Religion in Albanien

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Die Et’hem-Bey-Moschee aus dem 18. Jahrhundert in Tirana

Zu den Religionen in Albanien mit den meisten Anhängern zählen der Islam und das Christentum. Nebst den Sunniten, die die Mehrheit bilden, bekennen sich auch viele zum Sufiorden der Bektaschi. Bei den Christen gibt es Orthodoxe und Katholiken.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Kommunisten hatten von 1967 bis 1990 Albanien zum atheistischen Staat erklärt und jegliche Religionsausübung verboten. Nach wie vor hat die Mehrheit der Albaner kein offizielles Bekenntnis abgelegt. Sie erinnern sich aber, ob die eigene Familie der muslimischen, der orthodoxen oder katholischen Tradition entstammt. Die Ausübung der Religion ist bei den wenigsten Albanern ausgeprägt.[1]

Gelebte Nachbarschaft: Moschee und orthodoxe Kirche in Südalbanien

Die Geschichte Albaniens kennt keinen religiösen Extremismus. Religiöse Toleranz bestimmt den Alltag die Albaner, die stolz sind auf die Harmonie, die zwischen den Anhängern der Religionen besteht.[1] Religiöser Pragmatismus als ein kennzeichnender Charakterzug der albanischen Gesellschaft führte im Laufe der Jahrhunderte zu zahlreichen interreligiösen Ehen. Es entstand eine starke vereinigende kulturelle Identität. Sie ist historisch auch dadurch bedingt, dass die Notwendigkeit bestand, die eigene Kultur vor Eroberungs- und Unterwerfungsversuchen anderer Völker und Länder zu schützen.[2][3] Noch heute ist ein Zitat von Pashko Vasa (1825–1892), das später vom totalitären kommunistischen Regime übernommen wurde, oft zu hören:

„Mos shikoni kisha e xhamia / Feja e shqyptarit âsht shqyptaria.“

„Kirchen und Moscheen sollst du nicht beachten. Die Religion der Albaner ist das Albanertum.“

Pashko Vasa

Im ganzen Land und bei allen Religionen sind Aberglaube und heidnische Bräuche als Bestandteil der gemeinsamen albanischen Kultur weit verbreitet.[4] Amulette wie Knoblauch, Puppen und Stofftiere, Flaggen oder gemalte Augen, die den bösen Blick (albanisch Syri i keq) abwenden sollen, sind allgegenwärtig.[5] Besonders in den nördlichen Bergregionen der Albanischen Alpen vermischten sich vorchristliche mit katholischen Bräuchen.[6]

Pilgerstätten wie das katholische, dem heiligen Antonius von Padua gewidmete Kloster bei Laç werden von Anhängern aller Religionen aufgesucht.[7] Auch Feiertage werden oft zusammen gefeiert. Dabei spielen heidnische Elemente, um die christliche Heilige bereichert wurden, eine über Religionen hinweg verbindende Rolle, sind doch heidnische Glaubensvorstellungen, Mythen und Aberglaube noch heute bei allen Albanern verbreitet.[4]

Religiöse Zusammensetzung[Bearbeiten]

Religiöse Mehrheit nach Qark (Volkszählung 2011)
  • Moslemische Mehrheit
  • relative moslemische Mehrheit
  • katholische Mehrheit
  • relative katholische Mehrheit

Die Volkszählung von 2011 ermittelte folgende Religionszugehörigkeiten:[8]

Religion in Albanien
Religion Einwohner Anteil
Islam
Muslime
Bektaschi
1.646.236
1.587.608
58.628
58,79 %
56,70 %
2,09 %
Christen
katholisch
orthodox
protestantisch/evangelikal
Andere Christen
475.629
280.921
188.992
3.797
1.919
16,99 %
10,03 %
6,75 %
0,14 %
0,07 %
Atheismus 69.995 2,50 %
Keine Antwort abgegeben 386.024 13,79 %
Gläubige ohne Denomination 153.630 5,49 %
nicht relevant/nicht konstatiert 68.022 2,43 %

Vor dem Zweiten Weltkrieg bekannten sich etwa 70 Prozent der Bevölkerung zum sunnitischen Islam. 20 Prozent waren orthodoxe Christen, darunter praktisch alle Angehörigen der ethnischen Minderheiten (Mazedonier, Aromunen, Griechen und Roma). Etwa zehn Prozent gehörten der römisch-katholischen Kirche an. Orthodoxe Albaner lebten vor allem im Süden, Katholiken im Nordwesten, Muslime waren, abgesehen von einigen Bergregionen, überall vertreten.

Aktuelleres Zahlenmaterial nannte sehr unterschiedliche Zahlen. Gemäß Erhebungen der Albanischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahre 2003 zählten sich ungefähr 40 Prozent der Albaner zu den Sunniten, 20 Prozent zum Bektaschi-Orden, weitere 20 Prozent zur orthodoxen Kirche und etwa zehn Prozent zur katholischen Kirche. Die restlichen zehn Prozent bezeichneten sich als Atheisten oder gehören anderen Religionen und Konfessionen an, insbesondere evangelischen oder evangelikalen Freikirchen.[9] Eine Studie des albanischen nationalen Statistikamts Instituti i Statistikës von 2005 stellte einen Anteil von 79,9 Prozent Moslems an der Gesamtbevölkerung Albaniens fest.[10]

Die jüdische Glaubensgemeinschaft hat wenige hundert Mitglieder. In Tirana gibt es eine neu erbaute Synagoge und einen Rabbi. Fast alle der verbliebenen Juden der nie großen Gemeinschaft wanderten nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft nach Israel aus.[11][12]

Rechtsstatus[Bearbeiten]

Die albanische Verfassung von 1998 bestimmt in der Einleitung und detailliert in den Artikeln 10 und 24 das Recht auf Religionsfreiheit und die Gleichbehandlung aller Religionen durch den Staat, der auch ihren rechtlichen Status anerkennt. Er selber bezeichnet sich als laizistisch. Herzliche Beziehungen zwischen den verschiedenen religiösen Glaubensrichtungen haben zu einer generell positiven Atmosphäre in diesem Land beigetragen. In Albanien gibt es keine ausdrückliche Staatsreligion, alle Religionen sind in den Augen der staatlichen Behörden gleich. Die staatliche Neutralität in Sachen Religion führt so weit, dass es an öffentlichen Schulen keinen Religionsunterricht gibt.

Religiöse Gruppen müssen sich nicht registrieren lassen, und die vorherrschenden Religionen (Christlich-Orthodoxe, Katholiken, sunnitische Muslime und die Bektaschi-Gemeinschaft) genießen viele offizielle Privilegien.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Die Mythologie und Religion der Illyrer (den angenommenen Vorfahren der Albaner) sind nur durch die Erwähnung von illyrischen Gottheiten auf Denkmälern, die aus der Zeit des römischen Reiches stammen, überliefert.[13] Es scheint keinen Hauptgott gegeben zu haben. Auch zeigen sich Unterschiede zwischen den einzelnen Stämmen. Dem britischen Schriftsteller John Wilkes zufolge entwickelten die Illyrer keine gleichförmige Kosmologie, auf die sie ihre religiösen Praktiken konzentriert hätten.[14]

Das Christentum verbreitete sich auf dem Gebiet Albaniens (damals größtenteils zusammengesetzt aus Epirus nova und einem Teil des südlichem Illyricums) wie im gesamten römischen Reich ausgehend von den städtischen Zentren. Das unveränderliche Wachstum der christlichen Gemeinschaft in Dyrrhachium (der römische Name für Epidamnos, heute Durrës) führte zur Entwicklung eines lokalen Bistums im Jahre 58 n. Chr. Später wurden Episkopalsitze in Apollonia, Buthrotum und Scodra gegründet.

Spätantike und Mittelalter[Bearbeiten]

Ab dem ersten und dem zweiten Jahrhundert n. Chr. war das Christentum in der Region die vorherrschende Religion, das die heidnische Vielgötterei verdrängte und größtenteils die humanistische Weltanschauung und Institutionen der Griechen und Römer geerbt hatte. Obwohl das albanische Gebiet zu Byzanz gehörte, blieben die Christen bis 732 unter der Rechtsprechung des römischen Papstes, als der byzantinische Kaiser Leon der Isaurier – verärgert durch die lokalen Geistlichen, die im byzantinischen Bilderstreit mehrheitlich Rom unterstützt hatten – die Kirche der Provinz vom Papst abtrennte und dem Patriarchen von Konstantinopel unterordnete. Nach der Kirchenspaltung im Jahr 1054 blieb der südliche Teil Albaniens im Einflussbereich Konstantinopels, während der Norden zur päpstlichen Rechtsprechung zurückkehrte. Das Schisma war die erste bedeutende religiöse Teilung in dieser Region.

Osmanische Ära[Bearbeiten]

Siehe auch: Islam in Albanien

Als das albanische Sprachgebiet rund um das 15. Jahrhundert dem osmanischen Reich einverleibt wurde, begann allmählich die Islamisierung der Region. Anfangs siedelten sich türkische Einwanderer – vor allem Kaufleute, Handwerker und Soldaten und später Timarioten – an. Die Islamisierung war begleitet von dem Phänomen des sogenannten Kryptochristentums.[15]

Im osmanischen Reich wurde die Identität einzig aufgrund des religiösen Bekenntnisses festgelegt. Deswegen waren religiöse Fragen auch nach dem Abzug der Osmanen in den aufkeimenden nationalen und kulturellen Bekenntnissen von Bedeutung. In Ostalbanien, dem Kosovo und Mazedonien war die muslimische Bevölkerung besonders stark. Sunnitische Moslems lebten traditionell in den Städten Albaniens, während Bektaschiten hauptsächlich in abgelegenen Gebieten verbreitet waren. Orthodoxe Christen konzentrierten sich hauptsächlich im Süden, die Katholiken im Norden des Landes. Diese regionale Verteilung gilt heutzutage jedoch nicht mehr ganz.

Kommunistisches Regime[Bearbeiten]

Der Kommunismus war 50 Jahre lang die „Religion“ der Albaner gewesen. Nachdem man ihnen die Religion ausgetrieben hatte, überließ der Staat sie nun sich selbst, desillusioniert und ohne gemeinsame Religion. In der Zeit des Kommunismus (1967—1990) erklärte sich Albanien zum ersten atheistischen Staat der Welt, in dem jegliche religiöse Aktivität verboten waren. Das ohnehin vorhandene Misstrauen wurde durch diese Enttäuschung über die kommunistische Propaganda noch verstärkt. So wurde ihr Sinn für materielle Wirklichkeiten und die kollektive „Allergie“ gegen Ideologien verstärkt.

Der Kommunismus war so eng verknüpft mit dem Albanertum, dass auch die nationalistischen Ideen mit dem Sturz der kommunistischen Herrschaft ihren Glanz verloren. Die kommunistische Ideologie hatte das albanische Volk als das auserwählte Volk dargestellt, das dazu berufen war, dem weltweiten, unterdrückten Proletariat Vorbild und Helfer zu sein. Das bedeutete für die unter kommunistischer Herrschaft geborenen Albaner, zuerst Kommunisten zu sein. Eine andere Identität jenseits des Kommunismus gab es nicht. Alle anderen Lebensformen wurden negiert und ideologisch paralysiert gemacht. Jeder Kontakt mit der Außenwelt, auch jener mit Auslandsalbanern, wurde kontrolliert.

Der geringe Einfluss der Religion und überhaupt religiöser Vorstellungen wurde durch die kommunistische Diktatur noch mehr ausgehöhlt. In dieser Zeit wurde Albanien als einziges atheistisches Land der Welt proklamiert. 50 Jahre lang hat der Staat alle möglichen Mittel gegen religiöse Ideen und Institutionen eingesetzt, Kirchen und Moscheen wurden zerstört, Gläubige verfolgt und umgebracht und selbst religiöse Namen wurden verboten. Es blieb also von einer religiösen Kultur wenig übrig.

Glaubensrichtungen[Bearbeiten]

Moschee in Fier
Hauptartikel: Islam in Albanien

Sunniten[Bearbeiten]

Gemäß der Volkszählung 2011 sind 56,7 Prozent Einwohner Albaniens moslemisch, die Bektaschi wurden hierbei nicht mit hinzugezählt.

Eine der wesentlichen Folgen von fast fünf Jahrhunderten osmanischer Herrschaft war, dass sich die Mehrheit der Albaner zum sunnitischen Islam bekannte. Deshalb entstand der albanische Staat nach der Unabhängigkeit im November 1912 nominell als mehrheitlich moslemisch.

Im Norden breitete sich der Islam wegen des Widerstands der römisch-katholischen Kirche nur langsam aus, und auch das gebirgige Terrain hemmte den osmanischen Einfluss. In Mittel- und Südalbanien war der Katholizismus weniger stark, und gegen Ende des 17. Jahrhunderts hatte die Region größtenteils die Religion der wachsenden albanisch-moslemischen Elite angenommen. Die Existenz einer albanischen moslemischen Klasse von Paschas und Beys, die eine immer wichtigere Rolle im politischen und wirtschaftlichen Leben der Osmanen spielten, wurde für die meisten Albaner zu einer attraktiven Karriereoption.

Im 20. Jahrhundert wurde der moslemische Klerus nach Streitigkeiten mit dem katholischen und orthodoxen Klerus zuerst in den Jahren der Monarchie geschwächt und später während der 1940er Jahre und 1950er Jahre vollständig beseitigt als Folge der kommunistischen Politik, sämtliche organisierte Religion auf albanischem Territorium auszulöschen. Die Ausrufung Albaniens zum “atheistischen Staat” 1967 führte zur Hinrichtung zahlreicher Imame, Scheichs, Hodschas, Derwische, Mollas und zur Verfolgung der moslemischen Ulema.

Nach dem Ende der kommunistischen Diktatur wurde Albanien im Dezember 1992 Vollmitglied der Organisation der Islamischen Konferenz. Im April 2011 wurde in der Hauptstadt Tirana die Bedër-Universität, Albaniens erste islamische Universität eröffnet.

Bektaschi[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung von 2011 bezeichneten sich 2,09 Prozent der Einwohner als Bektaschi. Die Moslems Albaniens wurden während der osmanischen Periode in zwei Hauptgemeinschaften geteilt: Die einen bekannten sich zum sunnitischen Islam, die anderen waren Bektaschi, ein mystischer Derwisch-Orden des Sufismus. Nachdem die Bektaschi in der Türkei 1925 von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk verboten worden waren, verlegte der Orden sein Hauptquartier nach Tirana. Die albanische Regierung erkannte die Bektaschi später als eine vom Sunnitentum unabhängige Glaubensgemeinschaft an. Es wird geschätzt, dass die sunnitischen Moslems vor dem Jahr 1939 etwa 50 % der Bevölkerung des Landes und die Bektaschi weitere 20 % ausmachten.

Nachdem 1967 auch die Bektaschi von dem kommunistischen Hoxha-Regime verboten wurden, wurden auch die meisten historischen Derwischklöster (Tekke) zerstört, und der Orden musste sein Hauptquartier von Tirana nach Detroit in den Vereinigten Staaten verlegen. 1990 kehrte er wieder nach Tirana zurück.

Andere Sufiorden wie die Mevlevi und Halveti sind heute insbesondere wegen des Religionsverbots in der kommunistischen Periode kaum oder gar nicht mehr präsent.

Orthodoxe[Bearbeiten]

Orthodoxe Kathedrale Christi Geburt in Shkodra, erbaut im Jahr 2000

Seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. herrschte in den Gottesdiensten, Schulen und Tätigkeiten der orthodoxen Kirche in Albanien das Griechische vor. Diejenigen albanischen Orthodoxen, die der Mode des Nationalismus auf dem Balkan des 19. Jahrhunderts folgend ihre Kirche als albanische außerhalb der griechischen errichten wollten, wurden oft durch die Griechisch sprechende Obrigkeit exkommuniziert. Nach dem Verlust ihres ökumenischen Status mit der Errichtung des bulgarischen Exarchats im Jahr 1870 wollte die griechische Kirche weitere Schismen vermeiden. Die Rivalität zwischen Griechenland und orthodoxen Albanern, die sich für kulturelle Trennung einsetzten, war so stark, dass viele Albaner wie Papa Kristo Negovani, ein in griechischen Schulen erzogener Priester, Sotir Ollani, Petro Nini Luarasi und Nuci Naco wegen ihrer patriotischen Ausrichtung ermordet wurden.

Die orthodoxe Kirche hat in den 1920er Jahren ihre Unabhängigkeit vom griechischen bzw. serbischen Patriarchat durchgesetzt und legt großen Wert darauf, dass ihre Kirchen byzantinisch und nicht etwa griechisch sind. Die ausdrückliche Distanzierung von der griechischen Kirche deutet an, wie schwierig die Beziehungen zwischen diesen beiden Nachbarländern nach wie vor sind. Auf beiden Seiten gibt es Minderheitenprobleme.

Fan Noli gründete die Albanische orthodoxe Mission unter einer amerikanischen Diözese. Obwohl orthodoxes Christentum in Albanien seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. bestanden hatte und die Orthodoxen damals 20 % der Bevölkerung Albaniens ausmachten, wurde die erste orthodoxe Liturgie in albanischer Sprache nicht in Albanien, sondern in Massachusetts gefeiert. Später, als die orthodoxe Kirche im kommunistischen Albanien offiziell verboten war (1960–1989), überlebte sie im Exil in Boston.

Zwischen 1890-1920 emigrierten etwa 25.000 Albaner, mehrheitlich orthodoxe Christen aus dem südöstlichen Albanien, in die Vereinigten Staaten. Viele ließen sich in und um Boston nieder. Wie viele andere orthodoxe Einwanderer waren es vorherrschend junge, des Lesens nicht mächtige männliche Bauern. Wie so viele andere Balkaneinwanderer kehrten fast 10.000 von ihnen nach dem Ersten Weltkrieg in ihr Heimatland zurück. Fan Noli setzte die albanische orthodoxe Mission unter der amerikanischen Diözese ein.

Als im Jahr 1906 sich ein griechischer Priester von einer unabhängigen Kirchgemeinde in Hudson (Massachusetts) weigerte, einen albanischen Nationalisten zu bestatten, beantragte eine empörte albanische Gemeinschaft die missionarische Diözese, ihnen bei der Gründung einer getrennten albanischsprachigen Pfarrei innerhalb der missionarischen Diözese zu helfen. Fan Noli, ein albanischer Politiker und ehemaliger Gemeinde-Kantor, wurde in der Folge im Februar 1908 durch einen mitfühlenden erzbischöflichen Platon ordiniert, um dieser neuen albanischen Pfarrei dienen zu können. Noli half bei der Gründung von fünf weiteren albanischen Pfarreien, die meisten davon in Massachusetts, als Albanische orthodoxe Mission in Amerika unter der Schirmherrschaft der amerikanischen Diözese. Noli emigrierte später nach Albanien, war der geweihte Bischof und 1923 Primas der unabhängigen orthodoxen Kirche in Albanien. Er hatte sogar kurz das Amt des Premierministers Albaniens inne, wurde aber in einem Staatsstreich im gleichen Jahr von Ahmet Zogu gestürzt. Nach Jahren im Exil in Deutschland kehrte Noli 1932 in die Vereinigten Staaten zurück, studierte in Harvard, übersetzte Shakespeare ins Albanische und orthodoxe Bibeln und Predigten ins Englische und stand der albanischen orthodoxen Gemeinschaft in den USA bis zu seinem Tod im Jahr 1965 vor.

Katholiken[Bearbeiten]

Jesuitenkirche in Tirana

Aktuelle Liste der Bistümer nach Kirchenprovinz

Vier Jahrhunderte lang haben die katholischen Albaner, unterstützt von franziskanischen Missionaren, für ihren Glauben Aufstände durchgeführt, bis ab Mitte des 17. Jahrhunderts die Missionierung der katholischen Albaner durch die osmanischen Herrscher begann und mit dem Übertritt zahlreicher Dörfer, besonders solcher mit orthodoxer Bevölkerung, zum Islam endete. Das Collegium Urbanum in Rom spielte eine bedeutende Rolle bei der religiösen und moralischen Unterstützung der albanischen Katholiken. Während des 17. und 18. Jahrhunderts wurden hier zahlreiche Geistliche ausgebildet, die zum Dienst in der albanischen Mission bestimmt wurden. Finanzielle Unterstützung für die albanische katholische Kirche kam von der österreichischen Regierung, die das Kultusprotektorat für die christlichen Gemeinschaften unter osmanischer Herrschaft innehatte.[16] Ein 1858 von Erzbischof Topich von Shkodra gegründetes Priesterseminar wurde von den Osmanen zerstört, aber später auf österreichischem Territorium wieder erbaut und unter Reichsschutz gestellt. Die Kirchgesetzgebung der Albaner wurde von Clemens XI. reformiert. 1872 berief Pius IX. eine zweite nationale Synode nach Shkodra zwecks Wiederbelebung des kirchlichen Lebens ein. Gestützt vom österreichischen Interesse an Albanien wurde die Anwesenheit katholischer Bischöfe in Albanien durch ein Zivildekret des Vilâyet von Berat zugelassen.

Die katholische Ordensschwester und Trägerin des Friedensnobelpreises Mutter Teresa wird, obwohl im heutigen Mazedonien geboren, als ethnische Albanerin heute in ganz Albanien wie eine Nationalheldin gefeiert. Der 18. Oktober, der Tag der Seligsprechung von Mutter Teresa, wird als Nationalfeiertag begangen, an dem Behörden und Schulen geschlossen bleiben. Die Regierung hat einen Mutter-Teresa-Orden gestiftet. Im Jahr 2003 wurde der Flughafen Tirana anlässlich ihrer Seligsprechung nach Mutter Teresa benannt.

Gesetzliche Feiertage[Bearbeiten]

Folgende religiöse Feste waren im Jahr 2010 gesetzliche Feiertage:

Literatur[Bearbeiten]

  •  Shpresa Musaj: Albaniens Religiosität: Konstante im Wandel der Zeiten. Zwischenkirchliche und interreligiöse Toleranz auf dem Balkan. In: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Reihe Geschichtswissenschaft. Band 18, Tectum Verlag, Marburg 2011, ISBN 978-3-8288-2693-9.
  • De la Rocca: Religion and Nation in Albania. Rom 1989
  •  Oliver Jens Schmitt (Hrsg.): Religion und Kultur im albanischsprachigen Südosteuropa. In: Pro Oriente (Schriftenreihe der Kommission für Südosteuropäische Geschichte). Band 4, Peter Lang, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-631-60295-9.
  • Stephanie Schwandner-Sievers, Bernd Jürgen Fischer: Albanian identities: myth and history. 2002, Indiana University Press, Kapitel 9 (Fatos Lubonja), ISBN 0253341892.
  • Markus A. Weingardt, Hans Küng, Dieter Senghaas: Religion, Macht, Frieden: das Friedenspotential von Religionen in politischen Gewaltkonflikten. W. Kohlhammer, 2007, ISBN 3170198815.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Nathalie Clayer: The Religious Communities in Albania. In: Peter Jordan, Karl Kaser, Walter Lukan, Stephanie Schwandner-Sievers, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Österreichische Osthefte. Jahrgang 45, Heft 1/2, Peter Lang, Wien 2003, ISSN 0029-9375.
  2. Albanian religious leaders celebrate religious harmony. In: Religions for peace. Abgerufen am 8. November 2009.
  3. Fostering Religious Harmony in Albania. 30. Juni 2007, abgerufen am 8. November 2009 (PDF; 1,3 MB).
  4. a b  Shpresa Musaj: Albaniens Religiosität: Konstante im Wandel der Zeiten. Zwischenkirchliche und interreligiöse Toleranz auf dem Balkan. In: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Reihe Geschichtswissenschaft. Band 18, Tectum Verlag, Marburg 2011, ISBN 978-3-8288-2693-9.
  5.  Robert Elsie: A Dictionary of Albanian Religion, Mythology, and Folk Culture. C.Hurst & Co., London 2001, ISBN 1-85065-570-7, S. 125.
  6.  Helmut Eberhart: »… Und in Ewigkeit Amen«. Das Dukagjin-Hochland als katholische Enklave. In: Helmut Eberhart, Karl Kaser (Hrsg.): Albanien – Stammesleben zwischen Tradition und Moderne. Böhlau Verlag, Wien 1995, ISBN 3-205-98378-5.
  7. Pilgrims in Shna Ndo. Abgerufen am 28. Dezember 2010.
  8. http://www.instat.gov.al/media/177358/njoftim_per_media_-_fjala_e_drejtorit_te_instat_ines_nurja_per_rezultatet_finale_te_census_2011.pdf.
  9.  Arqile Berxholi, Dhimiter Doka, Hartmut Asche (Hrsg.): Bevölkerungsgeographischer Atlas von Albanien. Atlas von Albanien. Shtypshkronja Ilar, Tirana 2003, ISBN 99927-907-6-8., vgl. Universität Potsdam: Bevölkerungsgeographischer Atlas von Albanien
  10.  INSTAT, UNICEF (Hrsg.): Monitoring the Situation of Children and Women – Albania – Multiple Indicator Cluster Survey 2005, Finale Report. Tirana Februar 2008, S. 49 (Studie auf childinfo.org (ZIP; 1,1 MB)).
  11. 1st chief rabbi inaugurated in Albania. In: ynetnews.com. 17. Dezember 2010, abgerufen am 28. Dezember 2010.
  12.  Harvey Sarner: Rescue in Albania – One Hundred Percent of Jews in Albania Rescued from Holocaust. Brunswick Press, Cathedral City 1997, ISBN 1-888521-11-2.
  13. Wilkes 1995, S. 245: "…Illyrian deities are named on monuments of the Roman era, some in equation with gods of the classical pantheon (see figure 34)."
  14. Wilkes 1995, S. 244: "Unlike Celts, Dacians, Thracians or Scythians, there is no indication that Illyrians developed a uniform cosmology on which their religious practice was centred. An etymology of the Illyrian name linked with serpent would, if it is true, fit with the many representations of…"
  15.  Genc Myftiu: Religious Creeds. In: Genc Myftiu (Hrsg.): Guide of Albanian History and Cultural Heritage. Sustainable Economic Development Agency, Tirana 2000, S. 57-77.
  16.  Engelbert Deusch: Das k. (u.) k. Kultusprotektorat im albanischen Siedlungsgebiet in seinem kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Umfeld. Böhlau, Wien 2009, ISBN 978-3-205-78150-9.