Renault Char B1

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Renault Char B1
Char-B1bis-Saumur.0004axt0.jpg

Char de Bataille B1

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 4
Länge 6,50 m
Breite 2,50 m
Höhe 2,80 m
Masse 32 Tonnen
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung 14 mm bis 60 mm
Hauptbewaffnung 1 × 75-mm-Haubitze ABS-SA 35
1 × 47-mm-Kanone SA Mod 34
Sekundärbewaffnung 2 × 7,5-mm-Reibel-MG
Beweglichkeit
Antrieb Sechszylinder-Reihenmotor (Renault)
220 kW (300 PS)
Federung Schraubenfedern
Höchstgeschwindigkeit 28 km/h
Leistung/Gewicht 6,9 kW/t
Reichweite 140 km

Der Char de Manoeuvre B, später Char de Bataille B1, ist ein von Renault in der Zwischenkriegszeit entwickelter Panzer, der im Zweiten Weltkrieg von den Streitkräften Frankreichs eingesetzt wurde.

Entwicklung[Bearbeiten]

Nach den taktischen Prinzipien des Ersten Weltkrieges wurde als Nachfolger des Renault FT-17 die Entwicklung des Char B1 im Jahre 1926 in Auftrag gegeben. Erste Prototypen standen 1931 zur Verfügung. Drei Exemplare wurden 1932 in den jährlichen Manövern der französischen Streitkräfte erprobt. Die Serienfertigung des Typs Char B1 bis mit einer längeren Kanone begann erst 1937 – bis Mai 1940 waren 361 Stück an die Truppe ausgeliefert, die in Panzerdivisionen (Divisions Cuirassées de Réserve) zusammengefasst wurden. Die Gesamtproduktion betrug ungefähr 405 Fahrzeuge. Die Panzer wurden nur zum Teil (182 Stück) bei Renault hergestellt und hießen daher eigentlich nicht Renault Char B1 – diese Bezeichnung ist aber inzwischen üblich.

Es handelte sich um ein kompaktes Fahrzeug mit umlaufender Kette und einem kleinen Turm, in dem sich eine 47-mm-Kanone sowie ein Koaxial-MG (Reibel, Kaliber 7,5 mm) befand. In der Wannenfront war ein weiteres MG und eine seitlich jeweils nur um ein Grad schwenkbare 75-mm-Haubitze mit kurzem Rohr eingebaut, die nur durch Drehung des ganzen Fahrzeugs grob gerichtet werden konnte.

Die Frontpanzerung war bis zu 60 Millimeter stark und konnte von der deutschen 3,7-cm-PaK praktisch nicht durchschlagen werden. Auch die Kanonen der Panzer III und Panzer IV konnten die Front des B1 nicht durchschlagen. Lediglich mit der nur spärlich vorhandenen Panzergranate 40 – ein Hartkerngeschoss mit einem Wolframcarbidkern – konnte ein Panzer III den B1 auf 100 m von vorne bekämpfen.[1] Für die 75-mm-Kanone des Panzer IV wurde im Sommer 1940 eine Hohlladungsgranate eingeführt.

Einsatz[Bearbeiten]

Hinsichtlich Bewaffnung und Panzerung war der Char B1 1940 allen deutschen Panzern überlegen. Die Panzerung von bis zu 60mm war durch keine deutsche Panzer- oder Panzerabwehrkanone dieser Zeit zu durchschlagen. Der Panzer war mit seiner 4,7cm- und 7,5cm-Kanone ebenso den damaligen Modellen der Achsenmächte an Feuerkraft überlegen. Nachteile waren seine geringe Beweglichkeit und der vergleichsweise kleine Treibstofftank der nur eine Operationszeit von rund 2 Stunden querfeldein zuließ. Ein weiterer Nachteil war der Ein-Mann-Turm, in dem der Kommandant gleichzeitig die Funktion des Richt- und Ladeschützen der 4,7cm-Kanone übernehmen musste und – bei Bedarf – auch das Turm-MG zu bedienen hatte. Ein Mitglied der Besatzung bediente dagegen nur das nicht in allen Fahrzeugen vorhandene Funkgerät.[2]

Ein Beispiel seiner Überlegenheit gegenüber den deutschen Panzern zeigte das Gefecht um das Dorf Stonne südlich von Sedan. Hier gelang es am Morgen des 16. Mai 1940 dem Führungspanzer „Eure“ von der 1. Kompanie des Panzerbataillons 41 unter dem Befehl von Capitain Billotte, während eines Gegenangriffs bis zur einzigen Straße des Dorfes vorzudringen. Dort stieß er auf eine Kolonne von elf Panzer III und zwei Panzer IV der 10. Panzer-Division. Mit seinen beiden Kanonen schoss „Eure“ alle 13 Panzer ab und vernichtete zudem zwei Panzerabwehrgeschütze. „Eure“ selbst erhielt während des Gefechtes 140 Treffer, ohne dass auch nur eine einzige Granate seine Panzerung durchschlagen konnte.[3]

Mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 22. Juni 1940 wurden viele Char B1 als Beutepanzer in der Wehrmacht weiter verwendet, zum Teil umgebaut als Flammenwerfer-Panzer oder als Selbstfahrlafette bei der mobilen Artillerie.

Technische Daten[Bearbeiten]

Zerstörter B1
Im Westfeldzug eroberter B1
Im Westfeldzug zerstörter B1
Im Mai 1940 in Frankreich abgeschossener B1
Im Mai 1940 in Belgien abgeschossener französischer B1
Char B1[4]
0Allgemeine Eigenschaften
Besatzung vier Soldaten
Gefechtsgewicht 31,5 t
spez. Bodendruck 0,85 kg/cm2
Länge 6,37 m
Breite 2,50 m
Höhe 2,79 m
Bodenfreiheit 45 cm
Kettenbreite 50 cm
0Bewaffnung
Hauptbewaffnung 75-mm-Kanone L/17

47-mm-Kanone L/32

Sekundärbewaffnung 1 × MG
Kampfbeladung HW 74 Geschosse

50 Geschosse

Kampfbeladung MG 5100 Schuss
0Fahrleistung
Motor Sechszylinder-Reihenmotor
(Renault-Ottomotor)
Kühlung Wasser
Hubraum 16,6 l
Bohrung × Hub 140 × 180 mm
maximale Drehzahl 1900/min
Leistung 300 PS (220 kW)
Literleistung 18,2 PS/l
Gewichtsbezogene Leistung ca. 9,4 PS/t
Getriebe fünf Vorwärts-, ein Rückwärtsgang
Höchstgeschwindigkeit Straße 28 km/h
Kraftstoffvorrat 400 l
Reichweite Straße 180 km
Reichweite Gelände 100 km
Lenkung Doppeldifferential
Laufrollen 14
Federung Schraubenfedern
Wattiefe 72 cm
0Panzerung
Wannenbug 14–65 mm
Wannenseite 55 mm
Wannenheck 55 mm
Wannendach 14–27 mm
Wannenboden 22 mm
Turmfront 55 mm
Turmseite 45 mm
Turmheck 45 mm
Turmdach 28 mm

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Char B1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Fleischer: Panzerkampfwagen III. Der Panzer der Blitzkriege. Waffen-Arsenal, Band 187, Podzun-Pallas, ISBN 3-7909-0732-4, S. 7.
  2. Karl-Heinz Frieser:Blitzkrieg-Legende. Der Westfeldzug 1940 München, 2012, S. 47–52.
  3. Karl-Heinz Frieser: Blitzkrieg-Legende. Der Westfeldzug 1940 München, 2012 S. 265
  4. Thomas L. Jentz: Die deutsche Panzertruppe 1933–42. Podzun-Pallas Verlag 1998, ISBN 3-7909-0623-9, S. 277.