Relation (Mathematik)
Eine Relation ist allgemein eine Beziehung, die zwischen Dingen bestehen kann. Relationen im Sinne der Mathematik sind ausschließlich diejenigen Beziehungen, bei denen stets klar ist, ob sie bestehen oder nicht. Zwei Gegenstände können also nicht „bis zu einem gewissen Grade“ in einer Relation zueinander stehen. Damit ist eine einfache mengentheoretische Definition des Begriffs möglich: Eine Relation R ist eine Menge von n-Tupeln. Dinge, die in der Relation R zueinander stehen, bilden ein n-Tupel, das Element von R ist.
Wenn nicht ausdrücklich etwas anderes angegeben ist, versteht man unter einer Relation eine zweistellige oder binäre Relation, also eine Beziehung zwischen je zwei Dingen; diese bilden dann genau geordnete Paare. Stammen die Elemente eines Paares
aus verschiedenen Grundmengen A und B, so heißt die Relation heterogen oder „Relation zwischen den Mengen A und B“. Wenn die Grundmengen übereinstimmen, A = B, heißt die Relation homogen oder „Relation in bzw. auf der Menge A“.
Wichtige Spezialfälle, zum Beispiel Äquivalenzrelationen und Ordnungsrelationen, sind Relationen in einer Menge.
Inhaltsverzeichnis |
Definitionen [Bearbeiten]
Binäre Relation [Bearbeiten]
Eine binäre Relation
ist eine Teilmenge des kartesischen Produkts zweier Mengen
und 
.
Die Menge
wird als Vorbereich oder Quelle der Relation
bezeichnet; die Menge
als Nachbereich, Ziel oder Zielmenge.[1] Ihre Vereinigung heißt Feld.
Manchmal ist diese Definition jedoch nicht präzise genug und man bezieht die Quell- und Zielmenge in die Definition mit ein; obige Teilmenge wird dann der Graph der Relation genannt. Eine binäre Relation ist dann definiert als Tripel
.
Die Kenntnis von Quelle und Zielmenge ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn man Funktionen als spezielle (sogenannte funktionale) Relationen betrachtet.
Mehrstellige Relation [Bearbeiten]
Allgemeiner ist eine
-stellige Relation eine Teilmenge des kartesischen Produkts von
Mengen 
.
Die ausführlichere Definition lässt sich auch auf
-stellige Relationen verallgemeinern und man erhält dann das
-Tupel
.
Erläuterungen und Schreibweisen [Bearbeiten]
Das kartesische Produkt zweier Mengen
und
ist die Menge aller geordneten Paare von
und
, wobei
irgendein Element aus der Menge
und
eines aus
darstellt. Bei dem geordneten Paar ist die Reihenfolge wichtig, d. h.
unterscheidet sich von
, im Gegensatz zum ungeordneten Paar
, das identisch ist mit
. Für
schreibt man auch
, um zu verdeutlichen, dass jene Beziehung zwischen den Objekten besteht.
Relationen und Funktionen [Bearbeiten]
Eine Funktion ist eine spezielle (nämlich eine linkstotale und rechtseindeutige, siehe unten) Relation (streng genommen ein Paar aus einer solchen Relation und der Zielmenge). Eine Relation im obigen Sinne entspricht auf eindeutige Weise einer Funktion
, deren Definitionsmenge das kartesische Produkt der Mengen ist und deren Zielmenge lediglich die Elemente wahr und falsch umfasst, wobei
zu
äquivalent ist. Diese Funktion ist auch als Indikatorfunktion oder charakteristische Funktion der Teilmenge
bekannt (wobei evtl. falsch = 0 und wahr = 1 genommen wird).
Eine Relation
kann auch als Abbildung von
in die Potenzmenge von
aufgefasst werden,
; man spricht dann oft von einer Korrespondenz.
Verkettung von Relationen [Bearbeiten]
Eine Relation
und eine Relation
können miteinander verkettet werden. Das Ergebnis ist die Relation:
.
Die Relation nennt man Relationsprodukt oder relatives Produkt. Dieses ist eine Verallgemeinerung des bekannteren Konzepts der Verkettung von Funktionen.
Beispiel: Die Relation „Schwägerin sein von“ ist die Vereinigungsmenge
- des relativen Produktes der Relation „Bruder sein von“ und der Relation „Ehefrau sein von“ und
- des relativen Produktes der Relation „Ehepartner(in) sein von“ und der Relation „Schwester sein von“.
Homogene Relationen [Bearbeiten]
Ist
, also
, dann nennt man die Relation homogen. In diesem Fall ist die Verkettung
ebenfalls eine homogene Relation. Hier ist die Schreibweise
und allgemeiner
für
gebräuchlich. Das kann zu Verwechslungen mit dem kartesischen Produkt
führen, das sich natürlich auch aus Relationen bilden lässt. Die Bedeutung ergibt sich aus dem Sinnzusammenhang. Manche Autoren definieren eine allgemeine Relation bereits als homogene Relation, denn eine allgemeine Relation
ist auch immer homogen:
.
Eine spezielle homogene Relation ist die Diagonale
(oder auch nur
; gelegentlich auch als
notiert) auf einer Menge A. Dies ist nichts anderes als die Gleichheitsrelation als Teilmenge des kartesischen Produkts
geschrieben:
.
Diese Schreib- und Sprechweise kann verwendet werden, um gewisse Eigenschaften von Relationen in Mengenschreibweise kurz darzustellen.
Eine weitere spezielle homogene Relation ist die Allrelation oder universale Relation
,
die etwa in der Graphentheorie eine Rolle spielt. Ein Anwendungsbeispiel ist folgender Satz:
- Ist
ein gerichteter Graph mit Eckenmenge
und Kantenmenge
, so ist
genau dann (stark) zusammenhängend, wenn die reflexiv-transitive Hülle von
die Allrelation ist.
Umkehrrelation [Bearbeiten]
Die Umkehrrelation (auch Umkehrung, Konverse, konverse Relation oder inverse Relation genannt) ist für eine Relation
definiert als
.
Beispiel 1: Die Umkehrrelation der Relation „Ehemann sein von“ ist die Relation „Ehefrau sein von“.
Beispiel 2: Die Umkehrrelation der Relation „kleiner als“ ist die Relation „größer als“.
Beispiel 3: Die Umkehrrelation der Relation „liefert an“ ist die Relation „wird beliefert von“.
Alternative Sprechweisen [Bearbeiten]
- Zu linkseindeutig sagt man auch injektiv oder voreindeutig.
- Zu linkstotal sagt man auch linksvollständig oder vordefiniert.
- Zu rechtseindeutig sagt man auch nacheindeutig oder funktional.
- Zu rechtstotal sagt man auch surjektiv oder nachdefiniert.
- Zu eineindeutig sagt man auch bijektiv.
Beispiel [Bearbeiten]
Alle möglichen Kombinationen von den Elementen aus der Menge
und
, sowie eine zwischen
und
definierte Relation
:
Eigenschaften (binär) [Bearbeiten]
Die in den folgenden Tabellen gegebenen Beispiele beziehen sich bei Verwendung von Gleichheitszeichen "=", Kleinerzeichen "<" und Kleinergleich-Zeichen "≤" auf die gewöhnliche Anordnung reeller Zahlen.
Attribute für homogene Relationen [Bearbeiten]
Die folgenden Attribute beschreiben gemeinsam eine Äquivalenzrelation, die Attribute reflexiv und transitiv sind auch für Ordnungsrelationen gebräuchlich:
| Die Relation heißt | wenn gilt (Prädikatenlogik) | oder gleichwertig (Mengenschreibweise) | und das bedeutet |
|---|---|---|---|
| reflexiv | ![]() |
![]() |
Jedes Element steht in Relation zu sich selbst, z. B. ist stets a≤a. |
| symmetrisch | ![]() |
![]() |
Die Relation ist ungerichtet, z. B. folgt aus a=b stets b=a |
| transitiv | ![]() |
![]() |
Anfang und Ende einer verbundenen Sequenz sind verbunden, z. B. folgt aus a<b und b<c stets a<c. |
Die folgenden Attribute werden zur Kennzeichnung von Ordnungsrelationen ebenfalls gebraucht:
| Die Relation heißt | wenn gilt (Prädikatenlogik) | oder gleichwertig (Mengenschreibweise) | und das bedeutet |
|---|---|---|---|
| irreflexiv (antireflexiv) | ![]() |
![]() |
Kein Element steht in Relation zu sich selbst, z. B. gilt a<a für kein a. |
| asymmetrisch | ![]() |
![]() |
Es gibt keine zwei Elemente, die in beiden Richtungen in Relation stehen, z. B. folgt aus a<b stets, dass b<a nicht gilt. |
| antisymmetrisch für beliebige bzw. identitiv für homogene Relationen | ![]() |
![]() |
Es gibt keine zwei verschiedenen Elemente, die in beiden Richtungen in Relation stehen, z. B. folgt aus a≤b und b≤a stets a=b. |
| total, linear oder konnex | ![]() |
![]() |
Je zwei Elemente stehen in Relation, z. B. gilt stets a≤b oder b≤a. |
| alternativ | ![]() |
![]() |
Es gilt für verschiedene Elemente stets genau eine der Relationen a R b oder b R a. |
Die folgenden Attribute sind besonders zur Beschreibung von Verknüpfungen gebräuchlich.
| Die Relation heißt | wenn gilt (Prädikatenlogik) | oder gleichwertig (Mengenschreibweise) | und das bedeutet |
|---|---|---|---|
| drittengleich oder rechtskomparativ | ![]() |
![]() |
Stehen zwei Elemente jeweils zu einem dritten in Relation, dann stehen sie auch zueinander in Relation. Zu beachten ist, dass diese Forderung nicht äquivalent zur Transitivität ist. |
| drittengleich oder linkskomparativ | ![]() |
![]() |
Die folgenden Attribute werden seltener gebraucht:
| Die Relation heißt | wenn gilt (Prädikatenlogik) | oder gleichwertig (Mengenschreibweise) | und das bedeutet |
|---|---|---|---|
| intransitiv | ![]() |
![]() |
Nicht bei jeder verbundenen Sequenz sind Anfang und Ende verbunden. |
| antitransitiv | ![]() |
![]() |
Bei keiner verbundenen Sequenz sind Anfang und Ende verbunden. |
Attribute für Relationen zwischen verschiedenen Mengen [Bearbeiten]
Die folgenden Relationen sind für Funktionen (dargestellt als spezielle Relationen) wichtig. Im Allgemeinen besteht hier die Relation
zwischen zwei verschiedenen Mengen
, der Fall
ist natürlich auch möglich. Die Abbildungen
und
bezeichnen die Projektionen auf die erste bzw. zweite Menge des kartesischen Produkts
.
| Die Relation heißt | wenn gilt (Prädikatenlogik) | oder gleichwertig (Mengenschreibweise) | und das bedeutet |
|---|---|---|---|
| linkstotal | ![]() |
![]() |
Jedes Element aus hat mindestens einen Partner in . |
| rechtseindeutig bzw. funktional | ![]() |
![]() |
Jedes Element aus hat höchstens einen Partner in . |
| Funktion | ![]() |
![]() |
Jedes Element aus hat genau einen Partner in . |
| rechtstotal bzw. surjektiv | ![]() |
![]() |
Jedes Element aus hat mindestens einen Partner in . |
| linkseindeutig bzw. injektiv | ![]() |
![]() |
Jedes Element aus hat höchstens einen Partner in . |
| bijektiv bzw. eineindeutig oder umkehrbar eindeutig | ![]() |
![]() |
Jedes Element aus hat genau einen Partner in . |
Eine Relation ist also genau dann eine Funktion, wenn sie linkstotal und rechtseindeutig ist. Die Attribute injektiv, surjektiv und bijektiv werden in der Regel für Funktionen gebraucht. Z.B. ist eine Funktion
(und nach den hiesigen Definitionen auch eine Relation) genau dann bijektiv, wenn sie injektiv und surjektiv ist, also wenn ihre Umkehrung
eine Funktion ist.
Relationszeichen [Bearbeiten]
In der elementaren Mathematik gibt es drei grundlegende Vergleichsrelationen:
(Beispiel: 2 < 3 "2 ist kleiner als 3")
(Beispiel: 3 = 3 "3 ist gleich 3")
(Beispiel: 3 > 2 "3 ist größer als 2")
mit
.
Zwei reelle Zahlen stehen immer in genau einer dieser Relationen zueinander. Mit diesen Relationszeichen lassen sich auch weitere erschaffen; so gilt:
, falls
oder
(Beispiel:
)
, falls
oder
(Beispiel:
)
, falls
oder
(Beispiel:
)
für alle
.
Für komplexe Zahlen existieren obige Ordnungsrelationen nicht.
Mathematiker verwenden das Zeichen ≤ auch für abstrakte Ordnungsrelationen (und ≥ für die zugehörige Umkehrrelation) während "<" keine Ordnungsrelation im Sinne der mathematischen Definition ist.
Für Äquivalenzrelationen werden "symmetrische" Symbole wie ≈ , ~ , ≡ bevorzugt.
Klassen von Relationen [Bearbeiten]
Wichtige Klassen von Relationen und ihre Eigenschaften:
- Äquivalenzrelation: reflexiv, transitiv und symmetrisch
- Funktion: linkstotal und rechtseindeutig
- Verträglichkeitsrelation oder Toleranzrelation: verträglich (reflexiv und symmetrisch)
- Quasiordnung oder Präordnung: reflexiv und transitiv
- Halbordnung oder partielle Ordnung: reflexiv, transitiv und antisymmetrisch.
- Totalordnung oder totale/lineare Ordnung: reflexiv, transitiv, antisymmetrisch und total/linear
- Wohlordnung: eine lineare Ordnung, bei der jede nichtleere Teilmenge von A ein kleinstes Element besitzt
- Striktordnung oder strenge Halbordnung: transitiv und asymmetrisch (d.h. irreflexiv und antisymmetrisch)
Kategorientheorie [Bearbeiten]
Für einen beliebigen Halbring
mit Nullelement
und Einselement
ist folgendes
eine Kategorie:
,- ein Morphismus
ist eine Funktion
, - Für Objekte
ist 
- für Objekte
und Morphismen
ist
.
Die Morphismen sind also mengenindizierte Matrizen, und ihre Komposition geschieht wie bei der Matrixmultiplikation.
Im Sonderfall
ist
, d.h. die Kategorie der Relationen.
Anwendung [Bearbeiten]
Operationen auf ganzen Relationen werden in der relationalen Algebra untersucht. In der Informatik sind Relationen bei der Arbeit mit relationalen Datenbanken wichtig.
Siehe auch [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Walter Gellert, Herbert Kästner, Siegfried Neuber (Hrsg): Lexikon der Mathematik. Bibliographisches Institut Leipzig, 1979, S 484.
Literatur [Bearbeiten]
- Ingmar Lehmann, Wolfgang Schulz: Mengen – Relationen – Funktionen. Eine anschauliche Einführung. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-8351-0162-3.
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur über Relation (Mathematik) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
.
.
.
.
.
.
,
ein
und Kantenmenge
, so ist
genau dann
die Allrelation ist.
.



































(Beispiel: 2 < 3 "2 ist kleiner als 3")
(Beispiel: 3 = 3 "3 ist gleich 3")
(Beispiel: 3 > 2 "3 ist größer als 2")
, falls
)
, falls
)
, falls
)
,
ist eine Funktion
,
ist 
und Morphismen
ist
.