René Pollesch

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René Pollesch (* 29. Oktober 1962 in Dorheim/Friedberg, Hessen) ist ein deutscher Dramatiker und Regisseur.

Leben[Bearbeiten]

René Pollesch studierte 1983 bis 1989 bei Andrzej Wirth und Hans-Thies Lehmann am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen.[1][2] Bei den Gastprofessoren Heiner Müller, George Tabori, Robert Wilson und John Jesurun war er an verschiedenen Projekten beteiligt.[3][4] Nach verschiedenen Stationen an deutschen Theatern, unter anderem ab 1992 am Theater am Turm in Frankfurt am Main, erhielt Pollesch 1996 ein Arbeitsstipendium am renommierten Royal Court Theatre in London.[1][4] 1997 folgte ein Stipendium der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart.[1][3] In der Spielzeit 1999/2000 war er Regisseur am Luzerner Theater, im Herbst 2000 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.[1][3] Von 2001 bis 2007 leitete er die kleine Spielstätte Prater der Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin.[3][2]

Pollesch erhielt 2001 den Mülheimer Dramatikerpreis. 2002 wurde er in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute für die Prater-Trilogie zum besten deutschen Dramatiker gewählt.[4]

2006 wurde er für sein Stück Cappuccetto Rosso in der Inszenierung der Volksbühne Berlin und Salzburger Festspiele mit dem mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet, gleichzeitig hat man ihm den Publikumspreis verliehen.[5] Für sein Stück Das purpurne Muttermal erhielt er 2007 den Nestroy-Theaterpreis für das Beste Stück.[3][2]

Im Mai 2012 wurde Pollesch als neues Mitglied in die Akademie der Künste (Sektion „Darstellende Kunst“) in Berlin aufgenommen.[3][6]

René Pollesch positioniert sich antikapitalistisch, antirassistisch und feministisch.[7]

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • 1999: Heidi Hoh
  • 1999–2000: Java in a box 1–10
  • 2000: Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr; JavaTM zeigt Gefühle; www-slums 1–7; Frau unter Einfluss
  • 2001: Ufos & Interviews; www-slums 8, 9 & 10; Heidi Hoh 3 – Die Interessen der Firma können nicht die Interessen sein, die Heidi Hoh hat; Stadt als Beute (Volksbühne im Prater, Berlin); Insourcing des Zuhause. Menschen in Scheisshotels; smarthouse
  • 2002: Stadt als Beute 2; Sex (Volksbühne im Prater, Berlin); Der Kandidat (1980). Sie leben!; 24 Stunden sind kein Tag
  • 2003: soylent green ist Menschenfleisch, sagt es allen weiter; freedom, beauty, truth & love – Das revolutionäre Unternehmen; Människor på skithotell (Rikstheater Stockholm); Splatterboulevard; Der Leopard von Singapur; Sex (São Paulo)
  • 2004: Telefavela; Svetlana in a Favela; Pablo in der Plusfiliale; Hallo Hotel...!; Stadt ohne Eigenschaften
  • 2004–2005: Prater-Saga: 1000 Dämonen wünschen dir den Tod, Two-Pence two-Pence und die Voodoothek, In diesem Kiez ist der Teufel eine Goldmine, Diabolo – Schade, daß er der Teufel ist, Die Magie der Verzweiflung
  • 2005: Der okkulte Charme der Bourgeoisie bei der Erzeugung von Reichtum; Häuser gegen Etuis; Cappuccetto Rosso (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin); Schändet eure neoliberalen Biographien! (Münchner Kammerspiele); Notti senza cuore – Life is the new hard! (Volksbühne Berlin); Menschen im Etui (Staatstheater Hannover)
  • 2006: Strepitolino – i giovanotti disgraziati (Volksbühne, Berlin); Soylent green is money (benisan pit – tpt, Tokio); Wann kann ich endlich in einen Supermarkt gehn und kaufen was ich brauche allein mit meinem guten Aussehen? (Staatstheater Stuttgart); L'affaire Martin! Occupe-toi de Sophie! Par la fenetre, Caroline! Le marriage de Spengler. Christine est en avance. (Volksbühne Berlin); Das purpurne Muttermal (Burgtheater Wien)
  • 2007: Tod eines Praktikanten (Volksbühne Berlin); Solidarität ist Selbstmord (Münchner Kammerspiele); Ragazzo dell'Europa (TRWarszawa); РРШ/Rollende Road Schau (Druzba 1, The Lake/Sofia); Liebe ist kälter als das Kapital (Staatstheater Stuttgart); Diktatorengattinnen I (Volksbühne Berlin); Die Welt zu Gast bei reichen Eltern (Thalia Theater Hamburg); Hallo Hotel Nachtportier (Volksbühne Berlin); Seid hingerissen von euren tragischen Verhältnissen (Universität der Künste Berlin)
  • 2008: Darwin-Win & Martin Loser-Drag King & Hygiene auf Tauris (Volksbühne Berlin); Tal der fliegenden Messer (Mülheim/Volksbühne); Fantasma (Burgtheater)
  • 2009: Du hast mir die Pfanne versaut, du Spiegelei des Terrors (Volksbühne, Berlin); Ping Pong d'Amour (Münchner Kammerspiele); Ein Chor irrt sich gewaltig (Volksbühne Berlin); Wenn die Schauspieler mal einen freien Abend haben wollen, übernimmt Hedley Lamarr (Staatstheater Stuttgart); JFK (Thalia Theater Hamburg), Cinecittà Aperta (Mülheim/Volksbühne); Calvinismus Klein (Schauspielhaus Zürich)
  • 2010: Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang! (Volksbühne Berlin), Mädchen in Uniform – Wege aus der Selbstverwirklichung (Deutsches Schauspielhaus), Peking-Opel (Akademietheater (Wien)), Der perfekte Tag (Volksbühne Berlin), Drei Western (Staatstheater Stuttgart), Sozialistische Schauspieler sind schwerer von der Idee eines Regisseurs zu überzeugen (Schauspiel Frankfurt), XY Beat (Münchner Kammerspiele)
  • 2011: Schmeiß Dein Ego weg! (Volksbühne Berlin); Was du auch machst, mach es nicht selbst (Stadttheater Freiburg); Fahrende Frauen (Schauspielhaus Zürich), Die Kunst war viel populärer, als ihr noch keine Künstler wart! (Volksbühne Berlin), Jackson Pollesch (TR-Warszawa); Die Liebe zum Nochniedagewesenen (Akademietheater Wien)
  • 2012: Kill your Darlings! Streets of Berladelphia (Volksbühne Berlin); Wir sind schon gut genug! (Schauspiel Frankfurt); Eure ganz großen Themen sind weg (Münchner Kammerspiele); Neues vom Dauerzustand (Deutsches Schauspielhaus); Don Juan (Volksbühne Berlin); Macht es für euch! (Schauspielhaus Zürich)
  • 2013: KapiTal der Puppen (Staatsschauspiel Dresden); Der General (Volksbühne Berlin); Glanz und Elend und der Kurtisanen (Volksbühne Berlin); Cavalcade or Being a Holy Motor (Akademietheater Wien); Gasoline Bill (Münchner Kammerspiele)
  • 2014: Herein! Herein! Ich atme euch ein! (Schauspielhaus Zürich); Je t'adorno (Schauspiel Frankfurt); House for Sale (Volksbühne Berlin); Du weißt einfach nicht, was die Arbeit ist (Staatstheater Stuttgart)

Oper[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Primärliteratur[Bearbeiten]

  • René Pollesch: Wohnfront 2001-2002, hg. von Bettina Masuch / Volksbühne Berlin. Alexander Verlag, Berlin 2002.
  • René Pollesch: www-slums, hg. von Corinna Brocher. Rowohlt TB, Reinbek 2003.
  • René Pollesch: 24 Stunden sind kein Tag, Synwolt, Berlin 2003.
  • René Pollesch: Zeltsaga – Polleschs Theater 2003/2004, Lenore Blievernicht (Hg.). Synwolt, Berlin 2004.
  • René Pollesch: Prater-Saga, hg. von Aenne Quinones / Volksbühne Berlin. Alexander Verlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-89581-149-4.
  • Die Überflüssigen, Hg. Volksbühne Berlin / Malte Ubenauf. Der Band enthält Beiträge von und über René Pollesch. Alexander Verlag, Berlin 2007.
  • René Pollesch: Requiem fürs Programmheft. Nachruf auf Baudrillard, in: Theater heute, Heft 4, April 2007 S. 1–3.
  • René Pollesch: Liebe ist kälter als das Kapital, hg. von Corinna Brocher & Aenne Quinones Rowohlt TB, Reinbek bei Hamburg 2009.
  • René Pollesch: Kill Your Darlings, herausgegeben von Nils Tabert, Rowohlt TB, Reinbek bei Hamburg 2014, ISBN 978-3-499-26758-1.

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Thomas Assheuer: Schmeiß Dein Ego weg. Ein Porträt von René Pollesch. In: Die Zeit Nr. 38/2014 vom 27. September 2014.
  • Christine Bähr: Arbeitssubjekte im theoretischen Theatertext. René Polleschs „Insourcing des Zuhause. Menschen in Scheiss-Hotels“. In: Dies.: Der flexible Mensch auf der Bühne. Sozialdramatik und Zeitdiagnose im Theater der Jahrtausendwende. Transcript, Bielefeld 2012, S. 335–380.
  • Natalie Bloch: Ich will nichts über mich erzählen. Subversive Techniken und ökonomische Strategien in der Theaterpraxis von René Pollesch. In: Thomas Ernst, Patricia Gozalbez Cantó, Sebastian Richter, Nadja Sennewald, Julia Tieke (Hg.): SUBversionen: Zum Verhältnis von Politik und Ästhetik in der Gegenwart. Transcript, Bielefeld 2008.
  • Diedrich Diederichsen: Maggies Agentur. In: René Pollesch: Prater-Saga, hg. v. Aenne Quiñones. Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz/Alexander, Berlin, S. 1–19.
  • Muriel Ernestus: Von politischem Theater und flexiblen Arbeitswelten. Überlegungen zu Theatertexten von Widmer, Richter und Pollesch. Sine Causa, Berlin 2012.
  • Karen Knoll: Unordnung im Sinnlichen. Zum politischen Theater René Polleschs. Diss. Universität Frankfurt/Main 2010.[10]
  • Claudia Löschner: Pollesch, René. In: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums, hg. v. Wilhelm Kühlmann in Verbindung mit Achim Aurnhammer et. al., Berlin/New York, 2010, Bd. 9. S. 294f.
  • Matthias Naumann, Michael Wehren (Hg.): Interview mit Fabian Hinrichs Macht es für Euch! In: Dies. (Hg.): Räume, Orte, Kollektive. Neofelis-Verlag, Berlin 2013, S. 153–173.
  • Katharina Pewny: Prekäre Künstler als Erfolgsmodelle. Jochen Roller – René Pollesch. In: Dies.: Das Drama des Prekären. Transcript, Bielefeld 2011, S. 221–241.
  • Johann Reißer: Archäologische Schnitte, kollidierende Wucherungen: Das post-bürgerliche Schauspiel des Selbst in René Polleschs Theater des Sagbaren. In: Artur Pelka, Stefan Tigges (Hg.): Das Drama nach dem Drama. Verwandlungen dramatischer Formen in Deutschland seit 1945. Transcript, Bielefeld 2011, S. 287–302.
  • Tim Schuster: Räume, Denken: das Theater René Polleschs und Laurent Chétouanes. Neofelis-Verlag, Berlin 2013.

Filmografie[Bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten]

  • Heidi Hoh (DLR/WDR 2000)
  • Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr (DLR 2001)
  • Heidi Hoh 3. Die Interessen der Firma können nicht die Interessen sein, die Heidi Hoh hat (DLR 2002)
  • Tod eines Praktikanten (DLR 2007)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c d Claudia Löschner: Pollesch, René. In: Wilhelm Kühlmann in Verbindung mit Achim Aurnhamme u.a. (Hrsg.): Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums. Berlin/New York 2010, S. 294–295.
  2. a b c René Pollesch. Goethe-Institut, abgerufen am 3. November 2012.
  3. a b c d e f g Pollesch, René im Munzinger-Archiv, abgerufen am 3. November 2012 (Artikelanfang frei abrufbar).
  4. a b c Till Briegleb: René Pollesch. Goethe-Institut, abgerufen am 3. November 2012.
  5. Wiederholungssieger. Mülheimer Preis an René Pollesch In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 128, 3. Juni 2006, S. 37.
  6. Nachrichten. In: Süddeutsche Zeitung. 19. Juni 2012, S. 12.
  7. Tobias Haberl: Toleranz ist keine Lösung für Rassismus. In: Süddeutsche Zeitung, SZ-Magazin, Heft 17/2012
  8. Der Spiegel 14/2010 vom 3. April 2010
  9. http://www.volksbuehne-berlin.de/praxis/von_einem_der_auszog/?id_datum=8869
  10. Karen Knoll: Unordnung im Sinnlichen. Zum politischen Theater René Polleschs. Diss. Universität Frankfurt/Main 2010 (PDF)