Südsudan

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Republic of South Sudan (englisch)
Republik Südsudan
Flagge des Südsudan
Wappen des Südsudan
Flagge Wappen
Wahlspruch: „Justice, Liberty, Prosperity“

(englisch für „Gerechtigkeit, Freiheit, Wohlstand“)

Amtssprache Englisch
alle einheimischen Sprachen sind als Landessprachen anerkannt[1]
Hauptstadt Juba (geplant: Ramciel)[2]
Staatsform Bundesrepublik
Regierungssystem Präsidialsystem
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef Präsident Salva Kiir Mayardit
Fläche (Grenzverlauf zur Republik Sudan noch nicht endgültig festgelegt)
ca. 619.000 bis 644.000 km²
Einwohnerzahl 8,26 Mio. (gemäß gesamtsudanesischem Zensus von 2010;[3] laut Schätzung 2014 womöglich 11,6 Mio.)
Bevölkerungsdichte 13,33 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt 13,2 Mrd. USD (Schätzungen für 2011; für 2012 Einbruch um ca. 40 % erwartet)[4]
Währung Pfund (SSP)
Gründung 6. Januar 2005
(als autonome Region)
Unabhängigkeit 9. Juli 2011 (vom Sudan)
Nationalhymne South Sudan Oyee!
Nationalfeiertag 9. Juli (Unabhängigkeitstag)
Zeitzone UTC+3
Kfz-Kennzeichen SSD
ISO 3166 SS, SSD, 728
Internet-TLD .ss[5]
Telefonvorwahl +211[6]
Ägypten Tunesien Libyen Algerien Marokko Mauretanien Senegal Gambia Guinea-Bissau Guinea Sierra Leone Liberia Elfenbeinküste Ghana Togo Benin Nigeria Äquatorialguinea Kamerun Gabun Republik Kongo Angola Demokratische Republik Kongo Namibia Südafrika Lesotho Swasiland Mosambik Tansania Kenia Somalia Dschibuti Eritrea Sudan Ruanda Uganda Burundi Sambia Malawi Simbabwe Botswana Äthiopien Südsudan Zentralafrikanische Republik Tschad Niger Mali Burkina Faso Jemen Oman Vereinigte Arabische Emirate Saudi-Arabien Irak Iran Kuwait Katar Bahrain Israel Syrien Libanon Jordanien Zypern Türkei Afghanistan Turkmenistan Pakistan Griechenland Italien Malta Frankreich Portugal Madeira Spanien Kanaren Kap Verde Mauritius Réunion Mayotte Komoren Seychellen Îles Éparses Madagaskar São Tomé und Príncipe Sri Lanka Indien Indonesien Bangladesch Volksrepublik China Nepal Bhutan Myanmar Antarktika Südgeorgien (Vereinigtes Königreich) Paraguay Uruguay Argentinien Bolivien Brasilien Frankreich (Französisch-Guayana) Suriname Guyana Kolumbien Kanada Dänemark (Grönland) Island Mongolei Norwegen Schweden Finnland Irland Vereinigtes Königreich Niederlande Barbados Belgien Dänemark Schweiz Österreich Deutschland Slowenien Kroatien Tschechische Republik Slowakei Ungarn Polen Russland Litauen Lettland Estland Weißrussland Moldawien Ukraine Mazedonien Albanien Montenegro Bosnien und Herzegowina Serbien Bulgarien Rumänien Georgien Aserbaidschan Armenien Kasachstan Usbekistan Tadschikistan Kirgisistan RusslandSouth Sudan on the globe (Africa centered).svg
Über dieses Bild
Die Staatsgrenze entspricht den früheren Provinzgrenzen. Strittig sind die Gebiete Abyei und Ilemi.

Der Südsudan (englisch South Sudan, in amtlicher Langform Republic of South Sudan (RoSS);[7] deutsch Republik Südsudan) ist ein Staat in Afrika. Er erlangte am 9. Juli 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan;[8] zuvor war das Gebiet von 1972 bis 1983 und erneut von 2005 bis 2011 eine autonome Region innerhalb des Sudans. Der Südsudan grenzt im Norden an den Sudan, im Osten an Äthiopien, im Südosten an Kenia, im Süden an Uganda, im Südwesten an die Demokratische Republik Kongo und im Westen an die Zentralafrikanische Republik.

Geographie[Bearbeiten]

Im Norden ist das Land durch Savannen und Trockenwälder geprägt, im Süden durch tropischen Regenwald. Die höchste Erhebung ist der Kinyeti (3.187 m) in den Imatong-Bergen. Der Weiße Nil durchfließt die Region und bildet das Sumpfland Sudd. Der Nilnebenfluss Bahr al-Arab (Kiir) bildet grob den nordwestlichen Teil der Grenze zum Sudan. Die Grenze ist allerdings nicht markiert, und neben dem Abyei-Gebiet gibt es weitere Grenzregionen mit Weideland und Rohstoffvorkommen, deren Staatszugehörigkeit ungeklärt ist, so zum Beispiel die Enklave von Kafia Kingi.[9][10][11] Im äußersten Südosten liegt das Ilemi-Dreieck, das von Kenia und Äthiopien beansprucht wird und früher auch vom Sudan beansprucht wurde; die Haltung der südsudanesischen Regierung in diesem Gebietsstreit ist noch unbekannt.

Klima[Bearbeiten]

Hohe Temperaturen und eine Regenzeit von April bis Oktober prägen das tropisch-feuchte Klima. In der Trockenzeit steigen die Temperaturen auf durchschnittlich 36 Grad Celsius am Tag und weit über 20 Grad Celsius in der Nacht. In der Regenzeit liegen die Temperaturen bei 30–33 Grad Celsius tagsüber und 21–23 Grad Celsius nachts. Die Luftfeuchtigkeit liegt dann bei 70–80 %. Die Häufigkeit und Intensität der Regenfälle nimmt von Süden nach Norden ab.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Nach offiziellen Ergebnissen des gesamtsudanesischen Zensus von 2010 hatte der Südsudan rund 8,26 Mio. Einwohner[3] und stellte damit 22 % der Bevölkerung des damaligen Gesamtsudans. Die gesetzgebende Versammlung des Südsudans bestritt die Korrektheit dieser Zahlen und ging stattdessen von 9–10 Millionen Einwohnern aus.[12][13] Dem World Factbook zufolge könnte die tatsächliche Einwohnerzahl 2014 mehr als 11,5 Mio. betragen.[14]

Nach Angaben der südsudanesischen Behörden für 2010 sind 73 % der Über-15-Jährigen Analphabeten.[3] 20–34 % der Bevölkerung sind unterernährt. Die Blindheitsrate ist mit über 1 % eine der höchsten der Welt, da sowohl Trachom als auch Flussblindheit vorkommen und der Krieg eine Bekämpfung dieser Krankheiten weitgehend verhinderte.[15][16]

2006 lebten etwa vier Millionen Südsudanesen als Folge des Krieges außerhalb des Südsudans, und einer Schätzung zufolge beabsichtigten drei Millionen von ihnen, zurückzukehren.[17] Insbesondere vor dem Unabhängigkeitsreferendum im Januar 2011 kam es zu größeren Rückkehrbewegungen.[18] Nach der Unabhängigkeit kamen zahlreiche weitere Rückkehrer vor allem aus dem Sudan, wo sie nun nicht mehr geduldet wurden.

Die größte Bevölkerungsgruppe sind die zu den Niloten zählenden Dinka, daneben gibt es die ebenfalls nilotischen Nuer und Schilluk, die Azande und etliche weitere Gruppen.

Sprachen[Bearbeiten]

In der Übergangsverfassung von 2005 waren Englisch und Arabisch als Arbeitssprachen der Regierung festgelegt. Daneben waren sämtliche einheimischen Sprachen als Nationalsprachen anerkannt und durften bis 2011 als Arbeitssprache auf unteren Verwaltungsebenen sowie als Unterrichtssprache in Schulen verwendet werden.[19] Die neue Übergangsverfassung von 2011 nach der staatlichen Unabhängigkeit sieht Englisch als alleinige Amtssprache vor,[20] obwohl Sudanesisch-Arabisch und Dschuba-Arabisch als Verkehrssprache verbreitet sind.

Die meisten Sprachen im Südsudan gehören zur nilosaharanischen Sprachfamilie. Von dieser ist insbesondere der ostsudanische Zweig mit der Untergruppe der nilotischen Sprachen vertreten, die sprecherreichsten sind Dinka, Nuer, Bari und Schilluk. Der zentralsudanische Zweig ist vor allem im Nordwesten vertreten, mit etlichen Sprachen, die von relativ kleinen Volksgruppen (den sogenannten Fertit) gesprochen werden. Im südwestlichen Teil finden sich auch Ubangi-Sprachen der Niger-Kongo-Sprachfamilie, insbesondere das Azande.

Religionen[Bearbeiten]

Anders als im mehrheitlich islamischen Sudan bekennt sich die Bevölkerung im Südsudan vorwiegend zu lokalen Religionen oder zum Christentum. Vor allem nachdem die sudanesische Regierung 1964 ausländische Missionare aus dem Land verwies, konvertierten Südsudanesen vermehrt zum Christentum.[21] Die Christen sind mehrheitlich Katholiken und Anglikaner. Die römisch-katholische Kirchenprovinz Juba, die den gesamten Südsudan umfasst, gibt die Zahl von ca. 3,12 Mio. Katholiken an (ca. 38 % Anteil an der Gesamtbevölkerung).[22]

Inzwischen gehört die Mehrheit der Einwohner (76,8 %) christlichen Konfessionen an, die Anhänger afrikanischer Religionen stellen 21 % und die Muslime 2,2 %.[23][24][25]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte des Südsudan

Die Region geriet während der türkisch-ägyptischen Herrschaft ab 1821 in den Einflussbereich des heutigen Nordsudans und wurde schließlich Teil des Anglo-Ägyptischen Sudans. Die Kolonialregierung unterband den Sklavenhandel, investierte aber wenig in Bildung und Infrastruktur im Süden. 1930–46 versuchte sie im Rahmen der Southern Policy aktiv, arabisch-islamische Einflüsse aus dem Norden zu unterbinden.

Sezessionskrieg[Bearbeiten]

1947 wurde auf der Juba-Konferenz beschlossen, dass der Südteil des Sudans unter nordsudanesischer Führung bleiben solle. Vertreter des Südens waren an dieser Entscheidung nicht beteiligt. Viele Südsudanesen fühlten sich im Gesamtgebilde Sudan, das 1956 von Großbritannien unabhängig wurde, marginalisiert und unterdrückt. 1955–1972 und erneut ab 1983 kämpften deshalb Rebellen für die Unabhängigkeit des Südsudans. In der Zeit zwischen den beiden Kriegen (1972–1983) bestand der Südsudan infolge des Friedensabkommens von 1972 bereits einmal als autonome Region, allerdings griff die Zentralregierung zunehmend in die Autonomie ein.

Ab 1983 übernahm die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA) die Führung auf der Seite der Separatisten. Sie einigte sich 2005 mit der Regierung in Khartum auf ein Friedensabkommen.

Friedensabkommen und Autonomie[Bearbeiten]

Salva Kiir Mayardit, der erste gewählte Staatspräsident des Landes (2009)

Die sudanesische Regierung stimmte im Friedensabkommen von 2005 zu, der Region Autonomie zu gewähren. SPLA-Führer John Garang wurde Vizepräsident des gesamten Sudans und provisorischer Präsident der autonomen Region. Am 30. Juli 2005 starb Garang beim Absturz eines Hubschraubers, sein Nachfolger wurde Salva Kiir Mayardit. Dieser wurde in den Präsidentschaftswahlen im Südsudan 2010 als Präsident der autonomen Region (und später des unabhängigen Staates) bestätigt. Die gleichzeitigen Parlaments- und Gouverneurswahlen bekräftigten die politische Dominanz der SPLA im Südsudan.

Innere Konflikte seit dem Friedensabkommen[Bearbeiten]

Auch nach dem Friedensabkommen gab es verschiedentlich Zusammenstöße zwischen Truppen aus dem Norden und dem Süden, die sich jedoch nicht zum Krieg ausweiteten.

Innerhalb des Südsudans gibt es immer wieder lokale Kämpfe, die vereinfachend als „Stammeskonflikte“ dargestellt werden. Dahinter stehen Konflikte um Land und Vieh, aber auch die Schwierigkeiten der SPLA, eine funktionierende Verwaltung aufzubauen: Lokale Verwalter sind zumeist ehemalige Kommandanten der SPLA mit wenig Verwaltungserfahrung. Verwaltungseinheiten sind oftmals „ethnisch“ definiert, ihre Grenzen nicht genau festgelegt. Die staatlichen Institutionen sind nur begrenzt in der Lage, Konflikte zu lösen. Die Verteilung von staatlichen Ressourcen ist oft intransparent, weswegen sich gewisse Gruppen benachteiligt fühlen.[26] Insbesondere wird den Dinka, der größten Bevölkerungsgruppe, eine übermäßige Dominanz vorgeworfen.

In den Bundesstaaten Jonglei und Unity haben sich mehrere (ehemalige) SPLA-Kommandanten wie George Athor Deng, David Yauyau und Gatluak Gai gegen die Zentralregierung gewandt. Hinter diesen Rebellionen stehen sowohl lokale Unzufriedenheit als auch das Bestreben mancher Kommandanten, letztlich wieder zur SPLA zurückzukehren und sich durch militärischen Druck eine bessere Position zu sichern.[27] Die SPLA soll bei der Niederschlagung dieser Widerstände schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Sie verdächtigt ihrerseits die nordsudanesische Regierung, Konflikte zu schüren und regierungsfeindliche Milizen aufzurüsten, um den Südsudan zu destabilisieren.[28]

In den Grenzgebieten der Äquatoria-Region war die Bevölkerung auch nach Kriegsende gelegentlichen Überfällen der aus Uganda stammenden Lord’s Resistance Army ausgesetzt.[29]

Übergang zur Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Im Unabhängigkeitsreferendum, das entsprechend dem Friedensabkommen vom 9. bis 15. Januar 2011 durchgeführt wurde, sprachen sich rund 99 % der abstimmenden Südsudanesen für die Unabhängigkeit aus.[30] Der sudanesische Staatschef Umar Hasan Ahmad al-Baschir erkannte dieses Ergebnis an.[31] Die Unabhängigkeit wurde nach einer Übergangszeit am 9. Juli 2011 erklärt.[8][32]

In der Übergangszeit bis zur Unabhängigkeit wurden die Institutionen der beiden Landesteile allmählich getrennt. So wurden südsudanesische Beamte im Norden und nordsudanesische Beamte im Süden in ihren jeweiligen Landesteil versetzt. Im Februar entließ der Norden sämtliche Vertreter des Südens aus der Nationalversammlung.[33] Im März wurde die Botschaft des Nordens in Juba eröffnet.[34] Ab Mai spitzte sich die Lage allerdings zu, da es Kämpfe im Abyei-Gebiet gab, wobei die Armee des Nordens die Stadt Abyei einnahm. Nach Vermittlung Südafrikas einigten sich die Konfliktparteien am 21. Juni 2011 auf die Einrichtung einer demilitarisierten Zone in der Grenzregion.[35] Unterstützt wird die Demilitarisierung durch die Interims-Sicherheitstruppe der Vereinten Nationen für Abyei (UNISFA).

Unruhen 2013/2014[Bearbeiten]

Am 15. Dezember 2013 brachen innerhalb der SPLA Feindseligkeiten zwischen Anhängern des zu den Dinka gehörenden südsudanischen Präsidenten Salva Kiir Mayardit und des von Mayardit am 23. Juli 2013 entlassenen Vizepräsidenten Riek Machar, der Angehöriger der Nuer ist, aus. Was in der Medienberichterstattung als Stammeskrieg aufscheint, erweist sich aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive als Kampf um politische Macht und Ressourcen.[36] Die Regierung sprach von einem Putschversuch Machars,[37] was dieser dementierte.[38] Es wurden vier ehemalige Minister verhaftet.[39] Bei den Kämpfen in Juba kamen ca. 500 Menschen ums Leben.[40]

Die Kämpfe, in deren Verlauf mehr als 63.000 Menschen Schutz in Lagern der UN suchten,[41] breiteten sich in weitere Landesteile aus. Der Sprecher der SPLA Phillip Aguer gab am 18. Dezember 2013 bekannt, dass sich die Armee in der Umgebung von Bor, der Hauptstadt des Bundesstaates Jonglei, Gefechte mit Truppen des Machar nahestehenden Generals Peter Gadet liefere.[42] Die Bundeswehr gab am 19. Dezember 2013 bekannt, dass sie mit einer der UN-Mission MINUSMA zugeteilten Transall und einer Global 5000 deutsche Staatsbürger aus Juba evakuieren wird.[43] Ebenso begannen andere Staaten mit der Evakuierung aus Südsudan, wobei US-amerikanische CV-22 Ospreys beim Anflug auf Bor beschossen und vier Soldaten verletzt wurden.[44] Am 19. Dezember wurde das UN-Lager in Akobo von ca. 2.000[45] Kämpfern der Lou-Nuer angegriffen, wobei zwei indische Blauhelme[46] und vermutlich 20 Dinka getötet wurden.[47] Während die UN das nicht benötigte Personal aus Südsudan nach Entebbe in Uganda verlegte, sollen die UN-Truppen in Bentiu und Bor verstärkt werden.[48] Die Rebellen eroberten am 22. Dezember 2013 Teile von Unity, wo ein Großteil des südsudanischen Erdöls gefördert wird. Am 24. Dezember 2013 erklärte die UN, dass in Bentiu ein Massengrab mit den Überresten von 75 SPLA-Soldaten entdeckt wurde,[49] was jedoch wieder dementiert wurde.[50] Am selben Tag stimmte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einstimmig der Entsendung von weiteren 5.500 Blauhelmen in den Südsudan zu, um die UNMISS-Friedensmission zu verstärken. Auch die Zahl der UN-Polizisten soll von ca. 900 auf 1323 erhöht werden.[51] Regierungstruppen erlangten derweil wieder die Kontrolle über die Stadt Bor.[52]

Auf Druck der Afrikanischen Union erklärten sich beide Konfliktparteien zu Friedensgesprächen bereit.[53] Delegationen der Regierung und der Rebellen kamen am 3. Januar 2014 in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba mit Vermittlern des ostafrikanischen Staatenbundes IGAD zusammen. Am 23. Januar 2014 unterzeichneten beide Seiten einen Waffenstillstand.[54] Die Nuer setzten ihre Angriffe allerdings fort.[55]

Politik[Bearbeiten]

Erster Präsident des Staates Südsudan und auch Regierungschef ist Salva Kiir Mayardit. Nach dem Tod John Garangs 2005 hatte er die Führung der SPLM übernommen und wurde damit – wie es Garang seit dem Friedensabkommen 2005 gewesen war – auch Präsident der autonomen Region Südsudan und sudanesischer Vizepräsident.

Das südsudanesische Parlament besteht aus zwei Kammern: Die Nationale Legislativversammlung (Unterhaus) mit 322 Sitzen und der Rat der Staaten (Oberhaus) mit 50 Sitzen. Die Parlamentsmitglieder wurden teilweise direkt gewählt, aus den ehemaligen gesamtsudanesischen Parlamentskammern übernommen oder vom Staatspräsidenten ernannt.[4]

Oppositionsparteien werfen der Regierungspartei von der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLA) vor, dass sie die Macht monopolisiere.[56]

Außenpolitik[Bearbeiten]

Am 14. Juli 2011 wurde der Südsudan als 193. Mitgliedstaat in die Vereinten Nationen aufgenommen.[57] Am 27. Juli 2011 hat die Afrikanische Union den Südsudan als 54. Mitglied aufgenommen.[58] Das Land hat die Mitgliedschaft in der Ostafrikanischen Gemeinschaft beantragt.

Die Beziehung zwischen dem Südsudan und dem Sudan gelten als angespannt. Die Ausbeutung der Erdölvorräte löste bereits wenige Monate nach der Unabhängigkeit des Südsudans Konflikte mit dem nördlichen Nachbarn aus. Der Südsudan warf dem Sudan mehrere Angriffe vor. Die Vereinten Nationen forderten im März 2012 ein Ende der Gewalt.[59] Anfang August 2012 legten beide Staaten ihren Streit bei, was von den USA und der Europäischen Union begrüßt wurde.[60] Auch im Zuge der innenpolitischen Unruhen 2013/2014 kam es zu Verhandlungen mit dem Sudan, bei welchen die Bildung von gemeinsamen Armeeeinheiten vorgeschlagen wurde.[61]

Menschenrechte[Bearbeiten]

Human Rights Watch dokumentierte, dass im Südsudan Kinderehen weit verbreitet sind. Fast die Hälfte aller südsudanesischen Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren sind verheiratet.[62] Auch werden der Regierung willkürliche Verhaftungen vorgeworfen. Ein Drittel der Gefängnisinsassen wurden nicht verurteilt. Viele werden wegen Ehebruchs oder heimlicher Heirat inhaftiert. Die Gefängniszellen sind stark überfüllt und es ist nicht genug Nahrung vorhanden.[63]

Militär[Bearbeiten]

Als Folge der jahrzehntelangen Sezessionskriege im Südsudan von 1955 bis 1972 und von 1983 bis 2005 gab es im Land viele militärische Fraktionen, die in die Armee des 2011 gegründeten Staates integriert wurden. Die Einheit der Streitkräfte ist aber u. a. durch den ethnischen Konflikt zwischen Dinka und Nuer gefährdet.

Im Jahr 2012 verfügt der Südsudan nach Schätzungen über 140.000 Soldaten, 110 T-72-Kampfpanzer sowie einige T-54/T-55. Die Armee verfügt weiter über 69 Geschütze (inklusive 24 122mm-Selbstfahrlafetten 2S1), 15 BM-21-Raketenwerfer und mehr als 30 82mm-Mörser. Die Luftwaffe verfügt nur über ein Verbindungsflugzeug Beechcraft 1900 sowie neun Helikopter Mil Mi-17 und einen Mil Mi-172 russischer Herkunft.[64]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Die Bundesstaaten des Südsudan

Der Südsudan ist formell eine dezentralisierte Bundesrepublik, zu der die folgenden zehn Bundesstaaten gehören:

Bundesstaat Einwohner
(Zensus 2008)[65]
Hauptstadt
Central Equatoria 1.103.592 Juba
Eastern Equatoria 906.126 Torit
Jonglei 1.358.602 Bor
Lakes 695.730 Rumbek
Northern Bahr el Ghazal 720.898 Aweil
Unity/Western Upper Nile 585.801 Bentiu
Upper Nile 964.353 Malakal
Warrap 972.928 Kwajok
Western Bahr el Ghazal 333.431 Wau
Western Equatoria 619.029 Yambio

Diese Bundesstaaten sind weiter in Counties unterteilt, die ihrerseits in Payams und Bomas als niedrigere Verwaltungsstufen gegliedert sind.

Die bevölkerungsreichste Stadt Südsudans ist Juba mit mehr als 200.000 Einwohnern, dahinter folgen Wau, Malakal, Yei und Yambio.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Rinderherde auf einer Straße in Juba
Transport von Lebensmitteln auf dem Nil im Bundesstaat Upper Nile

Infolge des Krieges sind unter der Bevölkerung Armut und Hunger verbreitet. Die Landwirtschaft, insbesondere Viehzucht und Hirseanbau, wurde in Mitleidenschaft gezogen und die Versorgung der Flüchtlinge, die aus Nachbarländern und anderen Landesteilen zurückkehren, stellt ein Problem dar.

Der Südsudan verfügt über Bodenschätze, insbesondere Erdöl, und wurde seit dem Friedensabkommen auch an den Gewinnen hieraus beteiligt. Eine Studie der Weltbank gelangte zu dem Ergebnis, dass die Beteiligung an den Erdöleinnahmen, die der Autonomieregierung zufloss, ausreichen würde, um die Armut zu bekämpfen und die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern.[66] Die Autonomieregierung gab bekannt, die Einnahmen vorrangig für die Entwicklung von Landwirtschaft und Infrastruktur einsetzen zu wollen.[67] Allerdings ist der Südsudan weiterhin (Stand 2010) stark von Importen abhängig, die Möglichkeiten zur Lagerung und Verarbeitung eigener Landwirtschaftsprodukte sind beschränkt. Korruption gilt als bedeutendes Entwicklungshindernis.[68]

Erdöl[Bearbeiten]

Nach der Unabhängigkeit verfügt der Südsudan über rund 80 Prozent der bekannten Ölvorkommen des Gesamtsudan. Das Land hat jedoch keinen eigenen Zugang zum Meer und bleibt daher bis auf Weiteres darauf angewiesen, das Erdöl über den Sudan zu exportieren. Es kam zu Streitigkeiten darum, inwieweit der Süden für die Nutzung der Pipelines bezahlen oder die Einnahmen mit dem Norden teilen soll.[69] Nachdem der Sudan mangels Einigung Öl abgezweigt hatte, um auf diese Weise die „Gebühr“ einzutreiben, stellte der Südsudan im Januar 2012 die Förderung vorerst ein.[70] Es ist damit zu rechnen, dass der Export von südsudanesischem Rohöl durch den Sudan noch im Laufe dieses Jahres wieder beginnen wird. Der ursprünglich für den 21. November 2012 festgelegte Termin wurde zwar verschoben, die gegenseitige Abhängigkeit beider Staaten von den Einnahmen aus dem Ölexport lässt eine Einigung jedoch wahrscheinlich werden.[71] Der südsudanesische Staatshaushalt wurde bis dahin zu 98 Prozent durch Einnahmen aus dem Ölgeschäft finanziert.[72]

Im März 2012 begannen die Arbeiten für eine Pipeline und Verkehrsverbindungen vom Südsudan über Äthiopien zum kenianischen Hafen Lamu, über den das südsudanesische Öl künftig exportiert werden soll.[73] Auf Vermittlung der Afrikanischen Union einigten sich die Konfliktparteien Anfang August 2012 auf ein Abkommen über die Transitgebühren beim Export von südsudanesischem Erdöl durch den Sudan. Die andauernden Grenzstreitigkeiten zwischen beiden Ländern blieben aber trotz der Einigung vorerst ungelöst.[74]

Anfang März 2013 gaben der Südsudan und Äthiopien bekannt, gemeinsam eine Straße von den Ölfeldern im Südsudan durch Äthiopien bis nach Dschibuti bauen zu wollen. Das Erdöl wird dann mit Tanklastwagen nach Dschibuti transportiert, von wo aus es auf Öltanker verladen und exportiert werden kann.[75]

Am 6. April 2013 startete der Südsudan erneut seine Ölproduktion und den Export durch die Pipelines im Sudan.[76]

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 1,8 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,8 Mrd. US-Dollar gegenüber.[77]
Nach der Sezession des Südsudan übernahm zunächst der Norden die gesamten Staatsschulden des Gesamtstaates, eine Einigung über eine mögliche Aufteilung der Verbindlichkeiten steht noch aus.[78]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Infrastruktur ist spärlich und befindet sich in einem schlechten Zustand. Die einzige ganzjährig benutzbare Verkehrsverbindung vom Süden in den Norden bot lange der unregelmäßige Schiffsverkehr auf dem Weißen Nil von Juba über Malakal nach Kosti. Die Eisenbahnverbindung aus dem Norden nach Wau wurde 2010 vollständig wieder eröffnet.[79]

Es bestehen verschiedene Pläne, ein Eisenbahnnetz im Südsudan aufzubauen und dieses mit den bestehenden Eisenbahnnetzen Kenias und Ugandas zu verbinden.[80] Im September 2010 meldete ThyssenKrupp, dass sich das Tochterunternehmen ThyssenKrupp GfT Gleistechnik GmbH an der Entwicklung einer Schienenverbindung zwischen Juba und dem ugandischen Gulu beteiligen will.[81]

Flughäfen befinden sich in Juba, Malakal und Wau, zudem gibt es in vielen Distriktorten einfache Landepisten. Das Straßennetz wird ausgebaut, zunächst vor allem für den Erdöltransport mit Tanklastern. Die Straßen werden von den Ölfeldern im Norden des Landes bis an die äthiopische Grenze verlaufen.

Medien[Bearbeiten]

Wichtigste Medien sind:[4]

  • Fernsehen: South Sudan State TV
  • Radio: South Sudan State Radio, Radio Miraya (Träger: Vereinte Nationen, Fondation Hirondelle), Radio Bakhita (Träger: katholische Kirche), Radio 98.6 SRS FM (unterstützt durch USA/Schweiz)
  • Zeitungen: The Citizen, Juba Post, New Nation

Literatur[Bearbeiten]

  • Mohamed Omer Beshir The Southern Sudan. Background to Conflict, C. Hurst & Co., London 1968.
  • Douglas H. Johnson: The Root Causes of Sudan’s Civil Wars, James Currey Publishers, 2003 (African Issues), ISBN 978-0-85255-392-3.
  • Melha Rout Biel (Hrsg.): Der Sudan zwischen Krieg und Frieden. Tectum Verlag, Marburg 2003, ISBN 3-8288-8592-6.
  • Øystein H. Rolandsen: Guerrilla Government: Political Changes in the Southern Sudan During the 1990s. Nordic Africa Institute, Uppsala 2005, ISBN 978-91-7106-537-7 (englisch).
  • Ingo Henneberg: Das politische System des Südsudan. In: Verfassung und Recht in Übersee. 2-2013. S. 174-196.
  • Thilo Thielke: Krieg im Lande des Mahdi. Darfur und der Zerfall des Sudan. Magnus Verlag, Essen 2006, ISBN 3-88400-505-7.
  • Melha Rout Biel: Southern Sudan after the Comprehensive Peace Agreement. Tobias Netzbandt Verlag, Jena 2007, ISBN 978-3-937884-01-1 (mit Angabe der Verfassung, der Regierungsmitglieder und einer aktuellen Einleitung).
  • Wolfram Lacher: Staatsaufbau im Südsudan: Rahmenbedingungen, Erfolgsaussichten und Grenzen internationalen Statebuildings. SWP-Studie 2011/S 19, August 2011 (PDF; 562 K; 575 kB).
  • Roman Deckert, Tobias Simon: Nach der Teilung: Alarmzustand zwischen Sudan und Südsudan. In: inamo, Nr. 67, September 2011.
  • Tobias Simon: Sudan & Südsudan: Zwei Staaten mit einer gemeinsamen Geschichte. In: Africa Positive, Nr. 43/11, Oktober 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Südsudan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Südsudan – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikinews: Südsudan – in den Nachrichten
 Wikivoyage: Südsudan – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Transitional Constitution of the Republic of South Sudan, 2011; gemäß Artikel 6 (abgerufen am 9. Juli 2011; PDF; 873 kB)
  2. South Sudan relocates its capital from Juba to Ramciel, in: Sudan Tribune, 3. September 2011
  3. a b c South Sudan National Bureau Of Statistics 2010, abgerufen 13. Mai 2013
  4. a b c d Auswärtiges Amt
  5. South Sudan secures internet country domain, in: Sudan Tribune, 11. August 2011
  6. http://www.news24.com/Africa/News/South-Sudan-gets-211-dialling-code-20110713
  7. Art. 1 der Übergangsverfassung (PDF; 873 kB)
  8. a b Die Welt hat einen neuen Staat – Der Südsudan ist offiziell unabhängig, in: Neue Zürcher Zeitung vom 9. Juli 2011. Abgerufen am 9. Juli 2011.
  9. Sergio Peçanha: The Tough Task of Defining Sudan’s North-South Border, in: New York Times, 15. Januar 2011.
  10. More than a Line: Sudan’s North-South Border, Concordis International Sudan Report, September 2010 (PDF; 2,6 MB).
  11. Sudan: Defining the North-South Border, International Crisis Group, September 2010.
  12. Isaac Vuni: South Sudan parliament throw outs census results, in: Sudan Tribune, 7. Juli 2009.
  13. Maggie Fick: S. Sudan Census Bureau Releases Official Results Amidst Ongoing Census Controversy, in: enough Project, 8. Juni 2009.
  14. Südsudan im CIA World Factbook. Abgerufen am 15. Juli 2011.
  15. South Sudan’s vision to tackle blindness, AFP Global Edition, 2008
  16. Danielle Batist: On the road to freedom, in: The Big Issue, 11. Juli 2011
  17. From North to South: Sudan’s displaced head home, in: IRIN News, 20. April 2006.
  18. Southern returnee deluge leaves aid workers in a quandary, in: IRIN News, 28. Dezember 2010. Abgerufen am 4. Januar 2011.
  19. The Interim Constitution of Southern Sudan, 2005 (PDF; 484 kB), S. 3–4.
  20. Draft constitution of the Republic of South Sudan released, in: Sudan Tribune, 24. April 2011.
  21. Douglas H. Johnson: The Root Causes of Sudan’s Civil Wars, James Currey Publishers, 2003 (African Issues), ISBN 978-0-85255-392-3, S. 31, 35.
  22. Annuario pontificio 2008
  23. Kaufmann, E.P. Rethinking ethnicity: majority groups and dominant minorities. Routledge, 2004, S. 45.
  24. Minahan, J. Encyclopedia of the Stateless Nations: S-Z. Greenwood Press, 2002, S. 1786.
  25. Arnold, G.: Book Review: Douglas H. Johnson, The Root Causes of Sudan’s Civil Wars, African Journal of Political Science Vol.8/1, 2003, S. 147.
  26. Mareike Schomerus, Tim Allen et al.: Southern Sudan at odds with itself. Dynamics of conflict and predicaments of peace, 2010 (PDF; 5,9 MB).
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  28. May Ying Welsh: Sudan: Transcending tribe, in: Al Jazeera English.
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6.983333333333330.45Koordinaten: 7° N, 30° O