Republik Genua

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Serenissima Repubblica di Genova
Erlauchteste Republik Genua
Flagge Genuas
Wappen Genuas
Flagge Wappen
Hauptstadt Genua
Staatsform Republik
Einwohnerzahl ca. 400.000
Italien im Jahr 1796
Italien im Jahr 1796

Die Republik Genua (italienisch Serenissima Repubblica di Genova ‚Erlauchteste Republik Genua‘) war eine Republik bzw. Adelsrepublik im heutigen Italien, die am 14. Juni 1797 zur Ligurischen Republik wurde, eine Tochterrepublik der französischen Ersten Republik. Bereits im 10. Jahrhundert wurde die Stadt Genua vom Heiligen Römischen Reich unabhängig.

Genua war eine Kolonialmacht und eine der vier großen Seerepubliken Italiens. Genuesische Kaufleute erzielten mit dem Handel von Getreide und Sklaven ihre größten Gewinne. Während der Sklavenhandel als Nachlass der römischen Wirtschaftswelt neu belebt wurde und Sklaven ein wirtschaftliches Gut von hohem Wert darstellten, hing vom Getreidehandel vor allem die Ernährungsbasis der Republik ab. Weitere wichtige Handelsgüter waren Gewürze, Wachs, Pelze, Salz, Fisch, Kaviar und Nüsse.

Geschichte[Bearbeiten]

774 fiel die vorher zu den Langobarden gehörige Stadt Genua zum karolingischen Frankenreich. Seit Ende der karolingischen Herrschaft in Italien 887 wurde Genua immer wieder von Arabern (Sarazenen) überfallen. Zu dieser Zeit entwickelte Genua eine gewisse Unabhängigkeit, die es zu einer Republik mit Konsuln an der Spitze werden ließ, allerdings gab es keine wirkliche Verfassung. 936 konnte die Stadt sich gegen die plündernden Sarazenen verteidigen, 958 erkannte Berengar II. von Italien Genua formal an.

Genua konnte 1017 gemeinsam mit Pisa die Araber von Sardinien vertreiben, beide Städte führten mehrere gemeinsame Feldzüge.

Genua war schon zu einer Seemacht geworden und konnte so die Kreuzfahrer 1097 und 1104 unterstützen und in den Kreuzzügen seinen Einfluss am Land und auf See ausbauen. Durch den Seehandel und ihre Faktoreien (Handelsniederlassungen) im Ausland sowie ihre Kolonien erwarb Genua schnell Reichtum und Macht.

Da Pisa jedoch ebenfalls zu einer Seemacht heranwuchs (so eroberte es 1070 Korsika), kam es 1119 zum Krieg, den der Papst 1133 schließlich zugunsten von Genua beendete. Ein Jahr zuvor hatte Genua den Norden Korsikas erobert. Das Bistum Genua wurde nun zum Erzbistum Genua und unterstand nicht mehr dem Erzbistum Mailand.

Da es des Weiteren auch innere Konflikte gab (so gab es Uneinigkeiten zwischen den Adelsfamilien und Differenzen zwischen Guelfen und Ghibellinen), konnten mehrmals andere Staaten erheblichen Einfluss auf Genua ausüben.

Handelswege Venedigs und Genuas

1261 gründeten die Genuesen auf Grundlage des Abkommens von Nymphaion Niederlassungen im Schwarzen Meer in Trapezunt, Amastri, Vicina im Donaudelta, Kilia, Kaffa, Cetatea Albă, Tana an der Donmündung und Phokäa in der Ägäis.[1]

Im 12. und 13. Jahrhundert war der Machthöhepunkt Genuas. Als 1282 Pisa versuchte die gesamte Verwaltung und die wirtschaftliche Ausbeutung von Korsika zu übernehmen, war dies der casus belli für die beiden Republiken. Genua rüstete 120 Galeeren aus und heuerte über 15.000 Soldaten. Nach Gefechten bei Porto Torres und Sassari in Sardinien konnte man Pisa bei der Seeschlacht bei Meloria am 6. August 1284 endgültig besiegen. Der genuesische Sieg bedeutete das Ende Pisas als Flotten-, und Kolonialmacht. Genua übernahm auch den Süden Korsikas und nahm nun großen Einfluss auf das westliche Mittelmeer. 1290 unterstütze Genua maritim die Ilchane im Schwarzen Meer. Bald kam es jedoch zu Konflikten mit der Republik Venedig, die am 8. September 1298 in der Seeschlacht bei Curzola besiegt werden konnte. Mit Venedig wurde nach der Niederlage Genuas im Chioggia-Krieg 1381 ein Frieden geschlossen.[1]

Inzwischen florierten die genuesischen Niederlassungen entlang der Schwarzmeerküste. Aufgrund ihrer langjährigen Präsenz dort gelangten Kaufleute tief ins Hinterland und dessen Handelszentren. Sie drangen entlang der Donau bis zum Eisernen Tor vor. Aus dem Jahr 1349 ist ein Dokument des ungarischen Ludwig des Großen überliefert worin genuesischen Kaufleuten freier Handel entlang der Donau bis nach Temesvár eingeräumt wurde.[2] Über ihre Stützpunkte im Schwarzmeerraum gelangte die genuesischen Kaufleute auch nach Kiew, Täbris, Bolgar, Kasan, Abchasien, Tscherkesien im Kaukasus und nach 1315 Indien. Berichte nach gelangten Kaufleute 1322 bis nach Zeitun in China und 1338 bis nach Kulam in Indien. Bereits 1257 tauchte die erste chinesische Seide auf genuesischen Märkten auf.[3]

Neben dem Prestigeprodukt Seide waren es vor allem Sklaven und Getreide aus dem Schwarzmeerraum die nach Genua geliefert wurden. In diesen beiden Geschäftszweigen wurde das größte Handelsvolumen erzielt und die genueseische Insel Chios in der Ägäis wurde zum größten Sklavenmarkt im Mittelmeer. Der Schwarzmeerraum wurde unter den Genuesen nach Nordafrika zur wichtigsten Quelle für den Sklavenhandel. Die gute Geschäftslage in der Schwarzmeerregion ermöglichte gar die Bildung von Banken. Notariatsakten aus den Jahren 1360 und 1361 berichten von drei Banken in der Hafenstadt Kilia.[3]

Die lang andauernde Präsenz der Genuesen in der Ägäis und in Pera und ihre Nützlichkeit für die Osmanen führte zu engen wirtschaftlichen Kontakten mit den Sultanen. Im Jahr 1387 konnten die Genuesen mit Sultan Murad I. einen Handelsvertrag unterzeichnet, dessen Inhalt im Detail überliefert ist. Er enthielt Bestimmungen über die Handelsfreiheit der Genuesen, die Behandlung von entlaufenen Sklaven und die Steuern welche die Genuesen zu zahlen hatten. Zudem waren die Osmanen mangels einer eigenen Flotte an der Zusammenarbeit interessiert, da sie sich deren Schiffen bei maritimen Aktionen bedienten.[2]

1396 übernahm der französische König zeitweilig die Herrschaft über Genua.

1435 konnte Genua das Königreich Aragon in einer Seeschlacht besiegen und den König Alfons V. gefangennehmen.

Durch Andrea Doria wurde 1528 der Staat reformiert und ihm eine neue Verfassung gegeben. Auch stellte er ihn unter den Schutz des Heiligen Römischen Reichs, womit er die Vorherrschaft von Frankreich und Spanien in Genua brach. Jedoch versuchte Giovanni Luigi de Fieschi 1547 den französischen Einfluss wiederherzustellen. Friedrich Schiller schrieb über ihn das Stück Die Verschwörung des Fiesco zu Genua.

Dennoch führten die inneren Uneinigkeiten nach und nach zu einem Verlust vieler Kolonien.

1684 kam es zu einem Beschuss durch französische Schiffe, 1743 besetzten die Österreicher für kurze Zeit Genua, wurden aber - angeblich wegen eines Steinwurfs des Jungen Giovan Battista Perasso - vertrieben.

Als letzte Kolonie wurde 1768 Korsika, die seit dem Aufstand der Korsen unter Pascal Paoli 1755 faktisch unabhängig war an Frankreich verkauft. Der Verkauf der dennoch aufrechterhaltenen Ansprüche auf Korsika an Frankreich im Jahre 1768 ist daher fragwürdig.

1796 besetzte Napoleon Bonaparte Genua und gründete ein Jahr später die Ligurische Republik .

Politisches System und dessen Wandel[Bearbeiten]

In der Anfangszeit der Republik Genua bestimmte der Adel, der über das größte Vermögen verfügte und militärisch dominierte, über die politischen Geschehnisse. Ab dem 12. Jahrhundert wurde das Volk in sechs Kompanien eingeteilt und durfte nun die Heeresführer, Beamten und Richter wählen. Weil die adligen Stimmen jedoch mehr galten, führte dies zu einem Beamtenadel, das normale Volk wurde von Staatsgeschäften ausgeschlossen. Der Große Rat (consiglio) hatte fast nur Mitglieder adliger Herkunft.

Das höchste Amt hatten zunächst Konsuln inne, später nannte man den Führenden des Staatswesens Podestà. Um 1260 wurde Guglielmo Boccanegra für einige Jahre als Capitano del Popolo zum Anführer Genuas, bevor dieses wieder zum Podestà-System zurückkehrte.

1339 wurde Simone Boccanegra zum ersten Dogen Genuas. Parallel zur Einführung des Dogenamtes wurde das politische System verändert. Die Dogen hatten gegenüber dem Adel meist nur eher eingeschränkte Machtbefugnisse. Allerdings wurden die bedeutenden Ämter zur Hälfte vom Volk vergeben.

1353 wurde der Erzbischof von Mailand, Giovanni Visconti, Herrscher über Genua. Jedoch ging das Dogenamt einige Jahre später wieder an Boccanegra, der nun alle Ämter vom Volk vergeben ließ.

1396 wurde dem französischen König die Herrschaft angetragen. Es gab mehrere Versuche, diese zu stürzen, was schließlich 1409 gelang. Später übernahm Frankreich noch einmal kurz die Kontrolle über Genua. Nun wurde ein Rat aus Adel, Volk, Ghibellinen und Guelfen eingesetzt. Genua wurde später auch noch von weiteren Mächten kontrolliert.

Bedeutenden Einfluss in Genua hatte auch die Banco di San Giorgio, die 1407 gegründet wurde. Sie war eng mit dem Staat verbunden und hatte auch Kontrolle über Teile der Kolonien.

Seit Andrea Dorias Reformen um 1528 wurden der Große und der Kleine Rat sowie der Doge für jeweils zwei Jahre gewählt.[4]

Bedeutende Persönlichkeiten und Bauwerke[Bearbeiten]

Die bedeutendsten Adelsfamilien waren die Doria, Spinola (unterstützten beide den Kaiser in Konflikten mit dem Papst), Fieschi (stützten sich auf das Königreich Neapel), die Grimaldi (regieren bis heute in Monaco, unterstützten wie die Fieschi den Papst) und die Imperiali. Sie stützten sich auf eines der Länder Frankreich, Neapel, Mailand und Spanien.

Der genuesische Seefahrer Christoph Kolumbus entdeckte in spanischen Diensten Amerika. Auch der Musiker und Komponist Niccolò Paganini wurde in Genua geboren.

Zur Zeit der genuesischen Republik wurden viele Paläste errichtet, so auch der Dogenpalast (Palazzo Ducale), und unter anderem der Leuchtturm von Genua und die Universität Genua erbaut.

Kolonien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Genueser Kolonien

Kolonien Genuas waren unter anderem Korsika, der Norden Sardiniens und Teile Zyperns, am Schwarzen Meer und in der Ägäis gab es weitere. Monaco war zwischen Genua und der genuesischen Familie Grimaldi umstritten, es fiel schließlich an die Grimaldis. Des Weiteren gab es noch mehrere Stützpunkte, z. B. an der afrikanischen Küste.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Schnettger, Carlo Taviani (Hrsg.): Libertà e dominio. Il sistema politico genovese: le relazioni esterne e il controllo del territorio, Viella, Rom 2011.
  • Matthias Schnettger: "Principe sovrano" oder "Civitas imperialis"? Die Republik Genua und das Alte Reich in der frühen Neuzeit (1556–1797). Mainz 2006, ISBN 3-8053-3588-1.
  • Manfred Pittioni: Genua Die versteckte Weltmacht, Verlag Mandelbaum, 2011, ISBN 978-3854763499

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Republik Genua – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Manfred Pittioni: Genua Die versteckte Weltmacht, S. 48-49
  2. a b Manfred Pittioni: Genua Die versteckte Weltmacht, S. 56-57
  3. a b Pittioni, S.69-72
  4. Andreas Doria im Brockhaus von 1809