ResearchGate

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ResearchGate
ResearchGate-Logo
Rechtsform GmbH
Gründung Hannover, Deutschland (2008)
Sitz Berlin, Deutschland; Boston, USA

Leitung

  • Ijad Madisch
  • Sören Hofmayer
  • Horst Fickenscher
Website researchgate.net
Älteres Logo

ResearchGate ist eine Social-Networking-Seite im Internet, die sich an Forscher aus allen Bereichen der Wissenschaft richtet. Seit dem Start im Mai 2008 hat die Plattform mit Sitz in Boston und Berlin bis September 2012 weltweit zwei Millionen Mitglieder gewonnen.[1]

Hintergrund[Bearbeiten]

Im professionellen Netzwerk können Nutzer publizieren, Fachartikel hochladen und teilen, sich zu Forschungsfragen austauschen und Kollaborationspartner finden.[2] Wissenschaftler können zudem auf der Seite Rohdaten, Fachartikel und Daten zu „misslungenen“ Experimenten veröffentlichen, um einer Wiederholung von Fehlern in der Forschung vorzubeugen.[3] Rund 10 Millionen Volltexte[4] und 40 Millionen Abstracts sind über die Plattform verfügbar.[5]

Eine Metrik zur Messung wissenschaftlicher Reputation, der RG Score, soll Wissenschaftlern helfen, in Echtzeit und für all ihre Veröffentlichungen Resonanz zu erhalten.[6] Das System soll ihnen ermöglichen, sich auch unabhängig von der Publikation in wissenschaftlichen Fachpublikationen einen Namen zu machen.[7] In einer Jobbörse finden Nutzer internationale Stellenangebote aus dem Bereich Forschung und Wissenschaft.[6] Technisch setzt ResearchGate auf den Publikationsseiten auf den offenen Standard COinS.[8]

Viele Wissenschaftsorganisationen und -institutionen, wie die International Academy of Life Sciences (IALS), die European Science Foundation und die Gesellschaft für Virologie (GfV) nutzen ResearchGate als Plattform für die Kommunikation zwischen Mitgliedern und Teilnehmern. Zahlreiche Professoren von internationalen Universitäten sollen Qualität und Unabhängigkeit in einem Advisory Board garantieren.

Bekanntester deutscher Kunde ist die Max-Planck-Gesellschaft, die mit Hilfe von ResearchGate ihr Wissen im Internet verknüpfen will.[9]

Im September 2010 stiegen mit Benchmark Capital, dem Finanzier von Ebay, AOL und Twitter, sowie Accel Partners (Facebook) zwei Risikokapitalgeber aus dem Silicon Valley mit mehreren Millionen Dollar in das deutsche Startup ein.[10]

2013 beteiligen sich Investoren, unter anderem Bill Gates, mit insgesamt 35 Millionen Dollar an dem Berliner Startup-Unternehmen. [11]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

ResearchGate hat den Deutschen Unternehmerpreis 2012 in der Kategorie Startup erhalten, der von den Harvard Clubs of Germany verliehen wird.[12] Von dem Nachrichtenmagazin Focus hat ResearchGate im Jahr 2014 die Auszeichnung “Digital Innovation of the Year” erhalten.[13]

Erfolge[Bearbeiten]

Im März 2014 lancierte ResearchGate Medienberichte, nach denen es maßgeblich an der Widerlegung einer angeblichen Sensation in der Stammzellenforschung (der sogenannten STAP-Zelle) beteiligt gewesen sei.[14][15][16] Jedoch waren in traditionellen Medien wie dem Fachmagazin Nature bereits im Februar entsprechende Kritiken publiziert und eine Untersuchung eingeleitet worden.[17]

Kritik[Bearbeiten]

Die langfristigen Absichten und das genaue Geschäftsmodell der Plattform sind unklar.[18] Die Kritiken an der Platform konzentrieren sich jedoch auf folgende Punkte:

Automatischer Versand von „Einladungen“[Bearbeiten]

Wenn ein Nutzer von ResearchGate die vorgegebenen Einstellungen seines Kontos nicht ändert, werden die Koautoren der von ihm bei ResearchGate angemeldeten Publikationen mit automatisch generierten und versendeten E-Mails aufgefordert, sich ebenfalls bei ResearchGate anzumelden. Diese „Einladungen“ erwecken den Eindruck, explizit vom Nutzer veranlasst worden zu sein, obwohl sie ohne dessen Eingreifen erzeugt werden.[18] Von einer Professorin an der Kennesaw State University wurde ein Account eingerichtet aber nicht aktiv verwendet. Diesem „schlafenden“ Account wurden innerhalb von 16 Monaten automatisch 431 Publikationen (die meisten davon falsch, offenbar Aufgrund des gleichen Nachnamens) und damit 258 Co-Authoren hinzugefügt (1 korrekt). In diesem Zuge verschickte ResearchGate 297 Einladungen per E-Mail an 38 Individuen, alles ohne Nutzerinteraktion (keiner dieser Nutzer ist der Plattform beigetreten).[19]

Falsch zugeordnete Artikel[Bearbeiten]

Die Plattform erlaubt es, fremde Publikationen von Autoren mit ähnlichem Namen – absichtlich oder aus Versehen – dem eigenen Profil zuzuordnen.[18] In dem Experiment der Kennesaw State University, waren dem „schlafenden“ Account nach 16 Monaten automatisch 431 Publikationen zugeordnet worden (davon nur sechs korrekt zugeordnet; auf der Webseite wird dies jedoch so präsentiert, als hätte der Nutzer diese Publikationen aktiv hinzugefügt, obwohl dies automatisch geschehen ist).[19]

RG-Score[Bearbeiten]

ResearchGate publiziert eine eigene Bibliometrie, genannt RG-Score. Die genaue Formel ist nicht dokumentiert, und hat sich im Laufe der Zeit mehrmals geändert.[19] Neben dem klassischen Impact Factor geht hier aber auch (siehe Gamification) die Aktivität eines Nutzers auf der Platform ein. In obengenannter Studie der Kennesaw State University erreichte der „schlafende“ Account eine RG-Score von 45.70, im 97-%-Quantil der Platform, was nicht einer akkuraten Darstellung des Nutzers entspricht.[19] Forscher der University of Wolverhampton haben die Korrelation von RG-Score und anderen Bibliometriken anhand des Hochschulrankings untersucht. Während das Ranking basierend auf der RG-Score positiv mit den anderen Rankings korreliert war (deutlich unter 0,5, meist etwa 0,3; also keineswegs zufällig), sind die anderen Rankings untereinander deutlich stärker korreliert (meist über 0,5, bis über 0,7). Auch die für die RG-Score verwendeten "Impact Points" – eine Aggregation des Impact Factor – waren stärker mit den etablierten Rankings korreliert (+0,1 bis +0,3 stärker), während die RG-Score den stärksten Zusammenhang (0,970) mit den RG views aufweist (einer Kennzahl, wie oft die Metadaten der Artikel aufgerufen werden).[20]

Unabsichtliche Urheberrechtsverletzungen[Bearbeiten]

Laden die Forscher, wie von der Plattform vorgeschlagen, ihre Publikationen hoch, verletzen sie unter Umständen Nutzungsrechte des Verlags, in dem die Publikation ursprünglich veröffentlicht wurde. ResearchGate empfiehlt das Hochladen, ohne auf derartige Probleme hinzuweisen.[18] Der Standpunkt von ResearchGate ist, dass viele Verlage die Eigenpublikation von Artikeln (ggf. nur von Vorarbversionen!) auf der persönlichen Homepage eines Autors erlauben, und das ResearchGate-Profil eine solche persönliche Homepage darstellt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Von Wissenschaftlern für Wissenschaftler. In: taz.de. 28. September 2012. Abgerufen am 18. Oktober 2013.
  2. Cracking Open the Scientific Process
  3. Rogue Med Student Tackles the Web’s Ultimate Irony
  4. Professor Facebook
  5. Cracking Open the Scientific Process
  6. a b «Professoren der nächsten Generation» Neue Zürcher Zeitung, 29. August 2012.
  7. ResearchGate introduces RG Score, Klout for boffins
  8. ResearchGATE now supports COinS
  9. Matthias Hohensee: Facebook des Wissens WirtschaftsWoche, 22. September 2010.
  10. Martin Weigert: ResearchGATE erhält Millionen aus dem Silicon Valley Netzwertig.com, 8. September 2010.
  11. [1] Bild online abgerufen am 5. Juni 2013.
  12. Sieger – Deutscher Unternehmerpreis 2012. Abgerufen am 18. Oktober 2013.
  13. Innovationen: ResearchGate, YouPickIt und SAP geehrt. 21. Januar 2014. Abgerufen am 24. März 2014.
  14. http://www.gruenderszene.de/allgemein/researchgate-forschung-open-review
  15. http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/startups/article125805213/ResearchGate-macht-Stammzellen-Forschung-transparent.html
  16. http://www.faz.net/aktuell/wissen/erste-erfolge-dennoch-gefaelscht-das-stammzell-spektakel-12874820.html
  17. Cyranoski, David: Acid-bath stem-cell study under investigation. Nature, 17. Februar 2014, abgerufen am 2014 (englisch). doi:10.1038/nature.2014.14738
  18. a b c d Rebecca Parker: Beware of enemies masquerading as friends: ResearchGate and co. Swinburne University of Technology Library, 6. Januar 2014, abgerufen am 10. April 2014 (englisch).
  19. a b c d  Meg Murray: ANALYSIS OF A SCHOLARLY SOCIAL NETWORKING SITE: THE CASE OF THE DORMANT USER. In: Proceedings of the Seventeenth Annual Conference of the Southern Association for Information Systems (SAIS). 2014 (PDF, Englisch).
  20.  Mike Thelwall, Kayvan Kousha: ResearchGate: Disseminating, Communicating and Measuring Scholarship?. In: Journal of the American Society for Information Science and Technology. 2014 (preprint, PDF, Englisch).