Rems

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Fluss Rems in Baden-Württemberg, zum gleichnamigen Ort in Niederösterreich siehe Rems (Gemeinde St. Valentin).
Rems
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Die Rems kurz vor ihrer Mündung in den Neckar bei Remseck

Die Rems kurz vor ihrer Mündung in den Neckar bei Remseck

Daten
Gewässerkennzahl DE: 23836
Lage Deutschland, Baden-Württemberg
Flusssystem Rhein
Abfluss über Neckar → Rhein → Nordsee
Quelle bei Essingen
48° 47′ 33″ N, 9° 59′ 41″ O48.79259.9947222222222551.4
Quellhöhe 551,4 m ü. NN[1]
Mündung Neckar bei Neckarrems48.8736111111119.2747222222222203.2Koordinaten: 48° 52′ 25″ N, 9° 16′ 29″ O
48° 52′ 25″ N, 9° 16′ 29″ O48.8736111111119.2747222222222203.2
Mündungshöhe 203,2 m ü. NN[2]
Höhenunterschied 348,2 m
Länge 78,4 km[3]
Einzugsgebiet 586,4 km²[4]
Abfluss am Pegel Neustadt[5]
AEo: 567 km²
Lage: 9 km oberhalb der Mündung
NNQ (08.08.1948)
MNQ 1923/2009
MQ 1923/2009
Mq 1923/2009
MHQ 1923/2009
HHQ (03.03.1956)
137 l/s
1,55 m³/s
6,63 m³/s
11,7 l/s km²
115 m³/s
265 m³/s
Abfluss[6] an der Mündung
AEo: 586,4 km²
MQ
Mq
7,01 m³/s
12 l/s km²
Rechte Nebenflüsse Wieslauf
Mittelstädte Schwäbisch Gmünd, Schorndorf, Waiblingen
Lage der Rems

Lage der Rems

Die Rems [ʁɛms] ist ein Fluss in Baden-Württemberg. Sie entspringt auf 551 m ü. NN nahe der Gemeinde Essingen bei Aalen im Ostalbkreis am Fuße der Schwäbischen Alb und mündet nach etwa 78 km bei Neckarrems im Landkreis Ludwigsburg auf 203 m ü. NN von rechts in den Neckar.

Geographie[Bearbeiten]

Remsursprung[Bearbeiten]

Der Remsursprung

Der Remsursprung oder die Remsquelle liegt etwa 3 km südwestlich von Essingen auf 551,4 m ü. NN[7] neben der L 1165 südlich des Bergwalds Hart. Es handelt sich um eine als Naturdenkmal ausgewiesene Karstquelle. Die Rems entspringt einer kleinen Öffnung im Berghang. Direkt an der Quelle beginnt der Remswanderweg.

Verlauf[Bearbeiten]

Von ihrem Ursprung bei Essingen ab fließt die Rems ein kurzes Stück nach Norden und nimmt dann die Richtung nach Westen. Sie bildet ein breites Tal und wird darin begleitet von der Bundesstraße 29 und der Remsbahn, wodurch das Remstal eine wichtige Verkehrsachse von Ostwürttemberg und den angrenzenden Gebieten Bayerns zum Ballungsraum Stuttgart ist. Nach den Gemeinden Essingen, Mögglingen und Böbingen wird die Besiedlung dichter, auch Gewerbe- und Industrieanlagen werden zahlreicher. Die Rems erreicht nun die Große Kreisstadt Schwäbisch Gmünd. Nach Lorch wechselt sie vom Ostalbkreis in den Rems-Murr-Kreis über. Hinter Plüderhausen und Urbach gelangt sie zur Großen Kreisstadt Schorndorf, wo von rechts der einzige bedeutende Nebenfluss einmündet, die von Norden aus dem Welzheimer Wald kommende Wieslauf. Ab hier findet man an den Talhängen Weinberge; das Remstal ist eines der größten Weinbaugebiete Württembergs. Am Fluss liegen Winterbach, Remshalden und die aus verschiedenen Ortschaften gebildete Stadt Weinstadt, Sitz der Remstalkellerei, der größten Weingärtnergenossenschaft im Remstal. Neben Weinbergen findet man auch viele Obstanbauflächen, vor allem Kirschen und Äpfel werden kultiviert.

Schließlich erreicht die Rems Waiblingen, den Verwaltungssitz des Rems-Murr-Kreises. Ab hier ändern sich Verlauf wie Gestalt des Remstales stark. Während Bundesstraße und Remsbahn weiter geradeaus nach Westen in Richtung Stuttgart führen, biegt die Rems nach Nordwesten ab. Aus der weichen Keuperstufe tritt sie in das härtere Muschelkalkgebiet ein, das Tal wird enger. Unterhalb von Waiblingen-Neustadt fließt sie am Stammhaus der Motorsägenfabrik Stihl vorbei und wird von dem 239 m langen und etwa 45 m hohen Viadukt der Bahnstrecke Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental überquert. Dann tritt sie mit mächtigen Mäandern in das Naturschutzgebiet Unteres Remstal ein. Die Prallhänge sind heute meist bewaldet; zum Teil sind aber Mauerreste ehemaliger Weinberge erkennbar. Die flacheren Gleithänge werden noch landwirtschaftlich genutzt. Kurz nach dem Übertritt in den Landkreis Ludwigsburg mündet die Rems bei Neckarrems in den Neckar.

Zuflüsse[Bearbeiten]

Quelle der Rems etwa 3 km südwestlich von Essingen.

  • Alte Rems, von rechts am Essinger Zollhaus, 3,7 km und 2,9 km².
  • Ammersbach, von rechts in Mögglingen, 3,4 km und 6,6 km².
  • Lauter, von links beim Mögglinger Bahnhof, 5,1 km und 10,3 km².
  • Sulzbach, von links gegenüber dem Barnberg, 1,1 km.
  • Klotzbach oder auch Oberer Mühlbach, von links unterhalb der Remsbrücke der Klotzbachstraße in Böbingen, 8,8 km und 9,0 km².
  • Krümmlingsbach oder Büchelesbach, von links bei Schwäbisch Gmünd-Zimmern, 5,3 km und 7,2 km².
  • Sulzbach aus dem Schießtal, von rechts im zentralen Schwäbisch Gmünd, 5,3 km und 12,5 km².
  • Josephsbach, von links am Rand der Gmünder Altstadt, 13,2 km und 48,5 km².
  • Rotenbach, von rechts 4,0 km und 4,4 km².
  • Tiefenbach aus dem Hölltal, von links, 4,3 km und 6,3 km².
  • Tannbach oder (nach rechtem Oberlauf) auch Lichtbach, von links gegenüber einem Hof des Stadtteils Großdeinbach von Gmünd, 4,6 km und 7,6 km².
  • Beutenbach, von links im Reichenfeld gegenüber dem Lorcher Haldenhof, 6,3 km und 9,8 km².
  • Schweizerbach, von rechts bei Lorch, 10,8 km und 28,4 km².
  • Götzenbach, von rechts in Lorch, 4,9 km.
  • Aimersbach, von rechts am Friedhof vorbei kurz nach dem vorigen, 5,2 km.
  • Walkersbach, von rechts nach den Lorcher Baggerseen auf 273,2 m ü. NN, 8,4 km und 17,1 km².
  • Schlierbach, von rechts bei Plüderhausen (Rems-Murr-Kreis), 2,7 km.
  • Eichenbach[8], von links bei Plüderhausen, 2,9 km.
  • Bärenbach, von rechts gegenüber zwei kleinen Baggerseen auf 255,4 m ü. NN, 8,0 km und 16,2 km².
  • Urbach, von rechts in Urbach an der Brücke der Remsbahn, 8,6 km und 11.0 km².
  • Wieslauf, von rechts bei Schorndorf auf 248,2 m ü. NN, 23,7 km und 77,2 km².
  • Eichenbach, von links gegenüber den Sportplätzen zwischen Rems und der Wieslauf-Altlache, 4,8 km.
  • Schornbach, von rechts in Schorndorf, 6,6 km und 11,1 km².
  • Ramsbach, von rechts bei Schorndorf, 2,9 km.
  • Brunnbach, im Unterlauf Weilerbach, von links bei Winterbach, 3,9 km.
  • Lehnenbach, von links in Winterbach, 4,9 km und 7,1 km².
  • Krebsbach, von rechts in Winterbach, 2,4 km.
  • Mönchsklingenbach[9], von links nach der Kläranlage, 2,8 km.
  • Lochbach aus dem Lochshau, von links durch Remshalden-Geradstetten an der Rappschen Mühle, 1,7 km.
  • Zehntbach, von rechts 200 m vor der östlichen Siedlungsgrenze Grunbachs, 2,6 km.
  • Grunbach, von rechts kanalisiert unter der Mühlstraße in Grunbach, 2,8 km und 1,8 km².
  • Gundelsbach, von rechts an der Weinstadt-Grunbacher Auffahrt auf die B 29, 3,7 km.
  • Heppach, von rechts unterhalb des Großheppacher Gehwegstegs neben der B 29, 2,8 km und 7,6 km². Verläuft bald nach Dorfeintritt in unterirdischem Kanal.
  • Schweizerbach, oberhalb auch Beutelsbach, von links zwischen Beutelsbach und Endersbach an dessen Auffahrt zur B 29, 11,6 km und 35,6 km².
  • Haldenbach, von links nahe dem Sackende der Birkelstraße in Endersbach, 11,1 km und 26,0 km².
  • Beibach, von links gegenüber dem Waiblinger Stadtteil Beinstein, 5,6 km.
  • Schüttelgraben, von links auf dem Gebiet der Stadt Waiblingen, 5,0 km und 13,8 km².
  • Kätzenbach, von rechts vor der Stadtmitte von Waiblingen, 2,1 km.
  • Sörenbach, von rechts wenige Schritte danach in unterirdischer Trasse, 2,7 km.
  • Erbach, von rechts durch die Fuchsklinge, 3,8 km und 4,3 km².

Mündung der Rems von rechts in den Neckar auf 203,2 m ü. NN nach 78,4 km Lauf im Remsecker Stadtteil Neckarrems und gegenüber dem Stadtteil Neckargröningen.

Städte und Gemeinden an der Rems[Bearbeiten]

Die Rems durchläuft nacheinander die folgenden Landkreise und Kommunen:

Nutzungsgeschichte[Bearbeiten]

Das Wasser der Rems trieb ab dem Mittelalter vor allem Wassermühlen an. Die dazu errichteten Mühlwehre verhinderten lange Zeit die Flößerei. Zwar forderte bereits die württembergische Müllerordnung aus dem Jahr 1627 die Floßbarmachung der Rems, aber erst ab 1715 nach dem Bau von Stadt und Residenz Ludwigsburg beseitigte man, um das dort gebrauchte Holz heranzuschaffen, die hinderlichen Wehre oder umging sie mit Floßgassen. Ab dem Jahr 1723 flößte man auf dem Fluss viel Scheiterholz aus dem Schorndorfer Forst. 1747 erhielt der Unternehmer Braxmayer, der zahlreiche Floßgassen erbaut hatte, für zehn Jahre den Floßakkord auf der Rems. Um noch mehr Holz so über den Fluss zu transportieren, legte man in der Mitte des 18. Jahrhunderts an vier Zuflüssen Floßseen an, die im Winter angestaut, zur Floßzeit abgelassen und im Sommer beweidet wurden. Der See am Unterlauf des Schweizerbachs bei Lorch diente der Flößerei am Oberlauf der Rems oberhalb Lorchs, die jedoch 1826 wegen Wassermangels aufgegeben wurde. Der um 1744 angestaute Ebnisee war der bedeutendste der Rems-Floßseen.

Der erste Holzgarten an der Rems war in Neckarrems; 1834 wurde in Waiblingen ein zweiter angelegt, dessen Warenumschlag bald den des Neckarremser übertraf. In der Mitte des 19. Jahrhunderts machte der Ausbau der Abfuhrstraßen die Flößerei auf der Rems unrentabel, so dass man bereits bei landständischen Verhandlungen von 1849 und beim Landtag von 1850 darüber diskutierte, die Rems-Flößerei ganz einzustellen. Dies geschah dann nach Eröffnung der Remsbahn im Jahr 1862.[10]

Hochwasserschutz[Bearbeiten]

Sperrbauwerk bei Lorch

Der Wasserstand erreichte bei Schorndorf am 21. März 2002 mit 512 Zentimetern und am 13. Januar 2011 mit 522 Zentimetern historische Höchststände; der statistisch 100-jährige Wasserstand liegt bei 521 Zentimetern.[11][12] Die Überschwemmungen des Hochwassers von 2002 richteten zwischen Remshalden und Waiblingen Schäden in Höhe von 40 Millionen Euro an.[13]

Der Wasserverband Rems hat ein Konzept zum Hochwasserschutz entwickelt, das vor allem den Bau von Hochwasserrückhaltebecken vorsieht. In den Jahren 2002 bis 2008 wurden die Rückhaltebecken Schorndorf-Winterbach, Reichenhof/Schwäbisch Gmünd und Lorch-Waldhausen gebaut, ein weiteres ist zwischen Plüderhausen und Urbach geplant.

Das Hochwasser von 2011 führte zu keinen Überschwemmungen im Remstal. Seine Hauptursache war der Zulauf aus der Wieslauf, die am Mittellauf in Schorndorf mündet. In dessen Verlauf wurde das Rückhaltebecken Schorndorf-Winterbach nahezu vollständig geflutet, das oberhalb liegende Rückhaltebecken Lorch-Waldhausen aber nur stundenweise.[12]

Kritiker des Hochwasserkonzeptes – darunter der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland – bemängeln, dass vor allem Flächenversiegelung die Hochwasser vermehre und verschlimmere, und dass dieser nicht gewehrt werde. Nach Schätzungen des Landes aus dem Jahr 2006 wird die Siedlungsfläche im Remstal bis 2014 um weitere 14 % zunehmen.[14]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auf der TK25 in Schwarz eingetragene Höhenangabe.
  2. Auf der TK25 in Blau eingetragene Höhenangabe.
  3. Flussgewässerkarte LUBW-FG10, siehe bei den Weblinks.
  4. Nach LUBW-BRSWEB, Rubrik Wasser → Einzugsgebiete → Aggregierte Gebiete 04.
  5. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Rheingebiet, Teil I 2009. Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Würtemberg, 2011, S. 118, abgerufen am 26. Januar 2013 (PDF, deutsch, 1,85 MB).
  6. Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Ausbaupotenzial der Wasserkraft bis 1.000 KW im Einzugsgebiet des Neckars unter Berücksichtigung ökologischer Bewirtschaftungsziele, 2011, S. 9, abgerufen am 29. Juni 2013 (pdf, deutsch, 1,87 MB).
  7. Informationstafel am Remsursprung.
  8. Zuweilen auch Aichenbach, fließt am Aichenbachhof vorbei. TK25 wie LUBW-FG10 beschriften einheitlich mit Eichenbach.
  9. Beschriftung auf TK25 vor der Siedlungsgrenze, auf LUBW-FG10 Bücklensweilerbach, vielleicht nach dem Bücklensweilerweg in der gleich anschließenden Besiedlung, neben der er läuft. Noch vor der Siedlungsgrenze hat der Geodatenviewer ein Gewann Buckenweiler.
  10. Verwaltungsbericht der Königl. Ministerialabteilung für den Strassen- und Wasserbau für die Rechnungsjahre 1905 und 1906, II. Abteilung, Wasserwesen, Stuttgart 1908, S. 111–114.
  11. Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg: Pegelstammdaten
  12. a b Nach der Flut folgt das Aufräumen, Gmünder Tagespost vom 15. Januar 2011.
  13. Hochwasser: Neue Dämme retten das Remstal, Stuttgarter Zeitung, abgerufen am 17. Januar 2011.
  14. Gmünder Tagespost vom 7. April 2006.

Literatur[Bearbeiten]

  • „TK25“: Topographische Karte 1:25.000 Baden-Württemberg Nord, im Einzelblattschnitt die Karten Nr. 7121 Stuttgart Nord, 7122 Winnenden, 7123 Schorndorf, 7124 Schwäbisch Gmünd Nord, 7125 Mögglingen, 7126 Aalen, 7223 Göppingen, 7224 Schwäbisch Gmünd Süd, 7225 Heubach, 7227 Oberkochen (für Tal und Einzugsgebiet noch weitere)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rems – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien