Republik Ezo

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Führer der Republik Ezo, Präsident Enomoto Takeaki vorne rechts (1869)
Die französischen Militärberater und ihre japanischen Alliierten. Vordere Reihe, zweiter von links: Jules Brunet, daneben Matsudaira Tarō, Vizepräsident der Republik Ezo.

Die Republik Ezo (jap. 蝦夷共和国 Ezo Kyōwakoku) war eine kurzlebige Abspaltung von Japan auf der nördlichen Insel Ezo (auch Jesso, später Hokkaidō). Sie bestand von Dezember 1868 bis Juni 1869.

Nach der Niederlage der Truppen des Tokugawa-Shogunats im Boshin-Krieg (1868 bis 1869) flüchtete sich ein Teil der Marine des Shoguns, geführt von Admiral Enomoto Takeaki, zur Insel Ezo (Hokkaidō), zusammen mit 2500 Soldaten und einer Handvoll französischer Militärberater unter Jules Brunet.[1]

Am 25. Dezember 1868 errichteten sie eine unabhängige Republik Ezo nach dem Modell der USA und wählten Enomoto als ihren Sōsai (総裁). Er war damit der einzige Präsident eines japanischen Staats überhaupt. Das Wort bezeichnet auch den selten vergebenen höchsten Rang in einigen Kriegskünsten. Vizepräsident wurde Matsudaira Tarō. Diese Wahl gilt als erste demokratische Wahl in der japanischen Geschichte.

Die Flagge zeigte eine Chrysantheme auf himmelblauem Hintergrund, das Symbol der kaiserlichen Herrschaft, und einen roten Stern mit sieben Zacken als Symbol der neuen Republik.

Die neugewählte Regierung versuchte vergeblich, eine internationale Anerkennung für die Republik zu erreichen. Während des Winters befestigte man die Verteidigungsanlagen um die Halbinsel von Hakodate mit der neuen Festung Goryōkaku als Zentrum. Die Truppen standen unter japanisch-französischem Kommando, der japanische Oberbefehlshaber Ōtori Keisuke wurde von dem französischen Captain Jules Brunet unterstützt. Die Truppen waren in vier Brigaden unter dem Kommando französischer Offiziere (Fortant, Le Marlin, Cazeneuve und Bouffier) unterteilt, jede Brigade bestand wiederum aus zwei Halbbrigaden unter japanischem Kommando.

Die Kräfte des Kaisers festigten rasch ihre Stellung auf dem japanischen Hauptland und im April 1869 entsandten sie eine Flotte und 7000 Mann Infanterie nach Ezo. Die kaiserlichen Truppen stießen rasch vor und gewannen die Seeschlacht von Hakodate. Schließlich war die Festung Goryōkaku mit den verbleibenden 800 Mann der Republik eingeschlossen.

Enomoto entschloss sich am 18. Mai 1869 zur Kapitulation und erkannte die Herrschaft des Kaisers Mutsuhito an. Die Republik Ezo hörte am 27. Juni 1869 auf zu existieren.[1] Im August des gleichen Jahres bekam die Insel den heutigen Namen Hokkaido. Enomoto wurde zu einer kurzen Gefängnisstrafe verurteilt, aber 1872 entlassen. Er übernahm einen Posten als Regierungsbeamter in der gerade umbenannten Hokkaido-Landagentur. Später wurde er Botschafter in Russland und hatte mehrere Ministerposten in der Meiji-Regierung inne.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Republik Ezo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Reinhard Zöllner: Geschichte Japans. Von 1800 bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn 2006, ISBN 978-3-8252-2683-1, S. 184f.