Rennechsen

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Dieser Artikel behandelt die als Rennechsen bezeichneten Tiere der Gattung Cnemidophorus. Für die ebenfalls mit diesem Trivialnamen bezeichnete Gattung Aspidoscelis siehe dort.
Rennechsen
Cnemidophorus murinus, die Typusart

Cnemidophorus murinus, die Typusart

Systematik
Sauropsida
Überordnung: Schuppenechsen (Lepidosauria)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Familie: Schienenechsen (Teiidae)
Unterfamilie: Teiinae
Gattung: Rennechsen
Wissenschaftlicher Name
Cnemidophorus
Wagler, 1830

Die Rennechsen (Cnemidophorus) sind eine Gattung kleiner bis mittelgroßer Echsen aus der süd- und mittelamerikanischen Familie der Schienenechsen (Teiidae). Neben diesen werden auch die Angehörigen der zur selben Familie gehörenden und sehr nahestenden Gattung Aspidoscelis als Rennechsen bezeichnet, im englischen Sprachraum als "whiptail lizards" oder "racerunners".

Merkmale[Bearbeiten]

Cnemidophorus-Arten sind kleine bis mittelgroße, oft relativ bunte Echsen und erreichen Kopf-Rumpf-Längen von 10 bis maximal 15,9 cm (Cnemidophorus murinus). Ihre Pupillen sind nierenförmig. Die Zähne im hinteren Oberkiefer und im Unterkiefer sind dreispitzig und seitlich abgeflacht. Cnemidophorus-Arten sind die einzigen Schienenechsen bei denen die Männchen ein einzelnes Paar von Präanalsporen besitzen und der zum Rumpf hin gelegene (proximale) Abschnitt des Hemipenis mit kurzen Papillen besetzt ist. Weibchen der Gattung können von allen anderen Schienenechsen durch die Kombination folgender Merkmale unterschieden werden: Die ersten Supraciliaria (Teil der Kopfbeschuppung) sind lang, mit geraden ventralen Rändern, die Nasenöffnungen sind fast dreieckig bis annähernd rund, fünf reguläre Parietalia (Scheitelbeschuppung), glatte Ventralia („Bauchschuppen“) und durchgehende Reihen von gesägten Schuppen an allen fünf Zehen.

Parthenogenese[Bearbeiten]

Ähnlich wie bei den besser bekannten nordamerikanischen Aspidoscelis-Arten (vor 2002 auch zu Cnemidophorus gerechnet) wurden auch bei Cnemidophorus s.str. Populationen und Arten nachgewiesen, die nur aus Weibchen bestehen, d.h. sich parthenogenetisch fortpflanzen. Näher untersuchte Individuen erwiesen sich als genetisch identische Klone. Die Populationen wurden außerdem als hybridogenen Ursprungs erkannt, sie gehen also auf die Kreuzung zweier nahe verwandter Arten zurück, deren Nachkommen sich nun ungeschlechtlich weitervermehren. Diese Hybridlinien wurden als neue Arten beschrieben. So wurde die hybridogene Linie Cnemidophorus lemniscatus x Cnemidophorus gramivagus als Art Cnemidophorus cryptus beschrieben. Eine weitere Population erwies sich sogar als triploid, sie geht offensichtlich auf die Rückkreuzung dieses Hybrids mit einer Elternart (C. lemniscatus) zurück. Die in Surinam und Guyana verbreitete Population wurde als Art Cnemidophorus pseudolemniscatus benannt.[1]

Lebensweise[Bearbeiten]

Soweit bekannt, leben alle Arten in offenen oder halboffenen Lebensräumen, zum Beispiel Savannen, sandigen Flussufern, aber auch auf menschliche Einwirkungen zurückgehenden Waldlichtungen, Kahlschlägen oder Kulturland, sie dringen entlang von Straßen in solche Lebensräume in vorher geschlossene Waldlandschaften vor. Es wird vermutet, dass das schattige Waldesinnere für ihr hohes Wärmebedürfnis nicht ausreichend ist. Im nördlichen Südamerika können Arten der Gattung zu den häufigsten Eidechsen offener Lebensräume wie Savannen gehören. Die Ernährung ist relativ unspezialisiert und umfasst Ameisen, Termiten, Heuschrecken und andere Arthropoden sowie Früchte. [2][3]

Arten[Bearbeiten]

Die Reptile Database listet gegenwärtig (Februar 2014) 18 zur Gattung Cnemidophorus gerechnete Arten auf. Zahlreiche früher hierher gerechnete Arten werden seit der Revision durch Harvey et al. anderen Gattungen wie Aspidoscelis oder Ameivula zugeordnet. Sie werden bei Harvey et al.[4] vier morphologisch unterscheidbaren Gruppen zugeordnet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cnemidophorus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charles J. Cole, Herbert C. Dessauer: Unisexual and Bisexual Whiptail Lizards of the Cnemidophorus lemniscatus Complex (Squamata: Teiidae) of the Guiana Region, South America, with Descriptions of New Species (= American Museum Novitates. Nr. 3081, ISSN 0003-0082). American Museum of Natural History, New York NY 1993, online.
  2. Laurie J. Vitt, Peter A. Zani, Janalee P. Caldwell, M. Carmozina de Araújo, William E. Magnusson: Ecology of Whiptail Lizards (Cnemidophorus) in the Amazon Region of Brazil. In: Copeia. Bd. 1997, Nr. 4, 1997, S. 745–757, doi:10.2307/1447292.
  3. Daniel Oliveira Mesquita, Guarino Rinaldi Colli: Geographical Variation in the Ecology of Populations of Some Brazilian Species of Cnemidophorus (Squamata, Teiidae). In: Copeia. Bd. 2003, Nr. 2, 2003, S. 285–298, JSTOR.
  4. Michael B. Harvey, Gabriel N. Ugueto, Ronald N. Gutberlet Jr.: Review of Teiid Morphology with a Revised Taxonomy and Phylogeny of the Teiidae (Lepidosauria: Squamata) (= Zootaxa. 3459). Magnolia Press, Auckland 2012, doi:10.11646/zootaxa.3722.3.1.