René Guyon

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René Guyon (Pichan Bulayong, Thai: พิชาญ บุลยง; * 27. Mai 1876 in Sedan; † 1963 in Bangkok) war ein französisch-thailändischer Rechtsphilosoph und Rechtsanwalt.

Leben[Bearbeiten]

René Guyon stammte aus dem nordfranzösischen Sedan, an der Grenze zu Belgien. Er promovierte an der Universität von Paris in Rechtswissenschaften und arbeitete als Rechtsanwalt und Richter. 1908 holte ihn König Rama V. (Chulalongkorn) nach Siam mit der Aufgabe, einen modernen Gesetzescodex zu verfassen, der das Land auf dem Gebiet des Rechtswesens in die Moderne führen sollte. 1919 veröffentlichte er dazu den Bericht "Die Abfassung von Gesetzen in Siam".

Guyon reiste in Europa, Nordafrika, Sibirien, China, Indochina, Malaya und Indonesien. Er war ein eifriger Kritiker sowohl des Völkerbunds sowie der Vereinten Nationen, die er in der Hand von Interessengruppen sah, die nicht die Menschenrechte und die Freiheitsrechte der Französischen Revolution im Sinne hatten oder haben.

Werk[Bearbeiten]

Als Rechtswissenschaftler ist Guyon heute überwiegend wegen seiner "Studien zu sexueller Ethik" (1929-1944) in Erinnerung. Die ersten sechs Bände wurden zwischen 1929 und 1939 in Frankreich veröffentlicht und nach der Eroberung Frankreichs durch das Deutsche Reich verboten. Die letzten drei Bände wurden niemals veröffentlicht und befinden sich heute im Kinsey-Institut an der Universität Indiana, Bloomington, Indiana, USA[1].

Guyon schrieb dazu:

„In meinen 'Studien zu sexueller Ethik' schlug ich die Befreiung der sexuellen Handlungen der Menschen vor, die heute unterdrückt und verfolgt werden, und ihre Eingliederung in eine Lehre, deren wissenschaftliche und logische Grundlage die Berechtigung und die Freiheit sexueller Handlungen bildet … Die Essenz dieser Lehre von der Befreiung ist, dass sexuelle Organe und sexuelle Handlungen ebenso moralisch oder amoralisch sind als jede andere physiologische Äußerung von Lebewesen und dass daher unzweifelbar für jeden gerechtfertigt sind; und dass jeder das Recht hat, diese Organe zu benützen und alle Handlungen nach eigenen Wünschen zu vollziehen, solange diese ohne Gewalt, Zwang oder Betrug gegenüber einer anderen Person stattfinden.“

Guyon: Human rights and the denial of sexual freedom. Bangkok S. 1

Wirkung[Bearbeiten]

Die René-Guyon-Gesellschaft ist nach ihm benannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • "Sex offences in the future penal law". Sex Education, Bd. 2 (1949), S. 55-56
  • Human rights and the denial of sexual freedom. Bangkok 1951
  • Sex life and sex ethics. London: John Lane the Bodley Head 1953.
  • The Ethics of Sexual Acts. New York: Knopf 1958. (Reprint 2001, University Press of the Pacific, ISBN 0-89875-369-4).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sexuelle Menschenrechte im Magnus-Hischfeld-Archiv für Sexualwissenschaft (abgerufen am 6. Dezember 2010)