Rerik

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Rerik
Rerik
Deutschlandkarte, Position der Stadt Rerik hervorgehoben
54.111.6166666666679Koordinaten: 54° 6′ N, 11° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Rostock
Amt: Neubukow-Salzhaff
Höhe: 9 m ü. NHN
Fläche: 33,45 km²
Einwohner: 2153 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18230
Vorwahl: 038296
Kfz-Kennzeichen: LRO, BÜZ, DBR, GÜ, ROS, TET
Gemeindeschlüssel: 13 0 72 085
Adresse der Amtsverwaltung: Panzower Landweg 1
18233 Neubukow
Webpräsenz: www.rerik.de
Bürgermeister: Wolfgang Gulbis (SPD)
Lage der Stadt Rerik im Landkreis Rostock
Rostock Schwerin Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Vorpommern-Rügen Landkreis Nordwestmecklenburg Landkreis Nordwestmecklenburg Landkreis Ludwigslust-Parchim Admannshagen-Bargeshagen Bartenshagen-Parkentin Börgerende-Rethwisch Hohenfelde (Mecklenburg) Nienhagen (Landkreis Rostock) Reddelich Retschow Steffenshagen Wittenbeck Baumgarten (Warnow) Bernitt Bützow Dreetz (Mecklenburg) Jürgenshagen Klein Belitz Penzin Rühn Steinhagen (Mecklenburg) Tarnow (Mecklenburg) Warnow (bei Bützow) Zepelin Broderstorf Klein Kussewitz Blankenhagen Poppendorf (Mecklenburg) Roggentin (bei Rostock) Broderstorf Thulendorf Altkalen Behren-Lübchin Boddin Finkenthal Gnoien Lühburg Walkendorf Behren-Lübchin Glasewitz Groß Schwiesow Gülzow-Prüzen Gutow Klein Upahl Kuhs Lohmen (Mecklenburg) Lüssow (Mecklenburg) Mistorf Mühl Rosin Plaaz Reimershagen Sarmstorf Diekhof Dolgen am See Hohen Sprenz Laage Wardow Dobbin-Linstow Hoppenrade Krakow am See Kuchelmiß Lalendorf Lalendorf Alt Sührkow Dahmen Dalkendorf Groß Roge Groß Wokern Groß Wüstenfelde Hohen Demzin Jördenstorf Lelkendorf Prebberede Schorssow Schwasdorf Sukow-Levitzow Thürkow Warnkenhagen Alt Bukow Am Salzhaff Bastorf Bastorf Biendorf (Mecklenburg) Carinerland Kirch Mulsow Rerik Bentwisch Blankenhagen Gelbensande Mönchhagen Rövershagen Benitz Bröbberow Kassow Rukieten Schwaan Vorbeck Wiendorf (Mecklenburg) Cammin (bei Rostock) Gnewitz Grammow Nustrow Selpin Stubbendorf (bei Tessin) Tessin (bei Rostock) Thelkow Zarnewanz Elmenhorst/Lichtenhagen Kritzmow Lambrechtshagen Papendorf (Warnow) Pölchow Stäbelow Ziesendorf Bad Doberan Dummerstorf Graal-Müritz Güstrow Kröpelin Kühlungsborn Neubukow Sanitz Satow TeterowKarte
Über dieses Bild

Die Stadt Rerik, bis 1938 Alt Gaarz, offiziell Ostseebad Rerik, liegt im Nordwesten des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Rerik wird zusammen mit sechs weiteren Gemeinden vom Amt Neubukow-Salzhaff mit Sitz in Neubukow verwaltet.

Geografie[Bearbeiten]

Rerik liegt am nordöstlichen Ende des Salzhaffes, eines Teils der Wismarer Bucht zwischen dem Festland und der Halbinsel Wustrow. Großräumig gesehen liegt die Stadt etwa 35 Kilometer westlich von Rostock und 35 Kilometer nordöstlich von Wismar. Östlich schließt sich die Kühlung an, ein waldreicher Höhenzug. Zum Stadtgebiet gehört die Insel Kieler Ort.

Ortsteile[Bearbeiten]

  • Blengow
  • Neu Gaarz
  • Gaarzer Hof
  • Garvsmühlen
  • Meschendorf
  • Roggow
  • Russow
  • Wustrow
Blick vom Schmiedeberg auf die Halbinsel Wustrow

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag liegt bei 604 mm und ist damit vergleichsweise niedrig, da er in das untere Viertel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 22 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juli. Im Juli fallen 2,4 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 54 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 56,8 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
55,8 %
27,6 %
13,7 %
2,9 %
keine
Sonst.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+1,0 %p
+0,6 %p
+0,9 %p
+2,9 %p
-5,4 %p
Sonst.
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2004: PDS

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 1. April 1938 durch den Reichsstatthalter in Mecklenburg verliehen und unter der Nr. 217 der Wappenrolle von Mecklenburg registriert.

Blasonierung: „In Rot eine dreimastige goldene Kogge mit je einem Kastell auf dem Vorder- und Achterdeck, die Masten mit geblähten Segeln, Mastkörben und Krönchen auf den Spitzen, der Hauptmast mit langem Wimpel.“

Das Wappen wurde von dem Berliner Prof. Hans Schweitzer gestaltet.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge der Stadt Ostseebad Rerik besteht aus goldenem (gelbem) Tuch und ist in der Mitte mit dem Stadtwappen belegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Rerik hieß ehemals Alt Gaarz. Der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet Burg. Die geschützte Lage hinter der vorgelagerten Halbinsel Wustrow sorgte für eine frühe Besiedlung an diesem Ort. Alt Gaarz wurde erstmals am 18. Oktober 1230 urkundlich erwähnt, die Burg wurde vermutlich durch ein Sturmhochwasser zerstört. 1273 wurde die Halbinsel Wustrow erstmals urkundlich erwähnt. Im 14. Jahrhundert wurde Wustrow als Besitz der Familie von Moltke genannt, war dann bis 1590 Eigentum der Familie von Oertzen. Gaarz war wohl schon im Mittelalter ein wohlhabendes Dorf mit mehreren Höfen, in dem neben der Landwirtschaft dem Fischfang und der Seefahrt nachgegangen wurde.

Am 10. Februar 1625 wurde die Halbinsel durch ein großes Sturmhochwasser überflutet. Seit 1648 war Wustrow im Eigentum von Erich Hansson Ulfsparre, dem königlich-schwedischen Oberst und Kommandanten von Wismar. Die Herrschaft der Schweden dauerte bis 1803. Im Jahr 1838 erfolgte die Gründung von Neu Wustrow mit drei Erbpachthöfen. Das Ostseesturmhochwasser 1872 richtete auf Wustrow große Schäden an. Um 1900 begann in Alt Gaarz der Badebetrieb.

In der Zeit des Nationalsozialismus sollte die slawische Vergangenheit vergessen gemacht werden und es erfolgte mit der Verleihung des Stadtrechts am 1. April 1938 eine Umbenennung des Ortes Alt Gaarz nach der damals hier vermuteten ehemaligen Wikingersiedlung Reric in Rerik. Die Halbinsel Wustrow, die Orte Neu Gaarz, Gaarzer Hof, Blengow und Garvsmühlen wurden gleichzeitig Ortsteile von Rerik. Die Einwohnerzahl stieg auf etwa 2000 Einwohner. Der legendäre slawisch-wikingische Handelsplatz Reric befand sich jedoch, wie archäologische Forschungen in den 1990er Jahren ergeben haben, etwa 19 km südsüdwestlich des Ostseebades bei Groß Strömkendorf.

Wustrow wurde am 17. Februar 1933 an die Reichswehr verkauft und die Flak-Artillerieschule I mit ausgedehnten Kasernenanlagen für über 3000 Personen und Übungsplätze angelegt. Im Jahre 1943 waren die Anlagen wegen ihrer militärischen Bedeutung Ziel eines Luftangriffs, der zahlreiche Opfer forderte und große Zerstörungen verursachte.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde auf dem Kuhberg am Salzhaff nahe Rerik ein Kriegsgefangenenlager für sowjetische Kriegsgefangene betrieben, von denen 46 starben und auf einem „Russenfriedhof“ begraben, 1948 jedoch nach Rostock umgebettet wurden. Vermutlich hat ein Gedenkstein für Soldaten der Roten Armee, der seit 1990 auf dem Prof.-Hüsing-Platz steht, ursprünglich an der Steilküste gestanden und ihrer Erinnerung gegolten. Nach dem Ende des Krieges wurden die Anlagen der Wehrmacht kampflos an die sowjetischen Streitkräfte übergeben und anschließend zum Teil gesprengt. Unmittelbar darauf wurde die Bodenreform durchgeführt. Die Kasernen auf Wustrow dienten ab 1949 bis zum 18. Oktober 1993 der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland als Standort. Das Gelände ist wegen Munitionsrückständen bis heute für die Öffentlichkeit gesperrt.

Nach 1945 erfolgte der Aufbau des staatlichen Erholungswesens der DDR, es entstanden Betriebsferienheime, Heime des Feriendienstes der Einheitsgewerkschaft FDGB und Campingplätze.

Seit 1991 wurde der historische Ortskern im Rahmen der Städtebauförderung gründlich saniert, das Stadtbild wurde erheblich aufgewertet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. April 1938 wurden die Halbinsel Wustrow und die Orte Neu Gaarz, Gaarzer Hof, Blengow und Garvsmühlen in die Gemeinde Rerik eingegliedert. Roggow wurde am 1. Januar 2002 eingemeindet.[2]

Kirche[Bearbeiten]

Kirche Rerik
Seebrücke
Urdolmen östlich von Rerik
Hauptartikel: Kirche Rerik

Die zweijochige Hallenkirche ist eines der besten Beispiele im mecklenburgischen Küstengebiet für frühgotische Backsteinbauten auf einem Feldsteinsockel. Sie wurde nach 1250 errichtet. Die farbenprächtige Ausmalung stammt aus dem Jahr der Renovierung 1668. Die Inneneinrichtung, wie Altar, Kanzel und Orgelprospekt, ist gut erhalten und stammt aus der Barockzeit.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Denkmale[Bearbeiten]

  • Gedenkstein für Angehörige der Roten Armee auf dem Prof.-Hüsing-Platz, der früher an der Steilküste am Rosengarten stand und möglicherweise den umgekommenen Kriegsgefangenen gegolten hat
  • Denkmal für den KPD-Politiker Ernst Thälmann, der 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde. Es wurde 1990 im Zusammenhang mit der Namensumwidmung beseitigt

Bildung[Bearbeiten]

Im Ort existieren eine Grundschule (Goethe-Schule) und die private, in der Trägerschaft eines Vereins befindliche „Freie Schule Rerik“.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Ostseebad Rerik ist an mehrere Landesstraßen angebunden, die Bundesstraße 105 ist etwa elf Kilometer entfernt.

In den nahegelegenen Städten Neubukow (11 Kilometer entfernt) und Kröpelin (14 km) bestehen Bahnanschlüsse in Richtung Rostock, Schwerin und Lübeck. Beide Bahnhöfe sind von Rerik aus per Bus in wenigen Minuten erreichbar.

Nahe der Stadtgrenze ist der Flugplatz Rerik-Zweedorf für kleine Flugzeuge nutzbar.

In den Sommermonaten gibt es auf dem Salzhaff einen Fährverkehr[3] mit der „MS Salzhaff“ zur Insel Poel, geeignet für Fußgänger und Radfahrer.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

In dem Roman Sansibar oder der letzte Grund von Alfred Andersch ist die Stadt Rerik bzw. eine Stadt dieses Namens der Hauptschauplatz einer Handlung, in deren Mittelpunkt eine Personengruppe steht, die die Skulptur „Lesender Klosterschüler“ von Barlach vor den Nationalsozialisten rettet. Dabei versieht Andersch jedoch dieses literarische Rerik mit landschaftlichen und baulichen Gegebenheiten, die er der gesamten Küstenregion und insbesondere Wismar entnimmt. So hat das wirkliche Rerik beispielsweise nie einen Hochseehafen gehabt.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Rerik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  3. http://www.ms-ostseebad-rerik.de/html/routeb.htm