Renault 12

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Renault
Renault 12 (1969–1975)

Renault 12 (1969–1975)

12
Produktionszeitraum: 1969–1980
(in Lizenz bis 2003)
Klasse: Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Kombi
Motoren: Ottomotoren:
1,3–1,6 Liter
(37–83 kW)
Länge: 4350 mm
Breite: 1620 mm
Höhe: 1440 mm
Radstand: 2440 mm
Leergewicht: 900–930 kg
Vorgängermodell: Renault 10
Nachfolgemodell: Renault 18

Der Renault 12 – kurz R12 genannt – war ein frontgetriebenes Automodell der Mittelklasse. Mehr als 4,2 Millionen Fahrzeuge dieses Typs wurden in Frankreich von Herbst 1969 bis Anfang 1980 hergestellt.

Fahrzeugentwicklung[Bearbeiten]

Bereits 1964 begann die Entwicklung eines Autos, das auch robust genug für die schlechten Straßen der nordafrikanischen Märkte sein sollte. Die Anforderungen an den neuen Wagen waren eine extreme Robustheit und hohe Widerstandsfähigkeit. Die ersten Prototypen verfügten über drei asymmetrisch angeordnete Frontscheinwerfer und ein Reserverad auf dem Kofferraumdeckel.

In der späten Entwicklungsphase wurde deutlich, dass dieses Modell auch sehr gut die bestehende Lücke zwischen Renault 6 und Renault 16 schließen könnte, da die bereits seit 1962 bzw. 1965 gebauten Heckmotormodelle Renault 8 und Renault 10 ihrem baldigen Produktionsende entgegensahen und der allgemeine Konstruktionstrend weg vom Heckmotor ging.

Im Oktober 1969 kam der Renault 12 als Limousine auf den Markt. Die Basisversion verfügte über Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten, jedoch nicht über Bremskraftverstärker. Im Gegensatz zu den Modellen R4 und R16 besaß der R12 eine starre Hinterachse, die mit gezogenen Längslenkern und einem zentralen Dreieckslenker geführt wurde.

Ab Anfang 1971 war der „unauffällige Musterknabe“ (wie der R12 von der Zeitschrift auto motor und sport damals bezeichnet wurde) als sportliche Variante „Gordini“ erhältlich. In Frankreich ersetzte damit das „Coupe R12G“ das bisherige, sehr beliebte „Coupe R8G“ für den Einsteiger im Motorsport.

Im Herbst 1971 folgte die Einführung des Kombi, in Deutschland unter der Bezeichnung „Variable“ und in Frankreich als „Break“. Für den heimischen Markt gab es außerdem Behörden- bzw. Transportausführungen, die je nach Ausführung teilweise ohne seitliche Verglasung ab der B-Säule, ohne hintere Türen oder ohne Rücksitzbank ausgeliefert wurden. Diese Modelle waren – wie in der Renault-Nomenklatur üblich – „Société“ benannt.

Der R12 bildete auch die technische Basis für die zwei von ihm abgeleiteten Coupé-Versionen Renault 15 und Renault 17. Beide Modelle wurden zwischen Juli 1971 und August 1979 gefertigt.

Modellpflege[Bearbeiten]

Im August 1975 wurde eine überarbeitete Ausführung des Renault 12 eingeführt, mit neu gestalteten Stoßfängern, Scheinwerfern und Rücklichtern sowie mit einem neuen Armaturenbrett (nicht für den R12 L). Die in Spanien von FASA (Fabricación de Automóviles S.A.) bis zur Übernahme durch Renault France hergestellten Lizenz-Versionen des R12TS sowie teilweise Modelle für andere Exportmärkte waren mit Doppelscheinwerfern ausgerüstet.

Im Frühjahr 1979 endete der Vertrieb des R12 nach Deutschland zu Gunsten des bereits im Vorjahr eingeführten Nachfolgemodells Renault 18. Die Produktion wurde in Frankreich im Januar 1980 eingestellt.

Motoren und Fahrleistungen[Bearbeiten]

Typ Bauzeitraum Codenummer Hubraum Leistung Höchstgeschwindigkeit
R12/L/TL 1969–1975 R 1170 1289 cm³ 40 kW (54 PS) 142 km/h
R12 Gordini 1971–1974 R 1173 1565 cm³ 83 kW (113 PS) 185 km/h
R12 TS 1973–1975 R 1177 1289 cm³ 44 kW (60 PS) 150 km/h
R12 TR Automatic 1974–1975 R 1177 1289 cm³ 44 kW (60 PS) 145 km/h
R12/L/TL 1975–1980 R 1170 1289 cm³ 37 kW (50 PS) 140 km/h
R12 TS 1975–1980 R 1177 1289 cm³ 44 kW (60 PS) 150 km/h
R12 Automatic 1975–1980 R 1177 1289 cm³ 44 kW (60 PS) 145 km/h

Der R12 in Australien[Bearbeiten]

In Australien kam der Renault 12 erst 1970 auf den Markt und wurde bei Renault Australia produziert.

1978 änderte man die Modellbezeichnung in Renault Virage, und im Rahmen dessen wurde die Karosserie leicht überarbeitet. Der Produktionsstandort war Melbourne (Stadtteil Heidelberg).

Die Produktion endete wie in Frankreich Anfang des Jahres 1980.

Lizenznachbauten[Bearbeiten]

Dacia[Bearbeiten]

Der Renault 12 wurde mehr oder weniger unverändert bis 2004 in Rumänien, bei Dacia in Pitești, als Dacia 1300/1400 (Limousine), bzw. Dacia 1310/1410 (Kombi) hergestellt. Nach 35 Jahren Produktionszeit liefen Ende 2004 die letzten Exemplare, eine Limousine 1300 und ein Kombi 1310, von den Produktionsbändern in Pitești, die heute im rumänischen Automobilmuseum stehen. Insgesamt wurden 1.959.730 Exemplare gefertigt. Nachfolger ist der Dacia Logan. Eine Besonderheit des Dacia 1300: genau wie der Ford Corcel wurde auch der Dacia bereits vor der offiziellen Premiere des R12 gefertigt.

Dacia produzierte von 1975 bis Ende 2006 auch Pickup-Varianten, die es vom Renault R12 nicht gab (siehe hierzu Dacia Pick-Up).

Toros[Bearbeiten]

Auch in der Türkei wurde der Renault 12 in Lizenz gefertigt und dort von Oyak-Renault zwischen 1971 und 1989 als Renault 12 und anschließend bis 2000 als Renault 12 Toros produziert.

Ford Corcel[Bearbeiten]

Ford Brasilien übernahm im Jahr 1968 die Firma Willys-Overland, die zuvor mit Renault zusammengearbeitet und vor Ort die Modelle Dauphine und Gordini in Lizenz produziert hatte. Ford übernahm damit auch das Projekt einer abgewandelten Version des sich gleichzeitig in Entwicklung befindenden R12. Ford entwickelte den Wagen weiter und vertrieb ihn dann unter der Bezeichnung Ford Corcel.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jacques Borgé, Nicolas Viasnoff: Renault - Der Weg zum Erfolg (l'Empire de Billancourt, dt. Ausgabe), M. Kühsel Verlag, Darmstadt 1980, ISBN 2-85120-059-3.
  • Edouard Seidler: Renault - Der Weg zum Weltunternehmen - 1945–1973. Edita S.A., Lausanne/CH 1973, OCLC 245678646.
  • Edouard Seidler: Die grosse Renault-Herausforderung (Le Défi Renault/Originaltitel, The Renault Challenge/englischer Titel, El Desafio Renault/spanischer Titel), Edita S.A., Lausanne/CH 1981, ISBN 2-88001-118-3. (ein Teil dieses Buches entspricht dem Titel des Autors Der Weg zum Weltunternehmen.)
  • Werkspublikation: Renault - Premier Constructeur Francais d´Automobiles. Paul Dupont-Verlag, Paris 1968, OCLC 7940488.
  • Ulrich Bethscheider-Kieser: Renault - Im Zeichen des Rhombus. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-613-01658-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Renault 12 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien