Rekingen

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Rekingen
Wappen von Rekingen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4315i1f3f4
Postleitzahl: 5332
UN/LOCODE: CH RKG
Koordinaten: 666592 / 26927847.5708288.323617338Koordinaten: 47° 34′ 15″ N, 8° 19′ 25″ O; CH1903: 666592 / 269278
Höhe: 338 m ü. M.
Fläche: 3.10 km²
Einwohner: 962 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 310 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 29,9 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.rekingen.ch
Rekingen (im Hintergrund Reckingen/Baden)

Rekingen (im Hintergrund Reckingen/Baden)

Karte
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Über dieses Bild
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Rekingen (schweizerdeutsch: ˈrækχiŋːə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zurzach des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt am Hochrhein an der Grenze zu Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf am Nordrand des Tafeljuras erstreckt sich in Ost-West-Richtung in der schmalen Ebene entlang des Rheins. Sowohl am westlichen als auch am östlichen Ende des Dorfes befinden sich ausgedehnte Fabrikanlagen. Von Süden nach Norden verläuft die enge und stellenweise bis zu 120 Meter tiefe Schlucht des Chrüzlibachs. Östlich der Schlucht liegt der 556 Meter hohe Güggehübuck, westlich davon der 545 Meter hohe Obergrüt. Beide Hügel sind im unteren Bereich äusserst steil und werden nach oben hin bedeutend flacher.[4]

Etwa einen halben Kilometer südlich des Dorfes zweigt ein kurzes Seitental in Richtung Westen ab. Dort, am Südhang des Obergrüt, befindet sich ein ausgedehnter Steinbruch. Dieser lieferte das Rohmaterial für die inzwischen stillgelegte Zementfabrik am östlichen Dorfrand. Der Transport des abgebauten Materials erfolgte durch ein 1,3 Kilometer langes Förderband. Dieses verläuft zunächst hoch über der Schlucht und danach durch einen über 900 Meter langen Tunnel unter dem nördlichen Ausläufer des Güggehübucks hindurch.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 310 Hektaren, davon sind 178 Hektaren bewaldet und 79 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 556 Metern auf der Hochebene des Guggenhübucks, der tiefste auf 323 Metern am Rhein.

Nachbargemeinden sind Küssaberg mit dem Ortsteil Reckingen im Norden, Mellikon im Osten, Böbikon im Südosten, Baldingen im Süden, Tegerfelden im Südwesten und Bad Zurzach im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits während der Bronzezeit war die Gegend besiedelt, wie Funde von Gräbern, Waffen und Gegenständen beweisen. Während der Herrschaft der Römer befand sich in Rekingen ein grosser Gutshof. Er entstand um 50 n. Chr. und diente der Versorgung des Legionslagers in Vindonissa. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich die Siedlung Tenedo (Zurzach). Um das Jahr 260 brannten plündernde Alamannen den Gutshof nieder. Um 370 war der Rhein die Nordgrenze des Römischen Reichs, bei Rekingen bestanden zwei Wachtürme. Der erste wurde 1876 beim Eisenbahnbau abgetragen, der zweite 1936 freigelegt, erforscht und danach wieder zugedeckt.[5] Im ersten Jahrzehnt des 5. Jahrhunderts zogen sich die Römer endgültig zurück.

Gemeindehaus von Rekingen
Chrüzlibach im Zentrum von Rekingen

Etwa hundert Jahre später besiedelten die Alamannen endgültig das Gebiet, aus dieser Zeit stammen zahlreiche Gräber. Im Hochmittelalter herrschten zunächst die Grafen von Lenzburg, danach die Grafen von Kyburg und ab 1265 die Habsburger. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1261, als Cuonrad fr Rechunch als Gutsbesitzer und Burcardus de Rechunch als Zeugen genannt wurden.[6]Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Reccingun und bedeutet «bei den Leuten des Recco».[3]

Die Eidgenossen eroberten 1415 den Aargau und Rekingen gehörte nun zum Amt Ehrendingen in der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. 1529 trat ein grosser Teil der Bevölkerung zur Reformation über. Um zu verhindern, dass das ganze Dorf reformiert würde, liess der Chorherr von Zurzach im Jahr 1678 eine katholische Kapelle bauen. Das Schulwesen nahm 1790 seinen Anfang, blieb aber bis 1852 konfessionell getrennt. 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Rekingen wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

Die Industrie hielt 1864 Einzug, als die Kalkfabrik eröffnet wurde; diese bestand bis 1989. Die Eröffnung der Bahnstrecke Winterthur–Bülach–Koblenz erfolgte am 1. August 1876. Im Jahr 1914 wurde in Zurzach die Schweizerische Sodafabrik (heute Solvay) gegründet, welche die reichen Salzvorkommen ausbeutete (das Fabrikgelände steht teilweise auf Rekinger Boden). 1975 nahm am östlichen Dorfrand die Holderbank Cement AG (heute Holcim) die Produktion von Zement auf, die Fabrik wurde allerdings bereits 1995 wieder stillgelegt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Geteilt von Gelb mit schwarzem R und von Blau mit halbem gelbem Mühlrad.» Das Wappen war erstmals auf dem Gemeindesiegel von 1851 abgebildet. Das Mühlrad erinnert an die drei Mühlen, die es einst in Rekingen gab.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1780 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 259 348 270 445 710 827 883 764 924 998 962

Am 31. Dezember 2013 lebten 962 Menschen in Rekingen, der Ausländeranteil betrug 29,9 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 41,2 % römisch-katholisch, 33,8 % reformiert und 10,8 % moslemisch; 2,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 84,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 5,8 % Albanisch, 3,8 % Italienisch, je 1,0 % Englisch, Portugiesisch und Serbokroatisch.[10]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bad Zurzach zuständig. Rekingen gehört zum Friedensrichterkreis Bad Zurzach.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Rekingen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 etwa 300 Arbeitsplätze, davon 1 % in der Landwirtschaft, 7 % in der Industrie und 92 % im Dienstleistungssektor.[11] Obwohl ein Teil des Fabrikgeländes des Chemieunternehmens Solvay auf Rekinger Boden steht, zählen die dortigen Arbeitsplätze in der Statistik zu Bad Zurzach. Die meisten Erwerbstätigen gelten deshalb als Wegpendler und arbeiten in Bad Zurzach und Umgebung.

Seit Anfangs 2002 besteht auf dem ehemaligen Zementwerkareal ein Umschlagplatz für den Containerverkehr mit der Bahn. Dieser befindet sich zum Teil auch auf dem Boden der Nachbargemeinde Mellikon. Nach Startschwierigkeiten und der Übernahme des Containerterminals durch die Firma Swissterminal im Jahr 2006 zieht der Containerverkehr markant an. So kommen nun täglich Züge von den grossen Häfen wie Hamburg direkt nach Rekingen.[12]

Verkehr[Bearbeiten]

Die vielbefahrene Hauptstrasse 7 von Basel nach Winterthur verläuft zwischen dem Dorfzentrum und dem Rhein. Am östlichen Dorfrand befindet sich ein Bahnhof an der SBB-Eisenbahnlinie KoblenzBülach–Winterthur. Eine Buslinie der Gesellschaft Regionalbus Zurzach verkehrt von Bad Zurzach über Rekingen nach Böbikon.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Realschule und die Bezirksschule können in Bad Zurzach besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rekingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 345–347.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo
  5.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 193–194.
  6. Aargauerzeitung vom 29. Dezember 2010, S. 34.
  7.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 249.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  11. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  12. Hub für Eisenbahn-Container vor den Toren Zürichs. Neue Zürcher Zeitung, 23. November 2006, abgerufen am 25. Januar 2010.