1945 aufgelöst. 1941 wird der erste Kindergarten von der Nationalsozialistischen Wohlfahrt gegründet.

Von Kriegshandlungen blieb Reit im Winkl im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont, lediglich in den letzten Kriegstagen zwischen dem 5. und 7. Mai 1945 gab es Gefechte in Seegatterl, am 8. Mai wird der Ort an die Amerikaner übergeben, nachdem wenige Tage zuvor schon Amerikaner (sie hielten Reit im Winkl für Reith bei Kitzbühel) im Ort waren. Nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes, dem Einmarsch der US-Amerikaner und der Neugründung des Freistaates Bayern bleibt die Gemeinde Reit im Winkl identisch mit der Vorkriegsgemeinde. Die Einwohnerzahlen bleibt wegen der nur kurzfristigen Einquartierungen eines Großteils der dem Ort zugewiesenen Heimatvertriebenen relativ konstant.

1953 entdeckt Pfarrer Wiesheu den Gletscherschliff am Wimmerkreuz, somit kann die geologische Vorgeschichte des Ortes beschrieben werden.

Entwicklung des Tourismus[Bearbeiten]

Den Anfang des Tourismus hat Reit im Winkl einem Besuch des Königs von Bayern, Maximilian II. im Zuge seiner Alpenreise im Jahr 1858 zu verdanken, es waren aber auch schon im 18. Jahrhundert einige Adlige aus Norddeutschland zur Sommerfrische in Reit im Winkl. In der Folge des königlichen Besuchs 1858 kamen in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr Adlige, Schriftsteller und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nach Reit im Winkl. Um den Tourismus in geordnete Bahnen zu bringen und zu fördern wird 1896 der Verschönerungsverein (heute Verkehrsverein) gegründet. Ein Anliegen dieses Vereins ist auch der Bau einer Eisenbahnlinie nach Reit im Winkl, das 1923 mit der Eröffnung der Waldbahn von Ruhpolding nach Reit im Winkl seine Erfüllung findet. 1904 werden erste Vorschriften zur Ortsverschönerung beschlossen.

Während der NS-Herrschaft profitiert auch Reit im Winkl von den Reisen der KdF-Bewegung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt Reit im Winkl wegen der für Deutsche geschlossenen Grenzen einen Tourismus-Boom. Zu diesem trugen auch sportliche Wettbewerbe und deren Berichterstattung in den Medien bei, so zählte man etwa bei den Deutschen Nordischen Skimeisterschaften im Februar 1950 17.000 Besucher. Verschiedene prominente Politiker besuchen in den 1950er Jahren den Ort, unter anderem Ernst Reuter und Bundespräsident Theodor Heuss.

Neue Konkurrenz bekommt der Tourismus im Laufe der 1960er Jahre durch die beliebter werdenden Reisen in den Mittelmeerraum.

1973 wird das Skigebiet Winklmoos-Steinplatte eröffnet. Nach dem Mauerfall 1989 erfolgt ein kurzer Boom, da nun wieder Gäste aus Sachsen und Thüringen in ihre schon vor dem Krieg besuchten Ferienorte in den Alpen reisen können. Sie können jedoch nur kurzfristig den Rückgang der Übernachtungen kompensieren, die Gästezahlen nehmen seit Mitte der 1990er Jahre wieder ab.

Seit 1956 ist der Ort Luftkurort. Dadurch konnte man weitere Gäste in den Ort bringen. Ein weiterer Vorzug dieses Prädikats ist die Möglichkeit zur Erhebung eines Kurbeitrags (Kurtaxe, seit 1953 genutzt) von den hier weilenden Gästen.

Fremdenverkehrsstatistik

Im Folgenden sollen einige Zahlen aus der Fremdenverkehrsstatistik[5] zitiert werden.

Jahr Gästezahl Übernachtungen
1924/25 2779 6404
1934/35 11.858 104.249
1945/46 5159 45.652
1954/55 25.428 228.548
1969/70 48.614 486.584
1979/80 68.645 648.505
1984/85 66.910 640.507
1990/91 98.842 879.785
1992/93 98.562 897.835
1997/98 86.830 762.274
2006 77.030 581.229
2007 73.630 522.263
2008 83.124 558.953
2009 81.485 539.427
2010 86.321 547.259
2013 97.346 562.597

Schelluntersage[Bearbeiten]

Der Sage nach soll bei der Neuverteilung der Länder Europas nach den Wirren der napoleonischen Kriege im Wiener Kongress 1815 Reit im Winkl aufgrund der abgeschiedenen Lage vergessen worden sein. Damit um diesen kleinen Flecken in den Alpen kein neuer Krieg gefochten werden musste, wurde zwischen den Landesherren von Bayern, Salzburg und Tirol vereinbart, darum Karten zu spielen. Bei diesem Spiel nun soll der bayerische Herrscher den letzten und entscheidenden Stich mit dem Schellunter gemacht haben und Reit im Winkl für Bayern gewonnen haben.[6] Seit diesem Zeitpunkt ist der Schellunter das heimliche Wappen des Ortes. Noch heute nutzen es Gebirgsschützen und Trachtenverein als Erkennungszeichen. Auch die „Musterer“ nutzten es als Erkennungszeichen (eine Schellunter-Karte auf dem Hut), um sich von den Burschen aus den anderen Dörfern zu unterscheiden.

An der Richtigkeit dieser Sage kann aber mit triftigem Grund gezweifelt werden, sie ist wohl eher als eine Anekdote zu werten. Auch die Einordnung in die Zeit des Wiener Kongresses ist wohl falsch, da damals Salzburg keine eigene Landesherrschaft mehr war. Die Darstellung der Sage auf dem Wagen des Trachtenvereins, der auf Festumzügen mitgeführt wird[7], lässt eher auf die Zeit um 1777 schließen, also die Zeit des Bayerischen Erbfolgekrieges, in der Bayern auch das Innviertel an Österreich abgeben musste.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

In der Tabelle wurden einige Daten zusammengestellt.

Jahr Einwohner
1691 600
1803 766
1840 815
1870 824
1900 1011
1933 1539
1939 1657
1946 2548
1950 2386
1970 2392
1987 2632
2000 2683
2009 2336
2010 2345

Reit im Winkl ist auch ein beliebter Zweitwohnsitz. Die Zahl stieg seit 1967 mit 262 über 1980 mit 705 bis heute (Stand: 1995) auf rund 900 Personen. Diese Zahl ist seitdem aber weiter gestiegen, so dass die Gemeinde Reit im Winkl eine Zweitwohnsitzsteuer erhebt.

Religionen[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist überwiegend katholisch, wobei durch Zuzug der Anteil Evangelischer nach 1945 ständig zunahm. Seit 1936 hat Reit im Winkl auch eine evangelisch-lutherische Kirche, das Bergkirchlein an der Birnbacher Straße.

Das evangelisch-lutherische Pfarramt befindet sich in Ruhpolding.

Katholische Pfarrgemeinde[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Pankratius
Innenraum der Pfarrkirche St. Pankratius

Das Herz der Pfarrei ist die Pfarrkirche St. Pankratius. Sie befindet sich in der Ortsmitte am Kirchplatz. Des Weiteren gehört zur Pfarrei noch die Kirche St. Johann im Gebirg in Winklmoos.

In Reit im Winkl befindet sich das katholische Pfarramt gleich hinter der Kirche im Pfarrhof, der auch Wohnhaus des Pfarrers ist und gleichzeitig das Pfarrzentrum mit Pfarrsaal darstellt. In ihm befindet sich auch der Pfarrsaal, der vor allem für kleinere Veranstaltungen benutzt wird.

Bevor die katholische Pfarrei St. Pankratius in Reit im Winkl im Jahre 1805 gegründet wurde, gehörte Reit im Winkl zur Pfarrgemeinde Kirchdorf in Tirol (Bistum Chiemsee). Ebenfalls seit 1803 gehört die Pfarrei zum zur Erzdiözese erhobenen Bistum München und Freising.

Verwaltungsmäßig gehört die Pfarrei Reit im Winkl heute zum Dekanat Traunstein im Erzbistum München und Freising. Mit der Amtseinführung von Herrn Pfarrer Martin Strasser im Dezember 2013 wird eine Neugestaltung der Pfarrverwaltung anvisiert. Bis 2015 soll Pfarrer Strasser einen Pfarrverband organisieren, der aus den Gemeinden Reit im Winkl, Unterwössen, Oberwössen und Schleching besteht. Damit verbindet sich für die vier Pfarreien eine einschneidende Änderung ihrer viele Jahrhunderte umspannenden Kirchengeschichte. Um diese Herausforderung auch personell stemmen zu können stehen dem Verbandspfarrer die beiden Diakone Erik Oberhorner und Klaus Mühlberger, die allerdings hauptamtlich einem Zivilberuf nachgehen, die Ruhestandspriester Josef Kreuzpointner und Paul Voggenauer sowie der aus Indien stammende Pater Jim John Vadakkumparambil O‘Carm, zur Seite. Sie sind für den gesamten Verbund zuständig. Im Rahmen eines großen Festgottesdienstes am 5. Januar 2014 mussten die o. g. Priester und Diakone öffentlich erklären, die Bereitschaft für das Amt zu übernehmen, und wurden offiziell durch den Dekan Georg Lindl in der Pankratius Kirche einführt.

Pfarrer der Pfarrei[Bearbeiten]

  • Valentin Ponschab (1805–1813; seit 1803 Vikar)
  • Ernst Liberat Prummer (1813–1827)
  • Josef Aaron Kurz (1827–1831)
  • Kajetan von Rogenhofer (1831–1837)
  • Joseph Winkler (1837)
  • Anton Dötzkirchner (1837–1883)
  • Albert Lindemann (1889–1890)
  • Johann Küblbeck (1891–1901)
  • Johann Genghammer (1901–1932)
  • Johannes Wiesheu (1932–1958)
  • Andreas Gruber (1958–1968)
  • Edmund Bargon (1968–1998)
  • Josef Preis (1998–2000)
  • Johann Spiolek (2001-2013)
  • Martin Strasser (seit 1. Dezember 2013)

Kirchen und Kapellen der Pfarrei[Bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche St. Pankratius

Im Jahre 1393 wird die dortmals erste urkundlich genannte Kirche (St. Pankratius) zusammen mit anderen Kirchen (Kirchdorf, Schwendt, Kössen) geweiht.

Die heutige unter Denkmalschutz stehende katholische Pfarrkirche St. Pankratius stammt aus den Jahren 1912/13. Der Neubau war nötig, da damals nur eine Kirche mit Notdach vorhanden war (Folgen eines Brandes 1894), die außerdem für die damals wachsende Gemeinde zu klein wurde. Daher wurde ein Kirchenbauverein gegründet, der es sich zur Aufgabe machte, einen neuen Kirchenbau zu finanzieren.

Die Kirche wurde im Innenraum mehrere Male renoviert (in den 1962/63, 1975/76, 1992/93) bevor sie nun die heutige Innengestalt erhielt. 2000 wurde eine neue Orgel eingebaut.

St. Johann im Gebirg

Im Ortsteil Winklmoos befindet sich die in den 1960er Jahren erbaute Kirche St. Johann im Gebirg.

Kapellen

In Reit im Winkl gibt es auch zahlreiche Kapellen.

  • Kronbichlerkapelle in Oberbichl; älteste Kapelle mit Fresken aus dem Jahre 1694
  • Eckkapelle (1710)
  • Entfeldener Kapelle
  • Blindauer Kapelle
  • Kapelle Mariä Himmelfahrt in Winklmoos
  • Anna-Kapelle auf der Hemmersuppen-Alm
  • Kriegergedächtniskapelle, erbaut nach Plänen von Bruno Biehler

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 2009 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 213 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 482 sowie 119 im Bereich Öffentliche und private Dienstleister sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 708. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen, im Bauhauptgewerbe 4 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2009 37 landwirtschaftliche Betriebe, die landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug 792 Hektar, davon waren 792 Hektar Dauergrünfläche.

Der Fremdenverkehr ist der Haupterwerbszweig am Ort. Mehr als 80 Prozent der arbeitenden Bevölkerung lebt von ihm. Es gibt rund 400 Betriebe mit 5000 Gästebetten in der Gemeinde. Zu Reit im Winkl gehört die Winklmoos-Alm, die zusammen mit dem österreichischen Skigebiet auf der Steinplatte als beliebtes Wandergebiet und Skizentrum gilt.

An Gewerbebetrieben ist in Reit im Winkl hauptsächlich das Handwerk vertreten, vor allem Zimmereien und Schreinereien. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage und dem Rückgang der Neubauten am Ort beziehungsweise des Engagements auswärtiger Bauunternehmen mussten jedoch einige Betriebe schließen beziehungsweise ihr Personal extrem reduzieren.

Der Zuzug großer Discount-Unternehmen konnte, im Gegensatz zu anderen Orten im Landkreis, weitgehend verhindert werden, so dass sich die ortsansässigen Lebensmittelhändler relativ gut halten können.

Eine Chance und zugleich eine Gefährdung der Wirtschaft in Reit im Winkl kann wohl die Grenzöffnung im Zuge der europäischen Einigung und die Einführung des Euro bezeichnet werden. Zum einen entfalten sich für die einheimische Bevölkerung neue Beschäftigungsmöglichkeiten im benachbarten Österreich. Die Expansion einheimischer Unternehmen ist dadurch möglich geworden. Aufgrund der geringeren Mehrwertsteuersätze in Deutschland (7 % auf Lebensmittel und andere Produkte des täglichen Bedarfs) kommen viele Österreicher nach Reit im Winkl zum Einkaufen. Durch die Einführung der Ökosteuer in Deutschland ist jedoch ein Tanktourismus entstanden, der einheimische Tankstellenpächter zum Aufgeben zwang.

In Reit im Winkl wurde im Jahr 2000 eine Biomasse-Fernwärmeversorgung eingerichtet, die es sich zum Ziel gemacht hat, alle (erreichbaren) Anwesen mit CO2-neutraler Wärme (durch die Verbrennung von Holz-Hackschnitzel erhitztes Wasser) zu versorgen. Für das Bemühen um den Umweltschutz wurde die Gemeinde Reit im Winkl als „Gemeinde der Zukunft“ und mit weiteren Umweltpreisen ausgezeichnet. Zum 1. Januar 2008 sind etwa 317 Anschlussnehmer am rund 21 Kilometer langen Leitungsnetz zu verzeichnen. Durch das Hackschnitzelwerk werden derzeit etwa 2,6 Millionen Liter Heizöl jährlich ersetzt. Das entspricht zwei Dritteln des örtlichen Energiebedarfs und reduziert die Schadstoffbelastung um 90 Prozent. Durch die Naturwärme GmbH & Co. KG kann das Prädikat Luftkurort für Reit im Winkl langfristig gesichert werden. Als Bürgerwerk steht die Anlage deutschlandweit als einzigartig da, sind doch von den über 90 Gesellschaftern – außer von dem 20-prozentigen Anteil der Gemeinde, 4,5 Prozent E.ON und drei weiteren – alle aus Reit im Winkl. Eine Pionierleistung stellt das Biomasseheizwerk auch insofern dar, weil es bisher als einziges in Deutschland fast eine gesamte Gemeinde in der Fläche abdeckt und zu dem nicht, wie anderenorts, nur Neubaugebiete mit erneuerbaren Energien versorgt. Bis August 2013 wurden bereits 437 Häuser angeschlossen.

Verkehr[Bearbeiten]

Die nächstliegenden Autobahnen sind die Bundesautobahn 8 zwischen Salzburg (Österreich) und München und die Bundesautobahn 93 Rosenheim-Kiefersfelden (Inntalautobahn). Man erreicht Reit im Winkl über die Abfahrten Bernau (aus Richtung Westen, München) über den Maserer-Pass oder Siegsdorf (aus Richtung Osten, Salzburg) (jeweils A 8) sowie Oberaudorf (A 93).

Die nächsten Flughäfen sind München (ca. 140 km) und Salzburg (ca. 70 km), beide mit Bahnanschluss.

Nächste Bahnstationen liegen in Bernau am Chiemsee, Übersee am Chiemsee und Prien am Chiemsee an der Hauptstrecke München-Salzburg. Ebenso in Ruhpolding, von dort fährt stündlich die Regional Bahn nach Traunstein. Von dort gelangt man mit folgenden Busverbindungen nach Reit im Winkl:

  • Busverbindung ab Bahnhof Übersee mit dem RVO-Bus Linie 9509 über Marquartstein nach Reit im Winkl oder
  • ab Bahnhof Prien mit dem RVO-Bus Linie 9505 bis Reit im Winkl

Reit im Winkl liegt an der Deutschen Alpenstraße (B 305). Reit im Winkl ist Grenzort zu Österreich.

In den 1920er Jahren war Reit im Winkl auch über eine Bahnlinie, die Waldbahn, aus Ruhpolding kommend zu erreichen. Die Schmalspurbahn wurde aufgrund der hohen Instandhaltungskosten und mehrerer Unglücke um 1930 wieder eingestellt.

Eine gemeindeeigene, 1954 eröffnete Mautstraße führt zum Ortsteil Winklmoos-Alm. Diese Straße ist nur im Sommer per PKW allgemein befahrbar, im Winter nur mit Ausnahmegenehmigung.

Ansässige Vereine[Bearbeiten]

OeAV-Sektion Kössen-Reit im Winkl[Bearbeiten]

Nach einer Gründung bereits um 1910, kam es 1946 in Kössen zur Wiedergründung einer OeAV-Sektion, zu der im Laufe der Zeit sehr viele Reit im Winkler beitraten, so dass diese Sektion die Besonderheit hat, sowohl in Deutschland als auch in Österreich aktiv zu sein. Neben alpinsportlichen Aktivitäten ist insbesondere die Jugendarbeit eines der Hauptanliegen der Sektion. Diese äußert sich in jährlich angebotenen Jugendlagern ebenso wie in regelmäßigen Jugendtreffs der Alpenvereins-Jugend. Auch zum kulturellen Leben trägt der Alpenverein mit dem immer am dritten Septemberwochenende stattfindenden Volkstanz mit der Tiroler Kirchtagmusik bei. Das Alpenvereinsheim in der Loferaustraße ist gern frequentierter Veranstaltungsort für Feiern und kleinere Veranstaltungen. Die Sektion zählt etwa 1200 Mitglieder, die aus Kössen, Reit im Winkl und den Nachbargemeinden kommen.[8]

Fußballclub[Bearbeiten]

Ortsansässiger Fußballclub ist der 1968 gegründete FC Reit im Winkl. Er verfügt in der Saison 2010/11 im Spielbetrieb über sieben Mannschaften. Die Erste Mannschaft spielt in dieser Saison in der A-Klasse.[9]

Gebirgstrachten-Erhaltungsverein (GTEV) „Dö Koasawinkla“[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Zuge der ab 1883 in Oberbayern einsetzenden Gründung von Gebirgstrachten-Erhaltungsvereinen wurde 1901 im Gasthof Oberwirt durch 22 junge Burschen der GTEV „Dö Koasawinkla“ gegründet. Ziel des Vereins war die Erhaltung der alpenländischen Tracht, des Brauchtums und der traditionellen Volksmusik, auch zur Unterhaltung der hier weilenden Sommerfrischler.

1911 wurde die erste Fahne im Rahmen eines Gaufests des Gauverbands I geweiht.

Nach Anfangsschwierigkeiten im Verein begann 1927 eine Blütezeit des Vereins, die Vereinstracht wurde einheitlich geregelt und weibliche Mitglieder wurden 1928 erstmals aufgenommen. 1929 wurde die historische Trachtengruppe in Kooperation mit dem Theaterverein gegründet. Diese tritt in der alten Reit im Winkler Tracht auf und führt historische Tänze auf. 1931 wurde das Mühlradl von der aktiven Gruppe einstudiert. In dieser Zeit wurden Almtänze für die Touristen und als Höhepunkt des Trachtenjahres das Preisplatteln durchgeführt. Mitte der 1930er Jahre plattelte eine Abordnung der Plattlergruppe im Operettenfilm „Im weißen Rössl“ den „Reit im Winkler“, dessen Ursprung hier liegt.

Während des Dritten Reiches wurde der Verein in die Urlaubsorganisation der NSDAP, KdF, eingegliedert, ab 1937 wurde von dieser ein Vorstand („Trachtenwart“) bestimmt. Aufgrund der Einziehung der männlichen Mitglieder, insbesondere der Aktiven, in den Krieg wurde ab 1940 kein Almtanz mehr abgehalten.

Wiedergründung 1945[Bearbeiten]

Am 26. Dezember 1945 erfolgte die Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946 erfolgte der Wechsel vom Gauerband I zum bereits 1926 gegründeten Chiemgau-Alpenverband. 1947 beteiligten sich erstmals Buben in einer Jugendklasse am Preisplatteln. 1951 wurde das 50-jährige Bestehen mit einem Trachtenfest mit Fahnenweihe begangen, zu dem 7000 Trachtler und 13.000 Zuschauer zusammenkamen.

Anfang der 1960er Jahre wurde eine Kinder- und Jugendgruppe gegründet. Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre konnten Erfolge beim Gaudirndldrahn gefeiert werden. 1974 nahm eine größere Abordnung der Aktiven und verschiedener Musikgruppen aus Reit an einem Folkloretreffen in Zakopane teil. In die gleiche Zeit jedoch fällt jedoch auch, wie bei allen Trachtenvereinen in dieser Zeit, ein extremer Nachwuchsmangel, der 1974 fast zur Auflösung der aktiven Gruppe führte. Der Verein konnte sich davon in der Folgezeit wieder erholen, insbesondere auch wegen der guten Jugendarbeit.

1981 konnte ein Gaufest mit der Rekordzuschauerzahl von 25.000 durchgeführt werden. Ende der 1980er-Jahre erfolgte eine neue Serie von Siegen bei Gau-Dirndldrahn und -Preisplattln, die bis Ende der 1990er-Jahre anhielt.

Aktuell[Bearbeiten]

2001 wurde das 100. Gründungsfest in Verbindung mit dem 75. Jubiläum der Gründung des Chiemgau-Alpenverbands gefeiert.

Anfang 2012 hat der Verein 453 Mitglieder, der Erste Vorstand ist seit 2007 Hans Bauhofer. Der Verein ist Mitglied im Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte .

Der Patenverein ist der GTEV „D’Achentaler“ Unterwössen, die „Koasawinkla“ sind Patenvereine der Trachtenvereine in Prien und Rottau.[10]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

In Reit im Winkl gibt es nur noch eine Grundschule, die Hauptschule wurde infolge der weniger werdenden Schüler geschlossen, Hauptschüler müssen nach Unterwössen beziehungsweise Grassau (Mittlere-Reife-Zug) fahren.

Eine Realschule (Achental-Realschule) und ein Gymnasium (Staatliches Landschulheim) gibt es in Marquartstein , Berufsschulen und Berufsoberschule/Fachoberschule befinden sich in Traunstein.

Die Volkshochschule Traunstein hält in Reit im Winkl diverse Kurse ab.

Ämter[Bearbeiten]

In Reit im Winkl gibt es das Bürgermeister- und das Standesamt.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Reit im Winkl im Winter
Der grenzüberschreitende Golfplatz in Birnbach/Oberbichl

In Reit im Winkl befinden sich mehrere Freizeiteinrichtungen.

Zu nennen sind:

  • der Klettersteig am Hausbachfall - Eröffnung im Frühjahr 2013
  • das beschilderte Wanderwegenetz mit den Premiumwanderwegen (Zertifiziert durch das „Deutsche Wanderinstitut e. V.“ in Marburg)
  • die Gemeindebücherei im Rathaus
  • der Barfußweg mit Kneippanlage (neu seit 2007)
  • der Kletterwald (Hochseilgarten) am Maserer-Pass neu seit 2010 (im Winter geschlossen)
  • der Kinderwagenweg beziehungsweise Spieleweg (neu seit 2008)
  • das Freibad mit einer 105 Meter langen Wasserrutsche
  • das Hallenbad Schwimmstadel mit Sauna
  • das Langlaufstadion mit Skating und klassischen Loipen mit einer Länge von 80 Kilometer (Loipenbeschneiung mit Schneedepot)
  • diverse Winterrodelbahnen, unter anderem die mit vier Kilometern längste Rodelbahn Deutschlands von der Hindenburghütte zum Ortsteil Blindau
  • die Benzecklifte im Ortsteil Blindau mit Kunstschneeunterstützung
  • die Snowtubeanlage
  • die Ski- und Snowboardschulen
  • das Skimuseum (mit Deutschlands größtem Fundus)
  • das Heimatmuseum
  • das Mineralienmuseum
  • das Sakralmuseum im Kirchenspeicher
  • die Liftanlagen in Winklmoos
  • ein ausgedehntes Netz an Nordic-Walking-Strecken
  • die Tennishalle und Freiplätze
  • das grenzüberschreitende Forststraßennetz dient den Mountenbikern und E-Bikern als riesiges Radwegenetz
  • der grenzüberschreitende Golfplatz in Birnbach/Oberbichl
  • der Minigolfplatz (18 Loch) mit Tischtennis und Pit-Pat-Anlage
  • der Gletschergarten

Des Weiteren werden von Vermietern noch hauseigene Hallenbäder, Saunen, Fitnessräume und anderes angeboten.

Partnerschaften und Patenschaften[Bearbeiten]

Eine Städtepartnerschaft im eigentlichen Sinn gibt es in Reit im Winkl nicht, es besteht jedoch seit etwa 50 Jahren ein Austausch mit der Gemeinde Hagnau am Bodensee, der vor allem von der Musikkapelle aufrechterhalten wird.

Seit 1993 besteht außerdem eine Patenschaft der Gemeinde über die 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bad Reichenhall. Diese führt (das letzte Mal 2004) aus diesem Grund die feierliche Vereidigung der Wehrdienstleistenden in Reit im Winkl durch.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Reit im Winkl hatte im Zuge der Gebietsreform aufgrund der abgeschlossenen Tallage keine Eingemeindungen. Es kamen lediglich einige gemeindefreie Gebiete hinzu, die vom Gemeindegebiet umschlossen waren.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

An Theatervorführungen ist das Bauerntheater, eine Laienbühne, zu nennen. Es gibt in der Saison wöchentlich Vorführungen für Gäste, vor allem traditionelle Komödien. Im Jahr gibt es drei Premierenstücke. Zu besonderen Anlässen werden jedoch auch (insbesondere für die Einheimischen) anspruchsvollere oder auf die Situation geschriebene Theaterstücke (wie z. B. bei Vereinsjubiläen o. ä.; bisher „Wildererblut“ 1999 und „Der Geisterbräu“ 2007) aufgeführt.

Museen[Bearbeiten]

Ein Museum in Reit im Winkl ist das Heimatmuseum „Hausenhäusl“ an der Weitseestraße. Hier wird ein Einblick in die bäuerliche Arbeits- und Lebenswelt gewährt, die Jahrhunderte in Reit im Winkl vorherrschte.

Weiters gibt es das Skimuseum im Schulhaus, das eine der größten Sammlungen von Skiern beheimatet, angefangen von den Ursprüngen bis hin zu modernen Rennskiern, die von Spitzensportlern dem Museum überlassen wurden. Auch die Entwicklung des Skisports und der Technik wird gezeigt. Im östlichen Teil des Freibadgebäudes befindet sich das kleine Mineralienmuseum.

Im Dachboden der Pfarrkirche befindet sich das Sakralmuseum unter Leitung des früheren Pfarrmesners Georg Beilhack.

Bauwerke[Bearbeiten]

Zu den bedeutenden Bauwerken zählen die Kirche St. Pankratius aus den Jahren 1912/13, die Kapelle in den Ortsteilen Blindau, Oberbichl und Entfelden, die Eckkapelle am alten Weg nach Marquartstein, das evangelische Bergkirchlein und die Kirche St. Johann im Gebirg in Winklmoos. Aufgrund der Bauwut und des mangelnden Denkmalschutzes in den 1950er und 1960er Jahren wurden viele alte Bauernhäuser im Ortskern abgerissen und durch neue (komfortablere) Gebäude ersetzt. Als gut erhaltenes Bauernhaus im Kern ist das Foidlmoar-Anwesen zu nennen.

siehe auch Liste der Baudenkmäler in Reit im Winkl

Brauchtum und Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die Gestaltung des Jahreslaufs in Reit im Winkl ist vielfältig. Die regelmäßig wiederkehrenden Termine sind:

  • Musiball der Musikkapelle am Faschingssamstag
  • Faschingszug im Dorf mit Faschingsschispringen an der Wirtsleiten am Faschingsdienstag
  • Palmweihe am Palmsonntag
  • Osterfeuer am Ostersonntag
  • Maibaumaufstellen (alle 5 bis 6 Jahre) am 1. Mai
  • Bittgänge nach Oberbichl, Entfelden und Blindau an den letzten drei Tagen im Mai
  • diverse Maiandachten
  • Fronleichnamsprozession
  • Preisplatteln und Dirndldrahn am Wochenende vor/nach Jockersen (Namenstag von St. Jakob am 25. Juli)
  • Jockersengehen der Handwerker am 25. Juli
  • Abwechselnd alle zwei Jahre das Waldfest der Musikkapelle (Mitte Juli) und das Blindauer Dorffest (Mitte August)
  • Almkirtag an Mariä Himmelfahrt (15. August) in Winklmoos mit Kräuterweihe
  • Wallfahrt nach Maria Kirchental am Samstag vor Erntedank
  • Erntedankprozession
  • Wallfahrt nach Maria Klobenstein am letzten Samstag im Oktober
  • Gedenkfeier für die Opfer von Krieg und Vertreibung an der Kriegerkapelle am Volkstrauertag
  • Alljährliches Kramperltreffen der Maserer-Pass mit anderen Kramperl- oder Perchtengruppen
  • Anklöpfeln an den ersten drei Donnerstagen im Advent
  • Weihnachtsblasen auf dem Balkon des Gasthofs zur Post am Heiligen Abend

Dialekt[Bearbeiten]

In Reit im Winkl herrscht eine mittelbairische Mundart vor, die sehr viele Anklänge an das (mittelbairische) Tirolerische hat (siehe Dialektkontinuum). Dies zeigt sich vor allem in der Härtung von „ch“ und „ck“ und „vi“ für „viel“, „Mi“ für „Mühle“ und „Gfi“ für „Gefühl“.

Auch einige nur hier vorherrschende Wörter gibt es. Einige Beispiele sind:

Reit im Winkl Hochdeutsch
afig aggressiv
Bois kleine Zeitspanne
Druiddn Durcheinander
Gaschdl Garten
Gazzl Schöpfkelle
Ged, Godn Pate, Patin
Miasl Holzknecht-Schmarrn (Kaiserschmarrn)
nabfezzn dösen
oundla ordentlich
pfnasn schnauben
zefezzn kleckern

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Hierzu wurde 2003 (Neuauflage 2004) ein Wörterbuch Reit im Winklerisch - Hochdeutsch herausgegeben, es stellt eine umfangreiche Sammlung von Reit im Winkler Wörtern und Redensarten dar.

Trachten[Bearbeiten]

Trachten werden in Reit im Winkl vor allem von den Traditionsvereinen gepflegt, man trägt sie aber auch noch gerne zu besonderen und feierlichen Anlässen außerhalb dieser Vereine.

Im Ort gibt es zwei verschiedene Trachtenstile: Zum einen die historische Tracht, die von der historischen Trachtengruppe des GTEV und den Gebirgsschützen getragen wird, und zum anderen die Chiemgauer Tracht, die von den Mitgliedern des Trachtenvereins und anderer Vereine (Musikkapelle) und auch außerhalb als typische Reit im Winkler Tracht getragen wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

Ehrungen und Auszeichnungen der Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde Reit im Winkl ehrt oder ehrte verdiente Persönlichkeiten mit folgenden Auszeichnungen (in Klammern: Jahr der Verleihung):

Ehrenbürger
  • Johann Genghammer, Erbauer der Pfarrkirche (1918)
  • Adolf Ufer, Oberregierungsrat (1928)
  • Rittmeister Carl Braun, Flieger (1933)

Die Ehrenbürgerwürde wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr verliehen.

Ehrenzeichen

1953 wurde ein Ehrenzeichen zur Anerkennung verdienter Ehrenbürger eingeführt. Dieses wurde unter anderem an folgende Personen verliehen:

  • Valentin Hörl (1964)
  • Georg Linner (1955)
  • Fritz Pürner (1964)
  • Hans Höflinger (1953)
Ehrenring

Diesen Ring dürfen jeweils nur drei lebende Bürger Reit im Winkls tragen. Dieser Ring wurde bisher sechsmal verliehen.

  • Rosi Mittermaier (1976)
  • Andreas Hagl (1979)
  • Hans Höflinger (1979)
  • Maria Hellwig (1993)
  • Evi Sachenbacher-Stehle
  • Franz Schlechter (2013)
Verdienstmedaille

Auch diese 1984 geschaffene Auszeichnung wurde einige Male vergeben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Plank (Redaktion): Der Reiter Winkel, Heimatbuch der Gemeinde Reit im Winkl. Gemeinde Reit im Winkl, Reit im Winkl 1999.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reit im Winkl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Reit im Winkl – Reiseführer

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Günter Rampe: Das Schneeklima der deutschen Mittelgebirge und Alpen. In: wetter + klima news.
  3. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111109/162510&attr=OBJ&val=565
  4. Bayerns Gemeinden. In: Haus der Bayerischen Geschichte.
  5. https://www.statistik.bayern.de/statistikkommunal/09189139.pdf
  6. http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/bayern/schell_unter.html
  7. http://www.koasawinkla.de/07_bildergalerie.html
  8. https://www.alpenverein.at/koessen-reit-im-winkl/index.php
  9. http://www.fcreit.de/
  10. http://www.fcreit.de/
  11. Dr. Eduard Hamm: Das Gewissen entscheidet. 65 Jahre nach dem Stauffenberg-Attentat. In: Reit im Winkl informiert sein! Mitteilungsblatt der Gemeinde Reit im Winkl. 21, Nr. 16, 7. August 2009, S. 1 f.