Religion und Weltanschauung in Hamburg

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Christentum[Bearbeiten]

Ruine der Hamburgischen Dom-Kirche 1806

Christentum im Mittelalter[Bearbeiten]

Die Stadt Hamburg gehörte anfangs zum Bistum Verden. Im Jahre 834 wurde Ansgar, Leiter der Klosterschule in Corvey, von Kaiser Ludwig dem Frommen zum Erzbischof mit Sitz in Hamburg ernannt. 845 wurde der Erzbischofssitz von Hamburg nach Bremen verlegt. Danach erfolgte von Bremen aus die Mission Norddeutschlands und ganz Nordeuropas. Das Erzbistum Bremen umfasste im 11. Jahrhundert ganz Norddeutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Island und Grönland.

Evangelische Kirche[Bearbeiten]

Reformation[Bearbeiten]

Johannes Aepinus Superintendent in Hamburg

Ab 1522 hielt die Reformation Einzug (erste evangelische Predigt). Seit 1526 war fast die gesamte Bürgerschaft, ab 1528 auch der Rat der Stadt vollständig vom lutherischen Bekenntnis überzeugt und 1529 führt die Freie Reichsstadt Hamburg unter Mitwirkung von Johannes Bugenhagen eine neue Kirchenordnung ein. Diese gilt als Geburtsstunde der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Hamburgischen Staate. Sie war in den folgenden Jahrhunderten für das kirchliche Leben in Hamburg zuständig. Geleitet wurde die Kirche von einem Superintendenten, der bereits 1532 eingesetzt wurde. Die katholischen Klöster wurden aufgehoben und die Spitäler in evangelische Stiftungen umgewandelt. Nichtlutheraner konnten keine Bürgerrechte mehr erhalten. Auch das reformierte Bekenntnis wurde nicht geduldet. Daher gilt Hamburg bis heute als traditionell evangelisch-lutherisch geprägte Stadt.

Die Hamburger Stadtverfassung war auf das engste mit der Kirchenverfassung verbunden. So bildeten die Kirchspiele der Hauptkirchen auch die politische Gliederung der Stadt, und die Pastoren wirkten bei der Schulaufsicht mit. Der Dom unterstand weiter dem Domkapitel mit Bindung an das Bistum Bremen. Er nahm die Reformation bis 1561 an, und blieb bis zum Reichsdeputationshauptschluss exterritorial. Er gehörte nicht zur Hamburger Stadtkirche.

Neuzeit[Bearbeiten]

Andere Konfessionen konnten ihre Gottesdienste nur im benachbarten holsteinischen Altona abhalten. Bereits 1601 gründete sich hier unter dem Schutz des Grafen Ernst von Holstein-Schaumburg die noch heute bestehende Mennonitengemeinde Altona. Ein Jahr später folgte die Reformierte Gemeinde [1]. 1658 gestattete der dänische König Friedrich III. in seiner Eigenschaft als holsteinischer Herzog auch den Bau einer katholischen Kirche, aus der die noch heute bestehende St.-Josephs-Kirche hervorging. Die Straßennamen Kleine und Große Freiheit erinnern noch heute an die Handels- und Glaubensfreiheit in Altona. In Hamburg selber erlaubte der Rat der Stadt erst 1785, in privaten Bereichen auch nicht-lutherische Gottesdienste zu halten. Doch konnte sich bereits seit dem 17. Jahrhundert im Schutze des holländischen Gesandten eine kleine reformierte Gemeinde etablieren, die ab 1710 auch einen ständigen Geistlichen hatte. 1744 entstand eine französisch-reformierte Gemeinde.

Eine vollständige Gleichstellung aller Konfessionen konnte jedoch erst im 19. Jahrhundert erreicht werden. Damals entstand auch wieder eine katholische Gemeinde, die 1811 bzw. 1824 die kleine Michaeliskirche zur Nutzung erhielt.

St. Michaelis

Die Verwaltung der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Hamburgischen Staate oblag bis 1918 dem Senat als Kollegium. Geistliche Leiter waren zunächst Superintendenten. Seit Ende 16. Jahrhundert wurde das Amt nicht wieder besetzt und die Leitung der Kirche lag bei den Pastoren der Hauptkirchen, der rangälteste führte den Titel „Senior“. 1923 erhielt die Kirche eine neue Verfassung, welche die Kirchenverfassungen von 1870 und 1896 bzw. die Notverordnung von 1919 ablöste. An der Spitze der Hamburgischen Kirche stand fortan der von der Landessynode aus der Reihe der Hauptpastoren (die Pastoren der Hauptkirchen St. Petri, St. Nikolai, St. Katharinen, St. Jacobi und St. Michaelis) gewählte „Senior“, der ab 1933 den Titel „Landesbischof“ erhielt. Spätestens seit 1938, als die Stadt Hamburg durch das Groß-Hamburg-Gesetz erheblich vergrößert wurde, war das Kirchengebiet nicht mehr mit dem Staatsgebiet identisch. Doch dauerte es noch fast 40 Jahre, bis diese Situation wieder ausgeglichen wurde. Denn 1977 schloss sich die Evangelisch-Lutherische Kirche im Hamburgischen Staate mit anderen Landeskirchen auf dem Gebiet Schleswig-Holsteins zur Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche zusammen. Hier wurde Hamburg Sitz einer der drei Sprengel (Bischofsbezirke), der sich in die Kirchenkreise Alt-Hamburg, Altona, Blankenese, Harburg, Niendorf und Stormarn gliedert und somit alle protestantischen Kirchengemeinden der heutigen Stadt Hamburg umfasst, sofern es sich nicht um Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Evangelisch-reformierten Kirche oder der evangelischen Freikirchen handelt. Neben den bereits genannten Kirchen bestehen in der Neustadt die evangelisch-lutherischen Seemannskirchen der nordischen Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland.

Bereits 1953, 1981 und 1995 waren evangelische Kirchentage in Hamburg zu Gast.

Evangelisch-reformierte Kirchen[Bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert kamen die ersten reformierten Christen nach Hamburg. Es waren vor allem Flamen, Wallonen und Holländer, die aus den vereinigten Niederlanden vor der Schreckensherrschaft des Herzogs von Alba flohen. Aus Frankreich kamen die sogenannten Hugenotten hinzu. Eine freie Religionsausübung war in den ersten Jahren im lutherischen Hamburg kaum möglich. Die erste reformierte Gemeinde musste daher im holsteinischen, damals noch zum dänischen Gesamtstaat gehörenden Altona gegründet werden, wo 1602 die Glaubensfreiheit eingeführt wurde. Gepredigt wurde damals sowohl in deutsch, holländisch und französisch. Erst 1785, im Zeitalter der Aufklärung, bekamen die Reformierten auch im eigentlichen Hamburg das umfassende Recht der freien Religionsausübung. Die deutschen und französischen reformierten Gemeinden in Hamburg und Altona schlossen sich 1976 zur Evangelisch-Reformierten Kirche in Hamburg zusammen, welche dem Bund Evangelisch-reformierter Kirchen Deutschlands angehört und in den Stadtteilen Altstadt und Altona-Altstadt über Kirchen und über eine zusätzliche Gottesdienststätte im der Kirche gehörenden Altenhof (einem Alten- und Pflegeheim) in Winterhude verfügt.

Katholische Kirche[Bearbeiten]

Die im 19. Jahrhundert zugezogenen Katholiken Hamburgs befanden sich in der Diaspora (Apostolisches Vikariat der Nordischen Missionen). Seit Anfang des 19. Jahrhunderts war der „kleine Michel“ die katholische Kirche in Hamburg, 1893 wurde die Kirche St. Marien (jetzt Domkirche) geweiht. Die Jurisdiktion dieses Gebiets wurde 1841 dem Bistum Osnabrück unterstellt. 1868 gehörte es zur Norddeutschen Mission und 1930 wurden diese Gebiete formell dem Bistum Osnabrück angegliedert, das seinerzeit zur Kirchenprovinz Köln gehörte. Im Zuge der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten wurden auch die kirchlichen Strukturen neu geordnet und 1993 das neue Erzbistum Hamburg eingerichtet, dessen Gebiet die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, sowie den Landesteil Mecklenburg des Landes Mecklenburg-Vorpommern umfasst. Die faktische Errichtung erfolgte am 7. Januar 1995. Dem Erzbistum Hamburg wurden die Bistümer Osnabrück und Hildesheim als Suffragane zugeordnet. Die Pfarrgemeinden der Stadt Hamburg gehören zu den Dekanaten Altona, Harburg, Hamburg-Mitte, Hamburg-Nord und Wandsbek.

Anglikaner und Alt-Katholiken[Bearbeiten]

Bereits 1612 wurde den Anglikanern in Hamburg als erste nicht-lutherische Glaubensgemeinschaft das Recht auf freie Religionsausübung zugestanden. Von 1826 bis 1891 befand sich die englische-reformierte Kirche am Johannisbollwerk. Die St.-Thomas-a-Beckett-Kirche an der Englischen Planke in der Neustadt wurde 1836/38 errichtet.

Darüber hinaus existiert eine Gemeinde der Alt-katholischen Kirche, die seit 1931 mit den Kirchen der Anglican Communion in voller Kirchengemeinschaft steht. Sie feiert ihre Gottesdienste in der Evangelischen Hauptkirche Altona, St. Trinitatis.

Freikirchen[Bearbeiten]

Concession des Hamburger Senats (1858) für die Baptisten

Baptisten[Bearbeiten]

1834 entstand in Hamburg die erste deutsche Baptistengemeinde. Sie wurde von Johann Gerhard Oncken gegründet und war Keimzelle der meisten kontinentaleuropäischen Baptistenkirchen. 1858 erhielt sie kraft einer Concession ihre offizielle Anerkennung durch den Hamburger Senat. Seit 1942 sind die deutschen Baptisten im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland zusammengeschlossen.[2]

1880 nahm in Hamburg das Predigerseminar der deutschen Baptisten seinen Lehrbetrieb auf. Zunächst war es in der im II. Weltkrieg zerstörten Missionskapelle an der Böhmkenstraße untergebracht. Von 1888 bis 1997 hatte die theologische Ausbildungsstätte in Hamburg-Horn ihren Standort. Danach erfolgte der Umzug nach Wustermark-Elstal. Heute arbeiten in Hamburg 15 Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden (Baptisten). Mit der Freikirche verbunden sind auch eine Reihe diakonischer Werke und Einrichtungen, darunter das Albertinen-Krankenhaus in Schnelsen und die Tabea-Diakonie in Blankenese.

Evangelisch-methodistische Kirche[Bearbeiten]

Das erste heute bekannte Dokument berichtet 1817 von Methodisten, die mit englischen Kaufleuten nach Hamburg gekommen waren.

1828 erschien in Hamburg bei der Herold´schen Buchhandlung erstmals eine umfassende Darstellung des Methodismus in deutscher Sprache, eine Übersetzung des 2-bändigen Werks "John Wesley´s Leben" von Robert Southey.

Mennoniten[Bearbeiten]

Die ersten Mennoniten kamen 1575 als Flüchtlinge aus den damals katholischen südlichen Niederlanden nach Hamburg. 1601 erlaubte ihnen Graf Ernst von Schauenburg die Gründung einer Gemeinde und den Bau einer Kirche in Altona. Bis ins Jahr 1795 wurde noch auf Holländisch gepredigt. Gemeindehaus der Hamburger Mennoniten ist seit 1915 die Mennonitenkirche an der Mennonitenstraße in Altona-Nord.

siehe: Mennonitengemeinde zu Hamburg und Altona

Pfingstkirchen und Charismatische Bewegung[Bearbeiten]

Gemeinden im BFP[3] Weitere Gemeinden
  • Christengemeinde Elim (Barmbek)
  • Christliche Gemeinde - CCOM (Bergedorf)
  • Christengemeinde Arche Alstertal (Wellingsbüttel)
  • Gemeinde und Missionswerk Arche (Stellingen)
  • Church of Pentecost
  • Koreanische Freie Christengemeinde Hoffnung
  • Persische Gemeinde Alpha und Omega Int.
  • Pfingstgemeinde Hamburg
  • Christus Centrum Harburg

Jesus Freaks[Bearbeiten]

Die Jesus Freaks, eine Freikirche der christlichen Jugendbewegung, haben ihren Geburtsort in Hamburg.

Überkonfessionelles Christentum[Bearbeiten]

Die Evangelische Allianz Hamburg ist eine Gemeinschaft von Christen aus Gemeinden und Werken in Hamburg und Umgebung. Vorsitzender der EAH ist Pastor Matthias C. Wolff.

Gemeinsam für Hamburg (GfH), eine Initiative der Evangelischen Allianz Hamburg, veranstaltete am 6. Oktober 2007 im CCH erstmals einen Jesus-Tag, eine Messe für christliche Gemeinden und Werke.

Kirchen in der ACKH[Bearbeiten]

In der ACKH (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hamburg) sind ein Großteil der Kirchen und Freikirchen zusammengeschlossen[4].

Mitglieder der ACKH sind:

Gaststatus haben folgende Kirchen, Freikirchen bzw. religiöse Gemeinschaften:

Darüber hinaus genießt der Ökumenische Jugendrat Hamburg (ÖJR) Beobachterstatus innerhalb der ACKH.

St. Michael in Hamburg-Eilbek, serbisch-orthodox

Siehe auch: Freikirche und Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF)

Sonstige[Bearbeiten]

Neben all den genannten Glaubensgemeinschaften gibt es weitere der christlichen Tradition zugehörige Gruppierungen in Hamburg, so etwa die Apostolische Gemeinschaft, die Christengemeinschaft, die Christliche Wissenschaft (Christian Science) und Die Gemeinde in Hamburg e.V.. Jehovas Zeugen sind mit 27 deutschsprachigen und 22 fremdsprachigen Gemeinden vertreten.

Judentum[Bearbeiten]

Jüdisches Leben in Hamburg, Wandsbek und Altona

Ursache der Emigration der portugiesischen Sephardim nach Hamburg war der wirtschaftliche und politische Niedergang Antwerpens. Antwerpen wurde damals spanisch-katholisch und dies veranlasste die Anusim, zu den anderen großen Handelszentren überzusiedeln, wie z.B. nach London, Amsterdam und Hamburg. Um das Jahr 1577 siedelten sich erstmals portugiesischen Juden an, die jedoch als Christen angesehen wurden und schlicht als die Portugiesen bezeichnet wurden. Darunter waren der Gewürzhändler Ferdinand Dias, der Kaufmann Emanuel Alvares, der Makler Adrian Gonzalves und der Zuckerimporteur Diego Gomes. Ein bekannter Portugiese war Rodrigo de Castro (1566–1628), Arzt und Philosoph aus Lissabon, der ab 1594 in Hamburg lebte und auch verstarb. Er bekämpfte erfolgreich die Hamburger Pest von 1596 und gewann große Sympathien unter den Hamburgern, er durfte ausnahmsweise ein Haus in der Altstadt erwerben. Die bis auf den heutigen Tag in Hamburg ansässige Familie de Castro hat nicht nur bedeutende Ärzte hervorgebracht, Benedict de Castro, der Sohn von Rodrigo de Castro war ein gesuchter Leibarzt an den europäischen Fürstenhöfen. Der 1943 in Theresienstadt umgekommene Alfonso de Castro war Tropenmediziner, wie sein Sohn Hans, der Dachau überlebte, während sein Sohn Alfonso (* 1932) in Hamburg bis 2000 praktizierender Zahnarzt war. Glikl bas Judah Leib, die erste Frau Deutschlands, die eine Autobiografie schrieb, gehörte zur sephardischen Gemeinde Hamburgs. Die literarisch interessierte Rahel Namias de Castro (1793-1871), Tochter von Abraham Namias de Castro (1751-1818), der eine Tabakmanufaktur in Altona betrieb, stand in regem Briefkontakt mit Rahel Varnhagen und Bettina von Arnim. Und Henriette Herz, Tochter des Hamburger Arztes Benjamin de Lemos (1711-1789), Dichter, Philosoph und ab 1760 Direktor des Jüdischen Krankenhauses Berlins, begründete die Berliner Salonkultur. Andere bekannte Portugiesen waren Boccario Rosales, Astronom; Joseph Frances, Dichter; Moses Gideon Abudiente, Grammatiker; Benjamin Mussafia (1606-1675), Philosoph, Philologe und Leibarzt von König Christian IV. von Dänemark.

Lediglich sieben jüdische Familien und zwei ledige jüdische Junggesellen wurden vom Hamburger Senat rechtmäßig als Juden und nicht nur als Portugiesen anerkannt. Im Jahre 1616 gab es bereits 116 portugiesische Juden in Hamburg. Der Rat der Stadt Hamburg widersetzt sich erfolgreich der Forderung, die Portugiesen zu vertreiben. Kurz darauf gibt es auch die erste jüdische Bank in Hamburg. Im Jahre 1619 wird die Bank von Hamburg gegründet.

Der ehemalige reformjüdische Tempel in der Oberstraße beherbergt heute das Rolf-Liebermann-Studio des NDR.

1612 wurde ein Zwei-Jahres-Vertrag zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Senat geschlossen, d. h. es müssen mehr als nur sieben Familien dort gewesen sein. Gegen eine Zahlung von 1000 Mark jährlich wurde auch die Niederlassung gewährt. Zwar existierte damit eine Art Niederlassungsfreiheit, aber noch nicht die Freiheit der Religionsausübung. 1649 kommt die Verordnung, dass die Anusim als Einwohner fremder Nationen nicht zu beleidigen sind. Die Handelsfreiheit war ihnen gestattet, aber weder Beschneidung, noch Synagoge, noch ein jüdischer Friedhof waren erlaubt. Im Jahr 1663 zählte die sephardische Gemeinde, die einzig anerkannte jüdische Gemeinde in Hamburg, etwa 120 Familien, etwa 660 Menschen. Viele waren Diplomaten im auswärtigen Dienst: Daniel Abensur († 1711) war Konsul des Königs von Polen in Hamburg; Duarte Nunes da Costa alias Jacob Curiel († 1664) und Nuñez da Costa waren Konsul für den König von Portugal in Hamburg. Diego (Abraham) Texeira († 1666) und sein Sohn Manuel (Isaac) Texeira, die Vermögensverwalter der Königin Christina von Schweden waren, hatten auch das gleiche Amt inne. Manuel war Resident der Königin Christina in Hamburg. Abraham Senior Teixeira unterstützte die Wirtschaft in Hamburg und schützte die Anusim vor den Pamphleten eines Lutheraners. Er verhalf den portugiesischen Juden auch dazu, 1649 als Gemeinde (Beth El) anerkannt zu werden. Teixeira wurde 1657 in den Vorstand der Gemeinde gewählt und war ihr größter Beitragszahler - 1658 zahlte er allein mehr als ein Sechstel der Gemeindebeiträge, 660 von 3106 Mark. Er machte auch mehrfach wertvolle Schenkungen an die Gemeinde und gab Geld zum Ankauf eines Grundstücks zur Errichtung einer Synagoge. Sein Sohn Isaac Teixeira stiftete die Kupferplatten, die zum Decken des Turms von St. Michaelis, Hamburgs Wahrzeichen, dienten. Jacob Sasportas lehrte von 1666 bis 1672 an einer Talmudhochschule, die von Manuel Texeira gegründet worden ist.

Im 17. Jahrhundert ließen sich auch aschkenasische Juden in Hamburg nieder. 1648 flüchteten Juden aus Altona vor schwedischen Angriffen nach Hamburg, worauf sich die drei Gemeinden in Hamburg, Wandsbek und Altona zusammenschlossen. Die älteste Hamburger Synagoge wurde 1654 errichtet, sie bestand bis 1859 am Neuen Steinweg. 1712 wurde auf dem Grindel ein jüdischer Friedhof errichtet, der bis 1883 genutzt und 1937 aufgehoben wurde. Die endgültige Emanzipation der Juden erfolgte im Jahre 1849.

Noch am 14. März 1935 wurde die „Esnoga der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde Bet Jisrael zu Hamburg“, in Harvestehude, Innocentiastraße 37, eingeweiht. Im Mai 1938, bei der 2. Konferenz des Weltbundes der sephardischen Gemeinden, brachte das Direktorium der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde den Antrag: "… wenn möglich die Mitglieder der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde Hamburgs in ihrer Gesamtheit zur Auswanderung zu bringen und in einer geeigneten Kolonie wieder anzusiedeln." Der Plan misslang, wie die vielen portugiesischen Namen in den Deportationslisten der Nationalsozialisten belegen.

Synagoge Hohe Weide

Von 1937 bis 1941 amtierte Joseph Carlebach als Oberrabbiner von Hamburg. Er wurde 1942 mit seiner Familie von den Nazis ermordet, zusammen mit 8.000 weiteren Hamburger Juden. In der Reichspogromnacht 1938 wurden auch Hamburger Synagogen zerstört. Zu den wenigen sephardischen Juden, die nach der Shoa nach Hamburg zurückkehrten, gehörte der SPD-Politiker Herbert Pardo.

1945 wurde eine neue Jüdische Gemeinde in Hamburg gegründet, 1960 die Synagoge Hohe Weide eingeweiht. Heute gibt es in der Jüdischen Gemeinde Hamburg, wie an den meisten Orten in Deutschland, zahlreiche Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. 2004 wurde die Liberale Jüdische Gemeinde Hamburg gegründet, sie zählte im Jahr 2005 etwa 100 Mitglieder. Seit August 2007 gibt es wieder eine Jüdische Schule in Hamburg. Seit Januar 2008 ist auch das konservative Judentum wieder in Hamburg vertreten. Die anfängliche Masorti Chavura entwickelte sich schnell weiter und ist seit März 2009 offiziell als Gemeinde registriert (Kehilat Beit Shira - Jüdische Masorti Gemeinde Hamburg).

Siehe auch:

Islam[Bearbeiten]

Centrum Moschee auf St. Georg

Die muslimischen Gemeinden Hamburgs sind aus den ersten Generationen von Gastarbeitern entstanden. Zielgruppen sind daher zumeist Ausländer mit ähnlichem kulturellen bzw. sprachlichem Hintergrund. Nach offiziellen Angaben gibt es in der Hansestadt 66 Moscheen.[5]

Fazle-Omar-Moschee, erste Moschee Hamburgs

Ahmadiyya Muslim Jamaat[Bearbeiten]

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat schickte nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Missionare nach Hamburg. Im Jahre 1957 eröffnete die Gemeinde die Fazle-Omar-Moschee in der Wieckstraße. Sie ist die erste Moschee Hamburgs und zugleich auch die erste Moschee in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Außerdem hat die Gemeinde seit Mitte 1990er eine weitere Moschee in der Pinneberger Straße.

Schiiten[Bearbeiten]

Ein wichtiger Ort iranischer kultureller und religiöser Aktivitäten in Hamburg ist das Islamische Zentrum mit der Imam-Ali-Moschee an der Außenalster (Hamburg-Uhlenhorst), die mit dem Segen und der Unterstützung der obersten Geistlichen in Qom/Iran im Jahr 1961 errichtet worden ist. Sie wurde nach der Islamischen Revolution vom iranischen Staat finanziell unterstützt. Als Geistliche werden hochrangige Theologen nach Hamburg entsandt; unter ihnen war von 1978 bis 1980 auch der spätere iranische Staatspräsident und Hodschatoleslam Seyyed Mohammad Chātamī.

Schura Hamburg / Bündnis Islamischer Gemeinden in Norddeutschland[Bearbeiten]

Seit 1999 besteht mit der SCHURA - Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V. ein Zusammenschluss von 40 Moscheegemeinden und islamischen Vereinen in Hamburg. Mitglieder in der SCHURA sind Sunniten wie Schiiten aus verschiedenen Herkunftsländern wie Türken, Iraner, Deutsche, Araber, Bosnier, Albaner, Afghaner, Pakistaner, Indonesier, Kurden, Afrikaner u.a.

Eine starke Stellung unter den Muslimen türkischer Herkunft hat die Islamische Gemeinschaft Milli Görüş e.V. (IGMG), zu der u.a. das Bündnis der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland und dessen Centrum-Moschee Hamburg im Stadtteil Sankt Georg gehört.

Allein in der Nähe des Steindamms lassen sich mehr als neun Moscheen finden.

Auf dem Friedhof Öjendorf wurden seit 1978 Grabanlagen für Bestattungen entsprechend den islamischen Riten angelegt. Die Bestattungsflächen sind nach Mekka ausgerichtet und es gibt spezielle Räume für rituelle Waschungen.

Hinduismus[Bearbeiten]

Seit 1997 besteht in Hamburg ein Mandir (Hindutempel) in der Billstraße im Stadtteil Rothenburgsort, der in einem umgenutzten Lagergebäude errichtet wurde. Träger ist die "Afghanische Hindu Gemeinde e.V.". Sie hat sich aus indischstämmigen Hindus gebildet, die während der Herrschaft der Taliban Afghanistan verlassen mussten.

Buddhismus[Bearbeiten]

Bereits im Jahre 1906 wurde von einer Gruppe interessierter Deutscher Hamburgs erste buddhistische Gemeinschaft gegründet. Nach einer Unterbrechung während der NS-Zeit gründete sich 1954 die Buddhistische Gesellschaft Hamburg (BGH). Als erste ländliche Begegnungsstätte für Buddhisten aus Hamburg wurde 1962 das „Haus der Stille“ in Roseburg ins Leben gerufen. Die ersten Zen-Gruppen gründeten sich in den 60er Jahren und seit Mitte der 1970er Jahre ist der tibetische Buddhismus in Hamburg präsent. Heute sind eine Vielzahl buddhistischer Traditionslinien jeweils in den vielen Spielarten der Ursprungsländer in der Stadt vertreten und entfalten ein reges Leben: Theravada, Zen und tibetischer Buddhismus. Die Zahl der Hamburger, die regelmäßig in einem buddhistischen Zentrum oder einer Gruppe praktizieren, wird von der Buddhistischen Gesellschaft Hamburg auf "mehrere tausend" geschätzt. An der Universität Hamburg wurde ein Zentrum für Buddhismuskunde eingerichtet.

Freireligiöse Bewegung[Bearbeiten]

Geschäftsstelle der Unitarier

Deutsche Unitarier[Bearbeiten]

Die Deutschen Unitarier haben ihre Hauptgeschäftsstelle in Hamburg.

Zoroastrismus[Bearbeiten]

Die älteste Organisation der Zoroastrier in Deutschland ist der 1987 in Hamburg gegründete Zarathustrische Verein e. V. (pers. Anjomane Zartoshtiane Hamburg). Eine der Absichten bei seiner Gründung war es, ein Sammelbecken für aus dem Iran stammende Zoroastrier zu schaffen; die Gesamtzahl der von diesem Verein erfassten bzw. angesprochenen Personen ist nicht exakt zu benennen; rund 300 Personen haben aber ein engeres Verhältnis zu diesem Verein. Grundsätzlich steht der Verein auch nicht-zoroastrischen Iranern als Sammelpunkt für "iranische Kultur" offen, wobei die Orientierung an nicht-islamisch iranischer Kultur sich auch in der Zusammenarbeit mit dem Iran-Museum in Reinbek bei Hamburg zeigt. In geringem Ausmaß nutzen auch Parsen Angebote des Vereins. Sowohl die Leitung als auch die Ausrichtung des Vereins orientiert sich dabei am iranischen Zoroastrismus, d.h. man feiert Jamshedi Nowruz (21.März) als Neujahrsfest, während die Mehrheit der Parsen in Indien - durch Kalenderreformen und Misskalkulationen von Schaltjahren im Laufe der Geschichte - das Neujahrsfest erst im August bzw. September feiert. Ein weiteres zentrales Fest, das alljährlich vom Zarathustrischen Verein ausgerichtet wird, ist der Geburtstag Zarathustras. Auch andere zoroastrische Feste wie Tiragan oder Mehragan orientieren sich am iranischen Festkalender. Weitere Vereinsaktivitäten betreffen Vortragstätigkeiten, so u.a. in Hamburg, Düsseldorf, Köln und Berlin. Im Unterschied zum Iran hat der Zarathustrische Verein keinen fest angestellten Priester, der regelmäßig Rituale oder religiöse Versammlungen in einem "Kultraum" durchführen könnte. Lediglich zu manchen Anlässen können zoroastrische Priester, entweder aus dem Iran oder aus Großbritannien bzw. Schweden, nach Hamburg eingeladen werden, um religiöse Feiern rituell durchzuführen.

Scientology[Bearbeiten]

Gebäude von Scientology am Domplatz

Hamburg hat – nach Aussage der Scientology Church – eine besondere Bedeutung für deutsche Scientologen. Ende der 60er Jahre kamen die ersten Anhänger der Scientology Church nach Deutschland zurück, welche ihre Ausbildung in fortgeschrittenen Scientology-Studien im damaligen Weltzentrum der Organisation in Saint Hill, England, abgeschlossen hatten. Sie bezogen zunächst einige Büroräume in der Poststraße in der Hamburger Innenstadt. Bald mieteten sie ein Bürogebäude am Steindamm in St. Georg.

Im Jahre 1999 verlegte die Organisation ihren Hamburger Sitz in ein größeres Gebäude der Innenstadt, unweit des Rathauses und der ev.-luth. Hauptkirche St. Petri. Das fünfstöckige Haus hat über 3000 Quadratmeter. Unter den zahlreichen Räumen des Gebäudes befinden sich allein dreißig, die für die spezielle, „Auditing“ genannte, zentrale Praxis der Gemeinschaft eingerichtet wurden.

Religionszugehörigkeit 1880 und 2009[Bearbeiten]

Von der Bevölkerung waren 1880[6]:

  • Evangelische 92,5 %,
  • Katholische 2,7 %,
  • Israeliten 3,5 %,
  • 1,3 % Bekenner anderer Religionen oder ohne Religionsbekenntnis.

Nach der Statistik der EKD[7] sind Ende 2009

  • 29,9 % der Hamburger Bevölkerung evangelisch und
  • 10,1 % katholisch.
  • 60 % haben ein anderes oder kein religiöses Bekenntnis.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Christentum
Judentum
Islam
Buddhismus
Scientology
Andere

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Evangelisch-Reformierte Gemeinde: Geschichtstafel
  2. Siehe dazu Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Hamburg I (Hrsg.): 150 Jahre Oncken-Gemeinde, Hamburg 1984, S. 21 - 34
  3. http://www.bfp.de/index.php?id=63
  4. Mitgliedskirchen in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hamburg
  5. Allahs Auftritt in Hamburg, Welt am 4. November 2007
  6. Hamburg. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 8, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 38.
  7. Evangelische Kirche in Deutschland: Kirchenmitgliederzahlen am 31. Dezember 2009., November 2010, hier: S.7. (PDF; 628 kB)