Glaubensgemeinschaft

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Eine Glaubensgemeinschaft ist eine Organisation, die die gemeinschaftliche Ausübung einer Religion bezweckt. Die Mitgliedschaft in einer Glaubensgemeinschaft wird als Religionszugehörigkeit bezeichnet.

Christentum[Bearbeiten]

Die erste christliche Gemeinde entstand in Jerusalem kurz nach Jesu Auferstehung. Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstanden weitere Gemeinden durch die Apostel und Anhänger Jesu Christi. Besondere Erwähnung findet die Gemeinde in Antiochien. Schon im Laufe des 1. Jahrhunderts sind Gemeinden in Rom, Ephesus und anderen Orten in Kleinasien, Phrygien, Bithynien und am Schwarzen Meer belegt, auch in ländlichen Gebieten und außerhalb des römischen Reiches in Ostsyrien.

Die meisten christlichen Glaubensgemeinschaften werden als Kirche bezeichnet. Kirchen, denen große Teile der Bevölkerung eines Landes angehören, werden auch Volkskirchen genannt; daneben gibt es Freikirchen. Die größte christliche Glaubensgemeinschaft ist die römisch-katholische Kirche. Sie war in vielen Ländern bzw. Staaten Staatskirche oder hatte einen ähnlichen Status. Die am schnellsten wachsende Gemeinde der letzten 100 Jahre ist die Pfingstbewegung.

Sekte/Neureligiöse Bewegung[Bearbeiten]

Manche Glaubensgemeinschaften werden, egal ob christlich oder nicht, herkömmlich meist als Sekte bezeichnet. Die Verwendung des Begriffs wird von den Angehörigen dieser Gemeinschaften häufig als pejorativ empfunden. Auch wird das Fehlen von sachgerechten Abgrenzungskriterien bemängelt. In jüngerer Zeit hat sich daher als Alternativbezeichnung der Begriff der neureligiösen Bewegung etabliert, wobei dieser unscharf auch für Strömungen verwendet wird, die keine Glaubensgemeinschaften sind.

Finanzierung[Bearbeiten]

Glaubensgemeinschaften können sich auf unterschiedliche Weise finanzieren. Neben freiwilligen Spenden oder Steuern der Mitglieder gibt in manchen Ländern das Modell der Kirchensteuer (in Deutschland und Österreich) oder das der Mandatssteuer (z. B. in Spanien).

Hauptartikel: Kirchenfinanzierung

Spannungsverhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften[Bearbeiten]

Axel Freiherr von Campenhausen, ein emeritierter deutscher Hochschullehrer und Kirchenrechtler, veröffentlichte 2008 einen grundlegenden Aufsatz. Er schrieb darin unter anderem:

„Das Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften ist zu allen Zeiten und in allen Ländern immer auch ein Rechtsproblem. Der Staat ist Herr der weltlichen Rechtsordnung und versteht sich als Hüter des Friedens. Er nimmt seine Einwohner als Bürger in Anspruch. An dieselben Menschen richten sich religiöse Botschaften, die auch das Handeln der Menschen in der Welt betreffen. Staat und Religionsgemeinschaften stehen deshalb immer in einem Verhältnis der Auseinandersetzung, Abgrenzung und Spannung. Das Verhältnis von Staat und Kirche (oder Religionsgemeinschaften) im Sinne eines geordneten Gegenübers von weltlichem Gemeinwesen und rechtlich selbständigen Religionsverbänden ist eine Besonderheit der christlich-abendländischen Welt, denn gerade das Christentum hat diese Unterscheidung hervorgebracht.[1]

Dieses Spannungsfeld ist im Staatskirchenrecht (oder: Religionsverfassungsrecht) geregelt. Dieses ist der Teil des staatlichen Verfassungsrechts, der die Beziehungen des Staates zu den Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften regelt.

Hauptartikel: Staat und Kirche

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Religionsgemeinschaft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aufsatz in Humboldt Forum Recht (2008): Staat und Religion nach dem Grundgesetz (pdf, 5 Seiten)