Reppichau

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51.80916666666712.07694444444464Koordinaten: 51° 48′ 33″ N, 12° 4′ 37″ O

Reppichau
Wappen von Reppichau
Höhe: 64 m
Fläche: 10,96 km²
Einwohner: 478 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06386
Vorwahl: 034909
Informationszentrum Spegel der Sassen
Dorfkirche
Eike von Repgow Denkmal

Reppichau ist ein Ortsteil der Gemeinde Osternienburger Land im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten]

Reppichau liegt zwischen Dessau-Roßlau und der Kreisstadt Köthen (Anhalt) am Rande des Biosphärenreservates Mittelelbe.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmalige Erwähnung[Bearbeiten]

Die Gemeinde wurde erstmals im Jahr 1156 urkundlich erwähnt. Wie bei fast allen Orten der Umgebung ist der ursprüngliche Ortsname Repgow slawischen Ursprungs.

Eike von Repgow[Bearbeiten]

Der wahrscheinlich aus Reppichau stammende Ministeriale Eike von Repgow verfasste zu Beginn des 13.Jahrhunderts im Auftrag des Grafen Hoyer von Falkenstein das erste mittelalterliche Rechtsbuch, den Sachsenspiegel – eine bis dahin nicht kodifizierte Sammlung vorwiegend sächsischer Rechtsgrundsätze des Gewohnheitsrechts.[1]

Anmerkung des Heraldikers Jörg Mantzsch: Dass Reppichau die Geburtsstätte Eike von Repgows sei, ist reine Spekulation. Historiografisch ist nicht einmal nachweisbar, dass die dort (wie in Altjeßnitz, wo ebenfalls eine Familie von Repgow begütert war) ansässige Familie von Repgow mit dem Verfasser des Sachsenspiegels verwandt war. Dies belegen die Studien namhafter Geschichtswissenschaftler von Prof. Carl Gustav Homeyer bis Prof. Guido Kisch neben vielen anderen. An personellen Zeugnissen Eike von Repgows gibt es lediglich die wenigen durch ihn bezeugten Urkunden sowie die Reimvorreden des Sachsenspiegels. Ein jeglicher darüber hinausgehender urkundlicher Beleg zur Person fehlt. Tatsache ist, dass schon 1159 der Ort Ripechove mit den Brüdern Marquard, Eico und Arnold gleichen Namens erwähnt wird. Ob unter Eico der Verfasser des Sachsenspiegels zu verstehen ist, bekräftigten zwar etliche Heimatforscher, doch wurde diese Legende von so bedeutenden Wissenschaftlern der Rechtsgeschichte wie Prof. Gärtner, Prof. Homeyer, Prof. Brunner, Dr. Ficker u. a. m. widerlegt. Es ist also nur zu vermuten – und das ist sehr wahrscheinlich, aber nicht beweisbar –, dass Eike von Repgow überhaupt mit der in Reppichau ansässigen Familie verwandt war.

Zusammenschluss mit anderen Gemeinden[Bearbeiten]

Am 1. Januar 2010 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Reppichau, Chörau, Diebzig, Dornbock, Drosa, Elsnigk, Großpaschleben, Kleinpaschleben, Libbesdorf, Micheln, Osternienburg, Zabitz, Trinum und Wulfen zur Einheitsgemeinde Osternienburger Land zusammen.[2] Gleichzeitig wurde die Verwaltungsgemeinschaft Osternienburg, zu der diese Gemeinden gehörten, aufgelöst.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1844 lebten 433 Menschen in Reppichau.[3]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde war Erich Reichert (CDU) und wurde erstmals am 28. April 1992 gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Grün ein schwarz konturiertes silbernes Rebhuhn, das rechte Bein vorgestreckt, mit dem linken auf einem aufgeschlagenen goldenen Buch stehend.“

Im Jahre 1999 beauftragte der Gemeinderat den Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch mit der Erarbeitung eines ortstypischen Wappens. Reppichau besitzt indes keine herausragende geschichtliche Bedeutung. Es war in früheren Jahrhunderten eine Landgemeinde mit Gutshof, deren Bewohner sich neben gering verbreitetem Handwerk hauptsächlich von der Landwirtschaft ernährten. Auch ist der Ort nicht mit Sagen und Mythen verbunden, es sei denn, man stellt die Verbindung zu Eike von Repgow her, dem Verfasser des „Sachsenspiegels“. Diese Verbindung beruht jedoch einzig auf eine Namensgleichheit.

Die Familie von Repgow trug in ihrem Wappen das Rebhuhn, wie es im Wappen des alten Landkreises Dessau-Köthen vom Jahre 1937 vorkommt. Und da Eike ein anhaltischer Schöffe war, war es Beschluss der Gemeinde, die Person Eikes im Wappen zu symbolisieren. Da die Abbildung realer Personen (außer der Ikonografie entlehnt), heraldisch unzulässig ist, erfolgte eine Anlehnung an das Repgowsche Wappen wie an den „Sachsenspiegel“. Das braune Rebhuhn der erloschenen Familie von Repgow wurde von Mantzsch tingistisch korrekt in Silber auf grünen Schild dargestellt. Es steht auf einem aufgeschlagenen goldenen Buch, den Sachsenspiegel, der seinen Ursprung in der Diözese Halberstadt (dem späteren Anhalt) hatte.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge der ehemaligen Gemeinde Reppichau ist weiß-grün gestreift (Querflagge: Streifen waagerecht, Hissflagge: Streifen senkrecht verlaufend). Das Wappen ist mittig auf die Flagge aufgelegt.

Mühlenmuseum

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museum[Bearbeiten]

Freilichtmuseum „Kunstprojekt Sachsenspiegel“; Informationszentrum Spegel der Sassen, Mühlenmuseum

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Südlich von Reppichau verläuft die Bundesstraße 185 (Dessau-RoßlauKöthen (Anhalt)). Reppichau liegt am Europaradweg R1, der von Sankt Petersburg (Russland) über Berlin nach Calais (Frankreich) führt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reppichau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Mirror of the Saxons. 1295. Abgerufen am 13. August 2013.
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  3. Günther Hoppe, Domänen, Drescher und Kossaten, Köthen 1983, S. 30