Renzo De Felice

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Renzo De Felice (* 8. April 1929 in Rieti; † 25. Mai 1996 in Rom) war ein italienischer Historiker und gehörte zu den bedeutenden Faschismusforschern Italiens. Er verfasste eine mehrbändige Mussolini-Biographie. 1995 wurde er mit dem Antonio-Feltrinelli-Preis ausgezeichnet.

Studium[Bearbeiten]

De Felice studierte an der Universität Rom. Als Student war er Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens. Im Zuge der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes durch die Sowjetunion, den die Kommunistische Partei Italiens unterstützte, brach er mit dieser und schloss sich den italienischen Sozialisten an.

Werk[Bearbeiten]

Später lehrte er an der Universität Rom und wurde ein bedeutender Faschismusexperte. De Felice vertrat die Ansicht, man müsse die Realität des Faschismus verstehen, bevor man über ihn urteile. Kritiker haben in diesem Ansatz eine apologetische Tendenz gesehen.[1] De Felice hebt hervor, der Faschismus habe im Gegensatz zu traditioneller „Reaktion“ die aktive Teilnahme der Massen an der Politik bewirkt. Den Faschismus deutet er als revolutionäre Bewegung der Mittelschicht, deren Wurzeln bis in die Aufklärung zurückreichen. Nach Felice kam der Faschismus nicht auf als Angst vor einer proletarischen Revolution, sondern als Rollenbestimmungsversuch der aufkommenden Mittelschicht.

De Felice betonte nicht die Gemeinsamkeiten, sondern die Unterschiede von Faschismus und Nationalsozialismus. Das gesamte Lebenswerk von Renzo De Felice ist davon geprägt, den Faschismus außerhalb des „sengenden Kegels des Holocaust“[2], wie er einmal sagte, zu halten.[3] Jegliche Parallelisierungen mit zeitgleichen europäischen Bewegungen lehnt De Felice ab. Einen europäischen Faschismus, wie ihn Ernst Nolte sah, habe es nicht gegeben. Der Faschismus sei nichts mehr als die politische Linie Mussolinis. Die Herrschaft Mussolinis unterteilt De Felice in eine gute Zeit der frühen Jahre und die negativen Jahren des späteren Regimes. Die Jahre von 1929 bis 1936, in denen der Duce seine Macht konsolidieren konnte, bezeichnete er als „Jahre des Konsenses“ (consenso). Die jahrelange Zustimmung der schweigenden oder akklamierenden Mehrheit bis zu den schlechten Tagen des Kriegs kann nach De Felice nicht nur als das Ergebnis von Manipulation und Zwang betrachtet werden. Sehr stark hebt De Felice die friedliche, prowestliche Ausrichtung der italienischen Außenpolitik bis 1934 hervor. Die spätere Verstrickung Italiens in Kriege sieht er nicht als zwangsläufig in der Logik des Regimes liegend.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. so z.B. Wolfgang Schieder: Faschismus als Vergangenheit. Streit der Historiker in Italien und Deutschland, in: W. Pehle (Hrsg.): Der historische Ort des Nationalsozialismus, Frankfurt/M. 1990, S.136-154, hier S. 139ff
  2. Renzo De Felice, Interview im Corriere della Sera, 27. Dezember 1987
  3. Wolfgang Schieder: Die Geburt des Faschismus aus der Krise der Moderne, in: Christoph Dipper (Hrsg.): Deutschland und Italien 1860-1960, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2. Aufl., S.162
  4. Was ist Faschismus? In Italien hat ein Historiker mit einem kleinen Buch einen politischen Streit entfesselt., Die Zeit, 6. September 1975