Religionen in Deutschland

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Die Verteilung der beiden größten christlichen Konfessionen, römisch-katholisch (blaues Kreissegment) und evangelisch (tiefrotes Kreissegment), auf die deutschen Bundesländer im Jahre 2008 (andere: weißes Segment)
Religionszugehörigkeit nach Zensus 2011: gelb: römisch-katholisch, lila: evangelisch, blau: konfessionslos; dunkel: absolute Mehrheit, hell: relative Mehrheit
Die religiöse Lage Mitteleuropas um 1618: Die roten Gebiete sind überwiegend protestantisch, die blauen und blau-längsgestreiften überwiegend römisch-katholisch.

Das Bild der Religionen in Deutschland ist derzeit von je ca. 30 % Katholiken und Protestanten (letztere zum größten Teil durch die Evangelische Kirche in Deutschland bzw. ihre Mitgliedskirchen vertreten) geprägt.[1][2] Die Gesamtzahl der Christen in Deutschland beträgt ca. 62 %, davon in den beiden großen Kirchen 58,8 % (Stand: 31. Dezember 2011).[3] Dabei wohnen mehr Katholiken im Südosten und Westen des Landes (Bayern, NRW, Saarland), die Mehrzahl der Protestanten wohnt im Nordwesten und in den stärker konfessionell gemischten Regionen im Südwesten und der Mitte (Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen). Die orthodoxe Kirche ist mit 1,9 % (ca. 1,5 Millionen Gläubigen[1]) die drittgrößte christliche Konfession in Deutschland.

Die Zahl der Muslime wird je nach Quelle auf knapp 2 bis 4,5 Mio. geschätzt, was 2,4 bis 5,5 % der Gesamtbevölkerung entspricht.(s. u.).[1] Alle anderen Religionsgemeinschaften zusammen stellen knapp 1 % der Bevölkerung in Deutschland, davon 270.000 Buddhisten, 200.000 Juden, 120.000 Hindus, 60.000 Jesiden, 5.000 bis 10.000 Sikhs und 6.000 Bahai.[1][4]

Etwa 32 % bis 37 % der Menschen in Deutschland sind konfessionslos.[4][1]

Religionen in Deutschland in Zahlen[Bearbeiten]

Verteilung aller Konfessionen in Deutschland[Bearbeiten]

Quellen sind, soweit nicht anders angegeben, der Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst (REMID) und Schmid, Kirchen, Sekten, Religionen. Bei allen Religionsgemeinschaften, die nicht Körperschaft des öffentlichen Rechts sind, sowie bei den Konfessionslosen beruhen die Zahlen auf Schätzungen und Hochrechnungen, da keine amtlichen Zahlen existieren. Im Bereich der kleinen Religionsgemeinschaften sind nicht sämtliche Gemeinschaften bzw. Kirchen aufgezählt, sondern nur die bekanntesten. Im Zensus 2011 wurde ebenfalls die Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften erfragt.

Name Mitglieder bzw. Anzahl Bevölkerungs-
anteil
Jahr Quelle
Konfessionslos ca. 30.000.000 37,20 % 2010 fowid
Konfessionslos ca. 27.000.000 ca. 33 % 2010 REMID
Römisch-katholische Kirche 24.170.754 29,9 % 2013 DBK[5]
Evangelische Landeskirchen (EKD) 23.356.096 29,0 % 2012 EKD[6]
aus muslimisch geprägten Ländern stammend[Anmerkung 1][7] 4.000.000 4,88 % 2010 REMID/BAMF
Griechisch-orthodoxe Kirche 450.000 0,55 % 2005 REMID
Neuapostolische Kirche 353.565 0,43 % 2012 REMID
Rumänisch-Orthodoxe Kirche 300.000 0,36 % 2008 REMID
Buddhisten 270.000 0,33 % 2010/11 REMID
Serbisch-orthodoxe Kirche 250.000 0,31 % 2008 REMID
Judentum 200.000 0,24 % 2010 REMID
Russisch-orthodoxe Kirche 190.000 0,23 % 2008 REMID
Zeugen Jehovas 167.107 0,20 % 2012 REMID
Hindus 91.500−102.500 0,11−0,13 % 2005/2011 REMID
Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten und Brüdergemeinden) 81.769 0,10 % 2013 REMID
Weitere Baptistengemeinden (Evangeliumschristen-Baptisten, Bibel-Baptisten, International Baptist Convention u.a.) 75.000 0,09 % 2005 REMID
Bulgarisch-orthodoxe Kirche 60.000 0,07 % 2005 REMID
Jesiden 60.000 0,07 % 2007 REMID
Syrisch-orthodoxe Kirche 60.000 0,07 % 2007 REMID
Evangelisch-methodistische Kirche 53.800 0,07 % 2013 REMID
Brüderbewegung 45.000 0,05 % 2005 REMID
Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden 46.226 0,05 % 2011 REMID
Freireligiöse 40.000 0,05 % 2005 REMID
Mennoniten 40.000 0,05 % 2005 REMID
Mormonen 38.257   2011 REMID
Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland 38.500   2010 REMID
Armenische Apostolische Kirche 35.000   2003 REMID
Siebenten-Tags-Adventisten 34.982   2012 eig. Angabe[8]
Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche 34.542   2010 e.A.
Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche 30.000   2005 REMID
Unabhängige afrikanische Kirchen 30.000   2005 REMID
Apostelamt Jesu Christi 18.000   2005 REMID
Alt-Katholische Kirche 15.840   2013 eig. Angabe[9]
Äthiopisch-Orthodoxe Kirche 15.000   2005 REMID
Bund Evangelisch-reformierter Kirchen Deutschlands 13.000   2005 REMID
Charismatische Erneuerung 13.000   2005 REMID
Griechisch-orthodoxe Kirche von Antiochien 10.000   2007 REMID
Assyrische Kirche des Ostens 10.000   2005 REMID
Die Christengemeinschaft 10.000   2005 REMID
Katholisch-apostolische Gemeinden 8.000   2005 REMID
Evangelische Gemeinschaft (Methodismus) 7.500   2007 REMID
Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen 6.849   2012 REMID
Pilgermission 6.500   2007 REMID
Dänische Kirche in Südschleswig 6.300   2012 eig. Angabe[10]
Bahai 6.019   2013 Jahresbericht[11]
Koptisch-Orthodoxe Kirche 6.000   2011 REMID
Maronitische Kirche 6.000   2005 REMID
Volksmission entschiedener Christen 6.000   2005 REMID
Soka Gakkai 6.000   2013 eig. Angabe
Sikhs 5.000–10.000   2009 REMID
Osho 5.000–6.000   2005 REMID
Herrnhuter Brüdergemeine 5.800   2013 REMID
Rosenkreuzer 5.500   2005 REMID
Apostolische Gemeinschaft 5.100   2012 eig. Angabe
Gemeinschaft in Christo Jesu 4.500   2003 Schmid
Ecclesia-Gemeinde der Christen 4.000   2005 REMID
Gemeinde Gottes Deutschland KdöR 3.000   2010 REMID
Johannische Kirche 3.000   2005 REMID
Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden 3.000   2005 REMID
Gemeinden Christi 2.800   2005 REMID
Freikirchlicher Bund der Gemeinde Gottes 2.500   2010 REMID
Kirche des Nazareners 2.300   2010 REMID
Christian Science 2.000   2005 REMID
Christliche Gemeinschaft Hirt und Herde 2.000   2005 REMID
Mandäer 1.900   2011 APuZ
Evangelisch-Lutherische Freikirche 1.317   2010 e. A.
Heilsarmee 1.300   2012 Jahresbericht[12]
Unitarier 1.200   2005 REMID
Ásatrú 1.000   2007 e. A.
Voodoo 1.000   2010 REMID
Georgisch-orthodoxe Kirche 1.000   2005 REMID
Freie Bibelgemeinde 881   2007 REMID
Reformadventisten 800   2005 REMID
Ernste Bibelforscher 672   2005 REMID
Mazedonisch-orthodoxe Kirche 500   2005 REMID
Weltweite Kirche Gottes 400   2005 REMID
Anskar-Kirche 350   2003 Schmid
Internationale Gemeinden Christi 300   2003 Schmid
Quäker 250   2005 REMID
Neue Kirche 200   2005 REMID
Zwölf Stämme 50-100   2005 REMID
Metropolitan Community Church 50   2005 REMID
Anmerkungen
  1. Eine amtliche Erfassung der Muslime in Deutschland gibt es nicht. Stattdessen wird bis zur Veröffentlichung der Daten des Zensus 2011 diese Zahl genutzt; sie beinhaltet einen unbekannten Anteil von Personen, die sich nicht dem Islam zugehörig fühlen (Konfessionslose sowie Angehörige religiöser Minderheiten im Ursprungsland – z.B. deutschstämmige Spätaussiedler aus Kasachstan)

Verteilung der beiden Hauptkonfessionen auf die Bundesländer[Bearbeiten]

Die Zahlen für die Bundesländer stammen aus dem Jahr 2011.[3]

In den letzten drei Spalten stehen die Prozentzahlen, wobei der Übersicht halber der Hintergrund bei Zahlen über 30, 40 und 50 % je aufsteigend dunkel hinterlegt ist. Analog sind in der zweiten Spalte die Hintergründe bei Einwohnerzahlen über 5 und 10 Millionen sowie der Gesamtzahl aufsteigend dunkel hinterlegt. Die Verteilung verdeutlicht eine tendenzielle Dreiteilung Deutschlands in den katholischen Süden bzw. Westen, den evangelischen Norden und den konfessionslosen Osten sowie die ebenfalls überwiegend konfessionslosen Stadtstaaten Hamburg und Berlin.

Bundesland
Einwohner
[Millionen]
Mitglieder der
evangelischen
Landeskirchen
(EKD) [Millionen EW]
Mitglieder der
katholischen
Kirche
[Millionen EW]
Sonstige
[Millionen EW]
Mitglieder der
EKD [%]
Mitglieder der
katholischen
Kirche [%]
Sonstige
[%]
Baden-Württemberg 10,786 3,444 3,858 3,484 31,9 35,8 32,3
Bayern 12,596 2,541 6,761 3,295 20,2 53,7 26,1
Berlin 3,502 0,641 0,322 2,54 18,3 9,2 72,5
Brandenburg 2,496 0,42 0,078 1,99 16,8 3,1 80,1
Bremen 0,661 0,262 0,081 0,318 39,7 12,2 48,1
Hamburg 1,8 0,516 0,183 1,1 28,7 10,2 61,1
Hessen 6,092 2,337 1,478 2,28 38,4 24,3 37,3
Mecklenburg-Vorpommern 1,635 0,279 0,054 1,3 17,0 3,3 79,7
Niedersachsen 7,914 3,834 1,373 2,556 48,5 17,3 34,2
Nordrhein-Westfalen 17,842 4,8 7,303 5,74 26,9 40,9 32,2
Rheinland-Pfalz 4,0 1,218 1,78 1,0 30,5 44,5 25,0
Saarland 1,013 0,194 0,632 0,187 19,1 62,3 18,6
Sachsen 4,137 0,829 0,148 3,175 20,0 3,6 76,4
Sachsen-Anhalt 2,313 0,332 0,081 1,9 13,9 3,5 82,6
Schleswig-Holstein 2,838 1,459 0,17 1,21 51,4 6,0 42,6
Thüringen 2,221 0,523 0,172 1,526 23,6 7,8 68,6
Deutschland gesamt 81,844 23,620 24,473 33,751 28,9 29,9 41,2

Christentum[Bearbeiten]

Römisch-katholische Kirche[Bearbeiten]

St. Gereon in Köln, älteste katholische Kirche Deutschlands (4. Jh.), älteste noch bestehende Kirche in Deutschland

Hauptartikel: Römisch-katholische Kirche in Deutschland

In Deutschland sind (Stand 2011) 29,9 % der Gesamtbevölkerung oder 24,473 Millionen[13] Menschen Angehörige der römisch-katholischen Kirche. Die katholische Kirche in Deutschland ist in sieben Kirchenprovinzen mit 27 Diözesen eingeteilt. Diese bilden den Verband der Diözesen Deutschlands. Traditionell ist der Katholizismus eher im Süden und im Westen des Landes verbreitet. Sein traditionelles Hauptverbreitungsgebiet zieht sich in einem Streifen (mit Unterbrechungen) im äußersten Westen und Süden des Landes fast von der Nordsee den Mittel-, Ober- und Hochrhein und Bodensee entlang bis in den Süden von Bayern. Zwei Bundesländer, Bayern (55 %) und Saarland (64 %), sind mehrheitlich römisch-katholisch.[14]

Das erste Bistum ist schon für das 3. Jahrhundert in Trier und Köln belegt. Eine umfassende christliche Missionierung der germanischen Stämme außerhalb des Römischen Reichs begann erst im 6. Jahrhundert und dauerte bis ins 10. Jahrhundert.

2003–2006 waren die Austritte aus der katholischen Kirche rückläufig, ab 2007 stiegen sie wieder an.[15]

Die römisch-katholische Kirche ordnet Deutschland den Schutzpatron Michael sowie in Rom die Kirche Santa Maria dell'Anima, das dortige Priesterkolleg und -hospiz Collegio Teutonico di Santa Maria dell'Anima und den Friedhof Campo Santo Teutonico zu.

Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Evangelische Kirche in Deutschland

Die Reformation begann in Deutschland im 16. Jahrhundert mit Martin Luther. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte ca. 60 % der Bevölkerung zu den evangelischen Kirchen landeskirchlicher Prägung. Die meisten Lutheraner in Deutschland gehören den Gliedkirchen der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) an. Zu den evangelischen Kirchen in Deutschland gehören neben den lutherischen auch evangelisch-reformierte und unierte Landeskirchen.

Ende 2011 waren 23,620 Millionen Menschen oder 28,9 % der Gesamtbevölkerung Deutschlands Mitglied der evangelischen Kirche (Stand: 31. Dezember 2011).[3] Ende 2010 waren es 23,896 Millionen Menschen oder 29,2 % der Gesamtbevölkerung;[16] Ende 2009 waren es 24,195 Millionen Menschen oder 29,6 % der Gesamtbevölkerung.[17] Auch in den Jahren 2007, 2008 und 2009 hat die Zahl jeweils um etwa 0,3 % der Bevölkerung abgenommen.[18]

Heute liegt die Zahl der Mitglieder evangelisch-lutherischer, evangelisch-reformierter und evangelisch-unierter Landeskirchen, die sich in der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammengeschlossen haben, unter der der römisch-katholischen Kirche. Ende 2011 lag die Zahl der Mitglieder der evangelischen Landeskirchen um ca. 0,8 Mio. unter der der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Evangelisch geprägt sind vor allem die nordwestlichen Teile Deutschlands: in Schleswig-Holstein mit 51,4% und Niedersachsen mit 48,5 %;[3] bis 2008 war auch Niedersachsen mehrheitlich evangelisch.

Orthodoxes Christentum[Bearbeiten]

Russische Kapelle, Darmstadt

Die orthodoxen Kirchen kamen vorwiegend durch Einwanderer nach Deutschland. Viele orthodoxe Gottesdienste werden in den ursprünglichen Heimatsprachen oder in Kirchenslawisch gefeiert. Die im Regelfall nach Ländern organisierten orthodoxen Kirchen haben Auslandsbistümer.

Die ersten orthodoxen Kirchen in Deutschland entstanden im 19. Jahrhundert, meist in Residenzstädten, deren Herrscherfamilien familiäre Beziehungen nach Osteuropa hatten, etwa in Wiesbaden, Darmstadt, Bad Homburg, Potsdam, Stuttgart oder Weimar. In Dresden wurde die Russisch-Orthodoxe Kirche 1872–74 für die russische Gesandtschaft im Königreich Sachsen erbaut.

In Deutschland leben ca. 1,5–2 Millionen Orthodoxe (ca. 2 % der Gesamtbevölkerung). 408.000 der Orthodoxen besitzen einen deutschen Pass, die wenigsten sind deutscher Herkunft. Die am stärksten vertretene Nationalität unter den Orthodoxen in Deutschland sind die Griechen. Andere größere Gruppen sind Russen, Rumänen, Serben und Bulgaren.

Orthodoxe Kirchen in Deutschland sind:[19]

Die meisten orthodoxen Kirchen in Deutschland haben sich zur Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland – Verband der Diözesen – (KokiD) mit Sitz in Dortmund zusammengeschlossen. 2010 wurde die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland gegründet.

Neuapostolische Kirche[Bearbeiten]

Neuapostolische Kirche in Karlsruhe

Die Neuapostolische Kirche ist in Deutschland mit etwa 363.000 Mitgliedern die drittstärkste Einzelkirche (stellt aber weniger als 0,5 % der Gesamtbevölkerung dar) und (nach den orthodoxen Kirchen) die viertstärkste christliche Konfession. Die Neuapostolische Kirche ist in Deutschland in zehn rechtlich unabhängige Gebietskirchen untergliedert, die alle als Körperschaft des öffentlichen Rechts eingetragen sind. Die offizielle Abkürzung lautet im deutschsprachigen Bereich NAK.

Die Kirche unterhält in Deutschland neben einem Verlag zur Herstellung der kircheneigenen Publikationen und Zeitschriften auch eigene karitative Einrichtungen.

Um 1863 bildete sich aus Kreisen der katholisch-apostolischen Gemeinden in Hamburg zunächst die Allgemeine christliche apostolische Mission und später, ab 1878, die „Neuapostolische Gemeinde“ (seit 1907 offizielle Bezeichnung, seit 1930 „Neuapostolische Kirche“). Die Neuapostolische Kirche hat im Laufe ihrer nunmehr fast 130-jährigen Geschichte Spaltungen und Abtrennungen erlebt. Die größten heute noch in Deutschland existierenden Gemeinschaften sind das Apostelamt Jesu Christi, das Apostelamt Juda, die Apostolische Gemeinschaft sowie die Apostolische Gemeinde Wiesbaden.

Zeugen Jehovas[Bearbeiten]

Königreichssaal in Karlsruhe

Die Zeugen Jehovas sind eine im ausgehenden 19. Jahrhundert in den USA durch Charles Taze Russell gegründete, aus dem Christentum hervorgegangene chiliastische Religionsgemeinschaft. Offiziell gibt es Zeugen Jehovas in Deutschland seit 1903, das zentrale Mitteilungsorgan der Religionsgemeinschaft – die Zeitschrift Der Wachtturm – erscheint seit 1897 auf Deutsch.

Das deutsche Verwaltungszentrum der Religionsgemeinschaft befindet sich unter dem Namen „Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft, Deutscher Zweig e. V.“ in Selters im Taunus. Der Sitz der Religionsgemeinschaft, als Körperschaft des öffentlichen Rechts, befindet sich in Berlin. Ihre Gebäude zur Religionsausübung heißen Königreichssaal bei den örtlichen Gemeinden und im größeren Rahmen Kongresssaal. Die aktive Mitgliederzahl betrug 2010 165.568 Personen.

Baptisten[Bearbeiten]

Organisiert sind die autonomen Baptistengemeinden in Deutschland im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Daneben gibt es sogenannte Freie Baptistengemeinden, die keinem übergeordneten Bund angehören und lediglich lockeren Kontakt untereinander pflegen. Dazu gehören unter anderem die Reformierten Baptisten, die Bibel-Baptisten, sowie ein größere Anzahl von Baptistengemeinden mit russlanddeutschem Hintergrund.

Die Baptisten gibt es seit 1834 in Deutschland. Der Baptismus verbreitete sich in Deutschland und Kontinentaleuropa vor allem durch den aus Varel stammenden Kaufmann und späteren Baptistenprediger Johann Gerhard Oncken, der in einer methodistischen Gemeinde in England seine Bekehrung erlebt hatte.

Seit der Öffnung des Eisernen Vorhangs wanderten viele Deutsche aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland ein (Russlanddeutsche, Kasachstandeutsche, Kirgisistandeutsche). Zu einem größeren Teil waren sie Evangeliumschristen-Baptisten. Eine Integration in die bestehenden deutschen Gemeinden gelang nur in der Anfangsphase. Sie gründeten alsbald eigene Gemeinden und verschiedene übergemeindliche Zusammenschlüsse. Allerdings gibt es auch in einheimischen Baptistengemeinden Russlanddeutsche, die dort auf Dauer eine geistliche Heimat gefunden haben.

Seit der Nachkriegszeit gibt es in Deutschland auch amerikanische Baptistengemeinden, die von Helfern oder Soldaten der U.S. Army gegründet wurden. Sie sind zum Teil assoziierte Mitglieder des deutschen Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und Vollmitglieder der Europäisch-Baptistischen Föderation.

Mennoniten[Bearbeiten]

Die Mennoniten sind kongregationalistisch aufgebaut, was bedeutet, dass die einzelnen Gemeinden selbstständig wirken. Eine hierarchische Kirchenstruktur besteht nicht. Die Gemeinden sind jedoch teilweise über Zusammenschlüsse wie die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden miteinander verbunden. Aufgrund der Selbstständigkeit der einzelnen Gemeinden können von Gemeinde zu Gemeinde voneinander abweichende Auffassungen bestehen. Die Freikirche ist Mitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen.

Die Mennoniten entstanden in der Reformationszeit im 16. Jahrhundert als Teil der Täuferbewegung. Regionale Schwerpunkte der Täufer waren damals unter anderem die Schweiz, Südwestdeutschland, Ostfriesland und die Niederlande. Aus den ersten Täufergemeinden entwickelten sich neben den Mennoniten auch die Hutterer, die aufgrund der anhaltenden Verfolgung der Täuferbewegung von Tirol nach Osteuropa und später nach Nordamerika emigrierten. Auch viele Mennoniten wanderten aus. Schwerpunkte der mennonitischen Emigration waren die Ukraine und Russland sowie Nordamerika (Mennonitische Auswanderung). Von dort aus verstreuten sie sich in der ganzen Welt. Von den Schweizer und Elsässer Mennoniten haben sich im 17. Jahrhundert die Amischen abgespalten, die bis ins 20. Jahrhundert auch Gemeinden in Deutschland bildeten.[20] Die Amische leben heute ausschließlich in Nordamerika. Unter den in der Ukraine siedelnden Mennoniten bildeten sich um 1860 die Mennonitischen Brüdergemeinden.

Seit einigen Jahren kommen viele der vormals in der ehemaligen Sowjetunion lebenden Russlandmennoniten zurück nach Deutschland. Heute haben mehr als die Hälfte der in Deutschland sesshaften Mennoniten eine russlandmennonitische Herkunft. Einen gewissen regionalen Schwerpunkt bilden der west- und südwestdeutsche Raum.

Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche[Bearbeiten]

Hauptartikel: Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche

Ein Vorgänger der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) ist die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche in Preußen, die 1830 aus Protest gegen die Einführung der evangelischen Union zwischen Lutheranern und Reformierten in Preußen durch eine gemeinsame Agende entstanden ist. 1972 schlossen sich unterschiedliche lutherische Kirchen altkonfessioneller Prägung zur SELK zusammen. Gemeinden finden sich in unterschiedlicher Größe in ganz Deutschland.

Pfingstler[Bearbeiten]

Die Pfingstler sind teilweise im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden organisiert. Dieser zählt 600 Gemeinden mit 39.000 Getauften und 60.000 Zugehörigen. Die Struktur ist synodal-kongregational aufgebaut. Dieser Bund ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und in der Evangelischen Allianz. Erste Pfingstler gründeten 1906 Gemeinden in Deutschland. Der BFP ging 1982 aus der Arbeitsgemeinschaft der Christengemeinden in Deutschland (gegründet 1947) hervor. Seit 1988 sind auch die Volksmission entschiedener Christen und teilweise die Ecclesia-Gemeinden im BFP organisiert. Neben den deutschsprachigen Gemeinden besteht auch eine Vielzahl ausländischer Gemeinden in Deutschland.

Des Weiteren ist noch die Gemeinde Gottes Deutschland KdöR zu nennen, als deutscher Zweig einer der größten Pfingstgemeinden weltweit, der Church of God (Cleveland). Die Church of God zählt in 178 Ländern etwa 7 Millionen Mitglieder, in Deutschland gibt es etwa 70 Gemeinden und ca. 3.300 Mitglieder, in Österreich 27 Gemeinden und ca. 4.000 Mitglieder. Die Gemeinde Gottes unterhält mehrere Missions- und Hilfswerke, unter anderem den Samariterdienst sowie das Europäische Theologische Seminar (ETS) in Freudenstadt-Kniebis.

Siebenten-Tags-Adventisten[Bearbeiten]

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland ist Gastmitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen und Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Gegenwärtig zählt sie rund 36.000 Mitglieder[21] in etwa 600 Adventgemeinden, einige auch mit fremdsprachigen Gottesdiensten (meistens südslawische oder ghanaische Gemeinden). In Möckern-Friedensau in Sachsen-Anhalt befindet sich die Theologische Hochschule Friedensau, die seit über hundert Jahren in adventistischem Besitz ist. Die Gemeinschaft besitzt viele soziale Einrichtungen.

Die Siebenten-Tags-Adventisten gibt es in Deutschland seit 1875. Entstanden sind sie hauptsächlich durch den amerikanischen Missionar John Nevins Andrews und durch Jakob Erzberger. Erste Anhänger fanden sie unter den pietistischen Erweckten im Bergischen Land. Dort existierten mehrere sabbathaltende Gemeinschaften, wie etwa Die Getaufte Christen-Gemeinde von Heinrich Lindermann. Seit 1886 wurden von Deutschland aus Missionare in die Mennonitenkolonien und zu pietistisch-schwäbischen Gemeinschaften im Kaukasus gesandt. Deshalb gibt es in Deutschland heute 8.000 russlanddeutsche Adventisten.

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage[Bearbeiten]

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) ist nur in Hessen, Rheinland-Pfalz und Berlin als KdÖR anerkannt. Diese Gemeinschaft hat in Deutschland rund 180 Gemeinden und zwei Tempel (Friedrichsdorf in Hessen und Freiberg in Sachsen).

1842 kam der erste mormonische Missionar in die deutschen Staaten. Die Deutschen, die damals zu dieser Religionsgemeinschaft konvertierten, wurden verfolgt und teilweise inhaftiert, weshalb der überwiegende Teil der Mormonen aus Deutschland nach Utah, wo viele Mormonen siedelten, auswanderte. Eine erste Gruppe gab es 1843 in Hessen-Darmstadt, die erste Gemeinde wurde 1852 in Hamburg gegründet, 1855 folgte eine in Dresden. Im Jahre 1929 wurde in Selbongen (heute Zelwagi, Polen) das erste Gemeindehaus auf deutschem Boden erbaut.

Heute hat diese Gemeinschaft rund 38.000 Anhänger in Deutschland.

Altkatholische Kirche[Bearbeiten]

Die Altkatholische Kirche hat in Deutschland etwa 15.800 Mitglieder (Stand Ende 2013).[9] Ihr Bischofssitz und das einzige altkatholische Theologieseminar befinden sich in Bonn. Am stärksten ist die Kirche in Nordrhein-Westfalen und in Südbaden verbreitet. Sie entstand in Deutschland im Nachgang des 1. Vatikanischen Konzils im Widerstand gegen das Jurisdiktionsprimat und das Unfehlbarkeitsdogma der römisch-katholischen Kirche. Die altkatholische Kirche gehört zur sogenannten Utrechter Union, einem Zusammenschluss europäischer altkatholischer Kirchen.

Christliche Wissenschaft[Bearbeiten]

Erste Anfänge der Christlichen Wissenschaft in Deutschland gehen auf das Jahr 1897 zurück. Die ersten Gottesdienste fanden in Dresden nach der Ankunft von Frances Thurber Seal, CSB, statt. (Seal: Wundertaten der Wahrheit. engl. 1930. dt. 1960.) Die Christian Science hatte zahlreiche Anhänger am Hofe, der Zorn des Kaisers löste eine erste Verfolgungswelle aus. 1900 wurden dennoch die ersten beiden Kirchen in Dresden und Berlin gegründet. Die erste Übersetzung von Science and Health with Key to the Scriptures erscheint 1912 in deutscher Sprache. An der Übersetzung wirkt u. a. Helmuth James Graf von Moltke mit. Zu der Zeit gab es in Deutschland anerkannte Kirchen Christi, Wissenschaftler, in Berlin, Dresden, Frankfurt am Main, Hannover und Stuttgart. Im Dritten Reich wurde sie zunächst massiv eingeschränkt, ab 1941 wurde sie verboten und verfolgt. Nach dem Krieg gab es eine Kirchengründungswelle, 1951 wurde sie in der DDR erneut verboten und einen Monat vor dem Fall der Mauer wieder zugelassen.

Anglikaner[Bearbeiten]

Es existieren derzeit 15 Kirchengemeinden bzw. Missionen der Anglikaner in Deutschland, die in der Conference of Anglican and Episcopal Churches in Germany organisiert sind. Sieben Gemeinden (Berlin, Köln/Bonn, Düsseldorf, Heidelberg, Freiburg, Stuttgart und Hamburg) gehören der Church of England an und drei (München, Wiesbaden und Frankfurt) der Episcopal Church in the USA. Daneben gibt es fünf Episcopal-Missionen (in Karlsruhe, Darmstadt, Augsburg, Ingolstadt und Nürnberg). Größtenteils wurden diese Gemeinden von ihrer jeweiligen Mutterkirche im 19. Jahrhundert gegründet, um Expatriaten (ab 1945 auch in Deutschland stationierte Soldaten) zu bedienen. Die Hamburger Gemeinde entstand bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts und war anfänglich eng mit der Kaufmannsvereinigung Merchant Adventurer verknüpft. Neben der in der CAECG organisierten Gemeinden gibt es auch eine Church of England-Gemeinde in Leipzig, die aus der CAECG aufgrund des Konflikts zwischen ihrer evangelikalen Haltung und den jüngsten Entwicklungen bzgl. Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und der Bischofsweihe von Gene Robinson ausgetreten ist.

Islam[Bearbeiten]

Die DITIB-Merkez-Moschee („Zentralmoschee“) in Duisburg ist eine der größten Moscheen in Deutschland.

Hauptartikel: Islam in Deutschland
Hauptartikel: Islamische Organisationen in Deutschland

Der Islam ist nach dem Christentum die Glaubensrichtung mit den zweitmeisten Anhängern: Nach Hochrechnungen der Studie Muslimisches Leben in Deutschland[22] (2008) leben zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime in Deutschland, was etwa 5 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Rund 45 % der Muslime und damit circa 1,8 Millionen Menschen sind deutsche Staatsangehörige; 55 % verfügen über eine ausländische Nationalität.[23] Die Zahl der deutschen Konvertiten zum Islam, die in der MLD-Studie nicht berücksichtigt wird, ist unbekannt, da ein Übertritt zum Islam nur in seltenen Fällen schriftlich dokumentiert wird und kein entsprechendes Register besteht. Es wird jedoch angenommen, dass ihr Anteil im Verhältnis zu den zugewanderten Muslimen gering ist.[24]

Konfessionell teilt sich die Gruppe der Muslime folgendermaßen auf: Die größte Glaubensgruppe unter den Muslimen in Deutschland bilden die Sunniten mit 74 %. Die Aleviten haben einen Anteil von 13 Prozent und formen damit die zweitgrößte konfessionelle Gruppe, gefolgt von den Schiiten mit etwa 7 %. Weiterhin gehören kleine Gruppen den Ahmadiyya, den Sufi, den Ibaditen und anderen, nicht präzisierten Glaubensrichtungen an.

Im Hinblick auf die räumliche Herkunft handelt es sich bei den Muslimen in Deutschland um eine sehr heterogene Bevölkerung: Etwa zwei Drittel (2,5 bis 2,7 Millionen) haben türkische Wurzeln, zwischen 496.000 und 606.000 Personen stammen aus den südosteuropäischen Ländern Bosnien-Herzegowina, Bulgarien und Albanien. Im Mittel kommen, der MLD-Studie zufolge, 331.000 aus dem Nahen Osten und 280.000 aus Nordafrika.[25] Die verbleibendenden ausländischen Muslime stammen aus Ländern Süd- und Zentralasiens, des restlichen Afrikas oder aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DİTİB) erzielt den höchsten Vertretungsgrad unter den islamischen Organisationen Deutschlands. Während sie selbst angibt, über 70 % der in Deutschland lebenden Muslime zu vertreten,[26] fühlten sich nach der MLD-Hochrechnung lediglich 16 % von ihr repräsentiert. Unter Muslimen mit türkischem Migrationshintergrund lag der Wert bei 23 %. Berücksichtigt man die eigentliche Zielgruppe, erreicht die Alevitische Gemeinde (AABF) einen vergleichsweise hohen Vertretungsgrad.

Die älteste noch heute bestehende deutsche Moschee, die Wilmersdorfer Moschee, wurde im Auftrag der Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft 1924 in Berlin errichtet. Die Fazle-Omar-Moschee in Hamburg-Stellingen ist die erste nach dem Zweiten Weltkrieg gebaute Moschee Deutschlands.

Judentum[Bearbeiten]

Hauptartikel: Juden in Deutschland

Die dem Zentralrat der Juden angeschlossenen Gemeinden und Landesverbände zählen gegenwärtig ca. 105.000 Mitglieder. Jedoch wird die Zahl nichtpraktizierender Juden auf ca. 100.000 geschätzt, so dass in Deutschland heute ca. 200.000 Juden, meistens osteuropäischer Herkunft, leben.

Die beiden größten jüdischen Institutionen sind der Zentralrat der Juden und die Union progressiver Juden. Schon im 1. Jahrhundert n. Chr. gab es am linken Rheinufer erste Jüdische Gemeinden. Damit ist das Judentum die älteste heute noch bestehende Glaubensgemeinschaft in Deutschland. Sie waren die Vorfahren der Aschkenasim. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten kam es sehr selten zu Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung. Unter Karl dem Großen waren sie sogar gleichwertige Bürger. Diese friedliche Zeit endete jedoch mit den Kreuzzügen. Im Laufe des 13. Jahrhunderts nahmen Ausschreitungen gegen Juden, auch wegen der aufkommenden Pest, für die die Juden teilweise verantwortlich gemacht wurden, zu. Immer häufiger kam es zu Pogromen, sodass sich viele Juden entschlossen nach Polen auszuwandern. Gleichwohl wurden in den folgenden Jahrhunderten nicht alle Juden vertrieben, viele zogen auch von Osteuropa nach Deutschland zurück. Ende des 18. Jahrhunderts entstand die Aufklärungs- und Reformbewegung im deutschen Judentum (Haskala). Der wohl bekannteste Vertreter war Moses Mendelssohn. Diese Bewegung forderte die Judenemanzipation und die vollständige Assimilation in der Gesellschaft. Eine vollständige rechtliche Gleichstellung der Juden in Deutschland erfolgte allerdings erst 1871. Zwischen dieser Zeit und 1933 waren Juden in Deutschland relativ gut integriert. Seit 1933, vor allem ab 1938, wurden die Juden wieder verfolgt. Allein in der ersten Phase nach der Reichspogromnacht wurden 1.400 jüdische Gemeinden geschlossen, ca. 400 Juden öffentlich ermordet und 30.000 Männer in ein KZ verschleppt. Die Gesamtzahl der ermordeten Juden Europas während des Holocausts beträgt etwa 6.000.000 Menschen.

Nach 1945 wurden in vielen Großstädten wieder erste Gemeinden gegründet. Viele Juden, die eigentlich über eine Auswanderung nachdachten, aber auch Rückkehrer aus dem Exil (ein Beispiel: Paul Spiegel), blieben dauerhaft in Deutschland. In vielen deutschen Städten wurden neue Synagogen erbaut. Seit der Wende 1989 kamen viele osteuropäische Juden (hauptsächlich aus der Ukraine, Russland, Moldawien und Usbekistan) als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland und stärkten die jüdischen Gemeinden. Die größte Gemeinde befindet sich z. Z. in Berlin und hat etwa 11.000 Mitglieder.[27]

Bahaitum[Bearbeiten]

Europäischer Bahai-Tempel in Langenhain

Das Bahaitum gibt es in Deutschland seit 1905 [28] , als sich der deutschamerikanische Zahnarzt und Bahai, Edwin Fischer, in Stuttgart niederließ und sich eine kleine Bahai-Gruppe um ihn bildete.[29] Einen substanziellen Wachstumsschub erfuhr die sehr junge Gemeinde im Jahre 1913 durch den Besuch Abdul-Bahas, der auf seiner Europa-Reise auch Stuttgart, Esslingen und Bad-Mergentheim besuchte. Er rief die Menschen in öffentlichen Ansprachen am Vorabend des Krieges zum Frieden auf und warnte sie vor einem Weltkrieg.[30] Im Kurpark von Bad Mergentheim wurde 1916 eine Gedenktafel zum Andenken an diesen Besuch errichtet, die es heute noch gibt.[31]

Im Jahre 1923 konnte ein Nationaler Geistiger Rat gebildet werden[32]. Somit zählt die deutsche Bahai-Gemeinde weltweit zu den ältesten nationalen Bahai-Gemeinden überhaupt. Wegen ihrer „internationalen Ausrichtung [und] Ablehnung der Rassenideologie des Nationalsozialismus aufgrund der eigenen Lehre von der Einheit der Menschheit“[33] wurde die Bahai-Religion von Heinrich Himmler 1937 verboten. Einige Bahai jüdischer Herkunft kamen in Konzentrationslager.[34]

1946 wurde der erste Nationale Geistige Rat gewählt und [35] 1964 das Hauses der Andacht für den europäischen Kontinent errichtet, das in den siebziger Jahren durch ein Verwaltungs- und Besucherzentrum erweitert werden konnte. Weitere nach außen sichtbare Meilensteine waren der sogenannte Bahai-Beschluss, die Anerkennung des Bahaitums als Religion und der Bahai-Gemeinde als Religionsgemeinschaft durch das Bundesverfassungsgericht und die Feier zum hundertjährigen Hinscheiden Baha'u'llahs in der Frankfurter Paulskirche. Auf der der EXPO 2000, stellte die Bahai-Gemeinde internationale Projekte zur nachhaltigen Entwicklung vor. 2013 wurde der Bahai-Gemeinde durch das Land Hessen der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen.

Die Bahai engagieren sich auf überregionaler und nachbarschaftlicher Ebene gemeinsam mit Mitgliedern anderer Religionen und Weltanschauungen. Fokus dieser als „Bahai-inspiriert“ bezeichneten Initiativen ist u.a. die Förderung von Jugendlichen und Frauen. Besonders bekannte überregionale Beispiele sind das prämierte People’s Theater oder das Bahai Frauenforum.[36] Ein weiteres Feld ist der interreligiöse Dialog.

Entwicklung der Religionszugehörigkeiten[Bearbeiten]

Während vor 1950 noch fast alle Deutschen Mitglied einer Religionsgemeinschaft waren, nahm seitdem der Anteil konfessionsloser Menschen zu und beträgt heute ungefähr ein Drittel der Bevölkerung. Die Austritte konzentrierten sich hierbei vor allem auf die beiden großen christlichen Konfessionen. Gründe für den Austritt waren und sind beispielsweise die persönliche Nicht-Identifikation mit den Werten und Regeln der entsprechenden Religionsgemeinschaft, eine Abkehr vom Glauben oder der nicht vorhandene Wille, die Pflichten, die eine Kirchenmitgliedschaft mit sich bringt, wie etwa die Zahlung der Kirchensteuer, zu erfüllen. Zudem existiert das Phänomen der Taufscheinchristen.

In der DDR wurden Mitglieder von Religionsgemeinschaften oftmals beruflich oder gesellschaftlich benachteiligt, weshalb dort sehr viele Menschen aus den Kirchen austraten. Die Religionszugehörigkeit der Menschen in Deutschland hat sich seit 1950 folgendermaßen entwickelt (bis einschl. 1987 nur altes Bundesgebiet):

Entwicklung der Religionszugehörigkeit in Deutschland
Entwicklung der Religionszugehörigkeiten
von 1950 bis 2011
in % der Gesamtbevölkerung
Konfession
Jahr evangelisch katholisch ohne Konfession muslimisch1 andere
1950 (nur Westdeutschland) 50,6 45,8 ** ** 3,6
1961 (nur Westdeutschland) 51,1 45,5 ** ** 3,5
1970 (nur Westdeutschland) 49,0 44,6 3,9 1,3 1,2
1987 (nur Westdeutschland) 41,6 42,9 11,4 2,7 1,2
1990 36,9 35,4 22,4 3,7 1,6
2003 31,3 31,3 31,8 3,9 1,7
2004 31,0 31,1 32,3 3,9 1,7
2005 30,8 31,0 32,5 3,9 1,8
2008 29,9 30,0 34,1 3,9 1,8
2011 28,9 29[1]-29,9 32-37 2-5 3-4
Quelle: fowid,[1] EKD[3] ** = nicht separat aufgelistet
1 Die Zugehörigkeit zum Islam wird in Deutschland nicht standesamtlich erfasst. Man kann deshalb den Anteil der Muslime in Deutschland nicht exakt angeben. In der obigen Darstellung wird angenommen, dass alle Menschen, welche aus dem islamischen Kulturraum zugewandert sind, Muslime sind, dies ist aber mit Sicherheit auszuschließen. Die als Quelle zitierte Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland geht davon aus, dass maximal 50 % der hier als Muslime geführten Bevölkerungsgruppe tatsächlich als religiöse Muslime einzuordnen seien; der größere Teil sei eher der Gruppe der Konfessionslosen zuzurechnen.[1]

Christliche interkonfessionelle Zusammenschlüsse und Arbeitsgemeinschaften[Bearbeiten]

Viele der genannten Kirchen haben sich sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene unter Wahrung ihrer Autonomie zusammen gefunden. Zu den bedeutenden Zusammenschlüssen und Arbeitsgemeinschaften gehören:

Interreligiöser Dialog[Bearbeiten]

siehe Hauptartikel Interreligiöser Dialog

Im Interreligiösen Dialog engagiert sich eine immer größere Zahl von Angehörigen der verschiedenen Religionen. Er wird einerseits von offiziellen Vertreten der Religionen geführt, aber auch von speziellen Dialogorganisationen gepflegt. Beispielhaft seien hier genannt:

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Entwicklung der Religionszugehörigkeiten fowid (PDF; 78 kB)
  2. Statistik der EKD (PDF)
  3. a b c d e Kirchenmitgliederzahlen am 31. Dezember 2011, abgerufen am 20. Dezember 2012.
  4. a b REMID
  5. [http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2014/2014-120a-Eckdaten-kirchliches-Leben-2013.pdf Katholische Kirche in Deutschland - Statistische Daten.] Deutsche Bischofskonferenz, S. 1, abgerufen am 18. Juli 2014 (pdf-Datei; 369 kB).
  6. EKD-Statistik - 20 Landeskirchen. Evangelische Kirche in Deutschland, S. 1, abgerufen am 18. Juli 2014.
  7. "Leben Berliner mit Migrationshintergrund segregiert?" in "Zeitschrift für amtliche Statistik Berlin-Brandenburg" des Amts für Statistilk Berlin-Brandenburg, Heft 3/2011, S. 54, hier Seite 58; einsehbar unter [1]
  8. Zentralredaktion: 34.982 Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. In: „Adventistischer Pressedienst“. 28. Februar 2013, abgerufen am 17. März 2013: „34.982 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten gab es am 31. Dezember 2012 in Deutschland. Das sind 117 weniger als im Jahr zuvor. 713 Taufen und Aufnahmen in die Freikirche standen im letzten Jahr 568 Todesfälle, 251 Austritte und Ausschlüsse sowie elf Abwanderungen ins Ausland gegenüber. Die Zahl der örtlichen Adventgemeinden verringerte sich um eine auf 563.“
  9. a b Leichtes Wachstum. Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, 1. April 2014, abgerufen am 4. April 2014: „Auch im vergangenen Jahr ist die Mitgliederzahl der Alt-Katholischen Kirche in Deutschland leicht gestiegen. Sie betrug zum Jahresende 15.840 (im Vorjahr 15.594). 279 Menschen sind der Kirche beigetreten und 108 ausgetreten (im Vorjahr 291 bzw. 79).“
  10. http://www.dks-folkekirken.dk/om-dks/kort-kirkehistorie/
  11. Offizieller Jahresbericht der Bahá'í-Gemeinde in Deutschland K.d.ö.R.
  12. Jahresbericht 2012 der Heilsarmee, Mitgliederzahlen Deutschland auf Seite 6 rechts
  13. Tabelle: Bevölkerung und Katholiken nach Bundesländern 2011
  14. Katholische Kirche in Deutschland − Zahlen und Fakten 2012/13, Arbeitshilfe der DBK 263
  15. Eintritte... sowie Austritte aus der katholischen Kirche PDF
  16. [2] (PDF; 1,6 MB),abgerufen am 30. November 2011.
  17. EKD Deutschland (PDF; 628 kB)
  18. Tabelle 1.3 Bevölkerung und Kirchenzugehörigkeit nach Bundesländern, abgerufen am 13. Februar 2010.
  19. Orthodoxe Kirche in Deutschland, Deutsches orthodoxes Dreifaltigkeitskloster in Bodenwerder - Buchhagen
  20.  Hermann Hage: Amische Mennoniten in Bayern. Regensburg 2009, ISBN 978-3-939112-45-7.
  21. Siebenten-Taqs-Adventisten - Zahlen und Fakten
  22. [3], hier vor allem Seite 57ff
  23. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Muslimisches Leben in Deutschland, Juni 2009, S. 11.
  24. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Muslimisches Leben in Deutschland, Juni 2009, S. 58.
  25. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Muslimisches Leben in Deutschland, Juni 2009, S. 12f.
  26. ditib.de: Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V., abgerufen am 22. Juli 2011.
  27. Jüdische Gemeinde zu Berlin
  28. Für eine Selbst-Darstellung der Geschichte der Bahai siehe www.bahai.de. Eine wissenschaftliche Fremddarstellung ist Manfred Hutter Handbuch Bahá’í, Seite 68ff, eine Arbeit um die man „nicht … herumkommt, wenn man sich mit der Bahá’í-Religion beschäftigt (siehe die Rezension von D. Schuster in: Zeitschrift für junge Religionswissenschaft, Vol. vi (2011)).
  29. Für eine wissenschaftliche Darstellung der Bahá’í-Geschichte bis 1945 mit Fokus auf die Gemeinden in Stuttgart und Esslingen siehe Towfigh: Die ersten Früchte des Jahres sind die köstlichsten – Die Anfänge des Bahá’í-Glaubens in Stuttgart in: Schriftenreihe der Gesellschaft für Baháí-Studien, Band 10, 31 ff.
  30. Vgl. dazu das Tagebuch von Alice Schwarz: Zeiten, die mein Herz berührten.
  31. Die Nazis bauten den Gedenkstein 1937 im Zuge des Verbots des Bahai-Glaubens ab, die Stadtverwaltung stellte ihn 2007 wieder auf.
  32. Zunächst für Deutschland und Österreich, dann ab 1959 nur noch für Deutschland
  33. Hutter: a.a.O., S. 70. Für eine Darstellung aus Sicht der Zeitzeugen siehe Pfaff-Grossmann: Hand der Sache Gottes Hermann Grossmann, Seite 60-75, das sich auf ein Manuskript von Herrmann Grossmann stützt.
  34. S. Pfaff-Grossmann: a.a.O., weitere Literaturangaben finden sich in Hutter, S. 70. Für eine Darstellung der Situation in Europa, dem Klima der Entstehung der Judenpogrome aus Sicht einer jüdischstämmigen Bahá’í, die in Deutschland aufgewachsen war, siehe Renée Szanto-Felbermann, Rebirth. Sie war selbst Verfolgungen ausgesetzt und beschreibt eindrucksvoll die Geschichte der Flucht eines Bahai aus Auschwitz.
  35. In der Deutschen Demokratischen Republik wurde die Bahai-Religion ab 1948 verboten. Das Verbot bliebt bis Frühjahr 1990, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer bestehen.
  36. Bahai-Internetauftritt

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]