Renault UE Chenillette

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Renault UE Chenillette
Musee-de-lArmee-IMG 1024.jpg
Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 2
Länge 2,94 m
Breite 1,75 m
Höhe 1,24 m
Masse 3,3 t
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung maximal 9 mm
Hauptbewaffnung keine
Sekundärbewaffnung keine, ein bis zwei MG34 (erbeutete Panzer der Wehrmacht)
Beweglichkeit
Antrieb ein Renault-4-Zylinder-Benzinmotor
28,3 kW (38 PS)
Höchstgeschwindigkeit 30 km/h
Leistung/Gewicht
Reichweite 100 km (Straße)

Der Renault UE Chenillette war ein kleiner Transportpanzer, der weltweit zur Wahrung französischer Kolonialinteressen genutzt wurde. Er wurde in den frühen 1930er Jahren von Renault produziert. Seine Hauptaufgabe war der Transport von Munition, Mörsern und leichten Geschützen.

Bei der Wehrmacht trug der Panzer die Bezeichnung Infanterieschlepper UE 630 (f).

Entwicklung[Bearbeiten]

Seit 1922 versuchte das französische Militär, so viele Einheiten wie möglich zu motorisieren, jedoch konnte dies wegen des geringen Militärbudgets niemals erreicht werden. Daraufhin konzentrierte man sich auf die Produktion von kleinen Munitions- und Geschützschleppern. Im April 1930 wurde der erste Prototyp von Renault fertiggestellt und getestet. Es wurden bis zum März 1941 insgesamt 5168 Einheiten ausgeliefert. Die Franzosen bezeichneten den Kleinpanzer als Tracteur blindé (gepanzerten Schlepper), als Chenillette (=kleines Kettenfahrzeug).[1] oder auch als Tankette.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Chenillette war 2,94 Meter lang, 1,75 Meter breit und 1,24 Meter hoch. Seine geringe Größe limitierte die Frachtkapazität deutlich. Die dünne Panzerung von 9 mm reichte gerade noch aus, um Gewehrfeuer abzuwehren. Er war ein hervorragendes Zugfahrzeug und außerdem in der Lage, in einem Terrain Nachschub zu transportieren, das für Fahrzeuge auf Rädern unüberwindlich war.

Hinten im Panzer war ein von innen kippbarer Transportbehälter, mit bis zu 400 kg Zuladegewicht, angebracht. Es wurde auch ein gepanzerter Anhänger mit Gleiskettenlaufwerk, mit einem max. Zuladegewicht von 600 kg, gebaut. Die Franzosen setzten den Panzer auch zum Ziehen von Pak- und Flak-Geschützen ein. Auf eine Bewaffnung des Panzers selbst wurde verzichtet.[1]

Einsatz durch Frankreich[Bearbeiten]

Renault UE mit Anhänger

Der Chenillette war bei den französischen Landstreitkräften weit verbreitet und jedes Infanterieregiment wurde mit neun Fahrzeugen ausgestattet. Bei den mechanisierten Regimentern wurden bis zu 66 Fahrzeuge eingesetzt. Weil der Chenillette ein unbewaffnetes Fahrzeug war, durfte er auch vom Vichy-Regime eingesetzt werden. Viele dieser Panzer wurden in Indochina benutzt, die dort oft die einzigen funktionstüchtigen Panzerfahrzeuge darstellten.

Einsatz bei der Wehrmacht[Bearbeiten]

Wehrmachts-Soldaten mit erbeutetem Chenillette, welcher mit WH für Wehrmacht gekennzeichnet wurde, in Frankreich 1940 kurz nach dem Sieg
Ein Infanterieschlepper fährt im Januar 1943 in Tunesien rückwärts aus einer Me 323

Schon während des Westfeldzugs setzte die Wehrmacht erbeutete Chenillette ein.[1] Die Wehrmacht setzte dabei auch improvisierte Selbstfahrlafetten ein. Dabei wurden 3,7-cm-Pak-Geschütze provisorisch auf dem Chenillette befestigt.

Nach dem Westfeldzug setzte die Wehrmacht den UE unter der Bezeichnung Infanterieschlepper UE 630 (f) ein. Verschiedene Bücher geben die Anzahl der von der Wehrmacht genutzten Infanterieschlepper UE 630 (f) mit ca. 1.200 bis zu ca. 3.000 an. Der Beutepanzer-Experte Alexander Lüdeke hält dabei die Anzahl von ca. 3.000 für wahrscheinlicher. Die erbeuteten Panzer wurden in Issy-les-Moulineaux im AMX-Werk überholt, das von MAN betrieben wurde. Um zu verhindern, dass die nun auf deutscher Seite eingesetzten Infanterieschlepper UE 630 (f) von eigenen bzw. verbündeten Truppen angegriffen wurden, erfolgte eine Kennzeichnung mit übergroßen Balkenkreuzen. Die Wehrmacht setzte den Infanterieschlepper zum Ziehen von Pak-Geschützen der Kaliber 3,7 cm bis 7,62 cm und von leichten Infanterie-Geschützen ein. Bei leichteren Geschützen wurde in der Regel auch noch ein Anhänger angehängt, um Munition und Geschützmannschaft mitzutransportieren. Bei schweren Geschützen musste die Geschützmannschaft extra transportiert werden. Man bewaffnete ihn teilweise auch mit ein bis zwei MG 34. Ab Dezember 1940 wurden 700 Chenillette zu Panzerjägerselbstfahrlafetten mit 3,7-cm-Pak umgebaut. Dabei wurden Lafette und Schutzschild auf der Chenillette angebaut. Die Geschützmannschaft saß im Transportbehälter. Diese Selbstfahrlafetten kamen bei Infanterie-Einheiten zum Einsatz. Andere Chenillette wurden zum Munitionsschlepper Renault UE (f). Beim Munitionsschlepper wurden teilweise die Transportbehälter mit gepanzerten Deckeln bestückt, um die Munition besser vor Beschuss zu schützen. Fernmeldeeinheiten setzten den Fernmeldekraftwagen auf Infanterieschlepper UE 630 (f) ein. Bei diesem wurden im Transportbehälter Kabeltrommeln angebracht um Fernmeldekabel zu verlegen. Der Infanterieschlepper wurde auch als Mannschaftstransportwagen, Sanitätspanzer, Erkundungs- und Sicherungsfahrzeug eingesetzt. Das Baukommando Becker schuf den Kleiner Funk- und Beobachtungspanzer auf Infanterieschlepper UE 630 (f). Dabei erhielt der Panzer statt des Transportbehälters einen Panzeraufbau für drei Soldaten. Diese 40 Funk- und Beobachtungspanzer wurden bei der Schnellen Brigade West eingesetzt. Das Baukommando Becker baute auch 40 Raketenwerfer. Bei der einen Variante wurden vier 28/32-cm-Wurfrahmen an Stelle des Transportbehälters angebaut. Bei der anderen Variante wurden vier Startgestelle für Wurfgranaten seitlich am Panzer angebracht. Der Infanterieschlepper wurde auch als Schneefräse genutzt. Andere dienten bei der Ausbildung deutscher Panzersoldaten. Es kam auch zum Einsatz von Infanterieschleppern als Sprengladungsträger.

Die Luftwaffe nutzte den Infanterieschlepper zum Transport von Flugzeugen und Bomben auf Flugplätzen. Für die Sicherung von Flugplätzen wurden Infanterieschlepper zu Gepanzerter-MG-Träger Renault UE (f) oder Sicherungsfahrzeug UE (f) umgebaut. Dazu erhielten diese u. a. gepanzerte MG-Stände. Die MG-Stände wurden mit 7,62-mm- oder 13-mm-MG bestückt.

Beim Heereswaffenamt wurden sogar Überlegungen angestellt, die Produktion bei Renault wieder aufzunehmen. Dies scheiterte u. a. daran, dass viele Produktionsmaschinen nicht mehr vorhanden waren.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Lüdeke, S. 64–69,

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Renault UE – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien