Rektovaginale Fistel

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Für Drucknekrosen unter der Geburt gefährdetes Gewebe (rot)

Rektovaginale Fisteln oder (wenn sie unterhalb der Linea dentata gelegen sind) anovaginale Fisteln sind abnormale Verbindungen (Fisteln) zwischen dem Enddarm (Rektum) bzw. dem Anus und der Vagina. Leitsymptom sind der unwillkürliche Abgang von Darmgas und Stuhl über die Vagina, und hierdurch ausgelöste Schleimhautentzündungen.

Rektovaginale und andere Fisteln der Beckenorgane sind in Entwicklungsländern, insbesondere in Zentralafrika häufig. Die Ursache dieser Fisteln sind in der Regel komplizierte, langwierige Geburten, bei denen es zu Drucknekrosen der Vaginal- und Darmwand kommt. Bedingt durch die schlecht ausgestattete geburtshilfliche Versorgung und das junge (unreife) Alter vieler Mütter, ist die Erkrankung in Entwicklungsländern häufiger. Andere Ursachen sind Vergewaltigung und Genitalverstümmelung.[1] In den Industrieländern entstehen Unterleibsfisteln nach Strahlentherapie der Beckenorgane und bei Morbus Crohn (einer chronischen, oft fistelnden Darmentzündung).

Die Diagnose kann vom Frauenarzt durch Inspektion und Palpation gestellt werden. Bildgebende Verfahren wie Proktoskopie (Enddarmspiegelung), Fistelfüllung mit Röntgenkontrastmittel, Computertomographie und Kernspintomographie können Ausmaß und Lage der Fistel genauer darstellen.

Da die Fisteln meist trans- oder extrasphinktär verlaufen, kommt eine Behandlung durch einfache operative Spaltung des Gewebes (Eröffnung der Länge nach) kaum in Frage. Die Behandlung besteht stattdessen in der operativen Ausschneidung und anschließendem Verschluss der Fistel mit einer Lappenplastik. Schwere Entzündungen und Abszedierungen sollen vorher behandelt und wenn möglich ausgeheilt werden. Je nach Schweregrad muss ein vorübergehender künstlicher Darmausgang angelegt werden. Die Operation hat berichtete Erfolgsraten von 77 bis 100 %. Es gibt endorektale und vaginale Operationstechniken und den Zugang über die Bauchdecken. Detaillierte Bewertungen dieser Varianten sind in der interdisziplinären S3-Leitlinie der AWMF enthalten, die allerdings wegen nicht ausreichender Datenlage keine Empfehlung für ein bestimmtes Verfahren ausspricht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Muleta M: Obstetric Fistula in Developing Countries: A Review Article (PDF; 576 kB), JOGC, 2006, S. 962-966.
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