Relief (Kartografie)

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Reliefmodell des Harzes
Zwei Kartografen bemalen ein Relief von Südamerika

Als kartografisches Relief (auch Reliefmodell oder Geoplastik genannt) wird in der Kartografie eine maßstäbliche, dreidimensional-physikalische Nachbildung eines Teil es der Erdoberfläche mit Hervorhebung des Geländes bezeichnet. Reliefmodelle werden zumeist überhöht, damit der Betrachter die charakteristischen Oberflächenformen des dargestellten Gebietes leichter wahrnehmen kann.

Verwendung[Bearbeiten]

Kartographische Reliefs kommen z.B. im Schulunterricht zum Einsatz.

Geprägte Reliefdarstellungen aus Kunststofffolie findet man u. a. in der Tourismuswerbung, um den Gästen die Landschaft (z. B. Skigebiet mit Liften) plastisch vor Augen führen zu können.

Eine Besonderheit sind Reliefs von Landschaften, welche besonders im 19. und angehenden 20. Jahrhundert beliebt wurden. Hier werden – stark verkleinert – Landschaften reliefartig – also räumlich – dargestellt. Herausragende Reliefbaukünstler der Schweiz waren vor allem Xaver Imfeld und Eduard Imhof.

Überhöhung[Bearbeiten]

Überhöhung ist die Vergrößerung des Höhenmaßstabes gegenüber dem Längenmaßstab. Das Maß der Überhöhung ist vom Geländetyp und vom Maßstab des Reliefmodells abhängig. Reliefmodelle von Hochgebirgslandschaften sollten gar nicht überhöht werden. Für Mittelgebirge sind Überhöhungsfaktoren von 2 bis 4 üblich, für Flachländer in Ausnahmefällen bis zum Faktor 10.

Herstellung[Bearbeiten]

Heute erfolgt die Herstellung von Reliefmodellen vor allem auf der Grundlage von digitalen Geländemodellen mit modernen Fräsmaschinen.

Alternativ können Reliefs in hoher Stückzahl durch Tiefziehen von Kunststoffen hergestellt werden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste derzeit bekannte kartografische Relief in Europa, welches das Gebiet um Kufstein in Österreich abbildet, wurde von dem österreichischen Maler und Kartografen Paul Dax in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angefertigt. In China war diese Darstellungsweise jedoch schon weitaus früher bekannt. [2]

Größte kartografische Reliefs[Bearbeiten]

Die größte Landschaftsplastik Europas befindet sich in Villach in Kärnten, Österreich, wo ganz Kärnten in einem Maßstab von 1:10.000 verkleinert auf einer Gesamtfläche von 182 m² dargestellt wurde. Diese Sehenswürdigkeit wurde 1913 errichtet, ist aber bis heute nach wie vor die größte Landschaftsplastik Europas.

Unweit der Stadt Yinchuan in China wurde mit Hilfe der Software Google Earth ein Reliefmodell entdeckt (38° 15′ 57″ N, 105° 57′ 2″ O38.265811111111105.95063333333[3]). Das in einem Militärgebiet liegende Reliefmodell hat eine Länge von 900 m und eine Breite von 700 m. Es zeigt die 2400 km entfernte Hochlandregion Aksai Chin am Westrand von Tibet, nordöstlich von Kaschmir. Hauptartikel: Geländemodell bei Huangyangtan

Ausstellung von Reliefs[Bearbeiten]

Schweiz

Das Schweizerische Alpine Museum in Bern verfügt mit mehr als 250 Ausstellungsobjekten über die weltweit größte Bergreliefsammlung der Welt.

Deutschland

Große Reliefsammlungen in Deutschland haben unter anderem das Alpinmuseum Kempten in Kempten (Allgäu) und das Dresdener Kartographieinstitut.

Bekannte Geoplastiker[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Bürgi (Hrsg.): Europa Miniature. Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16. bis 21. Jahrhundert – Il significato culturale dei rilievi plastici dal XVI al XXI secolo. 2007. ISBN 978-3-03823-256-8

Quellen[Bearbeiten]

  1. Tiefziehen allgemein. Relief Display - Klaus Dommermühl KG, abgerufen am 25. August 2011.
  2. Reinhard Habeck, Atlantis - Der verschollene Kontinent", Wien, 2001, S. 62-63
  3. Google Earth Community zum Reliefmodell in China

Weblinks[Bearbeiten]