Reiter Alm

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Reiter Alm
Reiter Alm von Osten aus der Ramsau

Reiter Alm von Osten aus der Ramsau

Höchster Gipfel Stadelhorn (2286 m ü. NN)
Lage Bayern / Salzburg
Teil der Berchtesgadener Alpen
Reiter Alm (Bayern)
Reiter Alm
Koordinaten 47° 37′ 0″ N, 12° 48′ 0″ O47.61666666666712.82286Koordinaten: 47° 37′ 0″ N, 12° 48′ 0″ O
p1

Die Reiter Alm, auch Reiter Alpe, österr. auch Reither Steinberge, nach dem Ort Reit genannt, ist ein bis 2286 m ü. NN hohes Tafelgebirge der Berchtesgadener Alpen in den Bundesländern Bayern (Deutschland) und Salzburg (Österreich). Die Reiter Alm ist die westliche Begrenzung des Berchtesgadener Talkessels und erhebt sich östlich des Saalachtals bei Lofer und Unken.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Reiter Alm umfasst ein etwa 10 km² großes Gebiet, das sich beiderseits der deutsch-österreichischen Grenze erstreckt. Der bayerische Teil liegt in den Gemeinden Ramsau und Schneizlreuth (Landkreis Berchtesgadener Land), der im Salzburger Land gelegene Teil gehört zur Gemeinde Unken (Pinzgau), zu der auch der namensgebende Ortsteil Reit gehört, sowie der Marktgemeinde Lofer und der Gemeinde Sankt Martin bei Lofer (südwestliche Ausläufer des Bergstockes). In Richtung Westen fällt das Gelände zur Saalach hin ab, die ein südwestlicher Zufluss der Salzach ist. Unmittelbar östlich unterhalb der Reiter Alm befinden sich der Hintersee und der Taubensee.

Benachbarte Berggruppen sind Hochkalterstock im Osten, Lattengebirge im Nordosten, Chiemgauer Alpen im Nordwesten, die Loferer Steinberge im Südwesten, die Leoganger Steinberge im Süden und die Westausläufer des Steinernen Meeres im Südosten.

Landschaft[Bearbeiten]

Blick vom Gr. Häuselhorn über das Hochplateau nach Norden

Die Reiter Alm stürzt an ihren Rändern überall steil ab. Ihre Hochfläche ist besonders im nördlichen Teil mit Almen und Weiden sowie alten Zirbenwäldern bedeckt. In der Mitte des Hochplateaus liegt das Reitertrett mit der einzigen Quelle, in deren Nähe wiederum die alte und die Neue Traunsteiner Hütte zu finden sind. Der östliche Bereich der Reiter Alm, deren Gebiet größtenteils im Biosphärenreservat Berchtesgaden liegt, ist Teil des Nationalparks Berchtesgaden, dessen Fläche deckungsgleich mit dem Südteil des Biosphärenreservats ist.

Die nördliche Hälfte des deutschen Gebiets ist ein Übungsplatz der Gebirgsjäger, der „kleine Gebirgsübungsplatz Reiteralpe“. Dort befindet sich auch der Bergerprobungs- und -sprengplatz der Wehrtechnischen Dienststelle WTD 52. Dorthin betreibt die Bundeswehr von Oberjettenberg aus die Seilbahn Reiteralpe. Der Wanderweg über den Schrecksattel führt quer durch den Übungsplatz hindurch.

Geologie[Bearbeiten]

Zusammen mit Lattengebirge, Müllnerhorn, Untersberg sowie Teilen des Watzmann (Grünstein und Schapbachriedel) bildet die Reiter Alm die Reiteralmdecke oder Berchtesgadener Einheit. Diese besteht im Wesentlichen aus Dachsteinkalk, der die auffälligen Felswände der Randabstürze und das Plateau bildet und einem Sockel aus Ramsaudolomit. Sie liegen auf der Basis der Werfener Schichten, die zugleich der Gleithorizont ist, mit dem die Reiteralmdecke auf die Jura-Neokom-Unterlage des Tirolischen Untergrunds geschoben wurde. Im Gebiet des Reitertrett sind Reste der Gosaukreide erhalten, die den Untergrund der grünen Almflächen bilden. Im Dolomitwerk Oberjettenberg wird Ramsaudolomit abgebaut.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Auf dem Plateau dominieren riesige Latschenfelder. Der dort früher vorhandene Wald fiel dem Holzbedarf der Reichenhaller Saline zum Opfer. 1829 wurde die Reiter Alm vom Salinenvertrag ausgenommen, weil nicht mehr genügend Wald vorhanden war. Im nördlichen Teil sind noch einige alte Zirbenbestände erhalten. Auf den Almwiesen des Reitertrett wachsen unter anderem Arnika, Akelei, Alpenrosen, Bergastern, Edelweiß, Enzian, Speik und Steinraute. Im nördlichen Teil befindet sich Deutschlands höchstgelegenes Hochmoor. Dort leben einige Birkhühner. Eine weitere seltene Art ist der Schneehase, häufig sind dagegen Rotwild und Gemsen.

Alpinismus[Bearbeiten]

Wichtige Gipfel im Bereich der Reiter Alm sind das Große Häuselhorn (2284 m), das Wagendrischelhorn (2251 m), das Stadelhorn (2286 m), das Schottmalhorn (2045 m) und der Edelweißlahnerkopf (1953 m) sowie die Hausberge der Traunsteiner Hütte, der Große Weitschartenkopf (1979 m) und der Große Bruder (1864 m). Auf all diese Gipfel führen markierte Steige.

Die Wände der südlichen Randgipfel zwischen Häuselhorn und den Grundübelhörnern bieten Kletterfahrten aller Schwierigkeitsgrade. Klassiker sind die Südkante des Großen Grundübelhorns (Feichtner, Langthaler 1913, V-), die Direkte Südkante auf das Große Mühlsturzhorn (Toni Kurz, Andreas Hinterstoisser, 1936, VIII- oder VI-, A1-A2) sowie die Gerade Südwand des Großen Häuselhorns (Kadner, 1920, V).

Im Bereich der Nordabstürze befinden sich einige der schwierigsten alpinen Sportklettereien Deutschlands. Die bekanntesten Kletterberge sind hier die Wartsteinwand, das Hintere Feuerhörndl und das Hirscheck - sowie neuerdings durch beliebte moderne Routen die Alpawand, das Übeleck und das Alphorn.

Nach Süden setzt sich unterhalb des Stadelhorns der Hirschbichlkamm, ein aus Ramsaudolomit bestehender Grat, ab.

Ansicht von Nordosten aus dem Nonner Unterland

Wanderwege[Bearbeiten]

Die leichtesten Anstiege führen über den Schrecksattel von Oberjettenberg an der Westseite, durch das Alpatal von Reit im Südwesten und über den Wachterlsteig von der Schwarzbachwacht an der Ostseite der Reiter Alm. Ebenfalls markiert, aber Trittsicherheit erfordern der Böselsteig von Hintersee (Ramsau) sowie der Steig über die Mayrbergscharte von Hintersee oder Reit.

Im Winter wird die Reiter Alm in der Regel über den Schrecksattelanstieg erreicht. Am 2. Januar 2006 kam es etwas abseits dieses Anstiegs in einer steilen Rinne zu einem Lawinenunglück mit drei Todesopfern. Skigipfel sind der große Weitschartenkopf, das Wagendrischelhorn und die östlichen Randgipfel des Plateaus. Bei sehr guten Bedingungen können auch die Häuselhörner erreicht werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Hofmann: Die Reiteralpe, Bad Reichenhall 2005, Eigenverlag

Zur Geologie der Reiteralmdecke:

  • Dietrich Herm: Das Lattengebirge, in: Jahrbuch 1981/46. Jahrgang des Vereins zum Schutz der Bergwelt e.V., München.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reiter Alm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien